Müll, Sicherheit, Krankheiten – Indien das Paradies der Vorurteile

Kennt Ihr das? Ihr plant eine Reise und plötzlich hagelt es aus allen Richtungen Warnhinweise, do´s & dont´s und Schreckensnachrichten? So ging es mir auch gerade mit meiner geplanten Indienreise und ich muss ehrlich sagen, dass ich irgendwann soweit war und Angst bekam. Doch wie hat sich das alles abgespielt und wie habe ich es dann tatsächlich vor Ort erlebt? Meine Geschichte hier:

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Kaum das ich ausgeplaudert hatte, dass ich in den Norden Indiens reisen würde, waren sie wieder da die Warnungen aus dem Freundeskreis vor diesem Reiseland. „Das kannst du alleine nicht machen, du weißt doch was dort mit Frauen gemacht wird.“, „Ist dir eigentlich klar wie dreckig Indien ist? Nimm bloß einen Backpack mit, sonst rollst du mit dem Koffer durch Müll und Kuhkacke. Die laufen da nämlich überall rum.“ Vergiss bloß den Türstopper für dein Hotelzimmer nicht, sonst kommen nachts die Angestellten rein und machen schlimme Sachen mit dir.“

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Auch mein Hinweis, dass ich eine erfahrene Reisende bin die schon in vielen vermeintlich gefährlichen Ländern war, wird nicht gelten gelassen. Ja selbst meine Mum besteht darauf einen Notfallkontakt und regelmäßige Standortnachrichten von mir zu bekommen. Was sie noch nie zuvor gemacht hat. Weder als ich nach Südafrika ausgewandert bin, backpack allein in Südamerika unterwegs war oder nach Honduras gereist bin, was als eines der gefährlichsten Länder der Welt gilt.

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Bisher haben mich all meine Reisen gelehrt, dass Warnungen vom Auswärtigen Amt zwar ernst zu nehmen sind, oft aber mit der Situation als Reisender im Land nicht viel zu tun haben und man sie sehr differenziert betrachten muss. Warum also sollte es in Indien anders sein?

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Sicher zu reisen ist mir wichtig, also warf ich den Rechner an und tippte „Reisesicherheit Indien“ ein. Ich las die offiziellen Seiten des Auswärtigen Amtes, Nachrichtenseiten genauso wie Erfahrungsberichte anderer Blogger und wieder blieb ich ratlos zurück, denn viel Gutes fand sich dort nicht. Im Gegenteil ich fand die Bedenken meiner Freunde fast noch bestätigt.

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Ja, sogar über einen Kommentar auf einer FB-Reiseseite stolperte ich und war entsetzt, was unter dem Indienbild Jemand kommentiert hatte: „Da reise ich nicht hin, da liegen die Toten doch auf dem Gehweg.“ Mir fehlten die Worte, aber absagen wollte ich meine Reise dennoch nicht. Also plante ich Vorkehrungen zu treffen, um sicher zu reisen.

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Mein erster Weg führte in die Apotheke, um mich mit allerlei Medizin, Notfallsets, ja sogar Einwegspritzen einzudecken, was mich ein Vermögen kostete und ich auch noch nie für irgendeine Reise davor investiert hatte.

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Im zweiten Schritt bestellte ich mir alles Mögliche, was mir zu meiner Sicherheit dienen sollte: Türstopper mit Alarmfunktion, Trillerpfeife, Spiralschloss und sogar ein Survivalarmband. Auch alles Dinge, die ich noch nie irgendwohin mitgenommen hatte.

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Ja sogar die Reisetasche die schon gepackt war, wurde wieder ausgepackt und alles in meinem ungeliebten Rucksack verstaut. Nach dem letzten, von mir gelesenen Blogbeitrag mit dem Hinweis, dass man selbst in Kuhkacke ausgerutscht und hineingefallen sei, hatte ich keine Lust auf die Aussicht, meine Reisetasche mit ihren Rollen durch Exkremente zu ziehen. Und das obwohl ich mich echt gegen meinen Rucksack sträube, weil ich ihn als unpraktisch und störend empfinde.

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Mit all diesen Dingen bepackt machte ich mich also auf in den Norden Indiens. Auch Mutti hatte den gewünschten Notfallkontakt und ich hatte das Positionstracking auf Google für meine engsten Freunde freigegeben. Meine Gedanken kreisten immer wieder um Vorsorgemaßnahmen, Sicherheitsregeln und vermeintliche Ratschläge während ich im Flieger nach Delhi saß.

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Dort angekommen fuhr ich mit dem Taxi zum Hotel und war einfach nur geschockt! Ich sah nicht eine einzige Kuh auf der 45 minütigen Fahrt vom Flughafen in die Stadt und erst Recht keinen Müll! Hier war es sauberer als in Deutschland und dabei bemühte ich mich wirklich hier Dreck auf den Straßen zu finden. Auch als mich das Taxi am nächsten Morgen zurück zum Flughafen brachte und ich alles noch mal bei Tageslicht sehen konnte, entdecke ich nur blitzesaubere Straßen (Siehe Foto). So ganz kurz zweifelte ich, ob ich langsam hysterisch geworden war oder man mir von einem anderen Indien berichtet hatte?

IMG_8631Mag sein, dass ich gerade auf einer Strecke unterwegs war, auf die besonderen Wert gelegt wurde, aber auch in Guwahati, meinem ersten Etappenziel, sah ich wieder nichts vom verheerenden Müllproblem was mich hier erwarten sollte. Immerhin eine Kuh lief am Straßenrand entlang und erfüllt das zu erwartende Klischee, worüber ich in dem Moment schon fast erleichtert war.

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Ich war für zwei Tage in der Stadt und sah nichts, was es nicht in anderen Ländern der Welt oder gar in Deutschland auch gibt. Und auch das mit der Kuhkacke stellte sich als völliger Quatsch heraus. Ich hätte also gut und gerne auch die Flip Flops einpacken können.

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Was mir dennoch auffliel, war der dezente Kleidungsstil der Frauen. Im Gegensatz zum Beispiel zu Brasilien präsentiert man sich in Indien eher konservativ. Während dort die Frauen quasi alles präsentieren, ist man in Indien eher hochgeschlossen. Hier fühlte ich mich in meiner Kleiderwahl bestätigt. Auch ich achtete darauf, nicht zu viel Haut zu zeigen, bedeckte Schultern, trug eine Leggings unterm Kleid und keinen aufreizenden Ausschnitt. Wenn es der Kulturkreis so mit sich bringt, dann passe ich mich gerne an und das in allen Reiseländern weltweit.

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Die Hotels meiner Reise waren alle auf höchstem Niveau und so war es auch wenig verwunderlich, das die Türen abschließbar waren und es keinen Grund für Verunsicherung gab. Ich kam mir absolut dämlich vor, diesen unsäglichen Türstopper überhaupt mitgeschleppt zu haben, um mich nachts damit zu verbarrikadieren. Gleiches galt für meine restliche „Bewaffnung“. Den ganzen extra angeschaften Kram brauchte ich nicht.

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Auch hatte ich damit gerechnet, dass ich als Frau in Indien von Männern nicht gerade wertschätzend behandelt werde, aber das ganze Gegenteil war der Fall. Es war schon auffällig wie achtsam und zuvorkommend man mir entgegen kam. Gentleman zu sein, hat in Indien noch einen hohen Stellenwert, der in unserem Kulturkreis dagegen völlig verloren gegangen ist. Hier hielt man mir noch die Tür auf, rückte den Stuhl oder ließ mir den Vortritt. Wieder kam ich mir reichlich dämlich vor, wegen meiner Vorurteile.

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Den zweiten Teil meiner Reise verbrachte ich in der Region Sikkim im Nordosten Indiens und was ich hier in Sachen Sauberkeit erlebte, toppte alles. Der Bundesstaat ist ein Paradebeispiel für ein „Clean Environment“ und hat sich genau auch das auf die Fahnen geschrieben. Überall findet man übergroße Schilder die darum bitten, auf die Umwelt zu achten oder Mülleimer mit dem liebevollen Hinweis seinen Müll doch bitte hier zu entsorgen. Die Gehwege werden gefegt, die Straßen sind sauber und auch in den Flüssen schwimmt kein Müll.

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So langsam ärgerte ich mich über mich selbst. Besonders als ich mich an mein Leben im Dreck in Brasilien erinnerte. Über all die Momente wo ich mich dort über zugemüllte Flüsse, Abfall in den Straßen und vor den Häusern geärgert habe. Dagegen ist Sikkim ein grünes und sauberes Paradies! Und niemand sagt über Brasilien es sei ein Drecksloch und dort stimmt es in vielen Teilen wirklich. (Ich hab da gelebt und kann es aus eigener Erfahrung so wiedergeben.)

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Ich fand mich in keinem der Vorurteile, mit denen ich vor meiner Reise überhäuft wurde, bestätigt. Selbst beim Essen fiel auf, dass man gerade in der Region Sikkim viel gesünder ißt als in Deutschland. Hier wird biologischer Ackerbau betrieben und man bekommt gesunde Lebensmittel, während bei uns inzwischen jedes Brot pestizidverseucht ist.

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FAZIT

Mein persönliches Fazit nach der Reise lautete deshalb mal wieder, nicht auf Unkenrufe von Leuten zu hören, die nie selbst da waren und sich davon dann auch noch völlig vereinnahmen zu lassen. Zwar kann ich mich nur auf meine Erfahrung im Nordosten des Landes berufen, aber diese war durchweg postitiv und so ganz anders als mir von Freunden und Medien vermittelt wurde.

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Ich hatte zu keiner Zeit Angst als Frau (siehe Video), ich mußte nicht durch Müllberge laufen oder mit schlechten Lebensmitteln dealen, durch die ich meine Gesundheit riskieren würde. Das ganze Gegenteil war der Fall! Ich wurde zuvorkommend behandelt, fand gerade in der Region Sikkim ein Vorzeigebeispiel an Sauberkeit und hab gesünder gelebt als daheim. Wer an meiner Darstellung zweifelt, der darf sich gerne mein komplettes Bildarchiv auf Flickr ansehen!

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Ich kann nur allen raten, sich nicht kirre machen zu lassen und kein pauschales Urteil über dieses riesige Land zu fällen. Stattdessen empfehle ich, sich gezielt bei Leuten zu informieren die auch schon in der Zielregion waren und mit offenem Herzen nach Indien zu reisen. Ein Land was mich gerade durch seine Menschen und seine Vielfältigkeit in Kulturen, Religionen und Landschaften absolut begeistert hat.

Marlene

Du hast immer noch Bedenken, nach Indien zu reisen? Dann nimm Kontakt mit mir auf und lass uns darüber reden! Schreib mir im Kommentarfeld, skype mich an oder schick eine Direktnachricht über Facebook. Ich erzähle gerne mehr von meinen Erfahrungen.

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14 Kommentare
  1. Florian
    Florian says:

    Stimmt schon, es ist total übertrieben, was man über Indien hört. Ich reise immer wieder gern ins Land der Unruhe, wobei ich auch keine alleinreisende Frau bin.

    Aber Nordostindien mit dem Rest von Indien zu vergleichen ist auch nicht gerade fair. Das ist wie wenn ich nach Alaska fahre und sage ich habe die USA gesehen und alle sind freundlich und es gibt keine Obdachlosen. 😉

    Antworten
    • Marlene
      Marlene says:

      Hi Florian,

      wäre auch echt schade für die Frauenwelt, wenn du eine Alleinreisende wärst;) Dein Vergleich mit Alaska und USA finde ich übrigens auch sehr treffend. So kann man das mit Indien und Sikkim sehr bildlich beschreiben. Danke dafür! Schön, dass du es auch so siehst, dass die Vorurteile völlig übertrieben sind.

      Lieben Gruß Marlene

      Antworten
  2. Birgit
    Birgit says:

    Ich finde in deinem Artikel so viel von den Warnungen und Unkereien wieder, die auch mich von einer Reise nach Indien abhalten sollten. So hatte ich ähnlichen Stress in Bezug auf einen deutlich größeren Medikamentenvorrat als üblich, einen Seidenschlafsack, eine Taschenlampe gegen den offenbar immerwährenden Stromausfall und Wasseraufbereitungstabletten und war auf alles vorbereitet, inklusive der Möglichkeit in ein “zahmes” Resort nach Goa weiter zu reisen, sollte ich das “echte Indien” nicht überleben.

    Und ja, Indien hat mich von Anfang an absolut geflasht! Natürlich wollen die Menschen dort Geld verdienen, teilweise auch mit Tricks, und natürlich sind die technischen und hygienischen Voraussetzungen nicht überall so wie beispielsweise in Japan.

    Auch ich habe sehr schnell festgestellt, dass man keinesfalls mit Gummistiefeln durch den Dreck waten muss, dass man in einfachen Lokalen gut und sauber essen kann ohne gleich an Cholera zu erkranken, dass es superschöne auch günstige Hotels mit einwandfreien Hygienestandards gibt.

    Ich habe einen Rikschafahrer erlebt, der mir eine saubere Pappe zum Draufsetzen rübergereicht hat, als ich mich neben ihn auf einen staubigen (und ansonsten sauberen) Treppenabsatz setzte. Ich habe einen Verkäufer erlebt, der mir die saubersten 3 Scheine als Wechselgeld aus dem Bündel Zehner herausgesucht hatte. Ich bin an einem Tempel mit aggressiven Affen ritterlich von einer Gruppe junger Männer in die Mitte genommen und beschützt und mit lustigem Smalltalk begleitet worden, da die Affen Menschen eher dann belagern, wenn sie allein sind.

    Und wenn man sich wundert oder ärgert, dass da abends an bestimmten Straßenecken Müllberge angehäuft werden, in denen dann die Kühe stehen, dann schaue man noch ein zweites Mal am nächsten Tag hin. Inzwischen war die Müllabfuhr da, der Berg ist weg.

    Indien ist da andererseits auch speziell. So sagte mir ein inzwischen guter Freund in Indien zu einer Situation: Siehst du, da fegt der Shopbesitzer nun den Dreck auf die Straße, und in einer Stunde kommt die Straßenreinigung und fegt alles wieder von der Straße auf den Gehweg.

    Ja, Indien hat Probleme, auch ein hygienisches und ein Umweltschutzproblem. Man beachte den Smog über Delhi, der den Himmel auch ohne Wolken weiß statt blau sein lässt. Man beachte den Dreck im Ganges in Varanasi und den Schadstoffgehalt, den das heilige Wasser hat. Man beachte die sanitären Bedingungen auf dem Land, in denen oft keine oder nur unzumutbare Toiletten für die Bevölkerung zur Verfügung stehen.

    Und dennoch, das ist nur eine Seite eines wunderbaren Landes, in dem der ausländische Gast in aller Regel mit Respekt, Herzlichkeit und Neugier betrachtet wird und in dem alles dafür getan wird, dass der Gast sich wohl fühlt.

    Ja, Indien polarisiert! Die einen sehen nur den durchaus auch mancherorts vorhandenen Dreck und die stinkenden Rauchsäulen, die beim Verbrennen des Mülls entstehen, die anderen konzentrieren sich auf das Viele, was das Land zu geben hat. Denn die vielen kleinen und großen Erlebnisse in Indien, das Viele, was da zwischen Himmel und Erde passiert, DAS ist es, was dieses faszinierende Land ausmacht. Und ich freue mich, dass du, Marlene, zu der zweiten Gruppe gehörst, die die schönen und teilweise tief berührenden Seiten erkennt. Viel Spaß und tolle Erfahrungen bei der nächsten Reise in mein Herzensland!

    Antworten
    • Marlene
      Marlene says:

      Hallo Birgit,

      wow du bist ja der Hammer! Super, dass du dir so viel Mühe gemacht hast und mir mein Feedback geschrieben hast. Ich hoffe, dass alle auch das noch lesen und sich eine differenzierte Meinung zu Indien bilden. Du beschreibst deine Erlebnisse so wunderbar und realistisch, dass muss ja überzeugen. Danke, Danke, Danke für so viel Input. Ich freue mich auch, in dir so eine begeisterte Indienreisende gefunden zu haben. Lieben Dank für so viel Herzblut.

      Dicken Drücker Marlene

      Antworten
  3. Reyfakt- Blog des Lebens
    Reyfakt- Blog des Lebens says:

    Indien ist schon ein kleines Fleckchen, was eigentlich von kultureller Schönheit steckt! Schöner Beitrag !!! Leider finden die Irrglauben wohl den Weg schneller in die Köpfe der Menschen zu kommen, die Glauben, dass was sie Glauben wollen :).

    Viele liebe Grüße
    Dein Reyfakt vom Blog des Lebens

    Antworten
    • Marlene
      Marlene says:

      Hey Reyfakt,

      danke, dass du hier vorbei geschaut hast und mir auch deine Nachricht dagelassen hast. Ich bin da voll bei dir, dass sich schlecht Nachrichten schneller verbreiten und länger in den Köpfen bleiben. Schade, schade. Aber so sind wir Menschen nur wohl leider. Naja, wir geben einfach die Hoffnung nicht auf und machen ein bischen Werbung für die gute Seite.

      Grüße Marlene

      Antworten
  4. Steffi Hofmann
    Steffi Hofmann says:

    Liebe Marlene, ich habe gerade deinen Artikel gelesen und konnte bei jedem Satz nur eifrig nicken! Als ich im Februar 2016 Kerala bereist habe, musste ich mir im Vorfeld auch bittere Vorurteile anhören! Sogar von in Deutschland lebenden Indern! Ich war arg verunsichert, aber schon bei Ankunft in Kochi sogleich beruhigt. Ich habe die Inder als absolut gastfreundliche, liebe und sehr weltoffene, interessierte Menschen kennengelernt! Natürlich habe auch ich mich im Vorfeld kleidungsmäßig mit Leggins und langen aber luftigen Shirts eingedeckt. Wenn man sich jedoch nur etwas auf die Kultur einlässt, wird man niemals enttäuscht! Dein Artikel hat mir sehr gefallen und ich träume mich zurück an die Backwaters. Liebe Grüße

    Antworten
    • Marlene
      Marlene says:

      Hallo Steffi,

      danke, dass du hier auch deine Erfahrungen mit mir teilst. Es freut mich, dass ich mit meinem Erlebnis nicht alleine dastehe und du auch gute Erfahrungen gemacht hast. Wie du schon sagst ist es sicherlich auch wichtig, sich auf die Kultur einzulassen. Mit Freude habe ich auch gelesen, dass du die Menschen als weltoffen, interessiert und lieb beschreibst. So habe ich es auch empfunden.

      Danke für Deine Nachricht!

      Lieben Gruß Marlene

      Antworten
  5. Gerd
    Gerd says:

    Liebe Marlene,

    selten kommentiere ich einen Reiseblog Post. Meistens weil ich keine eigene Erfahrung habe und in den seltenen Fällen wo doch, habe ich meistens nicht mehr viel hinzuzufügen.

    Ich habe deinen Artikel mit Interesse gelesen, weil wir auch vor 9 Monaten in Indien waren.
    Allerdings bin ich überrascht, denn anscheinend warst du in einem anderen Nordindien und Delhi als wir es waren.

    Eins vorweg: Vorurteile das in Indien jeder Mann ein Vergewaltiger ist und das man dort als Frau ja jede Sekunde um sein Leben fürchten müsse möchte ich absolut nicht bestätigen, das halte ich auch für Quatsch. Die Menschen sind im Schnitt sicher genauso menschlich und freundlich wie in Deutschland und in jedem anderen Land auch. Man kann halt überall auf unangenehme Zeitgenossen treffen.

    Allerdings war ich sprachlos als ich manche Sätze in deinem Artikel las:

    >> Auch als mich das Taxi am nächsten Morgen zurück zum Flughafen brachte und ich alles noch mal bei Tageslicht sehen konnte, entdecke ich nur blitzesaubere Straßen.

    Ich weiß nicht ob das Sauberkeitsprogramm des Premierministers in den letzten 9 Monaten schon abgeschlossen wurde, aber ich kann aus eigener Erfahrung berichten, in Indien ist es verdammt schmutzig und ich kann mich an keinen Ort erinnern den ich als „sauberer als in Deutschland“ bezeichnen würde.

    >> Und auch das mit der Kuhkacke stellte sich als völliger Quatsch heraus. Ich hätte also gut und gerne auch die Flip Flops einpacken können.

    Auch das war wohl ein wenig übertrieben von den Leuten mit denen du im Voraus gesprochen hast. Aber wir haben schon sehr viele freilaufende Kühe gesehen die natürlich auch gelegentlich ihre Hinterlassenschaften hinterlassen haben – ohne Rücksicht auf menchlische Hygienegefühle. Aber mit FlipFlops würde ich alleine wegen des ganzen Mülls schon nicht dort herumlaufen wollen.

    >> Der Bundesstaat ist ein Paradebeispiel für ein „Clean Environment“ und hat sich genau auch das auf die Fahnen geschrieben. Überall findet man übergroße Schilder die darum bitten, auf die Umwelt zu achten oder Mülleimer mit dem liebevollen Hinweis seinen Müll doch bitte hier zu entsorgen.

    Werbung für eine saubere Umwelt haben wir an jeder größeren Straße gesehen. Wir waren hauptsächlich im goldenen Dreieck unterwegs. Trotzdem hat uns das nicht davor beschützt an wirklich jeder Ecke Abfall zu sehen der NICHT umweltbewusst entsorgt wurde. Einmal schmiss der Beifahrer eines vor uns fahrenden Rollers sogar während der Fahrt über eine Brücke eine Tüte Müll in den Fluss. Oder offensichtlich einheimische Touristen die ihre Süßigkeitenverpackung in einem Tierpark einfach fallen lassen (und dann immerhin vom Touristen-Guide aufgefordert wurden ihren Müll doch wieder aufzuheben. Das wurde dann gemacht, aber Verständnis oder Einsicht sieht anders aus!)

    >> Zwar kann ich mich nur auf meine Erfahrung im Nordosten des Landes berufen, aber diese war durchweg postitiv und so ganz anders als mir von Freunden und Medien vermittelt wurde.

    Wir waren im mittleren Norden unterwegs (Delhi, Agra, Jaipur) und unser Eindruck war ein völlig anderer – zumindest was den Müll und Sauberkeit angeht. Einzig in sehr ländlichen Gebieten an der Eisenbahnstrecke zwischen Agra und Khajuraho war es zwischendurch mal halbwegs, oder sagen wir besser verhältnismäßig, sauber.
    Aber sobald es städtisch wurde, war IMMER irgendwo Müll zu sehen. Und zwar soviel das man Mitleid hatte. Nicht weil die Leute im Müll leben, sondern weil es ihnen – so mein persönlicher Eindruck – scheinbar schei**egal ist.

    Zusammengefasst sieht meine Sicht der Dinge wie folgt aus: Die Menschen in Indien sind im Schnitt genauso nett wie woanders auch. Die Kultur ist extrem ausgeprägt und vielfältig, das stimmt. Sehr interessant ist sie auch. Das essen ist lecker und man kann es (mit etwas Achtsamkeit) genießen (Ich hatte ab dem letzten Tag meiner Reise 7 Tage irgendeine Art von Darminfekt die ich mit nach Hause nahm, wurde sogar Krankgeschrieben). Das sind meiner Meinung nach Gründe für interessierte und weltoffene Reisende einmal Indien zu besuchen.
    Was ich absolut nicht verstehe ist, warum du das Land als sauber, ja sogar teilweise sauberer als Deutschland bezeichnest. Das kann ich absolut nicht bestätigen. Ich habe noch nie in meinem Reiseleben irgendwo soviel Müll gesehen. Ich war schon auf allen Kontinenten in 30 Ländern unterwegs (inkl. Südafrika, Brasilien, China) und nirgendwo war es dort an Orten die man Touristen so zeigt so dreckig. Und wo sollte es wohl sauber sein wenn man seine Touristen nicht verschrecken möchte? Na klar, an den Orten wo man sie hinbringt. Die meisten Länder folgen dieser Regel. Indien nicht. Sogar um Schreine oder Tempel lagt soviel Dreck das man sich fragte was da los ist (ich kann dir gerne Bilder schicken).

    Als wir ein paar Tage später zuhause über die Autobahn zur Arbeit gefahren sind war ich sehr beeindruckt wie Sauber es auf unserer Autobahn in der Stadtnähe ist. Wirklich, ich habe darauf geachtet und es ist mir extrem aufgefallen.

    Und zum Abschluss noch ein Wort zur Sicherheit. Mir wurde am ersten Tag unserer Reise im Gedränge vor dem Roten Fort in Delhi schon das Handy aus der Hosentasche geklaut. Vllt. war es etwas leichtsinnig es nicht sicherer zu verwahren, aber Diebe gibt es eben überall. Auch in Indien.

    VG

    Antworten
    • Marlene
      Marlene says:

      Hallo Gerd,

      wow! Du hast dir richtig viel Mühe gemacht, mir hier zu schreiben und deine Erlebnisse zu schildern. Lass mich zunächst sagen, dass jeder seinen eigenen Erfahrunge macht, diese wiedergibt und das ich deine Meinung sehr schätze und achte.

      Ich habe das goldenen Dreieck noch nicht bereist und kann daher auch nichts zudem sagen, was du beschreibst. Wiederum warst du noch nicht in Guwahati oder der Sikkim Region. Und gerade bei letzterem bin ich absolut überzeugt, dass es dir auch sehr positiv auffallen würde, wie sauber es dort ist. Ich bin gerade heute wieder durch Pforzheim gelaufen und habe mich nur geekelt. Breitgetretener Hundekot, Taubenhinterlassenschaften, Zigarettenkippen, Kaugummi und sonstiger Müll zieren hier das Stadtbild und da bin ich mir zu 200% sicher, dass es das in Sikkim nirgends gibt. Deswegen habe ich mich da sehr aus dem Fenster gelehnt und geschrieben, dass es in der speziellen Region eben sauberer ist, als in manchen Teilen von Deutschland. Ich kann gerne mal eine Stadttour mit dir hier machen, damit du siehst, wovon ich rede.

      Ich war wie du auch in Südafrika, Brasilien und anderen Teilen der Welt unterwegs und habe viel, viel Schlimmes gesehen. Seien das Plastikmassen an den Stränden der Karibik, vollgemülte Flüsse von Mostar bis São Paulo oder nach Urin stinkende Europäische Metropolen. Viele Länder haben Probleme, aber keiner redet in derart abfälliger Weise darüber, wie es in Indien gemacht wird. Es stört mich, dass dieses riesige Land pauschalt abgestraft wird, obwohl es eben doch Ecken gibt, die Vorbildcharakter haben. Ich wollte mit dem Artikel eben genau zeigen, dass ich ein anderes Indien erleben durfte und das man sich diese Region vielleicht mal genauer abschauen sollte.

      Übrigens ist mein komplettes Fotoarchiv auf Flicker zu finden (der Link ist im Artikel). Ich habe nichts zu verstecken und jeder darf sich da selbst ein Bild machen, von dem was ich gesehen und erlebt habe.

      Was du über dein Handy geschrieben hast, ist auch deine Erfahrung und darf nicht pauschalisiert werden. Ein Freund von mir hat sein teueres Handy gerade mitten in einer Bar in Koblenz abgenommen bekommen. Niemand will etwas gesehen haben, obwohl sehr wohl ein ganzes Dutzend Leute die Szene beobachtet haben. Ist auch nicht besser, aber hier ohne diese gravierende Armut noch weniger nachvollziehbar.

      Was Sicherheit für Frauen betrifft habe ich in meinem Artikel zu „Ethik auf Reisen“ schon mal Stellung genommen, möchte aber wegen der Ausführlichkeit hier mal auf einen sehr sorgsam recherchierten Artikel von „Bravebird“ verweisen. Sie hat die Verhältnismäßigkeit mal in Relation gesetzt und zeichnet ein ganz anderes Bild von Indien. Ihr Beitrag ist nicht ganz tagesaktuell, da die Situation in Deutschland ja dramatisch schlimmer geworden ist (50% mehr sexuelle Übergriffe in Bayern in 2017). Lesenswert ist er dennoch. Schau gerne hier: https://www.bravebird.de/blog/indien-wie-sicher-ist-die-reise/

      Als Fazit möchte ich noch mal sagen, dass ich meine Erlebnisse wiedergebe und die waren eben so ganz anders als die Vorurteile. Keine Müllberge, keine Toten auf Gehwegen und ich hab auch nicht einen Kuhfladen zu Gesicht bekommen in 9 Tagen Indien.

      Vielleicht reist du ja selbst noch mal nach Indien und speziell nach Sikkum und überzeugst dich selbst von dem, was ich hier darstelle. Was meinst du?
      Die Region ist in jedem Fall eine Reise wert.

      Lieben Gruß und noch mal danke für deine ausführliche Nachricht.

      Herzlichst Marlene

      Antworten

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