Township-Touren -ja-oder-nein

Township-Tour – ja oder nein? Der schmale Grat zwischen Touristenbespaßung & Verständnis der Kulturen

Immer wieder werde ich gefragt: „Hey Marlene Du hast doch in Südafrika gewohnt, würdest du mir dort eine Township-Tour empfehlen – ja oder nein?“ Ich bin bei dieser Frage immer hin und her gerissen, denn die Erfahrung die ich machen musste, war absolut keine Gute. Aber so muss es ja nicht immer laufen und es gibt durchaus Touren, bei denen sich die Anbieter ihrer Verantwortung bewusst sind und diese auch Ernst nehmen. Und genau deshalb möchte ich dir heute meine Geschichte erzählen aber auch ein vorbildliches Beispiel zeigen. Ich möchte, dass du nach dem Lesen selbst weißt, worauf du bei der Buchung achten solltest und dich in die Lage versetzen, dich richtig, sicher und respektvoll bei einer Townshiptour zu bewegen – so du dich dafür entscheidest.

IMG_8400

Meine Erfahrung

Meine erste Township-Tour habe ich in Johannesburg gemacht, zwei Jahre nachdem ich Südafrika nach meiner Auswanderung schon wieder verlassen hatte. Ich kannte also das Land und seine Probleme. Doch bisher hatte ich immer Bedenken, so eine Art „Sighseeing“ zu machen. Ich fand es irgendwie moralisch verwerflich. In den Jahren zurück in Deutschland hatte ich dann viel darüber gelesen und auch wie wertvoll solche Touren zum gegenseitigen Verständnis sind. Jetzt war ich als Tourist zurück in Südafrika und fühlte mich bereit für eine Township-Tour und etwas dazu zu lernen.

IMG_8538

Johannesburg gilbt als das wirtschaftliches Zentrum ganz Afrikas und gleichzeitig als einer der härtesten sozialen Brennpunkte des Landes. Hier kämpfen die einen um Millionen und die Anderen, ums nackte Überleben und das bekam auch ich zu Gesicht.

IMG_8408

Meine Tour war als Sightseeingtour der ganzen Stadt geplant, um genau diese Unterschiede auch aufgezeigt zu bekommen. Meine Freundin Anke und ich hatten eine private Tour geplant mit einer farbigen Dame als Tourguide. Weil es uns wichtig war, die Stadt nicht aus einer „weißen“ Perspektive erklärt zu bekommen, sondern aus ihrer Sicht. Wir starteten in einer der wohlhabenden Gegenden Johannesburgs. Und dann stand ich zunächst vor den höchsten Zäunen, die ich um Wohnhäuser je gesehen hatte. Um genau zu sein, waren es gar keine Zäune, sondern Mauern aus Stein, die höher waren als die unserer Burgen, Schlösser oder Gefängnisse. Das allein schockierte mich schon. Wie reich mussten Menschen sein, um solche Mauern um ihre Paläste zu bauen?

IMG_8398

Doch meine Erschrockenheit ging noch weiter, als ich mich, keine zwei Kilometer weiter, dem schlimmsten Township gegenüber sah, den ich bis dato in Südafrika erlebt hatte. Und ich maße mir an, so Einiges in meinen anderthalb Jahren vor Ort, gesehen zu haben. Doch das Elend hier schien mir noch immens größer und erschütterte mich zutiefst. Immerhin hier stoppten wir nicht, sondern fuhren zu einer etwas besseren Gegend weiter. Hier waren es einfache Häuser die uns erwarteten und keine Blechhütten mehr. Wir stoppten vor einem bunten Haus, stiegen aus und folgten unserem Guide ins Innere des kleinen Hauses. Uns erwartete ein dunkles Zimmer, was extrem beengt wirkte und voll gestopft war mit Bett für die ganze Familie, Kühlschrank, Tisch und Regalen. Eine nette Frau mit Kindern neben sich und auf dem Arm erwartete uns. Wir wurden einander vorgestellt, es wurde uns schnell erklärt, wie die Lebensumstände der Familie sind und dann durften wir ihnen noch Geld in die Hände drücken und ein Erinnerungsfoto machen.

IMG_8397

Nach Verlassen des Hauses fühlte ich mich einfach hundsmiserabel. Ich stellte mir vor, wie es für diese Frau eben gewesen sein musste. Da kommt Jemand in ihr Heim, bestaunt die ärmlichen Umstände, drückt Geld gegen das Elend ab und geht wieder. Wie würde ich mich denn fühlen, wenn ich Besuch einer reichen Oligarchenfamilie bekäme? Wenn sie sich ein Bild über meine – in ihren Augen – schäbigen Wohnumstände machen und mir dann einen Almosen da lassen würden? Bisher hatte ich nur Gutes über Township-Touren gelesen, aber das was ich hier gerade erlebt hatte, fühlte sich einfach nur falsch an. Wie sollte dieses Treffen denn zum gegenseitigen Verständnis beitragen? Ich hatte eigentlich nur verstanden, wie unwohl sich Jemand bei so einer Schau fühlen musste. Mein Gedanken-Karussel drehte sich den Rest des Tages: Laufen Township-Touren immer nach diesem Schema ab oder hatten nur wir einen schlechten Guide erwischt? Sollten wir nicht eigentlich etwas lernen?

IMG_8402

Ein Erlebnis, was mich nicht losgelassen hat

Ich grübelte noch Jahre später und wollte dieses für mich negative Erlebnis, auch nicht so stehen lassen. Letztlich bin ich in meinem Bekannten-Netzwerk auf Joe gestoßen. Ein Deutscher der seit vielen Jahren in Südafrika lebt, ein Gästehaus betreibt und auch Township-Touren anbietet. Warum er sagt, dass Township-Touren wichtig und richtig sind; warum sie, richtig durchgeführt, einen Mehrwert für beide Seiten sind, verrate ich euch im Interview mit ihm:

P1010490

Im Interview mit Tourguide Joe

Lieber Joe, erzähl doch mal kurz von dir und deinem ersten Besuch in einem Township.

Was war deine Intension Township-Touren auch für deine Gäste anzubieten und seit wann machst du das?

Ich nenne es ungerne eine „Tour“, sondern eher eine Begegnung. Mit Menschen aus Kayamandi, dem zweitältesten Township von Südafrika, habe ich seit 3 Jahren Kontakt, der immer intensiver wird. In vielen Gesprächen habe ich erkannt, dass die Menschen nur materiell ärmer sind, aber häufig reicher an Lebensfreude. Ich habe viel gelernt von Vorurteilen. Denn in manchen Baracken wohnen wohlhabende Menschen zum Beispiel aus dem Estern Cape, die einfach nur kein Geld für ihre Unterkunft verschwenden und lieber so viel als möglich von ihrem Lohn nach Hause schicken, wo sie durchaus sehr schöne Häuser und neuwertige Autos haben.

IMG_3279

Ebenso habe ich verstanden, dass man sich auf Touristen freut und sich gerne austauscht, von Gästen lernen und erfahren möchte, wie diese leben. Manche Gegenstände, die man an der Waterfront findet, werden in einem Township hergestellt. Da kann man also direkt vom Künstler kaufen und bei ihr/ ihm bleibt mehr Geld übrig, denn sonst muss noch Kommissionen gezahlt werden an die Geschäfte. Vor allem aber freut man sich über den Respekt, den man ihnen mit einem Besuch zeigt. Viele fragen sich, warum auch die Touristen sie meiden. Seit einem Jahr organisiere ich nun solche Begegnungen regelmäßig.

IMG_1733

Was machst du anders als andere Anbieter? Worauf achtest du? Was ist dir wichtig bei deiner Organisation?

Zum Glück ist es für mich kein Lebensunterhalt. Ich verstehe bis zu einem gewissen Grad, dass professionelle Tour Anbieter kommerziell denken müssen. Bei mir gibt es keine gestellten Szenen, keine falsche Folklore, und ich bekomme nirgendwo Provisionen, wenn ich Gästen Geschäfte zeige oder Leistungen vermittle, wie z. B. ein Abendessen bei einer älteren Dame. Mir ist die Authentizität wichtig. Der Gast soll selbst spüren, dass hier nichts abgespult wird.

IMG_3264

Häufig bin ich mit einem Sozialarbeiter einer NGO (Nicht-Regierungs-Organisation) unterwegs. Die Route besprechen wir mit den Gästen. Was wollen die Gäste sehen, verstehen, erleben? Die Gäste müssen sich immer wohl und sicher fühlen. Wenn man sieht, dass die Eindrücke zu negativ sind, kann man spontan die Richtung wechseln und auch zeigen, dass in Townships richtig schicke Häuser stehen können und Anwälte, Ärzte usw. leben. Das Township ist ein Mikrokosmos!

IMG_1744

Worauf sollte man achten, bei der Buchung einer Township-Tour?

Die Teilnehmerzahl sollte so klein wie möglich sein. Ideal sind für mich bis 10 Personen. Was steht im Focus der Tour? NGO’s, Kindergärten und Schulen oder Geschäfte besuchen? Aufpassen, wenn die Tour zu einer „Kaffeefahrt mit Heizdeckenverkauf“ wird, will sagen, wenn man von Geschäft zu Geschäft gekarrt wird, um möglichst überall Geld zu lassen. Häufig bekommen die Veranstalter dann Provisionen.

IMG_3276

Was hälst du davon ein Township mit dem Rad oder gar Segway zu erkunden?

Mit dem 50-Sitzer-Bus durch ein Township ist schon eine Invasion, das geht für mich gar nicht. Mit dem Segway durch das Township? Um Himmels Willen, das ist an Respektlosigkeit nicht zu überbieten und niemand muss sich über Unmut wundern, wenn man so offenkundig den Reichtum zur Schau stellt. Selbst Fahrrad fahren kann grenzwertig sein. Viele Menschen können sich nicht einmal ein Fahrrad leisten. Zudem erinnern Fahrradfahrer symbolisch an Reiter, bzw. Krieger. Zudem sitzt man automatisch höher und „hebt sich ab“, ob man es nun so beabsichtigt oder nicht. Über solche Symbole machen sich leider wenige Menschen Gedanken. Für mich ist nur akzeptabel zu Fuß zu gehen und sich damit auf die gleiche Stufe zu stellen mit den Einwohnern, aus Respekt und Demut.

IMG_3233

Wie sollte man sich kleiden?

Niemand muss in Sack und Asche gehen, auch im Township kleidet man sich schön. Übliche Kleidung ist also völlig in Ordnung. Aber auf Schmuck und teure Uhren sowie Edel-Smartphones sollte man besser verzichten. Auch Nobel-Labels müssen nicht unbedingt sein. Man weiß ja, wohin man geht und muss nicht unnötig provozieren.

IMG_3238

Was hältst du von Mitbringsel für die Kinder? Süßigkeiten oder kleine Spielsachen etwa.

Auf jeden Fall, Vielleicht nicht unbedingt zu viele Süßigkeiten. Häufig steht es mit der Zahngesundheit ohnehin schon nicht so gut. Aber Mal- und Bastelsachen, Stifte, Hefte und Spielsachen sind immer willkommen. Jedoch würde ich vorab fragen, wo man die Sachen abgeben kann und nicht selbst verteilen. Es gibt genügend Einrichtungen, die sich um eine sorgfältige Verteilung kümmern. Es kränkt die Eltern, wenn man Kindern auf der Straße einfach etwas verteilt. Es bricht ihnen das Herz, wenn sich die Kinder wildfremden Menschen an den Hals werfen und die Eltern können sich solche Dinge nicht leisten. Außerdem will man Kinder dazu erziehen, nicht zu betteln, sondern die Schule zu besuchen und eine ordentliche Ausbildung zu machen. Mit der eigenen Spendenverteilung erzieht man die Kinder aber zu Bettlern.

IMG_3243

Sind Kameras erlaubt und was empfiehlst du im Umgang mit Fotografie von Personen?

Hier bitte ich die Gäste immer, auf große Kameras zu verzichten und lieber Kleinbildkameras oder das Handy zu verwenden. Sofern man Personen fotografiert, sollte man die Bilder niemals veröffentlichen, schon aus juristischen, aber auch aus Gründen des Respekts. Unabhängig davon sollte man immer vorher fragen, sei es den Tourguide oder die Personen selbst. Häufig wird man sogar dazu eingeladen, Fotos zu machen. Alles aber bitte mit Respekt und Zurückhaltung und nicht, wie man es von asiatischen Touristen kennt.

IMG_3237

Wie sicher ist eine Township-Tour?

Verantwortungsvolle Anbieter arbeiten immer mit Menschen vor Ort zusammen, die im Township bekannt und in der Regel auch akzeptiert sind. Dies erhöht die Sicherheit ungemein. Je kleiner ein Township, desto sicherer in der Regel. Einer der vielen Gründe, weshalb ich in Kayamandi die Begegnungen organisiere.

IMG_3261

Ab welchem Alter ist eine Township-Tour für Kinder bzw. Jugendliche empfehlenswert?

Das hängt sehr von dem Bildungshintergrund und Vorbereitung der Eltern ab. Es kann aber für Kinder unter 10 Jahren auch emotional belastend werden. Hier ist der Tour Anbieter gefragt, die Strecken so zu wählen, dass zwar nichts zu kurz kommt, aber die Extreme kann man auslassen, um so auch für kleinere Kinder das Erlebnis angenehm zu gestalten.

IMG_3239

Gibt man Geld und wenn ja, wem?
Sehr häufig gebe ich von meinem Tourpreis selbst Geld an die NGO’s weiter. Natürlich darf jeder gerne noch selbst Spenden geben. Auch hier empfiehlt es sich, dies den NGO’s zu geben, damit die ihre wertvolle Arbeit damit fortführen können. Einzelpersonen bitte niemals direkt Geld geben.

IMG_3273

Was möchtest du Interessierten noch ans Herz legen?

Wer unbedingt ein Bild mit einem schwarzen Kind auf dem Arm braucht, das vor Freude über ein Bonbon strahlt, wäre zumindest bei mir falsch. Die Kinder freuen sich ohnehin über unseren Besuch. Weder führen wir uns als Wohltäter auf, noch müssen wir Scham haben vor dem Elend, das man auch zu sehen bekommt. Unsere Urgroßeltern wohnten mitunter in ähnlichen Verhältnissen!

IMG_3240

Die Besuche im Township dienen dem Verständnis der Menschen füreinander, fördert den Respekt und die gegenseitige Anerkennung. Es ist ein klein wenig auch eine Völkerverständigung und Abbau von Vorurteilen auf beiden Seiten. Ein kleiner Schritt in Richtung Regenbogen-Nation. Kürzlich stand ein Mann mitten auf der Straße und sagte uns mit feuchten Augen, dass er sehr stolz darauf ist, dass wir das Township besuchen. Voller Stolz wiederholte er die drei Worte Deutsch, die er kannte und wünschte uns einen schönen Tag. Eine solche Begegnung wünsche ich jedem Tourist!

IMG_3247

Lieber Joe, ganz herzlichen Dank für deine Sicht, Tipps und Erfahrungswerte. Ich denke, dass hilft weiter keine so negative Erfahrung zu machen, wie ich sie erlebt habe.

IMG_3246

Fazit Township-Touren:

Township-Touren sind wichtig, denn sie tragen in der Tat zum Gegenseitigen Verständnis bei und sind damit ein wertvoller Schritt zur Überwindung von Mauern. Denen in unserem Kopf, aber auch den realen im Leben der Menschen. Wenn du dich dazu entschließt eine Tour zu „wagen“, dann hoffe ich, du erinnerst dich an unsere Tipps und nimmst dir zu Herzen, was man im gegenseitigen Umgang beachten sollte. Ich wünsche dir eine spannende Zeit und hoffe du siehst, dass es überall auf der Welt Menschen gibt die nur friedlich leben wollen.

P1010495

PS: Wer eine besondere Begegnung mit Joe in einem Township machen möchte oder einen zuverlässigen Partner für Spenden für die Kinder sucht, der kann gerne direkt über die Seite FB-Seite mit ihm Kontakt aufnehmen. Nutze dafür den LINK.

 

Bist du bei Pinterest?

Townshiptour-ja-oder-nein-Verständnis-kulturen

Hat dir der Beitrag gefallen? Dann teile ihn auf Pinterest mit deinen Freunden! Nutze dazu den Pin-Button.

Ghana – Warum ich immer wieder nach Westafrika fliege

Afrika liegt mir am Herzen. Da ich selbst noch nie in Ghana war, habe ich Wiebke vom Blog „Sonnenstrahlenmomente“ eingeladen zu berichten, was sie mit dem Land verbindet, warum sie immer wieder dahin reist und wie sie sich für Westafrika engagiert. Hier kannst du ihren Gastbeitrag lesen:


Vor sieben Jahren.

Es ist noch relativ früh am Morgen und ich verfolge das Flugzeug auf meinem Bildschirm. Ich sehe, wie es sich langsam weiter bewegt. Weg von Deutschland immer näher hin zum afrikanischen Kontinent. Von Frankfurt über Frankreich und das Mittelmeer nach Afrika, mit kurzem Stopp in Nigeria wieder ans Meer. Endstation: Accra, Ghana.

Immer wieder schaue ich auf den Bildschirm vor mir, bis wir endlich angekommen sind. Angekommen in einem Land, von dem ich so gut wie nichts weiß. Das was ich weiß ist, dass ich die nächsten vier Monate hier verbringen werde und an einer staatlichen Schule arbeiten werde. Und ich weiß, dass das Leben im westafrikanischen Ghana ganz anders sein wird als das, das ich gewohnt bin. Vorzuweisen habe ich praktisch nichts. Ich habe noch keinen Uniabschluß, habe bisher kaum etwas in meinem Leben geleistet und praktisch keine Ahnung von dem Land und seinen Menschen. Dafür habe ich etwas anderes, dass ich mit auf die Reise nehme: Empathie, Motivation und das Gefühl, etwas Gutes tun zu können.

Wie genau es zu der Entscheidung kam weiß ich allerdings nicht mehr. Anfangs war es eine Idee, die mir kurz im Kopf herum geisterte, nur um genau so schnell wieder zu verschwinden, wie sie gekommen war. Dann plötzlich sah ich mich im Reisebüro sitzen und einen Flug nach Accra buchen. Ich kann mich noch gut daran erinnern, dass mich die nette Mitarbeiterin erst nach Agrar in Indien schicken wollte, weil sie von Accra bis dato noch nichts gehört hatte. Ein paar Wochen später startete dann die Reise ins Unbekannte am Frankfurter Flughafen.

Und nun bin ich angekommen. Früher habe ich mich immer gefragt, weshalb alle immer von dieser anderen Welt sprechen. War ich doch immer der Meinung, dass wir letztendlich doch alle im gleichen Boot sitzen, egal wo auf der Welt wir leben. Schon als ich den Fuß zum ersten Mal auf ghanaischen Boden setze weiß ich, dass genau hier diese andere Welt ist. Mir wird aber auch bewusst, dass ich genau jetzt genau hier richtig bin.

Es ist schon spät am Abend, dennoch schlägt mir tropische Hitze entgegen. Es riecht nach Afrika. Ein Gemisch aus roter Erde, dem Salz des Meeres, getrocknetem Fisch, Schweiß und anderen Gerüchen, die ich noch nicht benennen kann. Wir fahren einmal quer durch die Hauptstadt um zu dem Haus zu gelangen, in dem ich die nächsten vier Monate wohnen werden. Schon alleine die Fahrt dorthin ist ein einziges Abenteuer für alle Sinne. Ich weiß weder, wo ich hinschauen soll, noch, wie ich all diese Eindrücke, die da auf mich herunterprasseln, in einen sinnvollen Zusammenhang bringen soll. Trotzdem bin ich restlos begeistert und fasziniert von den Straßenständen, an denen allerlei Bekanntes und Unbekanntes feil geboten wird und der Atmosphäre, die Accra bei Nach ausstrahlt.

Die nächsten vier Monate sind ein Wechselbad der Gefühle. Ich lerne die ghanaische Kultur und die Menschen Ghanas kennen. Lerne, dass Beerdigungen in Ghana mehrere Tage lang gefeiert werden und die Menschen mit dem Tod ganz anders umgehen, als wir es machen. Wo wir egoistisch und traurig sind, dass wir einen geliebten Menschen verloren haben, so sind die Ghanaer auch traurig, aber sie sind auch dankbar, dass die verstorbene Person nun bei Gott und den Ahnen der Familie ist.

Ich lerne, dass es für bestimmte Anlässe einen bestimmten Stoff in einer bestimmten Farbe gibt, aus dem die Schneiderinnen die tollsten Kleider zaubern. Ich lerne eine mir vorher völlig fremde Kultur kennen und während mir das Land so viel gibt und ich eigentlich nur meine Zeit zurück geben kann, die ich den Kindern während der Schulzeit schenke, lerne ich auch viel über mich. Ghana ist ein Land, das dir vieles geben und zeigen kann und dich Dinge lehren kann, von denen du bisher nichts wusstest. Wenn du bereit bist, dich darauf einzulassen. So darf ich mit dem Land und den Menschen, die während der Reise meinen Weg ein Stückchen begleiteten, etliche schöne, aber auch einige schwierige Momente teilen.

Ehe ich mich versehe ist bereits der Abflugtag gekommen. Am liebsten würde ich erst gar nicht in das Flugzeug steigen, das mich zurück nach Deutschland bringt. Schweren Herzens sage ich Ghana auf unbestimmte Zeit auf Wiedersehen. Dass ich eines Tages zurückkommen werde steht außer Frage, denn das hatte ich wenige Tage vor dem Abflug versprochen, aber dass ich so schnell wieder einen Flug buchen würde konnte ich zu dem Zeitpunkt noch nicht erahnen.Photo Credits by Wibke H. Sonnenstrahlenmomente

Sechs Monate später.

Wieder sitze ich im Flugzeug Richtung Accra und wieder arbeite ich an einer staatlichen Schule. Das Land ließ mich nicht mehr los und so lag es auf der Hand, wieder zurück zu kommen. Der einzige Unterschied- diesmal bin ich völlig auf mich alleine gestellt, denn in lebe nicht mit anderen Deutschen bzw. Österreichern oder Schweizern zusammen, mit denen ich mich am Ende des Tages über das Erlebte austauschen kann, sondern bei ghanaischen Freuden. Auch bleibe ich nur wenige Wochen. Diese paar Wochen reichen jedoch aus, um Ghana wieder ein Stückchen mehr zur Heimat werden zu lassen, mehr und mehr die ghanaische Kultur kennenzulernen und mich einzufügen. Ganz bewusst lasse ich ein paar Kleidungsstücke im Haus meiner Freunde zurück, denn jemand sagte mir einmal, dass man dort, wo man etwas zum Anziehen gelassen hat, immer wieder hinkommt. So kommt es, dass ich die nächsten vier Jahre jedes Jahr zurück nach Ghana fliege. Zurück in das westafrikanische Land, das früher einmal den schönen Namen Goldküste trug und das nun zu meiner zweiten Heimat geworden ist.

Vier Jahre später.

Bei einer Ghana-Reise im Jahr zuvor lerne ich meinen Verlobten kennen. In diesem Jahr reise ich zwei Mal nach Ghana. Einmal für längere Zeit, einmal nur für drei Wochen. Und nun, Ende April 2013, finde ich mich im Wirrwarr Accras wieder. All die früheren Reisen und die Erlebnisse, die mit ihnen einhergehen, haben mich geprägt und zu dem Menschen gemacht, der ich heute bin. Ich habe Dinge gesehen, die ich lieber nicht gesehen hätte, habe gesehen, wie Kinder während des Unterrichts geschlagen wurden, nur weil sie die richtige Antwort nicht wussten und habe die schönsten Momente mit den Menschen dort geteilt. So kommt es, dass in unseren Köpfen immer mehr die Idee reift, den Kindern Ghanas nachhaltig etwas zurück zu geben und ihnen die Chance auf ein selbst bestimmtes, vielleicht auch ein klein wenig besseres, Leben zu ermöglichen.

Mein Verlobter und ich stammen beide aus Familien, in denen Hilfsbereitschaft groß geschrieben wird und in denen Familienmitglieder über die Jahre hinweg ehrenamtlich gearbeitet haben und es auch heute noch tun. Dass unsere Familien uns das mit auf den Lebensweg gegeben haben macht mich glücklich, denn das bestärkt uns in dem Vorhaben, eine eigene Hilfsorganisation zu gründen.

Durch ein Erlebnis, das ich wohl mein ganzes Leben lang nicht vergessen werde, wurde der Entschluss, dass wir dem Land, dem ich so viel zu verdanken habe, etwas zurückgeben möchten, nur noch mehr gestärkt. In die Schule, in der ich hier arbeite, geht ein kleines Mädchen. Wir verstehen uns ohne große Worte, denn sie spricht nur Twi, eine der vielen Landessprachen, die in Ghana gesprochen werden, und normalerweise begrüßt sie mich immer mit einem Lächeln auf den Lippen und mit leuchtenden Augen. An diesem Tag ist alles anders.

Sie weint die meiste Zeit und ich merke, dass sie hohes Fieber hat. Auf meine Frage, ob denn nicht jemand mit dem Kind ins nächste Krankenhaus fahren sollte, bekomme ich als Antwort, für so etwas wäre man nicht zuständig. Eine Stunde später kann ich es nicht mehr mit ansehen, steige mit dem kleinen Mädchen in ein Taxi und fahre ins nächste Krankenhaus. Eigentlich darf ich das nicht und es ist verboten, in dem Moment ist mein einziger Gedanke aber nur, dass das Kind einen Arzt braucht. Die Konsequenzen, die es mit sich ziehen würde, wenn auf der Fahrt irgendetwas passieren würde, versuche ich, so gut es geht auszublenden.

Da auf Accras Straßen alle fahren, wie sie gerade Lust haben, wird die Fahrt zur Zerreißprobe für mich. Endlich im Krankenhaus angekommen muss ich sämtliche Fragen beantworten, die ich eigentlich nicht beantworten kann, denn ich weiß weder, wie die Kleine mit Nachnamen heißt, noch, wer ihre Eltern sind und ich muss mindestens zehn Mal die Frage beantworten, ob ich nicht wirklich ihre Mutter bin. Mir platzt der Kragen und ich versichere, dass ich die Behandlung sofort zahlen kann, auch wenn die Kleine nicht krankenversichert ist, wenn sie nur endlich einmal untersucht wird.

Es stellt sich heraus, dass sie schon lange Malaria hat. Nachdem ich die Rechnung für die Untersuchung, die Medikamente und den Obruni-Zuschlag (Obruni ist Twi und bedeutet weißer Mensch) gezahlt habe, lässt mich der Arzt noch wissen, dass das kleine Mädchen, das ich nun auf dem Arm habe, die Krankheit nicht überlebt hätte, wenn ich es nicht ins Krankenhaus gebracht hätte. Am nächsten Tag bekomme ich von der Mutter als Dankeschön eine Ananas geschenkt.

Photo Credits by Wibke H. Sonnenstrahlenmomente

Photo Credits by Wibke H. Sonnenstrahlenmomente

Eine für unsere Verhältnisse vielleicht kleine Geste, aber diese Ananas ist weitaus mehr, als sich die Mutter eigentlich leisten kann. Solche Erlebnisse prägen und sie prägen auch die Arbeit, die wir mit Amebii Ghana e.V vor Ort leisten. Amebii ist Ga, eine weitere Landessprache, und bedeutet übersetzt Kinder, denn die sind es, die uns am Herzen liegen.

Kinder sind unsere Zukunft, egal, auf welchem Fleckchen Erde sie leben und sie alle haben ein Recht auf eine behütete Kindheit, in der sie nicht schon Waren auf der Straße feil bieten müssen oder den ganzen Tag auf dem Feld arbeiten müssen, statt zur Schule zu gehen, zu spielen und einfach nur Kind zu sein. Sie haben das Recht auf eine solide schulische Grundausbildung, auf Zugang zu sauberem Trinkwasser und medizinischer Grundversorgung und darauf, den Beruf zu erlernen, den sie später einmal ausüben möchten.

Mit unserer Hilfsorganisation reichen wir den Kindern Ghanas die Hand, die sie dringend brauchen und geben ihnen durch Zugang zu Bildung die Möglichkeit, zu eigenständigen, selbst denkenden Erwachsenen heranzuwachsen. Zudem arbeiten wir mit dem Menschen auf Augenhöhe und leisten so Hilfe zur Selbsthilfe. Ein Ansatz, den wir von Anfang an eingeführt haben und den wir auch beibehalten möchten ist, dass die Menschen, die in dem Dorf, in dem wir ein Projekt realisieren, leben, alle dieses Projekt auch wirklich wollen müssen und bei der Realisierung behilflich sind.

So werden die Menschen in den Entstehungsprozess eingebunden und tragen ebenfalls einen Teil zum Gelingen bei. Außerdem gehen wir nicht in ein Dorf und sagen, dass zum Beispiel unbedingt eine Schule hier gebaut werden muss. Es bringt absolut nichts, wenn wir einfach irgendwo etwas bauen, die Menschen es aber überhaupt nicht wollen und dann nicht nutzen. Vielmehr ist das Prinzip so, dass der Chief des Dorfes auf uns zukommt, wenn ein Projekt realisiert werden soll.
Durch die Unterstützung vieler Menschen, die sich von unserer Arbeit vor Ort und den Projekten anstecken lassen haben, haben wir es geschafft, bereits im ersten Jahr der Vereinsgründung einen Kindergarten und eine Schule wiederaufzubauen. Ein toller Start für unsere kleine Hilfsorganisation.

Ein Jahr später. Zum ersten Geburtstag von Amebii Ghana e.V startet ein zweites Projekt, das von uns ins Leben gerufen wird. Kronkorken helfen. Die Gesundheitsversorgung der Kinder ist uns ein großes Anliegen und so wird die Idee geboren, Kronkorken zu sammeln und diese in Krankenversicherungen für die Kinder in Ghana umzuwandeln. In dem westafrikanischen Land wird man nur behandelt, wenn man krankenversichert ist oder aber, wenn man die Behandlung zahlen kann. Kann man nicht zahlen passiert es nicht selten, dass man nach einem mehrstündigen Fußweg zum Krankenhaus und stundenlangem Warten unbehandelt nach Hause geschickt wird. Das ist schon bei einem gebrochenen Arm unzumutbar, bei Krankheiten wie Malaria ist das Ganze aber sehr fatal. Die Kronkorken, die für uns Müll sind, sorgen also dafür, dass die Kinder versichert werden und sie die Behandlung bekommen, die sie benötigen.

Heute. Mittlerweile haben wir mehrere Projekte realisiert. Gerade ist der Schulbau mit einem integrierten Kindergarten in Talawanda/Bongo im Norden Ghanas in der Finanzierungsphase. Dieses Projekt ist dringend notwendig, da die Schule momentan nur aus einem Wellblechdach besteht und der Unterricht gerade während der Regenzeit aufgrund der Bedingungen, unter denen die Schule stattfindet, immer ausfallen muss. Ein Grundstück ist bereits gefunden, die Baupläne sind fertig und sobald genug Spendengelder vorhanden sind, können wir mit dem Bau starten. Außerdem planen wir, auf dem Grundstück einen Brunnen zu bauen, durch den wir zwei Dörfer nachhaltig und dauerhaft mit sauberem Trinkwasser versorgen können.
Auch unsere „Kronkorken-Helfen-Aktion“ läuft super. Mittlerweile haben wir insgesamt schon über 10 Tonnen der kleinen Flaschenverschlüsse gesammelt und konnten so schon über 300 Kinder krankenversichern.#infoFür mehr Informationen zu beiden Projekten schaue gerne unter www.amebii-ghana.com und auf unserer Facebookseite www.facebook.com/AmebiiGhana bzw. www.kronkorken-helfen.com und der dazugehörigen Facebookseite www.facebook.com/Kronkorkenhelfen vorbei. Wir freuen uns über jede Art von Interesse und Unterstützung, denn gemeinsam können wir die Welt zwar nicht komplett verändern, aber wir können sie für die Kinder in Ghana ein kleines bisschen besser machen#dankeDanke an Wiebke für die schönen Zeilen, die mich sehr bewegt haben. Ich hoffe wir erreichen noch viel mit unserem Engagement für Afrika und ganz besonders möchte ich Dir für Deinen persönlichen Einsatz danken. Der geht soweit über das normale Maß hinaus und zeigt, wie sehr Du Dich dem Land und den Menschen verbunden fühlst. Von Herzen Danke im Namen aller, denen Du geholfen hast und die Du inspirierst!

Wer mehr über Wiebke wissen möchte dem sei ihr Blog www.sonnenstrahlenmomente.blogspot.de empfohlen.

Müllkippe statt Traumstrand – unsere tägliche Tüte Plastik gib uns heut´

Gerade auf Reisen fällt mir auf, wie sehr die Welt inzwischen vermüllt ist, wie Tiere leiden & Traumstrände zu Müllkippen werden. Hier meine Geschichte dazu und einem Ansatz, der helfen könnte dieses Problem anzugehen:

Kopfschüttelnd & wild mit den Armen fuchtelnd stehe ich an der Supermarktkasse „Não plástico”, versuche ich der Einpackhilfe verständlich zu machen, während mich die Kassierin weiter zutextet. “Keine Plastiktüten” widerhole ich in meinem mageren portugisisch. Jetzt verstummt sie und beide sehen mich mit großen ungläubigen Augen an. “Ich will diese verdammte scheiß Plastetüte nicht” grummel ich vor mich hin, zerre an meiner Tasche und kramer einen Jutebeutel hervor und drücke sie dem Einpacker in die Hand, während ich bezahle.

Ok, sie haben es gecheckt denke ich, bin kurz abgelenkt und gerade als sich meine Aufmerksamkeit wieder meinen Einkäufen zuwende, sehe ich, wie zwar 3-4 Sachen in die Ökotasche gewandert sind, aber der Rest wieder in Plastiktüten verpackt wird. “Não plástico” wiederhole ich nun energisch, während ich dem Mann hinter mir die Tüten aus der Hand reiße und alles wieder auspacke. Ozean_Müll_retMein Jutesack hält mehr aus und ich stopfe den gesamten Einkauf in diese eine Tragetasche. “Geht doch” stammel ich, während der Mann immer noch fragend neben mir steht. Wahrscheinlich denken sie jetzt wieder “doofe Deutsche”, aber das ist mir egal. Wenn ihr es nicht blickt, dass ihr Teil des Mülls in euer Welt seit, dann tuts mir leid. Mit mir nicht. Ich habe Augen im Kopf, ich weiß, was wir dem Planeten mit unseren Plastiktüten antuen. 

Allein in Deutschland verbrauchen wir 6.1 Milliarden Plastiktüten im Jahr und dabei haben wir ein schon ein Bewußtsein für dieses Problem und benutzen viel Jutetaschen. Der große Rest der Welt noch nicht. Hier in Brasilien, wo ich gerade bin, scheint niemand eine Wahrnehmung für dieses Problem zu haben. Und dabei leben sie hier sogar in ihrem Dreck. Er ist allgegenwärtig! Zwischen den Häusern stapelt er sich, am Gehwegrand liegt er rum und sogar in den Bäumen haben sich Plastiktüten verfangen. Wenn jeder etwas achtsamer wäre, hätten sie das Problem nicht.

Basstölpel in Plastiknest auf Helgoland

Basstölpel in Plastiknest auf Helgoland

Gerade auf Reisen fällt mir auf, wie sehr die Welt inzwischen vermüllt ist. In unserem deutschen Alltag ist das Problem kaum mehr sichtbar, weil wir alles schön recyceln, aber Massen an Müll produzieren wir trotzdem. So ziemlich jeder Artikel kommt eingeschweißt und in eine Plastikform gepreßt über die Ladentheke bei uns an. Wie oft in der Woche tragt ihr den gelben Sack aka den recyclebaren Müll aus der Wohnung? Fällt es euch noch auf, wieviel ihr produziert?IMG_3857Mir fällt es auf. Am meisten aber im Urlaub, wenn ich an einsamen Stränden spazieren gehe und das türkisblaue Meer genießen will. Dann wenn ich statt Muscheln & Treibholz nur mehr angespühlte Müllberge am Strand finde. Über 10 Millionen Tonnen Plastikmüll landen jedes Jahr in unseren Meeren. Inzwischen gibt es sogar schon Plastikstrudel draußen im Ozean. Der bekannteste ist der Nordpazifikwirbel der sogar den Beinamen Great Pacific Garbage Patch (deutsch: Großer Pazifikmüllfleck) trägt. Früher benannten wir Inseln, heute bekommt schwimmender Müll im Meer einen Namen!

Was dein, mein und unser Müll anrichtet spottet jeder Beschreibung. Nicht nur, dass unsere geliebten weißen Strände jetzt die Anmutung einer Müllkippe haben, nein, wir zerstören auch das Leben im Meer mit unserem Plastikwahn. Googelt doch mal “Plastik Ozeane Tiere” – mir steigen die Tränen in die Augen, wenn ich die leidenden Schildkröten, Delfine und Seevögel sehe.Bildschirmfoto 2015-08-18 um 09.36.02Seehunde verheddern sich an Bierdosennetzen, Vögel sterben am Plastikdeckel meiner Wasserflasche und Schildkröten verschlucken Kleinteile deines Restmülls, weil sie sie für Quallen hielten. Wir können also nicht sagen, dass das Müllproblem der Ozeane nichts mit uns zu tun hat.

Wir entscheiden bereits im Supermarkt was letztlich im Meer landet und später sogar in unseren Mägen. Denn Plastik ändert vielleicht seine Form, indem es von Wellen & UV-Lich zersetzt wird, aber diese Mikroplastikteilchen gehen nie verloren. Sie bleiben im Wasser und landen in den Mägen der Tiere und somit auch in deinem, wenn du Fisch ißt.11807549_10100639850334462_4988155059209044839_o„Jedes kleine Stück Kunststoff, das in den letzten 50 Jahren hergestellt wurde und ins Meer gelangte, ist dort immer noch irgendwo.“– sagt Tony Andrady, Chemiker des amerikanischen Research Triangle Institute

Mir ist jedenfalls gründlich der Apettit auf Plastik vergangen und ich lobe mir Supermärkte ohne Verpackungen, wie es sie mehr und mehr gibt in Deutschland. Ich versuche meinen Konsum zu beschränken und falls doch nötig, nur verpackungslose Produkte zu kaufen. Selbst beim Internetshopping habe ich Anbieter gefunden, die das ermöglichen. 11816302_10100639850439252_7352746465139836578_oUnd ich trage mit stolz meinen Jutesack rund um die Welt zum Einkaufen und wiederhole zur Not in jeder Sprache dieses Planeten: “Keine Plastiktüte, bitte” Das ist das Mindeste was jeder tun kann.

Und ich wünsche mir, dass wir das alle tun. Ändern wir unser Konsumverhalten, verzichten wir auf Plastik und vor allem auf Plastiktüten und öffnen wir als Reisende auch Anderen mit unseren Bildern von vermüllten Traumstränden und verendeten Tieren die Augen.11875097_10100639850409312_5406976563651724937_o

Engagiert Euch fürs Meer besonders wenn ihr Taucher, Segler oder Wassersportler seit. Durch euer Hobby habt ihr Glaubwürdigkeit, so wie der 20 jährige Boyan Slat. Als Taucher hat er gesehen, was wir den Ozeanen antuen und er hat eine Idee entwickelt, wie man die Ozeane vom Müll befreien kann. Via Crowdfunding arbeitet er unermüdlich an der Umsetzung seiner Vision. Und auch ich unterstütze sein Projekt, des “Oceanclenups” Schaut Euch an, was er auf die Beine gestellt hat: www.theoceancleanup.com! Was er alleine erreicht hat, verdient allerhöchsten Resepekt und Anerkennung. Und wir können das auch! Denn jeden Tag an der Supermarktkasse ist es unsere Entscheidung ob Plastik in die Ozeane wandert oder nicht.

So #get up & avoid plastic!#infoIm LINK könnt ihr die Meereströmungen verfolgen und schauen, wohin sich unser Müll so bewegt.

Das Projekt „TheOceanCleanUp“ könnt ihr euch im Link auf der Website anschauen und es via Crowdfunding unterstützen.

Nathan Robinson & Chris Figgener (Fotograf) haben mich mit ihrem Seaturtle-Bildmaterial unterstützt. Sie engagieren sich für die Meeresschildkröten und auch in ihrem Projekt könnt ihr euch als zum Beispiel als Volunteers einbringen. Informationen dazu im Netz unter www.leatherback.org

 

 

 

Make a Wish – Weil ich an die Kraft des Wünschens glaube!

Soziales Engagment ist mir wichtig und deshalb möchte ich euch heute „Make-a-Wish“ vorstellen und die Geschichte, die ich mit meinem Engagment verbinde.image-2015-09-19(6)In 2010 hatte ich eine FB Veranstaltung zur Sternschnuppennacht. Aus ein paar eingeladenen Freunden wurden schnell 300.000 Teilnehmer. Man berichtete im Radio über meine Aktion und mich erreichen Gedanken & Wünsche von Menschen aus der ganzen Welt. Und ein Schreiben von „Make-a-Wish“. Man bat mich, ob ich nicht etwas zum Thema Wünschen und ihrem Verein schreiben könnte. Klar kann ich. Denn Sternschnuppen sind Wunschbringer und da passen Herzenswünsche von Kindern doch wunderbar dazu.image-2015-09-19(8)Dann war ich eine zeitlang im Ausland und nach meiner Rückkehr beschloss ich, dass ich mich stärker sozial engagieren möchte. Aber wo? Da kam mir „Make-a-Wish“ wieder in den Sinn und da ich immer noch hinter dem Gedanken stehe, dass Wünschen wirklich was bringt, wollte ich mich genau da engagieren.image-2015-09-19(10)Make-a-Wish“ ist ein Netzwerk aus Freiwilligen, die Kindern mit einer lebensbedrohlichen Krankheit ihren langersehnten Wunsch schenken und ihnen damit neue Hoffnung, Kraft und Lebensfreude geben. Das Herzstück der Organisation sind die vielen ehrenamtlichen Helfer, welche die Wunscherfüllung übernehmen, in der Administration im Hintergrund arbeiten, sich bei Veranstaltungen oder sind wichtige Networker.image-2015-09-19(2)Ich wollte auch so ein Volunteer werden und Kinder glücklich machen, also habe ich Kontakt aufgenommen, meine Volunteerschulung gemeistert und hatte dann schon bald das erste Wunschkind. Im 3er Team haben wir ein halbes Jahr an einer Wunscherfüllung gearbeitet, denn es war kein kleiner Wunsch und auf Grund seiner Krankheit auch kein einfacher. Wir haben Marvin nämlich einen Road-Trip durch Amerika organisiert! Das heißt vom Flug, über Mietwagen bis hin zu den einzelnen Stationen der Reise, mußte alles geplant und durchdacht werden.image-2015-09-19(4)Denn gerade auf Grund der Krankheit der Kinder muß auf Einiges geachtet werden, das fängt bei rollstuhlgerechten Fahrzeugen an und hört bei medizinischer Versorgung auf. Ja, auch das übernimmt ein Volunteer. Eine riesige Verantwortung, aber keine Sorge immer mit der Untestützung des Teams in München oder sogar des gesamten Netzerkes, wenn man mal nicht weiter weiß. Wir konnten unser „Wunschkind“ glücklich machen und die ganze Wunschgeschichte findet ihr im Link: Marvins HerzenswunschKinder Make a wishAber keine Sorge, nicht jeder Wunsch ist so riesig. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie viele Mädchen einfach nur „Prinzessin“ und Jungs „Feuerwehrmann“ für einen Tag werden wollen 🙂image-2015-09-19(5)Natürlich muß man sich darüber im Klaren sein, dass soziales Engagement auch Zeit kostet. Das man vielleicht auch mal eigene Interessen hinten dran stellen muß & vielleicht auch weniger Zeit für seine Hobbies und Freunde hat. image-2015-09-19(11)ABER wenn ich am Ende einer geglückten Wunschumsetzung das Lächeln eines Kindes sehe, dann weiß ich, wofür ich das mache. Darin liegt meine Motivation. Freude, Glück und Wunscherfüllung, sind so wunderbare Dinge an denen ich gerne teilhabe und für die ich mich gerne engagiere. Für so ein Kind bedeutet es alles und kann sich auch positiv auf ihren Krankheitsverlauf auswirken. Für mich ist es daher gut investierte Zeit.image-2015-09-19(12)Ich hoffe, dass Ihr vielleicht jetzt auch Lust bekommen habt, Kinder zum Lächeln bringen kann. Wer sich engagieren möchte, nimmt am Besten direkt über die Website von Make-a-Wish Kontakt auf. Wer darüber hinaus Fragen hat, der darf sich gerne vertrauensvoll an mich wenden.image-2015-09-19(7)PS: Ich glaube an die Kraft des Wünschens!


ACHTUNG: Die hier gezeigten Bilder stehen nicht im Zusammenhang mit den Wunscherfüllungen für Make-a-Wish. Das Bildmaterial ist aus meinem Foto-Archiv.


 

Nicht umsonst gescharrt. Soziales Engagment in Südafrika

Sandra hat für elf Wochen ihren Arbeitsplatz in einer Werbeagentur gegen eine Stelle als Projektmanagerin in einer sozialen Investmentfirma in Südafrika getauscht. Warum sich dieser Perspektivwechsel lohnt, hat sie für Couchabenteurer aufgeschrieben.Sandra Projekt“Sandra, keine Henne scharrt umsonst.“ Das war die Reaktion meines Großvaters, als ich ihm erzählte, dass ich für einige Wochen unbezahlten Urlaub nehme, um ehrenamtlich in Südafrika zu arbeiten. Mein Plan war für ihn vollkommen unverständlich. Seine Antwort darauf für mich ebenso. Ich wollte ein neues Abenteuer und Arbeitserfahrung außerhalb des bekannten Büroalltages sammeln. Und nicht zuletzt: Zeit in Südafrika verbringen. Das Land, in das ich mich verliebt hatte, als ich vor vier Jahren das erste Mal nach Kapstadt reiste. Für mich waren das ausreichend Gründe, um mit der Planung meines Social Sabbaticals zu starten.

Gesagt. Getan. Bei der Suche nach der passenden Tätigkeit half mir ein Beratungsunternehmen, welches mich auf eine Stelle als Projektmanagerin bei Heart Capital, einer sozialen Investmentfirma, aufmerksam machte. Nach einem Skype-Interview mit der Co-Gründerin war schnell klar: Heart Capital und ich passen gut zusammen. Die Investmentfirma finanziert und baut in den Townships rund um Kapstadt kleine Unternehmen auf. Das Portfolio ist vielfältig, drei Themen stehen aber immer im Vordergrund: Zugang zu gesunden Lebensmitteln, Umweltschutz und Förderung von Unternehmertum. Es geht nicht um Charity, sondern darum, profitable Unternehmen in den benachteiligten Communities nachhaltig zu etablieren. Das gefiel mir besonders gut.

image-2015-09-12(15)Der Tag der Abreise war schnell gekommen. Einige Kollegen hatten sich bereit erklärt, meine Projekte in der Agentur vertretungsweise zu übernehmen. Meine Wohnung in Berlin war untervermietet und ein kleines Apartment in Kapstadt gefunden. Das Abenteuer konnte beginnen.

Der erste Arbeitstag in Südafrika gleich die erste große Herausforderung: Die richtige Aussprache der Xhosa-Namen meiner neuen Kollegen. Klingt einfach, ist es aufgrund zahlreicher unterschiedlicher Klicklaute der Xhosa- Sprache aber nicht. Von Peter, dem Gründer von Heart Capital, erhielt ich eine ausführliche Einweisung in alle Projekte und fuhr am Ende des Tages mit einer langen To-Do-Liste für die nächsten Wochen nach Hause.

Peter hatte 15 Jahre lang an der Börse in Johannesburg als Investmentbanker gearbeitet, bevor er sich entschloss, Heart Capital in Kapstadt aufzubauen. Den Anzug hatte er abgelegt, das Arbeitstempo der Börse nicht. Daher hatte es Heart Capital auch geschafft, innerhalb kürzester Zeit im Township Philippi vier kleine Unternehmen zu gründen. Alle Unternehmen sind örtlich und organisatorisch an einem zentralen Ort, dem sogenannten “Social Innovation Hub“, gebündelt. Der Hub in Philippi ist so erfolgreich, dass Heart Capital zwei weitere Hubs in benachbarten Townships aufbauen konnte.image-2015-09-12(13)Meine Aufgabe war es, organisatorische Abläufe und Prozesse für die Unternehmen zu entwickeln, die auf alle Standorte übertragen werden können. Das Ziel von Heart Capital ist es, „Social Innovation Hubs“ in einem Franchise-System über ganz Südafrika verteilt aufzubauen.

Für den Standort in Philippi habe ich das operative Management übernommen, um zu überprüfen, ob die Prozesse sinnvoll und für alle im Team praktikabel sind. Zudem habe ich zusammen mit meinen Kollegen in Deutschland Marketingmaterialien für eines der Unternehmen entwickelt.

Ich habe in den elf Wochen bei Heart Capital viel über die Herausforderungen und Chancen von Social Entrepreneurship in Südafrika gelernt. Vor allem aber habe ich erlebt, dass der persönliche und berufliche Erfolg hauptsächlich von einem Faktor abhängt: der eigenen Motivation. Keiner meiner Kollegen im Township hatte einen Universitätsabschluss, einige von ihnen waren kaum länger als fünf Jahre zur Schule gegangen. Aber sie haben an ihr Unternehmen und an ihre eigene Fähigkeit, dieses erfolgreich zu führen, geglaubt. Motivation, Kreativität und Durchhaltevermögen versetzen Berge.Sandra ProjektIn den südafrikanischen Townships, genauso wie bei uns zu Hause in Deutschland. Das Wichtigste dabei ist, dass jeder von jedem lernen kann; egal ob jung oder alt, ob reich oder arm, ob schwarz oder weiß. Sicher habe ich mit meinen Projektmanagementkenntnissen die Organisation der Unternehmen verbessern können, aber ohne die Begeisterungsfähigkeit meiner Kollegen vor Ort hätten meine Excel-Listen niemals den Eingang in den Arbeitsalltag gefunden. Ein afrikanisches Sprichwort besagt “Wenn du schnell gehen willst, geh allein. Aber wenn du weit gehen willst, geh mit anderen“. Diese Philosophie des Gemeinsinns, die man in Südafrika als “Ubuntu“ bezeichnet, steht sicher oft im Gegensatz zu unserer individualisierten Leistungsgesellschaft. Ich habe in meiner Zeit in Südafrika gelernt, dass der Erfolg eines Teams oft sehr viel nachhaltiger ist, als der eines Einzelkämpfers.

Habe ich also “umsonst gescharrt“, wie mein Opa sieben Monate zuvor am sonntäglichen Mittagstisch behauptete?

Nein! Ganz sicher nicht.

image-2015-09-12(14)Worum gehts genau bei Heart Capital und wie kann man sich engagieren?
Mehr Infos hat Sandra für Dich im Link zusammen gefaßt oder schreib ihr einfach Deine Frage.

Infos Heart Capital & Wonder Plant

Senden Sie uns eine E-Mail