SüdamerikaTrip – Der Pilgerort Caacupé & das Künsthandwerksdorf Areguá

6 Uhr in der Früh und ich sitze schon frisch und fruchtig am Straßenrand und warte auf den Bus der mich nach Caacupé bringen soll. Der Ort gilt als der heiligste Ort Paraguays und liegt etwa 50 km östlich der Hauptstadt Asunción. Seine Kathedrale „San Francisco“ ist das größte Gotteshaus des Landes und wurde 1988 von Papst Johannes Paul II. höchst persönlich geweiht. Berühmt ist er als Wallfahrtsort und genau deswegen zieht es mich auch dahin.Kathedrale von Caacupé & Umgebung
Von meinen Backpackerkollegen war noch niemand zu sehen als ich das Hostel verließ. Ich glaube ich bin die Einzige die früh starten will um den Tag voll auszunutzen. Allerdings war mein Ehrgeiz wohl etwas übermütig. Denn Bus nach Bus zieht an mir vorbei ohne das der Richtige dabei ist. Eine volle Stunde vergeht, als endlich der Richtige auftaucht. Ich benne meinen Zielort, bezahle und nehme Platz. 20 min später ist der Bus völlig leer und der Kassierer bittet mich auszusteigen.
Kathedrale von Caacupé & Umgebung
Zumindest deute ich das so. Ich versuche ihm zu erklären, dass ich doch nach Caacupé will und das auch beim Einstieg gesagt und bezahlt habe. Eine wilde Diskussion entbrennt und ich versuche mich zu erklären. Irgendwann winkt er ab und ich darf sitzen bleiben und die neue Runde antreten. 1.5h sind vergangen und ich bin wieder da, wo ich heute morgen am Bus auf den Bus gewartet hatte. Die Zeit hätte ich auch noch im Bett verbringen können. Naja selbst schuld, wenn man sich nicht genug auskennt und die Sprache nicht spricht.Kathedrale von Caacupé & Umgebung
Der Bus füllt sich rasch, auch mit dem typischen Straßenhändlern. Von Chipa, dem typschen Brötchen, bis hin zu mobilen Ladegeräten für Handys wird alles angeboten. Ich bestelle mir 2 Brötchen, drücke dem Verkäufer 5000 Mil in die Hand und erwarte Ware und Wechselgeld. Aber anscheinend stimmt irgendwas nicht und ich verstehe wieder kein Wort. Ich will ihm mehr Geld geben, doch er winkt ab. Irgendwann klinkt sich eine Frau in unser Geschäft ein und erst jetzt verstehe ich worum es ihm geht. Er hat kein Wechselgeld und sie sagt ihm, er soll mir einfach die Tüte mich Chipas vollmachen, bis mein Geld aufgebraucht ist.Kathedrale von Caacupé & Umgebung
Mit 1 Chipa ist man eigentlich gut gesättigt, mit 2 Stück ist man die nächsten Stunden satt, aber was soll ich mit 6 Stück? Ich esse was ich kann und verschenke dann den Rest an zwei Musikanten die im Bus Gitrarre gespielt haben. Die Art der Bezahlung sind sie zwar nicht gewohnt, nehmen sie dennoch dankend an. Die lustige Fahrt setzt sich fort. Ich genieße es zwischen all den Paraguay´anern zu sitzen und an ihrem Leben Teil nehmen zu können. Ich male mir aus, welcher Berufung jeder einzelne von ihnen nachgeht. Vom Anzugträger der vielleicht Bänker ist bis hin zu Kindern mit Rucksack die wahrscheinlich auf dem Weg zur Schule sind.Kathedrale von Caacupé & Umgebung

Caacaupé

Trotzdem kommt mir die Fahrt wieder ewig vor und immer wieder starte ich den Navigationsmodus und überprüfe ob wir uns überhaupt noch in die richtige Richtung bewegen. Alles sieht gut aus und als ich endlich die Kathedrale entdecke, die eines meiner Tagesziele darstellt, springe ich freudig aus dem Bus. Ich hab tatsächlich noch hingefunden. Fast wie auf dem Jahrmarkt geht es hier zu. Verkaufsstände säumen die Straße und bunte Kinderkarusselle. Was mich wundert, denn die eigentliche Pilgerwoche, in der es hier.
Kathedrale von Caacupé & Umgebung
Ich nehme in der Kathedrale platz und bestaune diesen Ort, denn prunkvoll wie in Rom sind die Kirchen hier nicht. Und das obwohl es eine Wallfahrtskirche ist und hier regelmäßig große Prozessionen abgehalten werden. Hunderte Menschen befinden sich im Kirchenraum und der Fluss an ihnen scheint kein Ende zu finden. Kathedrale von Caacupé & Umgebung
Ich habe noch nie so viele Kinder in einem Gotteshaus gesehen wie hier. Es kommt mir fast so vor als würden nur Familien hierher pilgern und trotzdem ist da neben mir in der Sitzreihe eine betagte vom Leben gezeichnete alte Dame offensichtlich ganz allein. Sie tut mir irgendwie leid, weil sie niemanden mehr zu haben scheint und den Weg hierher alleine angetreten hat.
Kathedrale von Caacupé & Umgebung
Ich bin hierher gereist um für die Wünsche meiner Freunde zu bitten. Das ist eine kleine Weihnachtstradition von mir, die in Rom begann und hier ihre Fortsetzung findet. Ich glaube an die Kraft von Wünschen und das Fürbitten helfen. Also sammle ich in der Vorweihnachtszeit die Gedanken und Hoffnungen meiner Lieben ein und bitte auf meinen Reisen darum.
Kathedrale von Caacupé & Umgebung
Derweil beobachte ich weiter den nicht enden wollenden Strom an Menschen. Manche rutschen sogar auf Knien zum Altar der Maria. Auch so viel Demut habe ich noch nie zuvor beobachtet. Die Statur hier gilt als heilig, seit ein Gläubiger auf der Flucht vor religiöser Verfolgung die Unterstützung von Maria erfahren hat.Kathedrale von Caacupé & Umgebung
An ihrem Altar sind Handabdrücke verewigt und auch ich lege meine Hand hinein und spüre eine tiefe Ergriffenheit. Erklären kann ich das nicht, doch auch mir kullern die Tränen wie fast allen anderen auch. Plötzlich strahlt mich aus der Masse der Menschen der kleine Junge an, den ich vorhin noch für ein Schulkind hielt. Er ist allen Ernstes mit seinen 2 Freunden allein hier her gepilgert. Bemerkenswert. Er stahlt mich an und wir freuen uns über das unverhoffte Wiedersehen.Kathedrale von Caacupé & Umgebung
Als ich den Kirchenraum wieder verlassen will sitzt da noch immer diese zerbrechliche alte Dame. Mich überkommt das Gefühl ihr zu zeigen, dass sie nicht alleine ist. Ich lege meine Hand auf ihre Schulter und halte kurz inne. So wie es jemand für mich getan hat, als ich alleine in Rom saß und mich einsam fühlte. Kathedrale von Caacupé & Umgebung
Die Dame greift nach meinem Arm, unsere Augen treffen sich und sie fängt an zu strahlen. Wir versehen uns ohne Worte und mich erfüllt ein wunderbares Glücksgefühl. Eine menschliche Geste wie diese war es, die mir damals gut tat. Und nun hoffe ich, dass meine Hand auch heilsam wirkt so wie die, die mich damals getröstet hat.
Kathedrale von Caacupé & Umgebung
Wieder draußen auf dem Kirchenvorplatz lasse ich die ganze Szenerie noch mal auf mich wirken, ich schaue den Kindern und ihren Familien zu. Beobachte zwei Nonnen und Polizisten bei der Arbeit. Es ist schön hier zu sein und das alles zu beobachten, doch meine Zeit läuft und ich möchte an diesem Tag noch einen weiterne Ort besuchen, deshalb verlasse ich Caacupé auch schon mit dem nächsten Bus.Kathedrale von Caacupé & Umgebung

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Areguá

Mein Ziel ist nun Areguá. Der Ort wurde mir als besonders malerisch beschrieben und ich möchte mir ein Bild davon machen. Der Busfahrer lässt mich an einer der Kreuzungen raus und ich folge dem Schild „Iglesia“ was übersetzt Kirche heißt. IMG_1900
Auf Reisen Gotteshäuser zu besuchen ist im Laufe der Jahre obligatorisch geworden. Sie waren über Jahrhunderte der Mittelpunkt und gesellschaftliche Treffpunkt. Sie verkörpern für mich wie kein anderes Bauwerk die Kultur eines Ortes und deswegen schaue ich sie mir sehr gerne an. Na und außerdem sind sie in hektischen Städten auch ein ideales Rückzugsgebiet um ein paar Minuten Ruhe und Einkehr zu finden.IMG_1932
Die Kirche in Arequá ist deshalb auch hier mein Ziel. Viele Sightseeingspunkte gibt es hier ohnehin nicht, aber das braucht es auch nicht. Der Ort selbst ist die Attraktion.
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Die Hauptstraße hat einen Grünstreifen in der Mitte und auf ihm ist der Handwerksmarkt angesiedelt für den Areguá so bekannt ist. Ich kann zwar mit all den kitschigen Figuren nichts anfangen, aber großartig finde ich es trotzdem.IMG_1909
Eingesäumt in grüne Natur neben der landestypischen Handwerkskunst im Schatten zu wandeln hat was! Ich genieße den Aufstieg zur Kirche entlang der Marktstände. Das Gebäude liegt triumphierend auf der Anhöhe über dem See und ist zugleich strahlender Mittelpunk dieses Ortes.
Hier finde ich mich wieder. Nach all der Hektik in Caacupé genieße ich die absolute Stille die dieser Ort ausstrahlt. IMG_1940
Wieder trage ich die Bitten der Menschen vor, die mir wichtig sind oder sich an mich gewendet haben. Ich finde es schön hier in so liebevoller Weise an sie zu denken.
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Mein nächster Weg führt mich in die nächstgelegene „Taverne“ direkt gegenüber der Kirche. Ich nenne sie Taverne, da mich das Gebäude sehr stark an Spanien erinnert. Die Chipa sind längst verdaut und mir knurrt der Magen. Ich bestelle einfach irgendwas, denn ich verstehe ja doch nicht, was mir der Gastwirt erklären will.
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Nach der Stärkung mache ich auf das nächste touristische Ziel dieses Ortes zu entdecken, den Strand. Aber erst mal führt mich der Weg durch den Ort, vorbei an Museen, alten Kolonialgebäuden und weiteren Kunsthandwerksständen.IMG_1959
Ich genieße diesen Spaziergang so sehr. Die Menschen sind unheimlich freundlich und aufmerksam. Jede Geste und jedes Gespräch sauge ich auf wie einen Schwamm. Im deutschen Alltag ist es das, was ich so vermisse.
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Sogar Street Art und den Alten Bahnhof finde ich auf meinen Spaziergang durch den Ort.
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Züge fahren hier keine mehr, dafür gibt es ein kleines Lokal, welches ich aber auslasse, weil ich ja eh satt bin.IMG_1968
Dann erreiche ich den See und die „Playa de Areguá“.
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Der kleine Strandabschnitt den ich vorfinde ist hübsch angelegt als Freizeitanlage mit Spielplätzen, Sonneliegen und ein paar Restaurants. IMG_1981
Alles ganz einfach und trotzdem ein Ort der einlädt in der Sonne zu verweilen und das mache ich dann auch. Direkt auf dem Bootssteg! Bevor mich der Bus wieder nach Asunción zurück bringt will ich die Sonne so richtig auskosten. IMG_1989
Den Rückweg schaffe ich direkt und ohne Missverständnisse. Welch ein Glück!

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SüdamerikaTour – Asunción Entdeckungstour

Ich bin zugegeben faul heute und warte auf das Auftauchen von Kira einer anderen Reisenden die mich mit in die Stadt nehmen wollte.image-2015-12-18(27)Wir trödeln bis Mittag im Hostel rum bis wir uns aufmachen das Zentrum der Stadt zu erobern.image-2015-12-18(29)Mit den typischen südamerikanischen und ziemlich runter gerockten, aber charmenten Bussen geht es in die Stadt. Hier zwischen den Hochhäusern gibt es immer noch diese ganz einfachen Häuser. image-2015-12-18(30)Zum Teil aus der Kolonialzeit und wunderbar restauriert. Während Kira sich mit einer Freundin trifft bummel ich durch die Straßen, stoppe in hübschen Cafés oder Parks.Am späten Nachmittag erkunde ich das Viertel rund um unser Hostel. Wieder finde ich historische Gebäude, aber auch den Justizpalast und die Favelas.image-2015-12-18(31)Das Armenviertel der Stadt. Zwischen Altstadt und Fluss in einem Grünstreifen gelegen breitet sich dieser Slum auch immer weiter in städtische Parks aus.Und obwohl ich weiß, dass die Menschen sich die Armut nicht aussuchen, ich werde nie verstehen, warum sie im Müll leben. Das Bild was sich hier bietet ist wieder nur entsetzlich. image-2015-12-18(28)Kinder spielen auf ausgedienten alten Matratzen inmitten eines Müllhaufens. Man kann arm sein wie man will, aber man kann auch hier seinen Dreck entsorgen anstatt ihn nur vor die Tür zu werfen. Die Müllabfuhr kommt auch hier vorbei. Ich hab keine Lust hier den direkten Weg zum Fluss zu nehmen und umlaufe die Favelas um zur Promenade zu gelangen. image-2015-12-18(35)Auf der anderen Seite des Ufers ist schon Argentinien und ich schätze dass man den Fluss durchschwimmen könnte um dahin zu gelangen. Ich lege mich auf eine Bank und genieße die wärmen Sonnenstrahlen, bevor ich mich erneut aufmachen die Stadt für mich zu entdecken.image-2015-12-18(32)Wieder fällt auf, wie nah arm und reich hier nebeneinander liegen. Zwischen brach liegenden Wohnhäusern, protzen Bankgebäude hervor oder locken schicken Boutiquen. Die meisten Läden sind allerdings eher spärlich besucht. Das einzige was ich konsumiere ist mein Abendbrot und während ich so an meinem Salat kaue, fängt es draußen an fürchterlich zu regnen. image-2015-12-18(33)Ich warte eine halbe Stunde bis das schlimmste abgeklungen ist und mache mich auf den Heimweg. Inzwischen dunkelt es draußen schon, aber ich fühle mich trotzdem nicht unsicher. Allerdings habe ich das Wetter falsch eingeschätzt und der Regen prasselt jetzt wieder mit voller Kraft auf mich ein. Keine 2 min und ich bin pitschnass bis auf die Haut. image-2015-12-16(9)Immerhin an diesem Abend gibt es keine Mücken:)

SüdamerikaTour – Foz de Iguazú, Ciudat del Este bis Asunción

Wieder beginnt mein Tag früh. Um 8 Uhr holt mich der Fahrer ab, der mich ins benachbarte Ciudat del Este in Uruguay bringen soll. Die Fahrt durch die Stadt dauert nicht lange und wieder fällt auf, wie gepflegt Brasilien hier ist.

An der Grenze bekomme ich vom Fahrer Hilfe bei den Formalitäten. Meine Ausreise aus Brasilien klappt anstandslos. Von Ciudat del Este habe ich nicht viel Gutes gehört und bin gespannt wie sich die Stadt mir präsentiert.image-2015-12-18(26)Sie ist berühmt für ihren regen Handel mit Billigwaren aus China und auch einem regen Schwarzmarkt von gestohlenen Sachen. Da heute Sonntag ist und damit Ruhetag ist davon nicht sehr viel zu sehen. Beschrieben wurde die Stadt auch als sehr dreckig. Zu Markttagen muss sich hier wohl auch ein anderes Bild bieten. Ich bin einiges gewohnt inzwischen und kann mich an der Stadt nicht sonderlich stören. Im Gegenteil. Hinter dem Markt ist es durchaus aufgeräumt und sauber für hiesige Verhältnisse. Der Busbahnhof liegt weiter im Stadtinneren und ich bin froh, dass ich mich für ein Taxi entschieden habe. Keine Ahnung ob ich mich hierher gefunden hätte.image-2015-12-18(25)Mit dem Bus soll es für mich weiter nach Asuncón der Hauptstadt Paraguays gehen. Wieder hilft mir der Fahrer beim Geldabheben und Ticketkauf und verabschiedet sich dann. Die Fahrt hat mich 100 Real gekostet. Nicht billig aber auch hier war ich froh Hilfe gehabt zu haben.

Mein Bus soll in 40 min starten. Als ich zur angegeben Zeit am Bussteig stehe bin ich die einzige Reisende und auch vom Bus ist nichts zu sehen. 15 min verharre ich in der Warteposition. Als es dann auch noch anfängt zu regnen trolle ich mich in die Wartehalle zurück und frage nach, wo denn der Bus bleibt. Die nette Dame weißt mich darauf hin, dass ich (mal wieder) in der falschen Zeit lebe. Paraguay und Brasilien haben eine Stunde Zeitunterschied und ich somit wieder 45 min Wartezeit. Ich beschließe fortan besser auf die Zeitzonen zu achten.image-2015-12-18(23)Als es Zeit ist in den Bus zu steigen ist diesmal auch einer da. Ich gebe meinen Rucksack ab, suche meinen Platz im Bus und bin überrascht von soviel Komfort. Luxuskuschelsitze erwarten den Reisenden hier. Mit einem kleinen Trick lassen sie sich sogar zu einer Liege umfunktionieren. Ich bin begeistert. 6h Busfahrt vergehen so wie im Flug. Ich schlafe, döse, lerne Spanisch oder höre mein Audiobook.

Es ist gegen 16 Uhr als ich am zentralen Busbahnhof in Asunción ankomme. Wieder nehme ich mir ein Taxi um zum Hostel zu gelangen. Einen besonders hinreißenden Eindruck macht die Stadt nicht. Die Armut dieses Landes wird hier sehr deutlich und mir wird wieder sehr bewusst wie gut es uns doch in Deutschland geht.image-2015-12-18(24)Mein Hostel heißt „La Nomed“ und macht einen typisch südamerikanischen Eindruck. Bunte Wände, Verzierungen und ein herrlicher grüner Garten. Ich hab hier zur Abwechslung ein Einzelzimmer gebucht und plane 3 Nächte hier zu bleiben. An diesem Abend beschränken sich meine Aktivitäten auf Mückenabwehr und Austausch mit anderen Backpackern.

SüdamerikaTour – Devil’s Throat & Iguazú Wasserfälle

Für meinen Ausflug auf die argentinische Seite der Iguazú Wasserfälle habe ich mir einen Tour gebucht. Ich hatte einfach keine Lust auf lange Wartezeiten oder komplizierte Abläufe an der Grenze. Übers Hostel bestellt, sollte die Tagestour um 9 Uhr starten und gegen späten Nachmittag zurück sein.image-2015-12-18(9)Ich starte gerne gemütlich in den Tag, also habe ich mir den Wecker auf 7:30 Uhr gestellt. Zudem bin ich „deutsch“ und dazu gehört eben auch Pünktlichkeit wenn man an gemeinschaftlichen Ausflügen teilnimmt. Ich habe also genügend Zeit eingeplant die Sachen für den Tag zu packen, sich zurecht zu machen und auch noch in aller Ruhe zu frühstücken. Kurz vor 8 dann plötzlich der Schreck. Die Hostelmanagerin reißt die Tür auf und fragt wo ich sei, der Tourguide wartet. Ich stotter, dass ich ja noch jede Menge Zeit habe, da es doch gerade erst 8 Uhr ist und 9 Uhr ausgemacht war. Mit 9 Uhr habe ich völlig Recht. Nur nicht damit das es erst 8 Uhr ist! Die Uhr auf meinem Handy hat sich übers Wland neu gestellt muss ich mit entsetzen feststellen. Immerhin geduscht bin ich und so werfe ich noch schnell meine Sachen in den Rucksack und starte ohne Frühstück und in völliger Hektik in den Tag.image-2015-12-18(8)Im Bus entschuldige ich mich für das Missgeschick bei den 4 Damen die ebenfalls die Tour gebucht haben. Wie sich raus stellt alles sind wir heute eine rein deutsche Gruppe mal abgesehen von unserem Guide. Wir tauschen Namen, Reise-Intension und Erfahrungsberichte. An der Grenze angekommen kümmert sich der Guide um die Formalien. Wir müssen nur den Pass abgeben. Für so Tagestrips mit Touranbieter gelten anscheinend eigene Regeln. Man will uns nicht sehen, es werden keine Formulare von uns ausgefüllt und Stempel gibt es auch keinen. Uns ist es Recht denn die Zeit nutze wir lieber intensiv zur Entdeckunstour an den Fällen.image-2015-12-18(12)Der Parkeingang auf der argentinischen Seite ist wesentlich schlichter gehalten. Unser Eintritt ist schon bezahlt und so geht es direkt auf den Trail (Trampelpfad) durch den Park. Nachdem ich gestern schon die brasilianische Seite besucht habe, kann ich mir kaum vorstellen, dass die argentinische so viel anders sein soll. Es sind ja die gleichen Fälle. Doch weit gefehlt.image-2015-12-18Mit erreichen des ersten Aussichtspunkts stockt mir der Atem. Hier auf der argentinischen Seite ist man viel näher dran an den Fällen, man begreift ihre Mächtigkeit und ihre beeindruckende Stärke viel intensiver. Der Rio Iguazu der Grenzfluss der sich hier ergießt hat derzeit durch starken Regen einen sehr hohen Wasserstand, was dazu führt, dass das Wasser sehr aufgewühlt und braun gefärbt ist. Ich hatte das ja am Vortag schon beobachtet. image-2015-12-18(6)Hier auf der argentinischen Seite wo man sich auf Stegen entlang der Fälle bewegt sieht man sehr genau, dass der Wasserpegel deutlich über normal steht. Die Bäume und Pflanzen stehen in vielen Teilen im Wasser und werden von dem reißenden Fluß umspült. Wir laufen durch den Nationalpark und immer wieder gibt der dichte Dschungel einen atemberaubenden Blick auf die Fälle frei. Bis zu 270 Wasserfälle gehören zu den Iguazu Fällen. Sie tragen Namen wie Zwillingsfälle, Adam, Eva oder El Diabolo (der Teufel).image-2015-12-18(11)Zum Teil stehe wir direkt über dem Abgrund und unter uns ergießt sich das Wasser in die Tiefe. Die Szenerie erinnert mich an den Pixar Streifen „Oben“, in dem auch Fälle in Südamerika gezeigt werden. Aber das hier ist kein Zeichentrickt, das ist real und so viel gewaltiger und großartiger als ich es mir ausgemalt hatte. Ich war nie ein riesen Wasserfall Jünger und fand bisher immer alle nur „ganz nett“, aber Iguazu verlangt mir Respekt ab.image-2015-12-18(20)Die Stege sind aus stabilem Gitternetz angelegt und man sieht das Wasser unter einem vorbei rauschen. Ich habe so meine Zweifel über die Konstruktion zu laufen. Wenn man sieht mit welcher unbändigen Kraft die Natur hier ihre Gewalt freisetzt und auch noch über das reißende Wasser läuft, dann ist es schwer an die Stabilität von Brücken zu glauben. image-2015-12-18(5)Zumal unser Guide auch noch erzählt, dass eine Brückenkonstruktion mal weggerissen wurde. Ich überlege mir in welche Richtung ich flüchten würde. Der kürzere Weg auf die Insel oder die lange Strecke bis ans Land? Kein schöner Gedanke. Ich versuche darauf zu vertrauen das der neue Steg stabiler konstruiert wurde.image-2015-12-18(1)Staunend stehen wir wieder alle an der Kante der Fälle. Keinen in der Gruppe lässt die Szenerie hier unberührt. Immerhin rauschen an uns gerade 7000 Liter Wasser in der Minute vorbei, stürzen sich bis zu 80 m in die Tiefe und gehen in einer Wolke feinster Wasserperlen auf. Die Gischt wird uns immer wieder auch um die Ohren gefegt.IguazuUnser Guide mahnt zur Eile als ich ihn nach einer Frühstückspause an einem der Shops frage. Mein hungriger Magen knurrt, da aber der untere Trail auf Grund der Wassermassen kurz vor der Schließung steht, bittet er mich noch etwas mit dem Essen zu warten. Wir steigen also hinab und stehen dann auch schon vor einer riesigen Wand aus Wasser. IguazuOhne Regencape ist man hier innerhalb von einer Minute komplett geduscht. Ich traue mich bis vor an die Kante und hier nutzt auch das Cape nicht mehr viel. Meine Schuhe laufen voll Wasser, die Kaputze weht es nach hinten und die Dusche ist perfekt. Es ist warm und so macht mir diese Abkühlung nicht viel aus. Der Rest der Gruppe wartet in sicherem Abstand und bestaunt aus der Ferne, was ich ganz nah erlebe.image-2015-12-18(10)Hier ganz in der ersten Reihe direkt unterhalb der Fälle ist die pure Kraft dieses Ortes spürbar. Hier erlebt man die Ureinergie die unseren Planeten formte und bis heute zeichnet. Das Donnern des Wassers ist so laut, dass man nichts anderes mehr wahr nimmt.Iguazu

Kurz schließe ich die Augen um die Gefühle die dieser Ort auslöst zu intensivieren. Um alles ganz bewusst wahr zu nehmen. Von dem Wind und der aufgewirbelten Feuchtigkeit die mir um die Nase pfeifen, über das ohrenbetäubende Niederdonnern des Wassers bis hin eben zu der Kraft dieses Ortes. Ein sagenhafter Ort und ich kann mir sehr gut vorstellen welche Ehrfurcht die Menschen seit Generationen vor diesen Fällen haben. Nicht umsonst heißen sie „großes Wasser“.

image-2015-12-18(17)Nach meinem kurzen Moment als Teil des Schauspiels zieht es mich ins Trockene zurück und wir steigen wieder hinauf zum Restplatz mit den Restaurants. Hier werden wir von einer Familie von Waschbären überrascht. Wie schon am Vortag begeistern mich die Jungtiere. Sie rumtollen zu sehen erweicht einfach jedes Herz.image-2015-12-18(13)Als nächstes steht für uns die Zugfahrt durch den Park zum sagenumwogenen Fall „Devil’s Throat“ an. Die Teufelsschlucht soll das Highlight der Fälle sein. Ich genieße aber erstmal die Bummelbahn. Unser Guide kommt seit 15 Jahren hier her und ist inzwischen ein Fuchs im Wissen um die besten Aussichtspunkte oder Sitzplätze in der Bahn. Auf dem Hinweg hinten und auf dem Rückweg vorne, so ist man den anderen Touristen immer einen Schritt voraus.image-2015-12-18(18)Die Bahn schlängelt sich am Fluss entlang und in dem Tempo in dem sie sich bewegt könnte man gut und gerne nebenher joggen. Aber genau das macht auch das Erlebnis aus. Und so genießt jede Einzelne von uns diese kurze Fahrt. Zumal wir auch froh sind mal nicht im Laufschritt durch den Park zu hechten, nach dem Mittag einen Pause zu haben und hier etwas Erholung zu finden.image-2015-12-18(19)Nach der Zugfahrt geht es über Laufstege wieder über den Fluss. Wieder steht man direkt über den reißenden Wassermassen, begreift man die ungezähmte Natur und ihre wilde Schönheit. Am Ende des Stegs ist eine Art Insel angelegt und erst als wir diese Plattform betreten stockt uns gemeinschaftlich der Atem.IguazuWie in einem riesigen Schlund (deshalb auch Devil’s Throat) scheint der sich ergießende Wasserfall hier im Nichts zu verschwinden. Die Fälle sind hier so gewaltig, dass das Wasser zu explodieren scheint und sich riesige, einer Staubwolke ähnliche Luftwassergemische bilden. IguazuImmer wieder steigen diese nach oben und peitschen uns als kalter Regen entgegen. Ein gewaltiges Schauspiel. Gefesselt stehe ich am Abgrund und versuche zu erfassen, welche Naturgewalten hier freigesetzt werden. Die Natur ist hier so intensiv, so spektakulär und so unbeugsam, dass mir schlagartig wieder bewusst wird, wie nichtig ein Mensch doch dagegen ist.image-2015-12-18(21)Niemand der hier aus welchem Grund auch immer und auf welche Art auch immer im Wasser schwamm konnte sich je retten, erklärt unser Guide. Anders als bei den Niagarafällen war auch noch niemand so irre sich hier in einem Holzfass in die Tiere zu stürzen. Ich kann mir nur allzu gut ausmalen, dass man hier keine Überlebenschance hätte. Der Name El Diabolo kommt nicht von irgendwo her. Wieder kostet es mich Überwindung über den Steg zurück zu laufen. Ganz besonders wenn man die Reste des alten Stegs sieht und eben noch diese Urgewalt erlebt hat.
Aber alles geht gut und auf der Rückfahrt mit der Bummelbahn ist jede von uns Mädels geradezu geflashed und wir sind uns einig, dass die argentinische Seite definitiv die Spektakulärere ist. So schön der Panoramablick von Brasilien aus war, diese Vorführung hier ist nicht zu toppen.image-2015-12-18(22)Todmüde geht es zurück ins Hostel und ich finde auch mich bestätigt in der Aussage der Hostelmanagerin, dass die Fälle müde machen. Als ich um 8 Uhr schon wieder im Bett liege, brauche ich mich über das Kopfschütteln meiner Zimmermitbewohnerin echt nicht wundern. Mir ist´s egal. Ich muss dieses Erlebnis erst mal sacken lassen, so beeindruckend war es. Noch dazu nutze ich lieber die Tage zum Entdecken als mir die Nacht in Bars um die Ohren zu schlagen.

SüdamerikaTrip: Parc das Aves und Iguaçu Fälle

Ich hab geschlafen wie ein Stein und nur am Rande mitbekommen, dass meine Zimmermitbewohnerin schon früh gestartet ist. Ich krabbel gegen 9 Uhr aus dem Stockbett, dusche und troll mich grad noch rechtzeitig zum Frühstück runter. Während der Café wirkt plaudere ich mich bei der Hostelmanagerin. Ich lasse mir ausführlich erklären, wie man zu den Fällen kommt, was man drumherum erleben kann und lasse mir auch von ihr für den nächsten Tag eine Tour zur argentinischen Seite organisieren.image-2015-12-14(4)Gegen Mittag starte ich dann in Richtung der Iguazu Fälle. Mit dem Stadtbus 120 geht es die rund 17 km hinaus aus der Stadt. Die Fahrt kostet knappe 4 Real also gerade mal einen EUR. Ich hab den Tipp bekommen zunächst den Parc das Aves zu besuchen und da ich ja gerne auf Locals höre mache ich auch genau das, obwohl ich eigentlich keine Vogelparks mag.image-2015-12-14(8)Der Parc das Aves liegt nur wenige Meter entfernt vom Iguazu Nationalpark. Der Eintritt kostet 30 Real und der erste Eindruck ist schon mal ganz gut. Wunderschön mit viel Grün ist die Anlage angelegt und es macht Spaß entlang der Volieren zu wandeln. Noch besser ist es allerdings in ihnen! Man hat hier die Chance durch das Reich der Vögel zu laufen. image-2015-12-14(9)Mein Herz schlägt höher ich meinen Liebling unter den gefiederten Freunden entdecke: ein Tucan! Ich liebe diese Vögel. Der Schnabel sieht aus wie aufgesetzt. Und da er bis halb so groß ist wie das ganze Tier und noch dazu so schön bunt ist wirkt er so anziehend auf mich. Gespickt mit diesem kecken, neugierigen Blick und seinem lustigen Hüpfen ist er einfach ein hinreißendes Wesen. Ich könnte ihm stundenlang zuschauen!image-2015-12-14(12)Und dann fällt mir ein Vogel an der Seite auf. Ich glaube er liegt im Sterben! Ein Parkguide beruhigt mich: Es geht ihm gut, er hat nur eine eigenwillige Art sich zu sonnen. Okay, wenn sie meinen. Hauptsache er stirbt nicht vor meinen Augen.image-2015-12-14(11)Mein zweites Highlight im Park ist dann die Voliere mit den Araras in die man auch hineinlaufen kann. Ein riesiges „Bauwerk“ das außerdem noch weiter Vögel wie Papageien beheimatet. Wildes, aufgeregtes Geschrei begrüßt einen hier. Die Tiere fliegen einem direkt über den Kopf, landen im Ast neben mir oder stolzieren vor meinen Füßen.image-2015-12-14(13)Ich schätze, dass hier an die 50zig rote, grüne und blaue Araras ihr Heim haben und auch diese Vögel gehören zu meinen Lieblingen hier in Lateinamerika.image-2015-12-14(14)Ihre anmutige Größe, das farbenfrohe Federkleid und der drollige Schnabel haben es mir einfach angetan. Genau wie die Voliere in der ich mich befinde. Viele Pflanzen, Felsen, Äste, Klettermöglichkeiten und ein Wasserfall mit Bachlauf.image-2015-12-14(10)Und plötzlich ist da Tumult und die Tiere setzen zum Flug an. Aber nicht nur ein Vogel! Bestimmt 40 der buntgefiederten Freunde erhebt sich in die Lüfte, weitet seine bis zu 120 breiten Flügel aus und flattert quer über meinen Kopf durch das Gehege. Ein unglaublicher Augenblick. image-2015-12-14(15)So viel Farbe und Flügelschlag über mir in der Luft. Ich liebe es hier und will gar nicht wieder weg hier zu schön ist dieses Tiererlebnis. So richtig Action kommt dann noch mal auf, als die Vögel mit Bananen gefüttert werden. Geschnatter, Futterstreitigkeiten, Tiefflüge und Rangeleien.image-2015-12-14(16)Als ich wieder auf die Uhr schaue ist es fast 15.30 Uhr! Ich hatte eine Stunde für den Park eingeplant. Schweren Herzens reiße ich mich los, allerdings nicht ohne noch mal bei den Schmetterlingen und Colibris vorbei zu schauen.image-2015-12-14(17)Jetzt schnell zum Iguazu Park. 56 Real kostet der Eintritt hier und ein Bus bringt einen zu den Aussichtspunkten. Um den Trail vom Parkeingang zu den Fällen zu nehmen ist es jetzt schon zu spät und so wähle ich die schnellste Alternative. image-2015-12-14(18)Die brasilianische Seite der Fälle so heißt es ist bekannt für ihren Panoramablick. Ich bin aufgeregt. So viel habe ich von den Fällen schon gesehen und nun endlich werde ich sie für mich entdecken. image-2015-12-14(20)Und der erste Blick ist dann auch einfach wow! Da ist nicht nur ein Wasserfall! Da ergießt sich überall Wasser. Mitten aus dem Grün des Dschungels stürzt sich das Wasser in Tiefe.image-2015-12-14(22)Oder ein paar Meter weiter ergießt es sich in voller Flussbreite in die Schlucht darunter. Ich kenne nichts vergleichbares! Insgesamt 270 Fälle bilden hier dieses Naturspektakel. image-2015-12-14(21)Ich wandel entlang des 3 km langen, gut ausgebauten Fußwegs und versuche immer wieder neue Blicke zu erhaschen.image-2015-12-14(19)Und dann gibt der Dschungel einen irren Blick auf einen Steg im Wasser direkt unterhalb der Fälle frei. Da muss ich hin! Sofort und ohne Umwege. Schnell auf dem Weg noch das Regencape übergestreift und ab geht’s quasi direkt in den Ort des Geschehens. image-2015-12-14(23)Zwischen zwei Wasserfallsstufen ist der Steg angelegt und so hat man einerseits den Blick hinauf und andererseits kann man den fallenden Wassermassen zuschauen wie sie sich in die Tiefe ergießen.image-2015-12-14(24)Immer wieder gibt es eine Dusche aus der aufsteigenden Gischt und selbst mit Regeschutz bin ich in kürzester Zeit klecker nass. Macht aber rein gar nichts. Die Kamera ist gut verpackt und bei der Hitze des Tages ist diese Abkühlung geradezu willkommen. image-2015-12-14(25)Auch bin ich richtig froh doch die GoPro mit auf den Trip genommen zu haben. Genau für solche Widrigkeiten ist sie gemacht und so trotzt sie aller Feuchtigkeit ohne in die Knie zu gehen. image-2015-12-14(26)Die Leute die hier mit ihrem Smartphone Selfies schießen müssen zu viel Geld haben, denn die Geräte ziehen garantiert die Feuchtigkeit die auf sie einprasselt.image-2015-12-14(27)Den richtigen Spirit bekommen die Fälle aber erst als ich eine Gruppe junger Mädels beobachte, die im Sprühnebel der Fälle gemeinsam singen und tanzen. 50 Girls im gemeinsamen Glücksrausch. Sie werfen die Hände nach oben, springen und lachen. Eine unfassbare Dynamik und ich bin fast ein wenig traurig nicht dieser Gruppe anzugehören.image-2015-12-14(28)Am Ausgang dann noch eine weitere freudige Überraschung. Eine Nasenbärenfamilie trollt sich herum und amüsiert die Massen mit ihren zuckersüßen tollpatischigen Babys. image-2015-12-14(29)Ungefährlich sind die Elterntiere nicht und man sollte tunlichst Abstand halten, wenn sie sich auf Futtersuche befinden und auch vor Handtaschen keinen Halt machen. Messerscharfe Krallen und Zähne haben schon so manchen Touristen ins Krankenhaus gebracht – davor hatte mich die Dame im Hostel eindringlich gewarnt. Aber so mit sicherem Abstand betrachtet genieße ich ihr Auftauchen.image-2015-12-14(30)Mit dem Bus geht’s anschließend wieder zurück in die Stadt. Ich bin todmüde und könnte im Stehen schlafen. Und so bin ich, sehr zur Verwunderung meiner Zimmermitbewohnerin, um 21 Uhr schon im Bett und der Tag endet hier für mich.

SüdamerikaTrip: Canaã dos Carajás nach Foz do Iguaçu

Heute geht es nun endlich los. 4.5 Wochen und backpack allein als Frau durch Südamerika liegen vor mir und die gespannte Aufregung der letzten Tage ist gewichen und ich bin für eine Verhältnisse sehr ruhig. Alles ist so gut es geht vorbereitet und es gibt keinen Grund jetzt noch irgendwie in Panik zu verfallen. Ich habe alle Papiere in doppelter Ausführung dabei & ein Backup auf der Cloud. Die Kreditkartenfirmen sind informiert das ich reise und die wichtigsten Verbindungen und Unterkünfte sind vor gebucht.

Daniel hat sich den Vormittag für mich frei genommen und will mich die 60 km zum Flughafen von Parauaphebas bringen. Wir haben ausreichend Zeitpuffer eingebaut, denn in Brasilien weiß man nie, ob gerade mal wieder Jemand streikt und eine brennende Straßenblockade aufgebaut hat. Das passiert hier wo wir gerade leben im Schnitt 1x im Monat. Da das Verkehrsnetz hier nicht so dicht wie in Deutschland ist und es zuweilen nur eine Straße in die nächste Stadt gibt, hieße das einen Umweg von 1-2 Stunden über irgendwelche Feldwege.image-2015-12-14(1)Aber es läuft alles gut bis ungefähr 15 km vorm Flughafen als plötzlich alle Fahrzeuge stehen und nichts mehr geht. Die Straße verläuft hier durch dichten Dschungel und Ausweichrouten gibt es hier keine mehr, wenn hier der Verkehr steht dann geht gar nichts mehr. Nach 15 min. im Fahrzeug werde ich nervös und steige aus um raus zu finden, wo das Problem liegt. „Accidentchi“ was so viel heißt wie Unfall erfahre ich von einem anderen Fahrer und auch, dass mit 30 min Wartezeit zu rechnen sei. Ich bin erleichtert. 30 brasilianische Minuten wird uns als Zeitverzögerung angegeben. Das ist in unserer Zeitrechnung ungefähr 1 Stunde und die haben wir in jedem Fall als Puffer. Als der Verkehr kurze Zeit später wieder anrollt bin ich trotzdem erleichtert, dass es endlich weiter geht. Ich hasse es auf Flughäfen zu spät zu kommen und noch panisch irgendwo hinhechten zu müssen.

Der Flughafen „Carajas“ ist allerdings so übersichtlich, dass lange Wege hier kein Problem wären. Daniel verabschiedet sich und ich trotte in den Flughafen. Noch immer ist von Aufregung absolut gar nichts zu spüren. Etwas über 2h sind es jetzt noch bis zum Abflug und in der Halle sind außer mir nur noch 4 andere Reisende. Eine junge Fau kommt mir bekannt vor, sie hatte uns vorhin auf der Straße gefragt, was passiert sei. Ich trotte in ihre Richtung und setze mich neben sie. Sie erkennt mich wieder und wir fangen sofort an zu quasseln. Sie heißt Barbara und ist Juristin hier in Brasilien. Die 2h bis zum Take of vergehen wie im Flug. Es ist wunderbar mit ihr zu reden. Sie spricht fließend englisch, interessiert sich wie ich für Politik, Naturschutz und Weltgeschehen. Ich lasse mir von ihr erklären, wie Korruption in Brasilien funktioniert und erkläre ihr im Gegenzug die deutsche Vetternwirtschaft bzw neudeutsch den „Lobbyismus“. Wir lachen und schmieden Pläne für eine gerechtere und bessere Zukunft. Leider fehlt uns in dem Moment noch das politische Zepter, aber wer weiß schon, welchen Job er in 20 Jahren hat?

Als wir endlich im Flieger sitzen erklärt mir diese selbstbewusste 24ig Jährige Juristin, dass sie schreckliche Flugangst hat. Ich muss schmunzeln. So eine taffe Frau, die Korruption trotzt und selbstbewusst vor Gericht spricht gesteht mir gerade, dass sie nicht immer so taff ist. Ich beruhige sie: „Fliegen ist wie Busfahren, nur weiter oben.“ Sie betet als das Flugzeug an Fahrt aufnimmt. Ich erkläre ihr, dass Turbulenzen so was wie eine Party sind, Wolken sind Zuckerwatte und darüber liegt das Paradies, denn da scheint immer die Sonne. Außerdem erkläre ich noch, das falls doch was passiert es doch viel cooler ist, bei einem Flugzeugabsturz zu sterben als an nem Herzinfarkt im Büro. Sie muss lachen. Mal abgesehen davon ist heute ohnehin kein Tag zum Sterben. Doch nicht auf dem Hinflug in den Urlaub! Fliegen Azul FlughafenDie 1h bis Belem im Nordosten Brasiliens vergeht rasend schnell und unsere heitere Unterhaltung über Gott und die Welt setzt sich fort. Barbara war sogar schon in Freiburg und auf dem Oktoberfest. Da hat sie mir was voraus ich bin wahrscheinlich die einzige Deutsche die noch nie in München dieser Tradition beigewohnt hat. Das versteht im Ausland immer nie jemand. Alle wollen da unbedingt mal hin oder waren sogar schon da.

Als wir im Anflug auf Belem sind kann ich unter mir im Fluss ein U-Boot sehen! Das hat was von James Bond Filmen, wenn man das zum ersten Mal sieht. Irgendwie völlig out of the world. Barbera erklärt mir, dass wir gerade über den Marinehafen geflogen sind.

Sie ist jetzt wieder reichlich nervös und wieder beruhige ich sie. Leider kann sie mit einer Story aufwarten von einem Flugzeug welches hier mal die Landebahn überschritten hat und über den Rasen „gestrauchelt“ ist. Der Pilot muss so Schiss gehabt haben, dass er seine Angst live übers Mikro kommentiert hat. Was nicht gerade professionell war und zur Beruhigung der Insassen beitrug. Er erkärte sich später im Fernsehen damit, dass er eben auch nur ein Mensch ist und ziemlich die Hosen voll hatte. Ich kommentiere die Geschichte mit einem „Was für ein Abenteuer“ um dem ganzen etwas die Brisanz zu nehmen und Barbara mit Humor zu entspannen. Natürlich geht bei unserem Flug alles glatt und sie verspricht mir, bei zukünftigen Flügen immer an meine Worte zu denken und entspannt an das Erlebnis „Fliegen“ ran zu gehen.

5h Aufenthalt habe ich in Belem. Mancher würde sich zu einer Tour in die Stadt aufmachen. Ich gehe lieber auf Nummer sicher und bleibe am Flughafen. Eine blockierte Straße am Tag reicht als Aufregung. Dafür bleibt Barbara noch eine Stunde mit mir in der Abflughalle. Ihre Schwester hat sich zu uns gesellt und fortan schnattern 3 Frauen und tauschen Lebensgeschichten aus. Ich genieße die Gesellschaft der Beiden. Denn das ist genau das was ich am Reisen liebe. Neue Menschen treffen und einen Einblick in ihr Leben, ihr Land und ihre Kultur zu bekommen. Leider mus Thamara zurück zur Uni und so muss ich die nächsten 4 Stunden alleine tot schlagen. Wir tauschen noch Konaktdaten, schießen Fotos und dann trennen sich unsere Wege auch schon wieder.image-2015-12-14(2)

Ich kenne den Flughafen in Belem. 3 Stopover musste ich hier schon mit langen Stunden des Wartens verbringen. Ich kenne die Läden, die Fastfoodketten, den Schuhputzautomaten und sogar die Cocktailbar. Also trotte ich die Halle einmal von links nach rechts lustlos ab, damit ich mich heute überhaupt irgendwie beweg habe. Draußen regnet es in Strömen – wie eigentlich jedesmal wenn ich hier bin. Bei einem der Stops war sogar mal der Strom weg und wir saßen in einem komplett stockdunklen Flughafen. Über lange Minuten bis die Notversorgung ansprang und wenigstens die Ausgänge markierte, hat man nicht mal die Hand vor den Augen erkannt.

Ich erinnere mich an ein Internetcafe in der oberen Ebene, investiere 12 Real (3 EUR!) und surfe für 1.5 h im Netz. Immerhin mal schauen was daheim so geht und meine Freunde machen.

Der Anschlussflug nach Sao Paulo ist sogar mal angeschrieben. Uns ist es hier schon passiert (und auch an anderen brasilianischen Flughäfen) das es ständig wechselte und irgendwann gar nichts mehr dran stand. Diesmal habe ich Glück und alles läuft reibungslos.

Wieder fliege ich mit GOL einer brasilianischen Airline. Wer innerhalb des Landes fliegt, der kommt oft sehr günstig von A nach B bei vergleichsweise langen Strecken. Immerhin ich durchfliege ein Land von oben nach unten, welches fast so groß ist wie der ganzer Kontinent und hab für diesen Flug gerade mal 80 EUR bezahlt. Direkt bei der Airline gebucht und mit dem Inkognito Surf-, und Wechselkurs-Trick hat mich das zudem eine Menge Geld gespart. Ich fliege gerne mit GOL, da es eine sehr gute Airline mit verlässlichem Service ist.

Bei diesem Flug sitze ich in der letzten Reihe und kämpfe diesmal mit Würgereiz. Wofür allerdings die Airline nichts kann. Irgendwer um mich herum hat seine Verdauung nicht im Griff und im Minutenintervall bekomme ich divese Ausdünstungen ab. Die Kotztüte im Blick ringe ich mit Brechreiz und würde am liebsten lautstark und für jedermann hörbar darum bitten zum „Blähen“ gefälligst das Boardclo aufzusuchen. So widerwärtigen Gerüchen war ich bisher an Board noch nie und ich schwöre nach Ankunft direkt nach Travel Hacks gegen derartige Gerüche zu suchen.

Ja auch solche Geschichten begleiten einem beim Reisen und keiner ist davor gefeit. Da der Flieger bis auf den letzten Platz ausgebucht ist kann ich auch nicht nach einem anderen Platz fragen.

Die Dame vor mir bestätigt derweil mal wieder mein Urteil über Brasilianer. Die sind nämlich absolut Selbst-, und Selfieverliebt und ich werde Zeuge, wie sie ihre Handygalerie betrachtet. Keine 3, 5 oder 10 Bilder von sich und ihrem Freund sind da zu sehen, sondern im Schnitte hat sie 40x ein und das gleiche Motiv auf ihrem Smartphone. Hier möchte ich dann schon das Wort Selfobsessed benutzen. Vielleicht sei noch angemerkt, dass sie sicherlich kein Model ist was derartig Bildsammlungen vielleicht noch erklären würde. Inzwischen bin ich seit 12 Stunden unterwegs und ich beschließe etwas zu schlafen. Da ich erst gegen 1:30 Uhr in Foz do Iguaçu landen werde ist an viel Schlaf in der Nacht wohl nicht zu denken.

Die Landung in Sao Paulo klappt reibungslos allerdings dauert es eine gefühlte Ewigkeit bis ich aus dem Flieger komme. Ich habe nur 40 min Umsteigezeit und habe Angst den Anschlussflug nicht zu erreichen. Schnell checke ich auf der Anzeigetafel das Gate für „Foz de Iguazu“ und hetze dann dem Flugsteigentgegen, denn mein nächster Flug startet vom anderen Terminal und die Zeit rennt.

image-2015-12-14(3)Als ich drüber ankomme die Ernüchterung… Ich bin am falschen Gate! In meiner Hektik habe ich nicht drauf geachtet, das 2x Foz do Iguaçu ausgeschrieben ist. Ich bin am Flugsteig für die Airline Azul und nicht wie gebucht bei GOL. Und zu meinem großen Glück ist dieser Flug wieder in der Ankuftshalle, also wieder Füße in die Hand nehmen und zurück rennen.

Als ich 217 erreiche ist das Boarding längst am Laufen. Sicherheitshalber erkundige ich mich „Foz do Iguaçu?“, denn einen Monitor mit Destination gibt es zwar, aber der dient wohl nur der Dekoration. Der Flieger geht jedenfalls nicht dahin und man schickt mich weiter zu 219. Auch wieder nix. So langsam nervt mich diese brasilianische Anzeigentaktik. Hier kommt man irgendwie nur mit Durchfragen zum richtigen Flugsteig. Egal irgendwann werde ich fündig und kann direkt durchlaufen.

Völlig außeratem und mit rotem Kopf lass ich mich in den Sitz fallen und versuche erstmal meinen Puls wieder in den Griff zu bekommen. Ich mag keine solcher Herzschlagfinals, wenns ums Fliegen geht. Lieber warte ich ne Weile und hab dafür etwas Puffer.

Der Flughafen in Foz do Iguaçu ist bedeutend größer als ich dachte, aber trotzdem noch übersichtlich. Ich schnapp mir meinen Rucksack und trotte zum Taxistand. Wir einigen uns auf 300 Real und der Fahrer tritt in die Eisen. Ziemlich Brasilientypisch überschreitet er die ausgewiesene Geschwindigkeit. Statt 60 km fährt er an die 60 km zu schnell. Also knappe 120 im Ort. Da sonst niemand weiter auf der Straße ist und ich nur noch ankommen will beschwere ich mich auch nicht.image-2015-12-14(5)Selbst in der Dunkelheit ist erkennbar, dass Brasilien hier viel sauberer ist, als in der Stadt in der ich die letzten Monate gelebt habe. Alles macht einen sehr sauberen und gepflegten Eindruck. Ich bin sehr entzückt! Auch von meinem Hosel. Das ich spät ankommen werde hatte ich vorab angekündigt und so muss ich gar nicht warten und werde freudig in Empfang genommen. Ich habe mich in ein 6er Mädelszimmer eingebucht und zu meinem Entzücken ist auch nur eine Person neben mir hier. Es verspricht also eine ruhige Nacht zu werden. Und Schlaf hab ich jetzt auch dringend nötig.

 

4 Wochen. 4 Länder. 5 Stationen. Solo-Tour in Südamerika!

Ich habe wie eigentlich immer keine Lust auf Weihnachten, Familie und Geschenke. Ich will reisen, entdecken und unterwegs sein. Also Flüge gebucht und ab ins südliche Südamerika. Der Plan: 4 Wochen. 4 Länder. 5 Stationen. Ich möchte Backpack allein als Frau durch Brasilien, Paraguay, Argentinien & Uruguay reisen und einen Ex-Präsidenten treffen.

Meine Familie, mein Partner und meine Freunde sind „begeistert“. Wieder lasse ich mich Weihnachten nicht blicken und verkrümel mich lieber. Ich habe einfach keine Lust mehr auf  „Weihnachten“. Wie jedes Jahr geht der Terror-Kommerz direkt im September schon los. Man wird auf allen Kanälen bombardiert und zum Einkaufen genötigt, als sei das der einzige Sinn hinter diesem Fest. Nein, ich will nur noch weg sein zu dieser Zeit. Auch wenn das in meinem Umfeld eigentlich niemand so recht akzeptieren will. Sei es drum. Es ist gebucht und ich starte am 10.12.15 zu meinem Solo-Trip durch Südamerika!

Solo-Tour-Planung – so sieht sie derzeit aus:

SoloTour -INTEXTBILD-

BRASILIEN – Iguazú-Wasserfälle

Die erste Station meiner Weihnachtsreise sind die Iguazú-Wasserfälle in Brasilien und Argentinien. Hier werde ich in der Nacht zum 11.12.15 ankommen. Die Wasserfälle die ich hier besuchen möchte sind wesentlich breiter als die Victoria-Fälle, höher als die berühmten Niagara-Fälle und wohl auch wesentlich beeindruckender. Die Iguazú-Wasserfälle werden vom Flusses Iguaçu/Iguazú gespeist und verlaufen an der Grenze zwischen dem brasilianischen Bundesstaat Paraná und der argentinischen Provinz Misiones.

Iguazú in Zahlen:

Höhe: 195 m
Höhe: 82 m
Größte Stufe: 82 m
Anzahl der Stufen: 275
Durchfluss: 1.756 m³/s

Der Panoramablick macht schon mal Lust!

PARAGUAY

Nach 2 Tagen Erkundungstour der Fälle von Argentinien und Brasilien aus, geht es für mich mit dem Bus weiter in Richtung Asunción, der Hauptstadt von Paraguay. Die Stadt gilt auf Grund ihrer vielen Gärten und Parks als die grünste Stadt der Welt. Das Land besticht in der Hauptsache damit, dass man hier noch das authentische Südamerika findet, aber auch mit seinen Gegensätzen! Von hochtechnisiert bis absolut ländlich ist alles drin. Fest gebucht habe ich nur 2 Nächte im El Nomadá Hostel in der Hauptstadt. Danach lasse ich mich treiben und höre mich um, was andere Backpacker im Hostel empfehlen.

ARGENTINIEN

Hauptziel ist hier ganz klar Buenos Aires. Allerdings sind es von Asuncion bis in die Haupstadt Argentiniens auch 18h Busfahrt. Respekt habe ich vor so einer langen Fahrt. Besonders weil man in den Bussen schnell krank wird, da man auf Tiefkühlkost-Niveau runter gekühlt wird. Wahrscheinlich werde ich diese Fahrt splitten und irgendwo rund um Santa Fe noch einen Zwischenstop einlegen. Am 23.12.15 hoffe ich dann vor Ort zu sein und bei meiner Airbnb Gastgeberin einziehen. Eine ganz liebe Dame mit der ich übers Internet Kontakt hatte und die mich direkt eingeladen hat mit ihr und ihrer Familie Weihnachten und Silvester zu feiern. Die Tage in Buenos Aires möchte ich einfach mit der Kamera rumlaufen, in hübschen Cafés verbringen, mit Menschen in Kontakt kommen, Tango tanzen und die Stadt und ihr Flair in mich aufsaugen.

image-2015-12-03(4)URUGUAY

Wie ich am 1. Januar 2016 von Buenos Aires nach Montevideo kommen werde, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Soweit ich es mitbekommen habe, steht das öffentliche Leben da still. Normal gibt es Busverbindungen oder Boote ins Nachbarland. Ich checke das, wenn ich vor Ort bin und frage meine Gast-Mama um Rat. Auch in Montevideo bin ich wieder in einem Hostel untergebracht und ich habe vor bis zum 04.01. zu bleiben.

Mein Traum wäre den ehemaligen Präsidenten des Landes zu treffen. José Mujica ist eine Inspiration für mich und mein Vorbild. Man nennt ihn auch den ärmsten Präsidenten der Welt, weil er 550.000 $ von seinem Gehalt gespendet hat. Wegen ihm kam ich überhaupt erst auf die Idee diese Reise anzutreten. Ich weiß, es klingt einfältig einen Präsidenten treffen zu wollen, aber hey ich hab noch Träume! Die Anfrage bei der Sekretärin läuft, aber man hat mich schon auf die Urlaubszeit hingewiesen. Ich vertraue hier einfach mal auf Gott, auf das Universum und mein Glück. Und danke allen, die mich bei diesem Vorhaben unterstützen!

Mir bleiben dann noch weiter 6 Tage in Uruguay. Ich will mich ans Meer durchschlagen und hoffe dort noch unberührte Natur und schöne Parks zu finden. Zu der Zeit ist allerdings Hochsaison in dem Land und jeder Winkel soll überbevölkert sein. Auch ist noch nicht klar, ob mich die Busse mitnehmen, denn auch diese werden gut ausgebucht sein.

BRASILIEN – PORTO ALLEGRE

Für den 10.01. habe ich mir wieder über Airbnb eine günstiges Zimmer in Porto Allegre gesucht. Ganz in der Nähe vom Flughafen, da am 12.10 mein Flieger ganz in der Früh startet und ich nicht lange durch die Stadt gurken will. Auch habe ich hier etwas Zeitpuffer eingebaut, falls es mit den Bussen aus Uruguay doch nicht so ideal klappt, wie erhofft. Das Flußufer hier soll sehr schön sein, also werde ich dort spazieren gehen und noch mal den Urlaub Revue passieren lassen.

IMG-20140306-WA0000Die emotionale Seite:

Ganz anders sieht die Gefühlswelt aus. Zwar habe ich keine Angst vor der Reise, aber großen Respekt ganz sicher. Immerhin ich bin alleine als Frau ohne große Sprachkenntnisse unterwegs. Ich roadtrippe nicht, sondern muss mich drauf verlassen, dass es mit den Bussen klappt und ich nach Ankunft die Unterkünfte immer finde. Besonders wenn ich nachts ankomme. Hier vertraue ich auf mein Nokia Handy, was Navigation ohne Internet schon integriert hat. Bisher hat mir das in fast allen Ländern (außer Honduras wo es keine Sateliten gibt) immer sicher ans Ziel geführt. Darauf hoffe ich auch diesmal.

Auch in ein Taxi steigt man nachts als Frau alleine nicht so gerne. Weibliche Taxifahrer sind rar und einem Mann so ausgeliefert sein, das vermeide ich so es geht. Aber ich vertraue darauf das auch hier alles gut geht. Ich bin ja nicht ganz unerfahren und hoffe das mir das zu Gute kommt.

Natürlich wird es komisch sein, wieder alleine unterwegs zu sein. Auch das bin ich nach ein paar Urlauben mit Partner nicht mehr gewohnt. Die Sicherheit die ein Reisepartner mitbringt hat man ganz einfach nicht, wenn man alleine reist.

Meine Erfahrung nach jeder Reise war eigentlich, dass man sich an die Regeln halten muss um sicher zu reisen. Das man nicht blauäugig sein sollte und sich für Notsituationen ein Backup schaffen sollte. Alle diese Vorkehrungen haben mir bisher geholfen sicher zu reisen und ich vertraue darauf, dass es auch diesmal wieder so ist.

Also: ANGST – NEIN! RESPEKT – JA!

Zur weiteren Vorbereitung:

Gepäck: Ich reise in der Hauptsache mit dem Bus, laufe dann zu den Unterkünften. Deshalb habe ich mich klassisch für einen Rucksack entschieden. Ich habe meinen bei Decathlon gefunden, weil ich eine günstige Variante speziell auf Frauen zugeschnitten gesucht habe. Hier sollte jeder für sich testen und anhand der Bedürfnisse und des Budgets für sich festlegen, was gut zu einem paßt.

Ich nehme nur die nötigsten Sachen mit, weil ich keine Lust habe einen viel zu schweren und vollgepackten Rucksack rumzuschleppen. Was daheim bleibt sind Schmuck, Make up, hübsche Schuhchen und sonstige „Luxusartikel„. Was mit darf ist das Netbook, die Kamera-Ausrüstung, 1x Flip Flops, 1x leichte Treckingschuhe, Handtuch, warme Kleidung für unterkühlte Busse und ein Hut als Sonnenschutz. Natürlich auch Medikamente, Sonnenschutz und Ungezieferabwehr.

Dokumente: Ich habe Kopien meiner Unterlagen dabei und sie zusätzlich auf meiner Cloud abgelegt. Im Notfall habe ich so Zugriff und kann mich schnell bei Polizei und Behörden ausweisen. Meine Flug und Unterkunftsbuchungen inkl. Anschriften, Wegbeschreibung & Rufnummern habe ich in einer Excell-Liste zusammengefaßt. Diese hilft mir, bei so einem langen Trip die Übersicht zu behalten. Parallel bekommt sie meine Familie, damit sie nachvollziehen können, wann ich wo sein werde. Siehe auch die Anleitung im LINK.image-2015-12-03(1)Geld: Ich habe brasilianische Real für die erste Station dabei und noch rund 100 Dollar für den Notfall. Nach den Grenzübertritten hole ich mir Bargeld am Automaten. Ich habe sowohl die Master als auch die Visa-Card dabei, weil auch hier die Erfahrung gezeigt hat, dass oft 1 Bezahlsystem nicht funktioniert.

Visa: Visas braucht man für keines dieser Länder. Wohl aber muß man die Einreisedokumente für jeden Grenzübertritt peinlichst genau ausfüllen und sich seinen Paß abstempeln lassen. Gerade bei IGUAZU fahren die Busser gerne am Grenzübergang vorbei und auf der Rückreise zahlt man Strafe. Siehe auch LINK.

Navigation: Meine Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass Internetverbindungen auf Reisen und besonders in abgelegenen Gebieten nicht funktioniert. Deshalb habe ich ein Handy was offline Navigation ermöglicht. Ich habe vorab alle Karten runtergeladen und alle Adressen eingespeichert, die ich ansteuern will. Im W-Lan funktioniert eine Unterkunfssuche besser, als unterwegs auf der Straße nur mit der Adresse.

Mobilfunk: Ich habe zwei Handys dabei. Ein billiges, was ich „abgebe“ wenn ich ausgeraubt werde und mein normales Handy, was ich auch zur Navigation nutze. Ich werde mir in Argentinien eine SimCard holen um auch im Land selbst telefonieren zu können. Hier bin ich die meiste Zeit und deshalb macht es da besonderen Sinn.

Reiseführer: Mein Lonely Planet Südamerika ist meine Reise-Bibel. Als Pauschaltourist habe ich „LP“ nie verstanden. Wenn man auf Insiderwissen wie Busverbindungen, Tipps & Sicherheitsanweisungen aber angewiesen ist, dann ist er gold wert. Er wird trotz seines Gewichts mein Begleiter sein. Mein eBookReader nehme ich diesmal als Reiseführer nicht mit. Die Suche im digitalen Nachschlagewerk hat mich in Namibia schier irre gemacht. 1000 Suchergebnisse für eine Anfrage. Da blätter ich lieber wieder.

Weihnachten anders, aber nicht ohne Spirit!

Ja, bei mir läuft Weihachten anders, aber warum es nicht ohne Spirit läuft und was sich noch hinter dieser Reise verbirgt verrate ich hier im LINK.

Kompromiss? Aber natürlich!

Mein Freund und ich reisen nach meinem Solo-Trip auch noch gemeinsam durch Bolivien, Chile und Peru. Diese Lösung war ein Kompromiss, weil er gerne mit Familie feiern wollte und ich gerne flüchte. Im Januar beginnt unser gemeinsamer Backpacktrip!


Ich hoffe du begleitest mich auf meiner Solo-Tour durch Südamerika – auf Instagram, Facebook, Twitter oder eben hier!

In diesem Sinne: #get up & travel!

 

Brasilien Ι Fortaleza – Zwischen Fußball, Frauen, Traumstränden und Problemvierteln

Viel hatte ich mir versprochen von Fortaleza, der Stadt von der so viele Brasilianer schwärmen. Mit 75.000 Besuchern pro Jahr ist sie eine der am meisten besuchten Städte des Landes. Sie lockt mit feinsandigen Traumstränden, ihrer Liebe zu Fußball, kokusnusspalmengesäumten Strandbars & natürlich mit Frauen in ultraknappen Bikinis. Doch die Stadt hat auch eine andere Seite.image-2015-11-19(51)Wir landen am späten Abend & fahren die 14 km vom City-Flughafen mit dem Mietwagen in Richtung Hotel. Der erste Eindruck ist so ganz anders, als die Bilder der Stadt, die sich als moderne Metropole im Internet, für mich dargestellt hatte. image-2015-11-19(24)Das Bild hier ist geprägt von herruntergekommenen Häusern die mit hässlichen Grafitti-Schmierereien besprüht sind. In dunklen Gassen, finden sich zwielichtige Gestalten und auf den Straßen liegt jede Menge Müll. So wie ich es eigentlich auch aus Canaá dos Carajas schon kenne, der brasilianischen Stadt in der wir seit April 2015 leben. image-2015-11-19(27)Kein vertrauenerweckender Eindruck und schon gar nicht schön. Wir verriegeln das Auto, überfahren rote Ampeln und hoffen nicht stoppen zu müssen. Und nur auf den letzten 2 Kilometern unserer Strecke wandelt sich das Bild. Denn dort am Meer ist die Skyline-Metropole zu finden, sieht es aufgeräumter aus und auch die Menschen auf der Straße machen einen vertrauenserweckenderen Eindruck.image-2015-11-19(20)Unser Hotel ist in der ersten Reihe direkt an der Strandpromenade und seinem umtriebigen Markt. Es ist 23 Uhr und die Straßenstände sind sehr gut besucht. Es herrscht reger Handel, es wird gejoggt, musiziert, getanzt, getrunken & gefeilscht. An Ruhezeiten denkt hier Niemand. Man will Spaß und Unterhaltung und so kehrt erst in den frühen Morgenstunden Ruhe ein.image-2015-11-23(1)-1Als ich am neuen Morgen wieder aus dem Fenster schaue, erkenne ich den Bazar von letzter Nacht nicht wieder. Die Szenerie erinnert jetzt eher an einen Containerhafen als an einen Markt mit hunderten Besuchern und vollgepackten Ständen. FortalezaWir starten zu unserer Entdeckungstour durch die Stadt und ich hoffe mit dem neuen Tag endlich das Brasilien zu finden, was in meinem Kopf ist. Was ich aus Hochglanzmagazinen kenne -das schöne, das bunte, das lebensfrohe Land.  image-2015-11-19(34)Wir starten am Meer und hier sieht erstmal alles ganz gut aus. Kein Plastemüll am Strand, eine saubere Promenade und auch keine verunstalteten Grafittiwände. image-2015-11-19(32)Doch das Bild der Stadt änderst sich schnell. Während man am Meer die neu gebauten Wolkenkratzer findet, sind es in Richtung Innenstadt die historischen Gebäude. Die entweder herausgeputzt sind oder völlig dem Verfall überlassen werden. image-2015-11-19(33)Und je weiter man sich davon entfernt, umso krasser werden die Gegensätze zwischen den Luxusapartments mit Meerblick und den einfachen blechdachgedeckten Häusern.image-2015-11-19(25)Eigentlich hatten wir nicht vor, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Doch ein englischsprachiger Tourguide war für Samstags nicht aufzutreiben. Zig Touranbieter haben uns abgewunken und so starteten wir unsere eigene Entdeckungstour. Begrüßt von türkisblaumen Meer, sind wir in die Innentstadt rund um die „Rua Monsignore Tito Guedes“ mit ihrer gotisch-römischen Kathedrale gestartet. image-2015-11-19(45)Die Catedral Metropolitana de Fortaleza ist die drittgrößte Kirche Brasiliens und sie soll nachts eine wahre Schönheit sein, wenn sie bunt angestrahlt wird. image-2015-11-19(28)Und in der Tat ist sie mit Platz für 5.000 Gläubige ein recht imposantes Bauwerk. Im Gegensatz zu opulenten Gotteshäusern wie man sie etwa in Rom findet ist sie allerdings sehr schlicht gehalten. Sehr frustriert hat mich allerdings der Anblick ihrer Frontseite. Bewacht, von bis an die Zähne bewaffneten Polizisten, verunstaltet mit Grafitti und von Plastikmüll umweht, bot sich eine reichlich erbärmliche Ansicht, die wohl auf keinen Besucher einladend wirkt. Catedral Metropolitana de Fortaleza, Ceará, BrasilienIm Umkreis der Kathedrale herrscht reger Handel. Gerade an Samstagen ist das eine bunte Mischung aus Menschen, Musik und Essensständen. image-2015-11-19(40)Ich werfe mich gerne in das Getümmel der Menschen und beobachte sie bei der Arbeit. So auch an diesem Tag.image-2015-11-19(37)Wer sich hier allerdings eine schicke Shoppingstraße erhofft hat, ist hier falsch am Platz. Dazu sollte man den Weg in einer der Malls (Mercado Central) finden oder sich besser im Stadtteil Meireles umsehen. image-2015-11-19(43)Hier herrscht das ganz normale brasiliansiche Leben der Straße mit seinen geschäftigen Händlern und mit Einkaufstüten behangenen Frauen. Wir schlendern Ziellos durch die Gegend und schauen dem Treiben zu.image-2015-11-19(41)Und es fällt auf, dass überall rund um die Kathedrale wunderschöne restaurierte Häuse findet aber auch Gebäude die dringend saniert werden müssen, damit die Stadt ihren usprünglichen Charme nicht ganz verliert. image-2015-11-19(29)Es ist schon regelrecht bedrückend, wenn man sieht welche ehrwürdigen Gemäuer hier ihrem Verfall preisgegeben sind und ich kann mir sehr lebendig vorstellen wie schön die Stadt einst war. Man ist fast geneigt hier Hand anzulegen um zum Erhalt beizutragen.image-2015-11-19(30)Zumal sie durch Grafitti besprüht nur noch trauriges Bild einer großen Geschichte abliefern. Ich bin wirklich ein Fan von Street Art, aber bloße Kritzeleien sind für mich Vandalismus. image-2015-11-19(31)Aber man findet auch die wahren Künstler er Szene in der Stadt. An den richtigen Stellen eingesetzt sind die Wandbilder dann wirklich eine Verschönerung der Kulisse. In Fortaleza sind sie sehr oft auch mit sozialkritischem Hintergrund zu finden und man sollte es sich nicht nehmen lassen mal genauer hinzusehen.image-2015-11-19(46)Nach einer guten Stunde haben wir genug gesehen von der Innenstadt. Uns zieht es zurück ans Meer zur schönen Seite Brasiliens. Denn Strände können die Brailianer;) image-2015-11-19(21)Wieder führt der Weg vorbei an unzähligen Wolkenkratzern die hier wie Pilze aus dem Boden gewachsen sind und das moderne Fortaleza verkörpern. image-2015-11-19(47)Trotzdem findet man immer auch noch traditionelle Stätten, Gotteshäuser oder Statuen zwischen den Hochhäusern oder direkt am Meer. image-2015-11-19(26)Die bekanntesten Stadtstrände sind Praia Meireles, Praia Mucuripe, Praia de Iracema – doch eher wenige Badegäste sind hier zu finden. Das Wasser ist hochgradig belastet und so weicht man zum Baden auf die Strände weiter außerhalb aus. image-2015-11-21(6)Dieser alte Turm hat uns sehr beeindruckt. Rundum ist er mit einem Gesicht geschmückt und statt einer alten Ruine erblickt man nun eben ein Kunstwerk. Sehr gelungen, wie wir fanden.image-2015-11-19(19)Es ist schön auch mal Zeit zu haben, um ein paar anderen Seiten Brasiliens entdecken zu können. Und so schauen wir den Fischern auf ihren bunten Booten zu und beobachten, das Leben am Strand.Fuball Typisch für dieses Land ist natürlich Fußball. Das Spielfeld wandert dann auch schon mal ins Wasser. Dann kann man sich gleich abkühlen, wenn es heiß hergeht. Ich bin gerne unter Locals und Brasilianern beim Fußball zu zuschauen ist immer eine riesen Freude.image-2015-11-23(1)Was wir auch häufig beobachten konnten und was nicht minder beliebt ist, sind Quadbike-Touren über den Strand oder durch die Dünen. Für mich stören sie hier allerdings die Erholungssuchenden.Fortaleza, Beach, kiteAber auch andere Sportler wie Kiter kommen an der Küste von Fortaleza voll auf ihre Kosten. Zumal der Wind hier gut steht, das Wasser Badewannenwarm ist und sich die Kiter nicht gerade drängen wie in anderen Kitehochburgen. Wir haben uns ein schattiges Plätzchen gesucht und schauen dem Treiben am Meer zu. Wie die Kiter mit dem Wind über den Ozean jagen, wie sie über Wellen springen und den tosenden Wassermassen trotzden.image-2015-11-23(1)Wer für Kiten noch nicht groß genug ist, der übt eben so lange mit einem kleinen Drachen, wie dieser Junge mit seinem selbstgebauten Spielzeug, der uns auch ins Auge gefallen ist.BeachDie Strände etwas außerhalb Fortalezas sind unter der Woche geradezu menschenleer. Wir laufen am Meer entlang, schauen den Fischern zu, spielen mit den Wellen und lassen die Seele baumeln. Und hier ist Brasilien für mich dann endlich auch mal paradiesisch.MüllAllerdings sieht es direkt hinterm Traumbeach wieder aus wie auf einer Müllkippe. Dreck und Armut kann man hier nicht ausblenden. Sie gehören untrennbar mit Brasilien zusammen.image-2015-11-19(22)Und wer diese Bilder nicht erträgt, der ist in diesem Land schlicht und einfach fehlt am Platz.image-2015-11-19(23)Ich empfehle sich den Film Trash anzusehen, denn er zeichnet das Bild Brasiliens sehr gut auf, was auch ich kennenlernen durfte und was weit weg ist von Copa Cabana Schönheiten, erolgreichen Fußballern & Skyline Metropolen. Er zeigt die harte Realität der Menschen hier. image-2015-11-23(2)So auch das der indigen Bevölkerungsschicht. Einst waren diese Ureinwohner Brasiliens ein stolzes Volk was im Einklang mit der Natur lebte. Auf Grund der Profitsucht von Rohstoffkonzernen und deren Brandrohdung, verlieren sie immer mehr ihres natürlichen Lebensraumes. nativeAnstatt in ihrer Heimat im Regenwald zu leben, verkaufen sie nun Touristennap am Strand. Ich fand man sah die Wut darüber sehr deutlich in ihren Augen und ihrer Körpersprache. Ich habe mich nicht sehr wohl gefühlt dabei,  ihnen hier weitab ihrer eigentlichen Heimat, zu begegnen. Und auch am Foto mit blauem Hintergrund statt grünem, erkennt man, dass hier etwas nicht stimmt.image-2015-11-19(17)Aber man findet in Fortaleza auch eine junge vermögende Schicht, die es sich nicht nehmen läßt mit Champangner in den Beach-Bars zu feiern. In den angesagten Locations kostet eine Flasche Champagner dann auch schon mal 200 EUR. image-2015-11-23(5)Und hier haben wir sie dann auch gefunden, die schönen Frauen Brasiliens in ihren knappen Bikinis.
image-2015-11-19(36)Mein Fazit: Fortaleza ist eine ganz typische brasilianische Stadt. Mit all ihren Problemen, Konflikten aber auch mit traumhaften Stränden, türkisblauem Meer und schönen Frauen. Allerdings würde ich nie nur wegen der Strände hierher reisen. Ich muß mich im Urlaub auch abseits des Strandes wohl fühlen und hier scheidet die Stadt ganz klar für mich aus.image-2015-11-19(18)Mein Tipp:

Wen es trotzdem nach Fortaleza zieht, gerade wegen der Strände, dem würde ich empfehlen sein Quartier in der Nähe der Strände Futoro 1 & Futoro 2 zu suchen und nicht in der Innenstadt.

image-2015-11-19(35)Außerdem lohnt sich die Anmietung eines Fahrzeuges direkt am Flughafen. Damit ist man flexibel und kann die Stadt verlassen um die wirklich schönen Plätze am Meer zu entdecken. image-2015-11-19(44)Wer Ruhe sucht sollte sich auf keinen Fall in der Innenstadt am Meer niederlassen, da ist es bis in die frühen Morgenstunden eigentlich immer belebt und laut. Auch sollte man Geruchstechnisch auf Einiges eingestellt sein. Ich habe noch nie eine Stadt erlebt, wo es derartig schlimm nach Pisse stinkt. Besonders rund um den beliebten Markt und seine Flaniermeile.image-2015-11-23(6)

Brasilien – Die neue Bleibe & ein siffiger Albtraum

Als ich hier in Brasilien angekommen bin, haben wir die ersten zwei Monate in einem Hotel gelebt und uns dort auch grundsätzlich sehr wohl gefühlt. Angenehmer europäischer Standart, ein freundlich geführtes Haus und ein gutes Frühstücksbuffet. Doch 16 qm für 2 Personen war auf Dauer keine Lösung. Eine neue Bleibe zu finden, war für uns allerdings eine ziemliche Herausforderung.Möblierte Wohnungen, das wussten wir, gibt’s hier ohnehin fast gar nicht. Dazu kam, dass wir Beide kein portugiesisch sprechen, mein Freund 6 Tage in der Woche auf der Baustelle ist und wir auch keinen Ansprechpartner vor Ort hatten. Die Immobilienagenturen deren Mailadresse ich auf Plakaten fand, reagierten ausnahmslos nicht auf meine Anfragen, obwohl ich sie ins Portugiesische übersetzt hatte.  image-2015-09-11Vor lauter Verzweiflung schrieb ich mir einen Zettel mit meinem Anliegen und fuhr das Viertel ab, um doch noch irgenwie eine Wohnung für uns zu finden. Aber die Maklerbüros waren weder besetzt noch gab es an ihrer Tür eine Öffnungszeit oder einen Briefkasten für meine Nachricht. Also keinerlei Möglichkeit mit irgendwem in Kontakt zu treten. Anrufen konnte ich ja nicht, da ich die Sprache nicht beherrsche. (Dazu mehr am Ende des Artikels)image-2015-09-11(1)Ich hatte das Thema schon fast abgeschlossen und uns im Hotel dahinfristen sehen, als uns über einen Kollegen ein Apartment angeboten wurde. Wohnung im dritten Stock in einem recht neuen Gebäude, an der Hauptstraße – nicht optimal, aber immerhin mit 80 qm ausreichend groß für Zwei. Und sogar die Möbel konnten übernommen werden. Inzwischen wusste ich auch, in welchen Zustand Wohnungen hier oft sind und war aufs Schlimmste gefasst vor der Besichtigung.image-2015-09-11(3)Doch zu meiner Überraschung fanden wir ein helles, freundliches und recht geschmackvoll eingerichtetes Apartment vor. Für Carlos den Vormieter endete das Projekt hier und er wollte sich auch von den Möbeln trennen. Für uns passte es mit der Wohnung und wir wurden uns auch schnell einig über Möbelübernahme und Einzugstermin. Einem Umzug zum 1 Juni stand also nichts mehr im Weg.WohnhausNur leider ist das mit Terminabsprachen in Brasilien auch so einen Sache. Der Termin verschob sich also bis Mitte Juni, weil Carlos sich „verkalkuliert“ hatte. Ich konnte es kaum mehr abwarten, dem beengten Hotel zu entfliehen und endlich, endlich in unsere neue Wohnung einzuziehen. image-2015-09-11(2)Umso größer war der Schock beim Betreten der neuen Bleibe. Denn Carlos hatte es anscheinend nicht mit Sauberkeit, Hygiene oder einer anständigen Übergabe. Was wir fanden kann man gut und gerne als siffige Bude bezeichnen. Ich war entsetzt in welchem Zustand die Wohnung jetzt war. Carlos hatte all seinen Dreck von stinkender Arbeitskleidung über abgelaufene Lebensmittel bis hin zu seinen Bierflaschen einfach stehen gelassen. Alles war staubig, die Abflüsse verstopft, der Müll lag rum und die ganze Wohnung stank wiederlich. Ich hätte vor Ekel brechen können und vor Verzweiflung heulen.DreckslochUnserem Vermieter war es schlicht egal, wie es aussah und wie wir damit klar kommen. Er sah sich nicht verantwortlich und auch Carlos der Vormieter meinte nur lapidar, was wir denn hätten. Alle erklärten uns, es sei normal in Brasilien, das Wohnungen in einem derartigen  Zustand übergeben werden. Das ist zwar schade, sei aber so.DreckslochDie eigens engagierte Putzfrau, die wir im Personal unseres Hotels ausfindig gemacht hatten und die uns helfen sollte, erschien natürlich nicht zum vereinbarten Termin. Ohne Absage oder Rückmeldung und das obwohl wir ihr eine mehr als fürstliche Bezahlung in Aussicht gestellt hatten. Wohl trotzdem nicht genug Anreiz, sich an einem Sonntag aus dem Bett zu bequemen. Auch sie ist ein sehr gutes Beispiel für Termintreue und Worthalten hier.image-2015-09-11(6)Die Grundreinigung der Wohnung hat dann irgendwann ein professionelles Putz-Team übernommen, für das dann weder Carlos noch der Vermieter aufgekommen ist. image-2015-09-11(5)Inzwischen ist der „Saustall“ behoben und wir haben uns das neue Heim ganz wohnlich gestaltet. In bunte Wandfarbe und Deko wollten wir allerdings nicht investieren, da wir ja nur für kurze Zeit hier leben, aber ein paar Pflanzen zur Verschönerung haben wir uns dann doch gegönnt. Und so sieht unser neues Heim jetzt aus:Wohnung KücheDas ist das Wohn- & Esszimmer mit Blick in die Küche. Rechts gehts ins Schlazimmer, in der Mitte befindet sich die Eingangstür und links geht es in die Waschküche.Wohnung WohnzimmerUnsere Couchecke mit „Ghotto-Booster“ und Sandsäcken vor der Tür, falls es mal wieder regnet. Die Verglasung ist für einen Außenbereich nämlich leider nicht geeignet. Beim letzten Regen hatten wir hier 60L Wasser in der Wohnung.Wohnung WohnzimmerUnd das ist meine Schreibtischecke. Hier verbringe ich den Großteil meines Tages mit der Arbeit am Blog oder anderen Projekten. Einen Fernseher haben wir bewußt nicht, auch wenn man per Satellit sicher internationales TV empfangen könnte. Uns ist Fernsehen einfach nicht wichtig.Wohnung WaschkücheDas ist unsere Waschküche. Sehr praktisch der Raum und durch die hohen Temperaturen ist die Wäsche auch innerhalb von 2-3h trocken. Übrigens waschen die Maschinen hier nur mit kaltem Wasser. image-2015-09-10(3)Das ist unser zweiter Raum. Wir nutzen ihn als Ankleidezimmer und zur Aufbewahrung von Koffern und Büroordnern.
Wohnung SchlafzimmerUnser ganz privater Bereich… unser Schlafzimmer. Die Pappe überm Bett schützt uns vor neugierigen Blicken aus dem Flur. Keine Ahnung was sich der Architekt dabei gedacht hat, ein Fenster dahin zu machen. Jeder im Haus hat diese „Luke“ zugegklebt oder einen Schrank davor gestellt. Wohnung BadUnd das ist unser Bad mit Dusche.

Für deutsche Verhältnisse mag es recht basic aussehen, für hier ist es nicht nur ein sehr guter Standard sondern sogar Luxus. Wir sind jedenfalls sehr froh darüber jetzt unsere eigene 4 Wände und viel mehr Platz zu haben.

#infoIn Auswanderersendungen belächelt man es ja immer, wenn Jemand ohne Sprachkenntnisse ins Ausland geht. Hier sollte noch gesagt werden, dass wir nur temporär im Land sind und wir schlicht nicht für jedes Land in dem Projekte sind, die Sprache lernen können. Mein Freund hat einen Dolmeterscher auf der Baustelle und kommt damit sehr gut klar. Ich lerne nur sehr mühsam eine neue Sprache und Portugiesisch mit dem Dialekt wie er hier gesprochen wird, macht es einem noch schwerer. Da das Lernen für mich nur frustrierend war, habe ich es irgendwann aufgegeben und behelfe mir seither mit Zettelchen schreiben. Also seht es uns nach, wenn wir immer noch kein Portugiesisch sprechen.

Beten kann Leben retten – die erste Taxifahrt in Brasilien

„Alter, ich will heute nicht sterben. Ich bin doch grad erst hier angekommen“ So schreit es in mir, bei unser Fahrt vom Flughafen in unsere neue brasilianische Bleibe in Canaã dos Carajás. Das Taxifahrer, wenn sie nicht grad nach Taxometer bezahlt werden, es immer eilig haben ist ein weltweites Phänomen. Ich kenne auch die Helldriver aus Afrika, aber das hier ist noch mal eine Hausnummer krasser. Dann nämlich, wenn zu einem, nennen wir es gewagten Fahrstil, auch noch schlechte Straßen und Gegenverkehr dazu kommen. image-2015-08-28(2)Aber von vorne: Es ist der 08.April 2015 wir sind gerade auf dem Flughafen von Parauapebas gelandet. Die Sonne lacht durch die Wolken, es ist unglaublich schwül und unser Taxifahrer Frederico begrüßt uns überschwänglich. Er arbeitet für die Firma meines Freundes und sie kennen sich bereits. Für mich ist alles neu. Wir laden die schweren Koffer ins Auto und starten. Ich sitze auf der Rückbank und bestaune mit großen Augen meine neue „Homebase“. Für die nächsten Monate ist Brasilien nämlich meine neue Heimat. Aufgeregt war ich bis zum Landeanflug eigentlich gar nicht. Aber jetzt bin ich es, seit wir „das große Grüne“ ganz nah überflogen haben.image-2015-08-28Und jetzt sitze ich hier im Auto und sehe das erste Mal den Regenwald des Amazonas. Die Straße vom Flughafen nach Parauapebas ist gut ausgebaut und schlängelt sich durch den dichten Wald, vorbei an Baumriesen, Lianen und allerlei Gestrüpp. Weit schauen kann man allerdings nicht, zu verworren ist das wilde Dickicht. Ich vermisse direkt die Artenvielfalt die ich mit dem Amazonas Gebiet verbinde. Keine Affen, die sich von Baum zu Baum hangeln, keine bunten Vögel und keine riesigen Würgeschlangen, die auf Ästen sitzen und genüßlich vor sich herzüngeln. „Die wollen wahrscheinlich auch nicht an der Straße wohnen“ kommentiere ich selbst meine Gedanken. Immerhin das Wetter hat sich dem Klischee angepaßt, es gießt nun wie aus Eimern.image-2015-08-28(1)Wir sind inzwischen am Grenzposten angekommen. Grenzposten? Ja, denn die Ein & Austrittskontrolle die VALE hier installiert hat, hat wirklich die Anmutung einer Grenzanlage. Anscheinend befinden sich der Flughafen und wir uns auf Firmengrund des Bergbauriesen und zur „Ausreise“ müssen die Papiere gezeigt werden. Die Firma, für die auch mein Freund im Subunternehmen arbeitet, scheint hier Einfluß zu haben. Es geht weiter durch Parauapebas, einer Stadt welche die Anmutung einer abgerockten Industriestadt hat. Und was Anders ist sie ja auch nicht, als der Lebensmittelpunkt derer, die hier in der Region Arbeit gefunden haben.image-2015-08-28(6)Wir biegen auf die Verbindungsstraße nach Canaã ab und ich werde jäh aus meiner Verträumtheit gerissen. Frederico nimmt nämlich jetzt an Fahrt auf. Er tritt das Gaspedal des Taxis durch und beginnt zu rasen. Grundsätzlich mag ich es ja auch, wenn man schnell voran kommt, aber da spreche ich von deutschen Autobahnen, zweispurig und ohne Gegenverkehr. image-2015-08-28(5)Hier ist die Ausgangslage eine ganz Andere! Die Landstraße, so man sie denn als solche bezeichnen darf, ist eigentlich mehr eine Piste. Keine Randbefestigung, keine Leitpfosten und aufgebrochener Asphalt mit Löchern so groß, dass man ein Auto darin parken könnte. Die Menge & Tiefe der Schlaglöcher führt unausweichlich dazu, dass man auf der Straße einen kreativen Fahrstil an den Tag legen muß. Denn wenn man sich die Stoßdämpfer und Reifen nicht ruinieren will, dann umfährt man diese riesigen Trümmerfelder am Besten. image-2015-08-28(7)Außerdem weicht man gleich noch auf den Sandstreifen neben der Fahrbahn aus oder benutzt einfach die Gegenfahrbahn mit. Und genau hier liegt das Problem! Auf der Gegenfahrbahn sind nämlich auch Fahrzeuge. Eine Autofahrt gestaltet sich daher als Schlängelpartie zwischen entgegenkommenden PKWs, Schlaglöchern und chaotischen Mopedfahrern, die überall durch und drüber heitzen.image-2015-08-28(3)Von einer kleinen Kuppe die wir gerade hinaufgefahren sind, können wir hinab auf den Straßenverlauf schauen und noch im gleichen Moment stellen sich mir von den Füßen aufwärts alle Haare zu Berge! Himmel hilf! Rechts und links wird überholt, auf die Gegenfahrbahn wird ausgewichen, die LKWs preschen an einem vorbei als seien sie allem Gegenüber erhaben und dazu wirbelt der Staub durch die Luft. Selbst ein vernünftiger Fahrstil ist hier ein Risiko! Ich will mir gar nicht ausmalen, was passiert wenn hier mal einer kein Glück hat, grad noch irgendwo dran vorbei geschrammt zu sein.image-2015-08-28(4)Ich bekomme Beklemmung, denn Frederico scheint nicht zu ahnen, was sein Fahrstil und diese chaotische Straße bei mir auslöst. Mein Herz pochert wie wild und meine Gedankenn kreisen. Er rast! Verdammt er rast diese besch*** Straße entlang. Auch wenn er sich auskennt, er kann schlicht nicht allen Schlaglöchern ausweichen, er bedenkt nicht, dass der LKW den er grad überholt plötzlich auch ausweicht uns abdrängt. Alles im Auto vibriert, klappert und ich klammere mich an den Griff über mir. Jeder Schlag tut nicht nur den Stoßdämpfern weh, sondern auch ich nehme den Schmerz im Rücken persönlich. Ich hab jetzt nicht nur Beklemmung, ich habe noch dazu auch Wutpochern in meinem Kopf.


Wieder setzt Frederico zum Überholvorgang an und ich frag mich, ob er des Wahnsinns ist! 4 Personen mit 8 schweren Reisegepäckstücken befördert er, da kann man nicht vor der Bergkuppe einen langen LKW überholen. Wir sind viel zu träge und der Wagen ist kein SUV mit unendlich Horsepower! Im Gegenteil! Gedanklich schreie ich ihn an: „Alter bist Du irre?!“ Ich will hier jetzt ganz sicher nicht sterben! Ich bin grad erst angekommen.“ Ich atme tief durch und ringe nach Fassung: „Könntest du ihm bitte sagen, dass er nicht so schnell und vernünftig fahren soll?“ – hauche ich meinen Freund in zuckersüßem Ton zu.


Frederico bremst kurz darauf ab. Der Verkehr bleibt trotzdem chaotisch, das Gewirr auf der Straße gleicht einem Ameisenhaufen! Es ist absolut chaotisch, aber irgendwie scheinen die Schutzengel hier einen verdammt guten Job zu machen. Zumindest sieht man keine verunfallten Fahrzeuge. Das wäre bei dem starken Verkehrsaufkommen wahrscheinlich gleich eine Massenkarambolage!

Und es bleibt auch dabei, bei jedem Überholmanöver steigt mein Herzinfarksrisiko und nach jedem geglückten Ausweichmanöver durchzieht mich ein kaltwarmer Schauer. Irgendwie muss ich diese Stunde Autofahrt überstehen. Ich zwinge mich dazu, nicht mehr auf die Straße zu sehen. Eine Hand umklammert den Sitz, die andere tippelt nervös auf dem Smartphone rum. Immer wieder spüre ich die Schlaglöcher im Rücken, höre Reifenquitschen oder die dumpfen Töne der Stoßdämpfer. Nicht nur die von unserem Taxi!image-2015-08-28(8)„Lieber Gott, wenn Du da draußen bist und mich hörst, bitte bring uns heil an. Der ganze Aufwand mit Jobkündigen, Wohnungauflösen & Umziehen  wären sonst ja völlig umsonst gewesen, das kann nicht in deinem Sinne sein.“ Beten hilft, da bin ich mir sicher. Besonders in solchen Situationen. Eine weitere halbe Stunde leide ich stumm vor mich hin, bis wir endlich in Canaã ankommen. Körperlich unversehrt, aber vergessen werde ich diese Taxifahrt wohl mein ganzes Leben nicht!

#infoIch möchte hier noch sagen, dass Frederico ein echt netter Kerl ist und er wahrscheinlich nur einen schlechten Tag hatte. Ich habe ihn in den letzten Monaten sehr gern gewonnen, wir hatten einfach nur einen „holprigen“ Start. Die Straße von Canaã dos Carajás nach Parauapebas befindet sich derzeit in Reperatur und sollte demnächst sicher befahrbar sein. Stand 28.08.2014

Die Bilder und Videos sind im Nachgang und mit unserem Auto aufgenommen worden, nur das Regenwaldbild aus dem Flieger und das von Frederico am Steuer sind Zeitzeugen. Nur so ließ sich am Besten bebildern, wie es auf der Strecke oder auf den Straßen hier so aussieht. Die Videos sind an einem Sonntag entstanden, wo nur in etwa 1/3 des normalen Verkehrs unterwegs ist. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie chaotisch es abläuft, wenn wochentags die Straßen voll sind.

S11D – die Lebensader von Canaã dos Carajás

„S11D“ – klingt erst mal abstrakt, dabei ist es die Lebensader von Canaã dos Carajás, der Stadt in der wir jetzt leben. Um genau zu sein, ist es ist das größte Eisenerz-Minen-Projekt in der Welt und wird auch als „Serra Sul“ bezeichnet. Die Mine ist ein offener Tagebau und liegt in der Bergbauregion „Serra dos Carajás“ im Bundesstaat Pará im Norden Brasiliens und damit am äußeren Rand des Amazonas Gebietes. Mit geschätzten 17 Milliarden Tonnen Bänder-Eisenerz verfügt der Standort über eine der weltweit reichsten Eisenerzlagerstätten.image-2015-08-25(1)Minenbetreiber ist das Bergbauunternehmen VALE, eines der drittgrößten Unternehmen in diesem Segment. Mit einem Marktanteil von 35 Prozent ist die Firma sogar der größte Eisenerz-Exporteur der Welt. Mit einem Investitionsvolumen von 19.5 Billion Dollar wird die neue Mine erschlossen. Diese Investition von VALE ist die größte private Investion in Brasilien in dieser Dekade. S11D soll im Jahr 2016 seine Arbeit aufnehmen. Angestrebt ist der Abbau von 90 Millionen Tonnen pro Jahr, von einem der reinsten Eisenerze der Welt.

image-2015-08-25S11D – Kritiker bezeichnen das Projekt als politisches Dilemma.

Rohstoffe wie Gold, Diamanten und Eisenerze sind die Lebensader für Brasiliens blasse Wirtschaft. Gleichzeitig steht das Land aber unter enormem internationalem Druck seine natürlichen Ressourcen & den Regenwald zu schonen. Solange der Tourismus in Brasilien mit etwa 0,5 % des Bruttosozialprodukts kein wirklich wichtiger Faktor ist, wird das Wohl der Menschen wahrscheinlich immer zu Lasten der Umwelt fallen. image-2015-08-25(4)VALE ist jedoch an der Entwicklung eines nachhaltigen Bergwerks im Amazonas sehr starkt interssiert, da sich zunehmend Unmut auch in der eigenen Bevölkerung ausbreitet. Dieser richtet sich gegen die Umweltverschmutzung und die gravierende Zerstörung des Regenwaldes, aber auch Menschenrechtsverletzungen waren in der Vergangenheit ein Thema.image-2015-08-25(3)Ein moderner Bergbaubetrieb muss wirtschaftliche, soziale, ökologische und technische Aspekte berücksichtigen, das weiß man auch bei VALE. Aus diesem Aspekt heraus, hat die Firma ABB einen 140 Mio Dollar Auftrag bekommen, die Fördertechniken zu automatisieren. Diesen Prozess bezeichnet man mit „truckless mining“. An der Installation dieser neuen Förderanlagen arbeitet mein Freund. Seine Firma ist für den Transport und den Aufbau der Verarbeitungsanlagen (Module) an ihrem Bestimmungsort zuständig.image-2015-08-25(7)Die „Module“ (riesige Stahlkonstruktionen) sind das Herzstück der neuen Mine. Über modernste Förderbänder werden sie mit den Rohstoffen beliefert, die sie dann aufbereiten und auf Züge verladen. Durch die Verwendung der Förder- und Verarbeitungsanlagen vor Ort, kann der riesenhafte Einsatz an Trucks und der Ausstoß an CO2 Abgasen drastisch vermindert werden. In diesem Zusammenhang verwendet die Branche den Begriff „Truckless transportation“ – was eine der Hauptforderungen des IPPC (Intergovernmental Panel on Climate Change) für die neue Mine war. Das Unternehmen plant 3% weniger Wasser zu verbrauchen, 77% weniger Treibstoff and 50% weniger Emissionen zu verursachen.image-2015-08-25(5)VALE hat außerdem seine Verantwortung erkannt und arbeitet eng mit den Gemeinden der Region und der Regierung zusammen. Infolgedessen investiert das Unternehmen in gemeinschaftliche Beziehungen, in soziale Initiativen und Infrastrukturprogramme. Lokale Arbeitskräfte werden qualifiziert und Unternehmertum gefördert. image-2015-08-25(8)Und das alles ist auch für Außenstehende wie mich sichtbar. Medizinische Einrichtungen, Supermärkte & Apotheken haben sich auf die VALE Karte spezialisiert, die Mitarbeitern Vergünstigungen bietet. Der Straßen- und Wohnungsbau wird voran getrieben und es gibt unzählige Schulungs- & Trainingscenter. Auch die Jobvergabecenter sind hier vor Ort angesiedelt. Soweit uns bekannt ist, verdienen die Mitarbeiter bedeutend besser, als der Durchnittsbrasilianer. image-2015-08-25(9)Der Bergbau ist die Lebensader der Region. Canaã dos Carajás ist eine der am schnellsten wachsenden Städte des Landes. Waren es im Jahr 2000 noch 10.000 Einwohner so sind es jetzt bereits 52.000. Auch für die, die nicht in der Mine beschäftigt sind, ist der Bergbau ein Jobmotor. 30.000 Arbeitsplätze hängen an S11D und damit eine enorme Wirtschaftskraft. Das kommt lokalen Geschäften, der Wohnungsbaubranche, der Hotellerie und der Gastronomie zu Gute.image-2015-08-25(10)Bei allem Nutzen für die Menschen in der Region hoffe ich, dass sowohl VALE als auch die Menschen hier, sich ihrer Verantwortung dem Lebensraum „Amazonas“ gegenüber bewußt sind. Das erkannt wird, dass Wohlstand sehr wohl auch mit Natur und Umweltschutz einher gehen kann. Und das ein intaktes Ökosystem auch die Lebensqualität der Menschen steigert.

 

Feuer Teil 2! Ich würde jetzt gerne packen und gehen

10 Uhr morgens ich sitze am Rechner und schreibe die Geschehnisse vom Feuer am letzten Morgen auf, als ich es verdächtig knistern höre. Ich eile zum Fenster und behalte mit meiner Vermutung recht, es brennt schon wieder! Neben unserem Haus ist eine Freifläche und die wird gerade munter in Brand gesetzt. Am Wegrand bewegt sich ein Mann vorwärts und entzündet alle paar Meter das Gras. „Normal“ hier in Canaá dos Carajas und das obwohl es gegen das Gesetz des Landes verstößt. Aber wo kein Richter…image-2015-08-20(4)Ich schaue mir die Lage an. Feuer und Gegenfeuer flackern da auf. Die Hautstraße ist eingehüllt in dichten Rauch. Auf dem Dach des Neubaus gegenüber nutzt man den Brand gleich noch, um Baureste zu verbrennen. Munter wird der Dreck von oben in die Flammen geworfen und laute Pfiffe dienen der Erheiterung. Ich kann es gar nicht lustig finden, denn ich sehe Dinge kommen, die die Herrschaften da nicht bedacht haben. Denn die in brandgesetzte Fläche hat „Anschluß“ an die hinter unserem Haus. Das bemerken jetzt auch die Brandschatzer. Mit 2 Eimern Wasser wird noch versucht, das Feuer zu löschen. Aber es ist längst zu spät, die Flammen haben sich schon viel zu tief ins Dickicht gefressen.image-2015-08-20(5)Ich laufe in der Wohnung umher, sammle wieder unsere Pässe und Kameras ein, stopfe alles in meinen kleinen Rucksack und renne die Treppen hinunter. „Fuego, Fuego“ gebe ich dem Nachbarn zu verstehen, mit dem wir schon am Montag das Feuer bekämpft haben. Ich laufe weiter zu dem kleinen Häuschen neben uns, informiere die Geschäftsläute der Läden in Front und laufe in den Hinterhof. Oi, Oi, Feugo! Gebe ich der Nachbarin zu versehen und deute über ihr Nebengebäude. Sie sieht den dichten Rauch und verständigt sofort weitere Nachbarn.

Inzwischen ist das Feuer auch wieder an unserem Hinterhof angekommen. Ich laufe noch mal hoch, um weitere Sachen einzupacken. Von oben sehe ich, wie der Nachbar mit dem Rücken zur Hauswand steht und mit dem Gartenschlauch gegen die Flammen und dichten Rauch kämpft. Ich bete in diesem Moment für ihn, dass er sich nicht noch eine Rauchvergiftung einfängt.

Ich laufe wieder nach unten. Der Rauch zieht wie durch ein Kaminrohr angezogen durch den Flur und im ganzen Haus riecht es verkohlt. An der Mauer des Innehofes gelehnt steht die Leiter auf der der Nachbar versucht die Flammen vom Gemäuer abzuhalten. Wie schon am Montag bekämpft er das Feuer mit seinem Gartenschlauch. Außerdem wurde ein Gegenfeuer gelegt. Was allerdings nicht gerade zu meiner Beruhigung beiträgt.

Auch die Nachbarn auf der anderen Seite der kleinen Senke sind jetzt aufmerksam geworden und ziehen alte Bretter aus der Gefahrenzone, um Schlimmeres zu vermeiden. Das Feuer frißt sich derweil immer weiter durch das Dickicht. Die ausgedöhrten Grashalme sind ein idealer Nährboden.

Ich höre Mäuse quiken die vergebens versuchen, dem Inferno zu entkommen und ich sehe Vögel über den Nestern ihrer Jungen kreisen. Immer wieder versuchen sie die Kleinen zur Flucht zu animieren, aber sie sind noch nicht flügge. Ich beobachte die Taube, deren Nachwuchs wir neulich mit Wasser versorgt haben. Auch sie kreist hilflos immer wieder über das Nest. Entsetzlich die Vorstellung, dass da grad Tiere bei lebendigem Leibe verbrennen. Es mögen nur Vögel und Mäuse sein, aber es sind auch Lebewesen, die ein Recht auf Existens haben. In mir steigt Wut auf und ich fühle die Ohnmacht, die mich umgibt. Ich kann mich jetzt nicht ins Dickicht wagen ohne Gummistiefel und Machete. Erst Recht nicht, wenn es von allen Seiten brennt. Es bricht mir das Herz, das miterleben zu müssen.

Ich bin so wütend! So unglaublich wütend auf diese dummen Menschen, die dieses Feuer gelegt haben. Von wegen „kontrolliertes Abbrennen“ – als sie begriffen haben, dass sie die Kontrolle verloren hatten, haben sie sich ganz schnell aus dem Staub gemacht. Sie haben nicht Bescheid gesagt. Sie haben nicht geholfen zu löschen. Sie haben nicht die Feuerwehr gerufen. In Deutschland würde man dafür in den Knast wandern, da bin ich mir sicher.

Die Menschen hier haben schon nicht viel, aber das wenige dann auch noch bei einem Feuer zu verlieren, stelle ich mir schrecklich vor. Zumal hier sicherlich niemand versichert ist, wie in Deutschland. Die, die das Feuer gelegt haben, sollten dann doch wissen, welches Unglück sie über die Betroffenen bringen? Aber nein, man denkt hier nicht vorausschauend und schon gar nicht an seine Mitmenschen.

Wäre mir das Knistern entgangen, hätte ich die Nachbarn nicht noch rechtzeitig gewarnt, dann hätten die Flammen wahrscheinlich das Nebengebäude erfaßt und danach wahrscheinlich auch unser Haus. Wie kann man so verdammt rücksichtslos und ignorant sein. Es will mir nicht in den Kopf. Was ist denn, wenn der Nachbar heute Nacht stirbt, weil er sich unbemerkt eine Rauchvergiftung zugezogen hat? Er stand minutenlang im dichten Qualm? Wer versorgt dann Frau und Kind? Mir gehen so viele Dinge durch den Kopf und ich kann dieses Handeln beim besten Willen nicht begreifen.image-2015-08-20(2)Eigentlich würde ich jetzt gerne Daniels und meinen Koffer packen und gehen. Wir haben Unfälle und Verfolgungsjagden mitbekommen, aber da es uns nicht direkt betroffen hat, konnten wir damit leben. So ein Feuer aber an unserem Haus, das betrifft uns und macht mir Angst.image-2015-08-20(7)

Feuer! Und der Leitsatz: Hilf Dir selbst sonst hilft Dir keiner!

„Schatz, kannst Du bitte die Pässe nehmen und runter kommen, hinterm Haus brennt es.“ lautet Daniels Anweisung am Telefon und seine Stimme klingt  dabei völlig ruhig. „Ich bin grad aus der Dusche raus gesprungen“ erwidere ich. Wieder ein ruhiges „OK“ und wir beenden das Gespräch. Ich wackel zurück in die Dusche, drehe das Wasser auf und seife mir die Haare ein. „Das Feuer wird schon nicht so weit sein, dass ich jetzt alles in Hektik packen muss“, denke ich mir. „Daniel klang gelassen & ruhig. Er wird sicherlich gleich hoch kommen und mir helfen, die wichtigsten Dinge einzupacken.“image-2015-08-20Als ich aus der Dusche komme, ist da kein Daniel. Komisch. Ich schlüpfe in Kleid und Schuhe, schnappe mir unsere Pässe und laufe nach unten. Wir wohnen im dritten Stock und haben keine Fenster nach hinten. Ich kann nicht sehen, was da vor sich geht. Das halbe Haus ist unbewohnt, weil der Durschschnittsbrasilianer sich die Miete hier gar nicht leisten kann. Entspechend ist es überall dunkel und niemand verläßt aufgeregt seine Wohnung. Auch ich renne nicht, sondern steige ruhigen Schrittes die Treppen nach unten. Es riecht komisch, das stelle ich fest.

Wieder klingelt mein Telefon. „Wann kommst Du runter? „Ich bin schon da“ lautet meine Antwort, während ich Daniel quasi in die Arme laufe. Gemeinsam betreten wir den Hinterhof. Und hier stockt mir der Atem. Die Flammen sind direkt am Zaun und der Mauer zum Parkplatz! Meterhoch steht das Gras in Flammen, die Funken fliegen in den Nachthimmel und dichter Qualm umhüllt diese unwirkliche Szenerie.

Schlagartig wird mir die Gefahr der Situation bewußt! Und ich hab noch seelenruhig geduscht. Daniels bedächtige Stimme, hab ich nicht als Gefahr gewertet, sondern ich ging davon aus, dass das Feuer noch weit vom Wohnhaus entfernt ist. Ich habe es völlig falsch eingeschätzt. Die Flammen sind keine 10 Meter von den Grundmauern unseres Hauses entfernt!

Die Nachbarn die unten einen kleinen Laden haben sind eifrig mit Löscharbeiten beschäftigt. Zwei weitere Nachbarn halten Smalltalk zur Situation. Ich laufe zum Zaun, um mir einen Eindruck über das ganze Ausmaß zu machen. Hinter unserem Innenhof geht es kurz steil bergab und die ganze Senke ist wild überwuchert mit Gras, Gestrüpp und auch ein paar Palmen findet man da. Viel kann ich in der Dunkelheit nicht erkennen, außer dass es an mehreren Stellen rundherum brennt.image-2015-08-20(6)Ich drehe mich um und begutachte die Lage. 2 Schleuche, 2 Eimer und 3 Leute die aktiv und angestrengt versuchen, das Feuer zu löschen. Daniel fragt nach: Bombeiros?“ „Bombeiros!“ und ein Kopfnicken kommen zurück. Die Feuerwehr ist also verständigt. Das beruhigt mich. „Wie lange die hier in Brasilien so braucht bis die kommt?“, schießt es mir durch den Kopf. „Zu lange“ ist die Antwort auf meine eigene Frage. Hektisch frage ich nach einem Eimer. Daniel hilft beim Löschen mit dem Schlauch.

Meine Tasche landet im Dreck. Aus dem Pool der Nachbarskinder schöpfen wir das Wasser. Ich laufe  mit dem Eimer vom Wasserbecken zum Zaun und wieder zurück. Eimer für Eimer kippe ich mit voller Kraft in die Flammen, in der Hoffnung irgendwas ausrichten zu können. Derweil schlagen die Flammen direkt an die Grundstücksmauer. Unser Nachbar klettert eine Leiter hinauf um die Flammen von oben löschen zu können. Dramatische Minuten, in denen jeder gegen Rauch, Flammen und Angstgefühle kämpft. Von der Feuerwehr ist derweil nichts zu sehen. Auch haben sich die zwei smalltalkhaltenden Nachbarn in Luft aufgelöst. Geht sie wohl nichts an, was hier gerade passiert. Innerlich schüttel ich den Kopf.image-2015-08-20(1)Inzwischen helfen uns auch die Nachbarskinder, beim Befüllen der Eimer. Hand in Hand arbeiten wir an der Eindämmung der Flammen und das mit einfachsten Mitteln. Nach 30 min sind die Flammen gelöscht, das Schlimmste unter Kontrolle gebracht und nur mehr einzelne Glutnester in der Ferne auszumachen. Mit unserem kläglichen Wasserstrahl sind die allerdings für uns unmöglich zu erreichen. Feuerwehr ist bis dato keine erschienen. Wir stellen also die Löscharbeiten ein und ich trotte die Treppen hinauf.

Meine Kleidung riecht bestialisch nach Rauch, mein Hals ist gereizt und ich muss husten. Als ich unter der Dusche stehe und das Wasser von mir abperlt, der Staub sich löst und der beißende Geruch so langsam verschwindet, wird mir regelrecht schlecht. Jetzt erst wird mir klar, in welcher Gefahr ich mich befunden habe. Niemand hätte mich hier rausgeklingelt oder Bescheid gesagt, dass es brennt.

Es war Zufall, dass Daniel grad von der Arbeit kam und die Flammen entdeckt hat. Einen Notausgang übers Dach gibt es zwar, aber wenn das Haus in Flammen steht und keine Feuerwehr kommt, dann nutzt einem das auch reichlich wenig. Ich hätte nicht mal mitbekommen, dass ich mich in Gefahr befinde, bis es durch den Türspalt in die Wohnung gequalmt hätte. Und ab diesem Zeitpunkt wäre es längst zu spät gewesen.image-2015-08-20Die Feuerwehr hat sich überhaupt nicht blicken lassen. Als Konsequenz dieses Abends, haben wir beschlossen uns einen Feuerlöscher zu zulegen und ich habe Daniel gebeten, in Notsituationen auch deutlicher zu werden, damit es auch in meinem Kopf ankommt.

 

Dreck ist meine zweite Haut – mein Leben mit Staubschicht in Brasilien.

„Dreckig. Ich fühle mich dreckig. Immer und überall.“ Das ist die Antwort auf die Frage, wie ich mich in meinem neuen Leben hier in Brasilien fühle.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 10.48.43Die Stadt in der wir seit April leben heißt Canaã dos Carajás und sie ist eine klassische Minenstadt. Nicht so romantisch wie im Westernfilm, aber genauso staubig. Wenn man sich die Karte der Region anschaut, dann meint man ja, wir wohnen im Amazonas und damit im dichten Regenwald. Das war auch sicherlich vor hundert Jahren noch alles dichter, grüner und lebendiger Wald, doch davon ist leider nicht mehr viel übrig.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 08.43.41In der Schule haben wir gelernt, dass Regenwald ein in sich geschlossener Wasserkreislauf ist und alles Leben von den Pflanzen darin abängt. Das feuchte Nass fällt vom Himmel, wird von den Pflanzen aufgenommen und wieder über die Blätter abgegeben. Rodet man die Bäume, bleibt nichts als Sandwüste übrig. Und so ist es auch hier geschehen. Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.27.16In der ganzen Gegend findet man großen Minen die Infrastruktur, wie Straßen, Schienen oder Städte brauchen. Also mußte Platz geschaffen werden. Außerdem hat der Mensch für mehr Weideland gesorgt und dafür eben den Regenwald abgeholzt oder nieder gebrannt. Einzig Gras und Palmen wachsen hier auch auf den kargen Böden gut. Zwischen Januar und April ist Regenzeit. In diesen Monaten schauert es jeden Tag. Manchmal nur für ein paar Minuten, aber in der kurzen Zeit fällt genug Wasser vom Himmel, um der Landschaft das nötige Leben einzuhauchen.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.25.13Trotzdem bleiben große unbewirtschaftete Flächen, Schotterpisten und loser Sand zurück. Und eben dieser braune Staub legt sich täglich als feine Schicht auf jede Fläche, jedes Blatt und jeden Stein. Nichts, aber auch gar nichts bleibt davon veschont. Genau wie in einer Wüste zieht der Sand in jede feine Ritze, bedeckt jede erdenkliche Fläche und natürlich auch auf die Haut der Menschen. Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.44.54Und so kommt es, dass ich mich hier immer dreckig fühle. In der Wohnung müssen täglich die Oberflächen gewischt werden und spätestens jeden zweiten Tag die Böden. Mit ungewaschenen Füßen, kann man sich nicht einfach mal auf die Couch lümmeln oder sich ins Bettchen kuscheln, selbst wenn man 2x am Tag wischen würde. Es käme einem trotzdem ungeputzt vor. Leute mit Reinigungsfimmel würden irre werden. WP_20150807_14_01_47_Pro-2Inzwischen habe ich mich schon einigermaßen daran gewöhnt und meine Tolleranzschwelle nach unten gesetzt. Aber trotzdem fluche ich noch jeden Tag darüber. Stellt euch vor, dass es nichts gibt, was sauber ist. Man kann nichts anfassen und dabei sauber bleiben. Sofort möchte man sich wieder die Hände waschen. Und ich bin wahrlich nicht pingeling, aber hier…. Man macht sich einfach ständig dreckig! In der Wohnung, im Auto, überall.Nun kann man argumentieren, dann putzt doch einfach. Wenn es so einfach wäre! 1x das Fenster oder die Autotür geöffnet, die Lüftung an oder die Scheiben runtergekurbelt und es ist direkt wieder alles voller braunem Staub. Am Anfang habe ich in der Tat noch versucht, dem Herr zu werden. Aber man resigniert. Der braune Dunst ist in der Luft. Immer. Und so wird man wohl auch immer ein ekliges Gefühl an den Händen haben, braune Fußsohlen oder quer übers T-Shirt einen dunklen Streifen vom Autogurt.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 10.49.30Genauso kann man hier nichts kaufen, was sich neu anfühlt und sauber ist. Die Geschäfte kämpfen ja mit dem gleichen Problem. Also ist jede Packung im Supermarkt mit einer Schicht Staub belegt und ich wasche daheim erstmal alles ab, bevor es in die Schränke wandert. Das Schöne an neuen Dingen ist ja eigentlich, dass sie sich neu anfühlen. Das gibt es hier nicht. Hier fühlt sich nichts neu, sauber und unbenutzt an. Im Gegenteil. Man greift ins Regal und ekelt sich. Mir ist vollkommen die Lust auf Einkäufe vergangen.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 10.49.01Jetzt ist Trockenzeit und das bedeutet, dass es seit Wochen nicht geregnet hat und der Regen der fiel, hat eigentlich auch nur die Staubschicht befeuchtet. Die Natur leidet unter der Trockenheit und die Blätter können nicht atmen. Ganz besonders deutlich wird das am Straßenrand. Grün ist da kein Grashalm mehr. Entlang des Weges ist jede Pflanze braun. Es ist jetzt gerade erst August und ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es die nächsten 4 Monate mit dieser Trockenheit hier weiter geht. Schon jetzt staubt und brennt es an jeder Ecke und mit Besserung ist vor Januar nicht zu rechnen.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.38.51Die letzten Tage habe ich auch zunehmend riesige Windhosen über der Stadt beobachtet. Die Schwüle, die aufgeheizte Luft, dazu die Brände und der ausgedörrte Boden sind ein idealer Nährboden für diese „Wirbelstürme“. 40 Meter hoch reißt er den losen Staub und allen Müll in die Luft und bahnt sich seinen Weg durch die Stadt. Wohl dem, dessen Haus verschont bleibt. Als sei es noch nicht staubig genug. Ein geschlossenes Fenster ist kein Schutz, denn diese sind weder doppelt verglast noch isoliert. Durch die Ritzen & Schiebeleisten findet der Staub seinen Weg, besonders bei Wind.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.37.37Die Steigerung von Staub ist dann Matsch. Als ich im April hier ankam, verwandelte der Regen, der auf den Sand fiel, alles zu einer matschigen rotbraunen Masse. Manche Straßen waren dann überhaupt nicht mehr befahrbar und wir mussten aufpassen, bei unseren Ausflügen nicht irgendwo stecken zu bleiben. Da war ich dann also nicht nur staubig an den Händen, sondern oft auch bis zum Knie hoch voller Pampe. Seiher trage ich auch Flip Flops. Mein ganzes Leben hatte ich noch nie solche Schuhe. Hier machen sie Sinn. Zu Hause angekommen, spült man sie einfach unterm Wasserhahn ab. Lederriemchensandalen, wie ich sie früher trug, wären hier nach kürzester Zeit ruiniert.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.58.06Man ist hier also gezwungen sich damit zu arrangieren, ob es einem nun paßt oder nicht. Ob man dagegen ankämpft oder nicht. Dreck gehört hier zum Alltag. Also kann ich auch berechtigt behaupten, dass ich mich dreckig fühle.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.42.59

Küste wird überbewertet. Riverbeach in Marabá kann was!

Sommerliche Temperaturen um die 30ig Grad haben wir hier eigentlich das ganze Jahr und bei über 90% Luftfeuchte, läßt es sich auch ordentlich schwitzen. Was Canaá dos Carajas nicht hat, ist ein Platz am Meer. Nicht mal ein Platz am See. Sehr schade. Denn gerade in Brasilien, wo es hitzig zugeht und man gerne Kurven zeigt, wünscht man sich einen Ort zum Abkühlen. Und ein wenig auch zum Schauen.

Aber, wenn man schon im „Paradies“ lebt, kann man eben nicht auch noch Me(h)er erwarten. Also haben wir uns aufgemacht etwas Neues für uns zu entdecken. Unsere wilde Fahrt führt uns nach Marabá, denn hier und das hatten wir gehört, soll es einen Strand geben! Kein Meer, aber einen Fluß, der zur Trockenzeit eine phatastische Insel frei gibt. Nach „nur“ 3h Fahrt mit allerhand Schlaglöchern hatten wir unser Ziel erreicht.

Allerdings erinnerte mich die Szenerie mit den kleinen Booten eher an asiatische Länder als an Brasilien.

Bildschirmfoto 2015-08-08 um 15.18.03Mit so einer kleinen Jolle sind wir von der Uferpromenade zur Insel übergesetzt.
Allein die Überfahrt war entzückend!Bildschirmfoto 2015-08-08 um 15.17.49Und was uns dort erwartet hat, war erst Recht der Knaller!
Bildschirmfoto 2015-08-08 um 15.37.56Strohütten, wehende Flaggen, einladende Hängematten und bunte Drachen. Dazu quirliges Familienleben, Badespaß und Beachlife pur!Bildschirmfoto 2015-08-08 um 15.38.32Kinder gehören in Brasilien einfach dazu. Und weil das Wasser so angenehm warm ist, packt man auch gleich Tisch & Stühle mit in den Fluß.Bildschirmfoto 2015-08-08 um 15.52.48Macht ja Sinn! Genauso wie die Kühlbox, damit man das Leben so richtig genießen kann.
Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.03.08Und auch so läßt es sich wunderbar aushalten!Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.16.47Verpflegung gibt es selbstverständlich direkt am Strand. Frisches Obst wird sogar bis an den Tisch im Fluß gebracht.Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.18.10 Dieser Händler verkauft Käsespieße, die er im eigens dafür entwickelten Grill heiß macht. Clever!Bildschirmfoto 2015-08-08 um 17.41.18Auf Naschereien muß hier auch Niemand verzichten.
Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.32.49Als wir uns nach Essensständen erkundigen, werden wir direkt von einer brasilianischen Familie adoptiert! Kind auf den Schoß, Bier auf den Tisch und Essen wird uns auch angeboten. So herzig. „Eigentlich ist das hier für unsere Familie, aber hey, dann seit ihr jetzt Familie.“ Ich glaube man ist stolz „alemão“ Gäste zu haben. Jeder will ein Bild mit uns und wir genießen den „kulturellen“ Austausch, auch wenn wir nur ein paar Brocken portugiesisch auf Lager haben.Riverbeach MarabaDer Strand ist bevölkert von Händlern, egal ob man bunte Armbändchen will, oder….Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.20.00…ein neues Spielzeug.Bildschirmfoto 2015-08-08 um 17.27.55Oder zwei, drei…
Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.02.54Super funktioniert hier auch Drachensteigen lassen! Daran haben brasilianische Kinder überhaupt sehr viel Freude. Das beobachte ich auch in Canaá sehr häufig.
;araba Lautspecher BeatboxNa und laute Musik, darf natürlich auch nich fehlen. Wie „gewöhnt“ sie daran sind, sieht man hier. Man kann auch vor den größten Beat-Wummern noch friedlich schlafen.Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.20.39Aber in der Hauptsache geht es natürlich um´s Badevergügen.Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.21.38Ok, das war gelogen! Wir sind ja in Brasilien, da geht es natürlich auch um Körperkult;) Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.21.04Ja, das ist ein Bikini. Der wohl knappeste, den ich je gesehen habe. Aber hey, die Frau hat Ausstrahlung und Selbstbewußtsein und das macht sexy!
Das vergessen nur die Meisten. Hätte sie einen schwarzen Badeanzug an, wäre sie nie Jemandem aufgefallen. So aber, war sie der Hingucker schlechthin und ich bin mir sehr sicher, dass der ein oder andere Herr Gefallen gefunden hat.
Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.18.54Und so genießt eben jeder auf seine Weise!Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.16.31Für die Sicherheit ist natürlich auch gesorgt. Baywatch ist watching you! Und auch wenn ihr euch jetzt Sorgen macht, dass der Rettungsschwimmer wegen mir abgelenkt war und das Mädchen grad nebendran ertrinkt…. keine Sorge… er hatte zu jeder Zeit alles unter Kontrolle!
Bildschirmfoto 2015-08-08 um 17.42.41Wie überall auf der Welt, liebt auch der Brasilianer Selfies. Und für diese Verliebtheit gibt es kein besseres Tool als einen Selfie-Stick.Bildschirmfoto 2015-08-08 um 17.42.57Immer und überall ist grad jemand beschäftigt sich in Pose zu setzen.Bildschirmfoto 2015-08-08 um 17.42.30Sogar beim Knutschen! Aus der Ferne betrachtet dachte ich zunächst sie zeigt einem Anderen den Finger. Bis ich mal rangezoomt habe!
Bildschirmfoto 2015-08-08 um 17.57.45Zum Sonnenuntergang hatten wir die Insel mit dem Boot wieder verlassen und sind zur Uferpromenade zurück gekehrt.Bildschirmfoto 2015-08-08 um 18.04.36An der sich jetzt alle zu treffen schienen…
Bildschirmfoto 2015-08-08 um 17.55.04… um die letzten Sonnenstrahlen zu erhaschen und das warme Licht zu genießen. Bildschirmfoto 2015-08-08 um 18.01.56Für uns war der Tag definitiv ein Highlight. Und als Fazit läßt sich ganz klar sagen:
Wer braucht da noch ein Meer, wenn er einen solchen Stadtstrand haben kann?
So ein Fluß ist eine echte Alternative! Also dann:

#get up & rock

PS: Hier noch was zum Lachen für Euch!

#info

Marabá liegt im nördlichen Teil Brasiliens und ist die viertgrößte Stadt in der Region Pará. Sie liegt rund 500 km südlich von Belém und hat rund 230.000 Einwohner. Marabá befindet sich am Ufer des Rio Tocantins bei der Einmündung des Rio Itacaiúnas und ist auch per Flugzeug erreichbar. Die Stadt ist sicherlich keine touristische Perle. Wer trotzdem hier landet, sollte sich diesen Stadtstrand jedoch nicht entgehen lassen. Am Bootsanleger besteht die Möglichkeit sein Fahrzeug auf einem bewachten Parkplatz abzustellen. Die Bootsfahrt hat uns rund 6 Real pro Strecke und Person gekostet. Das sind umgerechnet etwa 2 EUR. Auf der „Insel“ gibt es Essensstände und an der Promenade Restaurants. Taxis waren nicht so leicht zu finden, man sollte sich vorab die Rufnummer notieren, wenn man diesen Service nutzen will. Wir haben uns sehr sicher, wohl und willkommen gefühlt.

Willkommen in Canaã dos Carajás – unserem „Paradies“

Mein Freund sagt immer: „Schatz, ich weiß gar nicht was Du hast. Es hat immer gutes Wetter, Sonnenschein & Palmen – es muss das Paradies sein!“ Nun, wenn man es nur darauf reduziert, dann hat er wohl Recht.Bildschirmfoto 2015-08-03 um 13.16.34Vor knapp 4 Monaten bin ich ihm, in die vielleicht häßlichste Stadt Brasiliens gefolgt und „Paradies“ ist inzwischen ein Running-Gag zwischen uns. Denn wann immer einer von uns genervt ist, beruhigen wir mit dem „Paradies„-Spruch.

Und hier liegt Canaã dos Carajás, was wir lieber als „Homebase“, anstatt als neue Heimat bezeichnen:Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.10.25Der Bundesstaat heißt: Pará und der Teil, in dem wir leben, gehört eigentlich noch zum Amazonas. Allerdings sieht man davon nicht mehr viel. Der Regenwald, wie es ihn hier ursprünglich einmal gab, mußte weichen. Entstanden sind riesige, grüne Weideflächen.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.30.41Das Holz des Regenwaldes ist wertvoll, die Erze im Boden haben einen Milliarden schweren Wert und der Mensch tut sein Übriges durch seine Ausbreitung. Noch immer und täglich fallen große Flächen der Brandrodung zum Opfer, damit Viehwirtschaft betrieben werden kann, neue Siedlungen entstehen oder Platz für Minen geschaffen wird.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.22.35Viehwirtschaft & die Mine dominieren hier die Landschaft und bieten die meiste Arbeit für die Menschen hier.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.30.16VALE -der Minenbetreiber- ist auch der größte Arbeitgeber in der gesamten Region. Zehntausende Jobs hängen allein an der Entstehung der neuen Mine. Das Projekt nennt sich S11D. An ihm arbeitet auch mein Freund für eine große Kranfirma.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.39.06Die Stadt selbst ist innerhalb nur weniger Jahre beachtlich gewachsen und hat mit dem Ansturm auf Arbeitsplätze gar nicht mithalten können. Und das ist wahrscheinlich auch genau der Grund, warum die Brasilianer selbst sagen, es sei die häßlichste Stadt des Landes.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.10.43Im Hotel Canaá haben wir die ersten 2 Monate gelebt. Ein sehr hübsches Hotel & wir haben uns sehr wohl gefühlt. Aber auf Dauer sind 16qm für zwei Personen schon eine Herausforderung. Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.56.50Mitte Juni sind wir dann in ein eigenes Apartment umgezogen. Unsere Wohnung ist im dritten Stock. Das Haus liegt direkt an der Hauptverkehrsstraße. Und man sieht hier schon sehr deutlich, was das so mit sich bringt… Müll & viel Verkehr. Denn jeder Minenabeiter kommt hier vorbei. Wir sind trotzdem happy, dass wir eine moderne, komfortable Bleibe gefunden haben und nun endlich auch viel mehr Platz & einen Balkon haben.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.58.32Die Hauptverkehrststraße ist Lebensader der Stadt.

Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.04.31Wie überall gibt es kleine Geschäfte, Bars und Restaurants.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.53.30 Menschen, die nicht in der Mine Arbeit gefunden haben, besitzen oft ihr eigenes Geschäft – manchmal auch auf 2-4 Rädern. Meist werden Lebensmittel, Eis oder Handyzubehör verkauft.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.53.49Das ist der Platz, an dem die Busse in die nächst größeren Orte wie Parauapebas oder Marabá starten.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.05.25In der Mitte ist die Hauptverkehrsstraße durch einen Grünstreifen getrennt. Er ist Treffpunkt, Marktplatz und auch Spielplatz. Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.05.07Für viele Menschen aber auch ihr Lebensmittelpunkt.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.54.05Natürlich gibt es morderne Läden, aber auch das gehört zum normalen Stadtbild.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.58.58Wer hat Lust, hier auszugehen? Ich meistens nicht. Billiard ist allerdings neben Fußball das zweitliebste Hobby, der Männer hier.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.52.10In der Regenzeit wird die Stadt regelmäßig geflutet. Schade, dass man bei neuen Straßen nicht an Gullis und Kanalisation gedacht hat. Am Ende der Straße, sammelt sich dann das Wasser, unterspühlt sie und bildet riesige Löcher. Die neue Straße ist damit schon wieder nichts mehr wert.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.51.07Richtig übel ist es dann, auf den nicht geteerten Nebenstraßen. Kein Spaß wenn man da mit Moped oder Fahrrad durch muß, wie ein großer Teil der Bevölkerung … und ich!Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.50.54Autowaschanlagen wie diese gibt es daher wie Sand am Meer. Warum noch Niemand auf die Idee kam, eine moderne Anlage hier hinzusetzen, erschließt sich mir nicht. Allerdings sichert es so natürlich mehr Menschen ein Einkommen, vielleicht liegt es daran.

Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.53.12Es wird unheimlich viel neu und gut gebaut. Trotzdem sind Holzhütten mit Lehmboden hier ganz normale Wohnhäuser.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.58.16 Von sowas wird mir regelmäßig schlecht, wenn ich durch die Stadt laufe.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.06.11Und so sieht es zwischen den einzelnen Häusern aus. Ich werde nie verstehen, warum die Menschen in ihrem eigenen Dreck leben, anstatt auf Sauberkeit zu achten.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.07.50Apropo Dreck. Mit dem hab ich ich so meine größten Probleme. Der braune Sand ist immer und überall. Man kann nicht aus dem Haus gehen, ohne sich dreckig zu machen. Wer ein Hygienefanatiker ist, der würde hier nur im Quarantäne-Anzug rumlaufen.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.52.30Brasilianer mögen es laut. Sehr laut. Wer am Lautesten ist, der bekommt die Aufmerksamkeit & Kundschaft. Da wo es laut ist, da geht man auch hin zum Tanzen, Einkaufen oder Fußball schauen. Ja, sogar auf die Kirchen trifft das zu. Entsprechend hat jeder der etwas auf sich hält, seinen Kofferraum komplett mit Lautsprecherboxen ausgebaut und wummert duch den Ort. Optional wird man noch durch Werbefahrzeuge dauerbeschallt. Den ganzen Tag cruisen sie im Schritttempo mit donnernden Boxen herum und verkünden die frohe Botschaft. Mich nervts als Bewohner, aber die, die damit rumfahren, müssen doch komplett gaga sein, zum Feierabend… Ohrenstöbsel benutzen sie jedenfalls nicht, das hab ich überprüft.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.00.03Und das bricht mir jedes Mal das Herz: Die Hunde und Katzen, die unter erbärmlichsten Umständen versuchen, auf der Straße zu überleben. Ich tue meinen Teil, aber ich kann nicht alle füttern, verarzten oder retten.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.09.08Das ist ein beliebter Treffpunkt. Am Wochenende ist da alles voll mit Menschen. Die Stadt hat außer einer Disco, den üblichen Bars & Fußballplätzen eigentlich keinerlei Freizeiteinrichtungen. Kein Kino, kein Schwimmbad, keinen Park – nichts.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.54.28Aber es gibt auch schöne Dinge hier! Und das sind in der Hauptsache die Menschen. Ich mag ihr Lächeln, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Dinge, die ich in Deutschland immer schmerzlich vermisse.

Wir haben die ActionCam aufs Dach getan und einfach mal gefilmt wie es hier aussieht. Also, macht Euch ein #liveBild!

Mein neues Leben in der vielleicht häßlichsten Stadt Brasiliens

Brasilien ist der Inbegriff von heißem Temperament, bunter Lebensfreude, wildem Karnival, atemberaubenden Traumstränden, 24h-Fußball, leckeren Cocktails und natürlich den schönsten Frauen der Welt. Das gilt wahrscheinlich für überall, nur nicht da wo es mich hinverschlagen hat.Bildschirmfoto 2015-07-24 um 18.25.29Canaã dos Carajás – heißt die Stadt, die von den Einheimisch, als die wohl häßlichste Stadt des Brasiliens bezeichnet wird. In 15 Jahren ist der Ort von 10.000 auf 52.000 Einwohner gewachsen. Infrastruktur dazu gibt es eigentlich keine. Die Stadt ist staubig, dreckig und vermüllt. Zur Regenzeit auch überschwemmt. Sie ist laut, nicht ungefährlich und erbarmungslos für die Schwachen.Bildschirmfoto 2015-07-27 um 14.22.32Aber genau da lebe ich jetzt. Nur wieso? Ganz einfach, wegen der Liebe.Bildschirmfoto 2015-07-27 um 14.18.06Mein Freund hat hier ein Bauprojekt in einer großen Mine und ich wollte schlichtweg nicht mehr ohne ihn leben. Na und außerdem muß ihn ja Jemand beschützen. Vor den Frauen zum Beispiel;)
Bildschirmfoto 2015-07-27 um 14.20.58Also hab ich meinen Job gekündigt, meine Wohnung aufgegeben und bin ihm gefolgt.image-2015-09-12(3)Nichts ahnend, was mich hier so alles erwarten würde.Bildschirmfoto 2015-07-24 um 18.57.16Welche Herausforderung das immer aufs Neue für mich ist, erfahrt Ihr in meinem #LiveBlog