Raod Trip in Arica y Parinacota im Norden Chiles – Gottverlassen schön!

Ganz im Norden Chiles und dicht an der Grenze zu Bolivien liegt „Arica y Parinacota“ – eine Gegend, welche die meisten Reisenden wohl eher nicht auf ihrer „10 Dinge, die du in Chile gesehen haben must“ – Liste haben. Dabei strahlt sie einen Reiz aus, den wohl nur versteht, wer die Reise hierher angetreten hat. Ich nehme dich mit zu meinem Trip und verrate dir, warum sich ein Ausflug hierher so viel mehr lohnt, als auf ausgetretenen Pfaden zu wandeln.

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Chile, Peru, Bolivien hatten wir uns für 2 Monate vorgenommen und nachdem wir für einen Monat mit Bussen in Peru unterwegs waren, stand fest für den Norden Chiles muss es ein 4×4 geländetauglicher Wagen sein, mit dem wir die Gegend entdecken wollen. Im Unterschied zu Peru, sind weite Teile dieses Gebietes nicht so einfach mit öffentlichen Bussen zu erreichen. Ich würde sogar behaupten, dass die spannendsten Regionen so abgeschieden sind, dass man ganz sicher selbst mobil sein muss, um sie entdecken zu können. Zuweilen ist diese Gegend so gottverlassen, dass man den ganzen Tag keinen einzigen Menschen trifft! Entspechend selten, kommt auch mal ein Bus vorbei, der einen absetzen könnte.

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An der Grenze hinter Tacna verließen wir Peru und schlugen uns mit privaten Fahrern nach Arica in Chile durch. Hier bekamen wir unseren Mietwagen – einen robusten, roten 4×4 Pickup Truck. Wir haben uns bewusst für so einen Wagen entschieden, denn er hat genügend Power auf Schotterpisten auch mal Bergkämme zu ersteigen.

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Er ist hoch genug gebaut, um auch mal Bäche zu durchqueren und bleibt sicher auf der Fahrbahn, wenn der Untergrund mal rutschig wird. Mit ihm machten wir uns zunächst auf in Richtung „Lauca Nationalpark“, dem nördlichsten aller Nationalparks Chiles. Hier ging es in die Region um den Vulkan „Parinacota“ und den gleichnamigen Ort, wo wir unser nächtliches Lager aufschlagen wollten.

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Noch in der Anfahrt wurde klar, dass ist keine Region für normale Touristen. Hierher muss man wollen! Das klingt jetzt erstmal drastisch, aber gleichzeitig liegt genau darin die Reiz. Auf unserem Weg in Richtung Bolivien begleiteten uns nur wenige Fahrzeuge. Die Straßen waren einsam und in der Regel waren nur Trucks unterwegs. Sie karren die Waren, die vom Schiff in Chile anlanden, ins Nachbarland Bolivien. Die Fahrer sind harte Kerle, die gelernt haben mit der rauen Gegend zu dealen.

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Mich faszinierte dieser Landstrich, den man am Besten damit beschreibt, dass die Vegetation kark, die Berge hoch und die Seen eiskalt und klar sind. Keine Gegend für Selfie-Jünger die unter Palmen posten. Vermißt habe ich diese Art Urlauber nicht. Ich war wegen der sagenhaften Natur hier und die ist so eindrücklich schön, dass es auf Fotos nur schwer wiederzugeben ist, wie absolut herausragend diese ist.

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Am liebsten wäre ich alle hundert Meter aus dem Wagen gesprungen, hätte sie fotografiert und in mich aufgesaugt. Stellt euch vor, man steht am Straßenrand vor einer Kulisse aus Bergen, schätzungsweise so 300m hoch und dahinter erst, beginnen die richtigen Berge. Und diese ragen bis zu 5.000m hoch hinauf in den Himmel. Da kommen einem die Erhebungen im Vordergrund vor, wie kleine Sandhügel!

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Dabei spricht man bei uns schon von Bergen, während sie hier eher Winzlinge sind. Dieses Panorama ist so eindrücklich, so bewegend, so faszinierend, dass man ab jetzt genau weiß, warum man hier ist. Und so ging es auch mir. So simpel diese Region auf den ersten Blick erscheinen mag, so vereinnahmend ist sie, wenn man sich darin befindet. Diese Weite des Landes, die Einsamkeit, die schneebedeckten Vulkane, die still liegenden Bergseen und die Tiere auf die man immer wieder trifft – das macht die Faszination von Arica y Parinacota für mich aus.

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Noch ein Grund, warum sich hierher nur wenige Touristen verirren, sind ganz klar die harrschen Wetterbedingungen. Auch bei uns war es so, dass sich von einem auf den anderen Moment der Himmel verdüsterte, es in den Bergen donnerte und die Temperaturen eisig wurden. Wind und peitschender Regen setzten ein und die Sicht verringerte sich auf wenige Meter.

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Als das Schauspiel vorüber war, der Himmel sich wieder klarte, waren die eben noch karg, braunen Bergkuppen, mit einer weißen Schneeschicht bedeckt. Kaum zu glauben, dass nur wenige Minuten zuvor noch pinkfarbene Flamingos durchs Wasser wateten! Glücklich wer da noch rechtzeitig einen schützenden Unterschlupf, ein warmes Feuer und einen heißen Tee gefunden hat.

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Wir hatten Glück und kamen in dem 29ig (!)Seelendorf Parinacota unter, welches auf einem Hochplateau und auf sagenhaften 4.000hm liegt. Hier gibt es eine einfache Unterkunft für Gäste. Die Bewohner dieses Ortes und den Vermieter, mussten wir allerdings erstmal eine Weile suchen, so verschlafen ist das kleine Dorf zuweilen. Dafür hat es einen ganz besonderen Charme, der gleichzeitig so typisch ist für diese Region, dass man das Bild davon wohl nie vergißt.

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Weiß gekalkte Mauern, die den Ort begrenzen, strohbedeckte und flach gebaute Häuser mit blauer Verzierung und eine zentrale Kirche prägen die Szenerie dieses Dorfes, welches symbolisch für viele Ortschaften dieser Region steht. Die Erbauung des Gotteshauses geht auf das 17. Jahrhundert zurück und ist in Form eines Schiffes mit seitlichen Kapellen angelegt. Alles simpel, robust und den klimatischen Bedingungen angepasst errichtet. Fast so als wolle sich die Kulisse sträuben gegen das Harsche, was da zuweilen niederprasselt.

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Kaum vorstellbar, dass hier noch Menschen leben. Doch das tun sie und nur durch fröhliche Musik und eine Rauchsäule wurden wir auch auf sie aufmerksam. Warum man bei dieser Eiseskälte draußen grillt, beisammensitzt und den Feierabend im Freien genießt, wird mir als notorische Frostbeule auf ewig verschlossen bleiben. Doch sie taten es und hatten sichtlich Spaß daran.

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Nachdem wir unseren Schlüssel bekommen hatten, unser einfaches Zimmerchen bezogen und den Kamin für die Nacht vorgeheizt hatten, zog es uns trotzdem noch mal raus, um den Ort und die nähere Umgebung zu erkunden. Nur wenige Minuten von der Siedlung entfernt erwartete uns eine grüne Wiese vollgepackt mit grasenden Alpacas.

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Ihnen schien die Kälte hier nichts auszumachen, munter sprangen und tobten die Jungtiere umher, während die Älteren sich scheinbar fröhlich am frischen Grün zu schaffen machten. Ein Bild für die Götter bot sich uns hier und ich erinnere mich gerne an den Augenblick zurück! Zu dem Moment, als eine Alpaca Mum ihr Junges säugte, sich eigentlich abgewandt zu uns befand aber so geschickt den Kopf drehte, dass sie uns ganz genau beäugen konnte.

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Nicht die einzige Tierbegegnung, die wir an diesem Tag hatten. Vor uns auf der Schotterpiste schliefen breit ausgebreitet noch ein paar Viscachas (hasenähnliche Geschöpfe ). Von unserem anrollenden Fahrzeug ließen sie sich überhaupt nicht stören. Friedlich dösten sie auf dem Rücken, was zum Schreien komisch aussah. Weil sie sich mitten auf der Fahrbahn auf den Rücken gerollt sonnten und sich eben so gar nicht aus der Ruhe bringen ließen.

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Erst in dem Moment, als ich den Wagen mit der Kamera in der Hand verließ, wurden sie scheu, nahmen die Beine in die Hand und sprangen davon. Wobei ich schon wieder fett grinsen mußte, weil auch das unheimlich putzig aussah. Für mich sind diese Tierchen ganz sicher auch eines der Hightlights dieser Region und man sollte sich gewiss auch etwas Zeit nehmen, ihrem Treiben zuzusehen.

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Ganz so liebreizend waren die Lamas, die ic auch noch entdeckte, allerdings nicht. Als ich mich ihnen vorsichtig und mit ausreichend Abstand näherte, fühlten sie sich sofort gestört und stürmten los. Selbst 100m Abstand zwischen uns, waren ihnen wohl nicht genug.

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Zu meinem Pech nahmen sie aber nicht vor mir Reißaus, sondern kamen auf mich zu gerannt. Wir reden hier von stattlichen, großen Tieren die mich locker hätten umwalzen können! Also nahm ich genauso die Beine in die Hand und stürmte zum Auto zurück, hechtete hinein und erntete schallendes Gelächter meines Freundes. Trotzdem eine denkwürdige Begegnung. Meine ersten Lamas in freier Wildbahn!

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Zurück in unserer Unterkunft legten wir erstmal noch ein paar Scheitel Holz im Ofen nach, setzten Teewasser an und begutachteten das Gästebuch. Zu unserem nicht allzu großen Erstaunen lag der letzte Besuch von Touristen schon einige Monate zurück.

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Wen wunderts, denn diese Gegend hat keine großen Attraktionen die Herrscharen von Touristen anlocken, die Trucker schlafen meist in ihren LKWs und auch sonst verirrt sich kaum jemand hierher. In all unserer warmen Kleidung und dick eingepackt unter Schlafsack und Decken schliefen wir an diesem Abend ein.  Schon am nächsten Tag sollte unser Road Trip weitergehen in Richtung Las Vicuñas National Reserve und zur Salar de Surire. Aber das ist eine andere Geschichte auf die ihr gespannt sein dürft!

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PS: Wer hierher reist, der sollte sich in jedem Fall warm anziehen. Einen Mietwagen nehmen, ausreichend Benzin (Kanister), Schlafsack, Notvorräte und Holz dabei haben. Desweiteren gut funktionierende Navigation, ausreichend Bargeld und jede Menge Abenteuergeist. Bei Fragen bitte gerne melden!

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