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Busfahren in Brasilien – Das solltest du beachten!

Um ein Urlaubsziel auf ganz besondere Weise zu entdecken, bewegen sich Reisende gerne mit dem Bus durch ein Land. Hervorragend funktioniert das in Brasilien, wenn man ein paar Dinge beachtet. Welche das sind erfährst du hier:

Gerade in Lateinamerikanischen Ländern ist das Busnetz sehr gut ausgebaut, da die Bevölkerung auf diese Art des Transportwesens angewiesen ist. So macht es dir auch Brasilien einfach, dich auf diese Weise fortzubewegen.

NAHVERKEHR

Lokale Busse sind oft sehr preiswert und decken die meisten Strecken ab. Das Fahrtziel ist mit einem Schild an der Scheibe angeschrieben. Busse halten auf ein Handzeichen. Einstieg & Bezahlung ist vorne beim Fahrer und Ausstieg in der Regel hinten. Mit Kleingeld für den Ticketkauf ist man wie überall gut beraten. Nach 23 Uhr und zu Stoßzeiten sollte man vielleicht besser nicht mit dem Bus fahren.

FERNVERKEHR

BUSBAHNHOF

Busbahnhöfe befinden sich oft etwas am Rande der Städte, da sich die Unternehmen dann nicht durch den Verkehr der Ortschaften quälen müssen und so schneller ankommen. Man wählt also einen Zubringerbus oder ein Taxi, um zu dem Fernbushaltestellen zu gelangen.

Die Busbahnhöfe sind in den meisten Orten geradezu ein Personendrehkreuz und entsprechend gut ausgestattet. Hier findet man Sanitäreanlagen (gegen Bezahlung), kleine Shops mit Essen und Getränken, hin und wieder Geldautomaten und eine Gepäckaufbewahrungsstelle und natürlich die verschiedenen Busanbieter-Shops. In der Regel findet man auch immer ein Taxi oder Moped-Taxi hier zur Weiterfahrt in die Unterkunft.

REISETAG

In ganz Südamerika ist man gut beraten nicht sonntags zu reisen, da an diesem Tag nur sehr eingeschränkt Busse fahren oder manchmal gar nicht. Selbst samstags ist es in manchen Regionen schwierig gute Busverbindungen zu bekommen. Mit Reisetagen von Montag bis Freitag ist man in der Regel am Besten beraten.

BUSUNTERNEHMEN & TICKETKAUF

Busunternehmen gibt es jede Menge, sie unterscheiden sich im Preis und Komfort. Das Ticket kauft man nicht beim Fahrer sondern vorab beim Fahrer. Man ist gut beraten nicht gleich am ersten Schalter sein Ticket zu kaufen sondern zu vergleichen.

Es gibt von der Holzklasse bis zu Luxuslinern verschiedenste Angebote und Preise. Es gilt also abzuwägen, welcher Komfort & Preis zu einem passt. Manche Busse bieten sogar Verpflegung unterwegs. Entsprechend höher ist dann auch auch der Preis.

Sein Ticket sollte man am Besten einen Tag vorher kaufen, dann weiß man auch, wann die Busse fahren und spart sich stundenlanges warten am Busbahnhof. Zum Ticketkauf muss man sich ausweisen und oft auch beim Einstieg.

Ticketpreise entsprechen nicht immer dem was in den Reiseführern angegeben ist. Auf allzu günstige Preise sollte man sich also nicht verlassen. Tickets können bar und oft auch mit Karte bezahlt werden. Geht aber eher von einer Barzahlung aus, da die Zahlungsgeräte nicht immer funktionieren bzw. das Internet an dem sie hängen.

Hin und wieder werden Busse mit einer bestimmten Uhrzeit zB. 23 Uhr ausgeschrieben. Man erfährt aber erst um 13 Uhr, ob dieser Bus auch wirklich fährt.

NACHTBUSSE

Nachtbusse sind kein Problem in Brasilien. Sie haben oft einen guten Komfort, man spart sich die Unterkunft und verpasst nicht den ganzen Tag im Bus. Oft haben die Busse eine Fußauflage, so dass sich der Bus fast zu einem Bett ausbauen lässt. Die Luxusvarianten haben regelrechte Schlafkabinen. Lass dich hier gut beraten und entscheide,wie viel Komfort dir eine erholsame Nacht wert ist. Denk an Ohrstöpsel und ggf. deinen Schlafsack als Decke.

GEPÄCK

Das Gepäck wird bis auf das Handgepäck aufgegeben und in den Gepäckfächern an den Seiten des Busses verstaut. Hierzu reiht man sich in die Schlange ein und zeigt sein Ticket auf Verlangen vor. Das Gepäck wird eindeutig gekennzeichnet und erhält einen Aufkleber mit Nummer. Man selbst bekommt einen Zettel oder ebenso einen Aufkleber auf das Busticket, welches man gut aufbewahren sollte, damit man sein Gepäck beim Aussteigen auch unkompliziert wieder bekommt.

SITZPLATZ

Der Sitzplatz ist auf dem Ticket angegeben. Hier empfiehlt es sich, nicht direkt neben der Toilette seinen Platz zu wählen. Erstens riecht es nicht so gut und zweitens wird man häufig von den „Besuchern“ gestört. Also lieber etwas weiter weg. Selbst wenn im Bus freie Plätze sind, bleibt man auf seinem gebuchten Platz sitzen, da auch weitere Zustiege mit Sitzplatznummer gebucht werden.

KLIMAANLAGE

Die Busse sind in der Regel klimatisiert. Was aber häufig heißt, dass man auf Tiefkühlkostniveau runter gekühlt wird. 16 Grad sind keine Seltenheit. Es empfiehlt sich bei der Kleidung ein Zwiebelprinzip bzw. den Schlafsack oder ein Handtuch als Decke bzw. als Kälteschutz mit in den Bus zu nehmen.

WLAN & ENTERTAINMENT

Es wird gerne mit WLAN geworben, meine Erfahrung war, dass es nie funktioniert hat. Oft wird auch ein TV Programm angeboten, damit hatte man schon eher Glück als Bordentertainment. Es empfiehlt sich für die eigene Unterhaltung vorzusorgen und ggf. Ohrstöpsel dabei zu haben, wenn man seine Ruhe haben will.

VERPFLEGUNG

Im Bus selbst gibt es in der Regel keine Verpflegung außer in besagten Luxuslinern. Man darf sich Getränke und Essen mit in den Bus nehmen. Auch wird in der Regel nicht extra gehalten für Restaurantbesuche.

SANITÄRE EINRICHTUNG

Die Überlandbusse haben in der Regel eine Toilette im Bus die meiner Erfahrung nach gepflegt aussahen. Toilettenpapier sollte man für den Notfall noch im Handgepäck bereit halten.

SICHERHEIT

Es gilt als sicher in den Bussen zu reisen und auch die Busbahnhöfe habe ich als sicher empfunden. Natürlich gilt es wie überall auf der Welt hier besonders auf seine Sachen zu achten.

GRENZVERKEHR

Nimm die Grenzkontrollen ernst! Manche Grenzorte dürfen zum Shoppen oder als Tagesbesucher ohne Visum (Stempel im Pass) und Formalitäten besucht werden. Wer weiterreist braucht in jedem Fall den Stempel und das für Brasilien übliche Papier. Busse die die Grenze überqueren halten nicht immer dort oder warten auf deine Abfertigung! Hier ist es an dir, dir vorab den Stempel zu besorgen. Erkundige dich also beim Busunternehmen wie der Grenzverkehr geregelt ist. Zwischen Uruguay & Brasilien im Grenzort Chuy liegt die Grenzkontrolle gute 3 km außerhalb des Ortes und das obwohl die Grenze an der Hauptstraße im Ort liegt. Je nachdem wie du ein bzw ausreist musst du dich auf den Weg dahin machen.

FAZIT:

Busfahren in Brasilien klappt prima, wenn man die Gepflogenheiten kennt. Für längere Strecken empfehle ich dennoch Inlandsflüge. Siehe hierzu mein Artikel im LINK.

 

 

Fliegen in Brasilien – Das solltest du beachten!

Brasilien hat die Größe mancher Kontinente. Wer weite Strecken im Land zurück legen will, sollte statt dem Bus aufs Flugzeug umsteigen. Welche Airlines empfehlenswert sind und was besonders zu beachten ist, verrate ich hier:

FLUG-PREISE

Die Preise für Inlandsflüge sind in der Regel sehr günstig. Im Schnitt würde ich sagen zwischen 80-120 EUR wenn man nicht zu kurzfristig bucht. So gelangt man zum Beispiel schnell und günstig von den Iguazu Wasserfällen ins Regenwaldgebiet um Manaus. Eine Strecke die mit dem Bus zwar machbar ist, aber sicherlich wenig sinnvoll.IMG_6346

AIRLINES

Die wichtigsten Airlines in Brasilien sind sicherlich GOL, AZUL und TAM. Aber natürlich gibt es auch noch andere Fluglinien die genutzt werden können:

Avianca www.avianca.com
AZUL www.voeazul.com.br
GOL www.voegol.com.br
TAM www.tam.com.br
Trip www.voetrip.com.br
Webjet www.webjet.com.br

Flugbuchung

Airlines wie TAM. AZUL oder GOL fliegen die meisten brasilianischen Flughäfen an. In der Regel auch mehrmals täglich. Wer direkt bei diesen Airlines bucht, fliegt meistens günstiger als wenn Flugbuchportale benutzt werden. Die Websiten der Airlines gibt es häufig auch  in englisch, ganz optimal ist das aber noch nicht, so dass man immer wieder mit der Muttersprache „porutugiesisch“ konfrontiert wird. Mit Übersetzungsprogrammen kommt man hier aber gut ans Ziel. Kreditkartenzahlung hat bei mir immer reibungslos funktioniert. Sollte dies nicht der Fall sein geht man in ein Reisebüro.IMG_6341

ZWISCHENLANDUNGEN

Je nachdem wie exotisch das Flugziel ist, muss damit gerechnet werden, dass man Umwege aka Zwischenlandungen in Kauf nehmen muss. Für eine Strecke die im Grunde 3h Flugzeit entfernt ist, wird man über größere Drehkreuze geleitet und so kann es auch gut sein, dass man 17h unterwegs ist. IMG_6366

SICHERHEITSKONTROLLE

Sicherheitskontrollen sind im Ausland oft etwas lascher als in Europa. So habe ich es auch in Brasilien gerade bei Inlandsflügen empfunden. So musste ich das Laptop nicht extra auspacken und eine kleine Flasche Wasser im Handgepäck wurde auch nicht moniert. Verlassen würde ich mich darauf aber nicht.

VERPFLEGUNG IM FLUGZEUG & KOMFORT

TAM ist die wohl beste Airline in Brasilien fliegt aber in der Regel nur die großen Flughäfen im Land an. AZUL bietet etwas mehr Zusatzleistungen als GOL. Zum Beispiel bekommt man den Kaffee gratis und nicht nur Öko-Kekse und Wasser wie bei GOL. Großartige Preisunterschiede gibt es dennoch nicht. Hier sollte man genau abwägen, wie Flugzeiten, Preis und Verpflegung den eigenen Vorstellungen entsprechen.

KLIMAANLAGE

Die Flugzeuge sind klimatisiert. Der Südamerikaner mag es in der Regel eher frisch und deshalb wird oft stark runter gekühlt. Decken gibt es in der Regel keine im Flieger, daher sollte man sich entsprechend kleiden oder eine Decke dabei haben.

FLUGHÄFEN

FLUGSTEIG-WECHSEL

GANZ WICHTIG beim Fliegen in Brasilien ist, dass sich die Flugsteige gerade auf den großen Flughäfen wie Sao Paulo, Belem, Belo Horizonte oder Brasilia häufig kurzfristig ändern oder oft gar nicht mehr ausgeschrieben sind. Besonders wenn es zu Verspätungen der Flüge kommt, solltest du besonders ein Auge auf die sich wechselnden Anzeigen haben und ggf. beim Flughafenpersonal nachfragen. Englischsprachige Durchsagen sind eher die Seltenheit. Man sollte also etwas auf Zack sein und sich nicht drauf verlassen, dass alles so gut durchorganisiert ist, wie in Deutschland.IMG_6350

SPRACH-BARRIERE

Trotzdem es sich um internationalen Flughäfen handelt, wirst du eher selten jemanden finden, der englisch spricht und dir bei Fragen weiterhelfen kann. Das gilt selbst für Stewardessen oder Mitarbeiter des Service-Telefons. Dieses ist zwar in englisch angeschrieben, uns ist es aber schon mehrfach passiert, dass aufgehängt wurde, weil man nur in portugiesisch kommunizieren wollte. In Brasilia gibt es extra einen Schalter für international Fliegende und bei Problemen sollte man sich dahin wenden. Oft hilft es andere Reisende (in der Hauptsache Businessleute oder Studenten) anzusprechen, da hier die Chancen gut stehen, dass sie als Übersetzer fungieren können.

WLAN

Wlan funktioniert meiner Erfahrung nach ganz gut auf den Flughäfen in Brasilien. Nicht unbedingt in der Schalterhalle, aber in der Regel in den Wartehallen.

VERPFLEGUNG IM FLUGHAFEN

Meiner Erfahrung nach ist die Verpflegung, gerade auf den kleineren Flughäfen, in den Schalterhallen oft besser als in den Wartehallen. Da gibt es oft nur 1-2 Verkaufsstände mit immer den gleichen „Backwaren“. Wer viel Umsteigezeit hat, sollte die Wartehalle verlassen und sich in den Schalterhallen nach etwas mehr Angeboten umschauen und danach wieder durch die Sicherheitskontrolle zurück zum Abflugsteig kehren.

FAZIT:

Wer weiß, wo er welchen Flug günstig und mit guten Service bekommt, der wird sich leicht tun sich in Brasilien per Flugzeug zu bewegen. Wer noch dazu die Hinweise für die Flughäfen beachtet, der wird auch drumherum ein positives Erlebnis haben.

 

 

 

SüdamerikaTour – Devil’s Throat & Iguazú Wasserfälle

Für meinen Ausflug auf die argentinische Seite der Iguazú Wasserfälle habe ich mir einen Tour gebucht. Ich hatte einfach keine Lust auf lange Wartezeiten oder komplizierte Abläufe an der Grenze. Übers Hostel bestellt, sollte die Tagestour um 9 Uhr starten und gegen späten Nachmittag zurück sein.image-2015-12-18(9)Ich starte gerne gemütlich in den Tag, also habe ich mir den Wecker auf 7:30 Uhr gestellt. Zudem bin ich „deutsch“ und dazu gehört eben auch Pünktlichkeit wenn man an gemeinschaftlichen Ausflügen teilnimmt. Ich habe also genügend Zeit eingeplant die Sachen für den Tag zu packen, sich zurecht zu machen und auch noch in aller Ruhe zu frühstücken. Kurz vor 8 dann plötzlich der Schreck. Die Hostelmanagerin reißt die Tür auf und fragt wo ich sei, der Tourguide wartet. Ich stotter, dass ich ja noch jede Menge Zeit habe, da es doch gerade erst 8 Uhr ist und 9 Uhr ausgemacht war. Mit 9 Uhr habe ich völlig Recht. Nur nicht damit das es erst 8 Uhr ist! Die Uhr auf meinem Handy hat sich übers Wland neu gestellt muss ich mit entsetzen feststellen. Immerhin geduscht bin ich und so werfe ich noch schnell meine Sachen in den Rucksack und starte ohne Frühstück und in völliger Hektik in den Tag.image-2015-12-18(8)Im Bus entschuldige ich mich für das Missgeschick bei den 4 Damen die ebenfalls die Tour gebucht haben. Wie sich raus stellt alles sind wir heute eine rein deutsche Gruppe mal abgesehen von unserem Guide. Wir tauschen Namen, Reise-Intension und Erfahrungsberichte. An der Grenze angekommen kümmert sich der Guide um die Formalien. Wir müssen nur den Pass abgeben. Für so Tagestrips mit Touranbieter gelten anscheinend eigene Regeln. Man will uns nicht sehen, es werden keine Formulare von uns ausgefüllt und Stempel gibt es auch keinen. Uns ist es Recht denn die Zeit nutze wir lieber intensiv zur Entdeckunstour an den Fällen.image-2015-12-18(12)Der Parkeingang auf der argentinischen Seite ist wesentlich schlichter gehalten. Unser Eintritt ist schon bezahlt und so geht es direkt auf den Trail (Trampelpfad) durch den Park. Nachdem ich gestern schon die brasilianische Seite besucht habe, kann ich mir kaum vorstellen, dass die argentinische so viel anders sein soll. Es sind ja die gleichen Fälle. Doch weit gefehlt.image-2015-12-18Mit erreichen des ersten Aussichtspunkts stockt mir der Atem. Hier auf der argentinischen Seite ist man viel näher dran an den Fällen, man begreift ihre Mächtigkeit und ihre beeindruckende Stärke viel intensiver. Der Rio Iguazu der Grenzfluss der sich hier ergießt hat derzeit durch starken Regen einen sehr hohen Wasserstand, was dazu führt, dass das Wasser sehr aufgewühlt und braun gefärbt ist. Ich hatte das ja am Vortag schon beobachtet. image-2015-12-18(6)Hier auf der argentinischen Seite wo man sich auf Stegen entlang der Fälle bewegt sieht man sehr genau, dass der Wasserpegel deutlich über normal steht. Die Bäume und Pflanzen stehen in vielen Teilen im Wasser und werden von dem reißenden Fluß umspült. Wir laufen durch den Nationalpark und immer wieder gibt der dichte Dschungel einen atemberaubenden Blick auf die Fälle frei. Bis zu 270 Wasserfälle gehören zu den Iguazu Fällen. Sie tragen Namen wie Zwillingsfälle, Adam, Eva oder El Diabolo (der Teufel).image-2015-12-18(11)Zum Teil stehe wir direkt über dem Abgrund und unter uns ergießt sich das Wasser in die Tiefe. Die Szenerie erinnert mich an den Pixar Streifen „Oben“, in dem auch Fälle in Südamerika gezeigt werden. Aber das hier ist kein Zeichentrickt, das ist real und so viel gewaltiger und großartiger als ich es mir ausgemalt hatte. Ich war nie ein riesen Wasserfall Jünger und fand bisher immer alle nur „ganz nett“, aber Iguazu verlangt mir Respekt ab.image-2015-12-18(20)Die Stege sind aus stabilem Gitternetz angelegt und man sieht das Wasser unter einem vorbei rauschen. Ich habe so meine Zweifel über die Konstruktion zu laufen. Wenn man sieht mit welcher unbändigen Kraft die Natur hier ihre Gewalt freisetzt und auch noch über das reißende Wasser läuft, dann ist es schwer an die Stabilität von Brücken zu glauben. image-2015-12-18(5)Zumal unser Guide auch noch erzählt, dass eine Brückenkonstruktion mal weggerissen wurde. Ich überlege mir in welche Richtung ich flüchten würde. Der kürzere Weg auf die Insel oder die lange Strecke bis ans Land? Kein schöner Gedanke. Ich versuche darauf zu vertrauen das der neue Steg stabiler konstruiert wurde.image-2015-12-18(1)Staunend stehen wir wieder alle an der Kante der Fälle. Keinen in der Gruppe lässt die Szenerie hier unberührt. Immerhin rauschen an uns gerade 7000 Liter Wasser in der Minute vorbei, stürzen sich bis zu 80 m in die Tiefe und gehen in einer Wolke feinster Wasserperlen auf. Die Gischt wird uns immer wieder auch um die Ohren gefegt.IguazuUnser Guide mahnt zur Eile als ich ihn nach einer Frühstückspause an einem der Shops frage. Mein hungriger Magen knurrt, da aber der untere Trail auf Grund der Wassermassen kurz vor der Schließung steht, bittet er mich noch etwas mit dem Essen zu warten. Wir steigen also hinab und stehen dann auch schon vor einer riesigen Wand aus Wasser. IguazuOhne Regencape ist man hier innerhalb von einer Minute komplett geduscht. Ich traue mich bis vor an die Kante und hier nutzt auch das Cape nicht mehr viel. Meine Schuhe laufen voll Wasser, die Kaputze weht es nach hinten und die Dusche ist perfekt. Es ist warm und so macht mir diese Abkühlung nicht viel aus. Der Rest der Gruppe wartet in sicherem Abstand und bestaunt aus der Ferne, was ich ganz nah erlebe.image-2015-12-18(10)Hier ganz in der ersten Reihe direkt unterhalb der Fälle ist die pure Kraft dieses Ortes spürbar. Hier erlebt man die Ureinergie die unseren Planeten formte und bis heute zeichnet. Das Donnern des Wassers ist so laut, dass man nichts anderes mehr wahr nimmt.Iguazu

Kurz schließe ich die Augen um die Gefühle die dieser Ort auslöst zu intensivieren. Um alles ganz bewusst wahr zu nehmen. Von dem Wind und der aufgewirbelten Feuchtigkeit die mir um die Nase pfeifen, über das ohrenbetäubende Niederdonnern des Wassers bis hin eben zu der Kraft dieses Ortes. Ein sagenhafter Ort und ich kann mir sehr gut vorstellen welche Ehrfurcht die Menschen seit Generationen vor diesen Fällen haben. Nicht umsonst heißen sie „großes Wasser“.

image-2015-12-18(17)Nach meinem kurzen Moment als Teil des Schauspiels zieht es mich ins Trockene zurück und wir steigen wieder hinauf zum Restplatz mit den Restaurants. Hier werden wir von einer Familie von Waschbären überrascht. Wie schon am Vortag begeistern mich die Jungtiere. Sie rumtollen zu sehen erweicht einfach jedes Herz.image-2015-12-18(13)Als nächstes steht für uns die Zugfahrt durch den Park zum sagenumwogenen Fall „Devil’s Throat“ an. Die Teufelsschlucht soll das Highlight der Fälle sein. Ich genieße aber erstmal die Bummelbahn. Unser Guide kommt seit 15 Jahren hier her und ist inzwischen ein Fuchs im Wissen um die besten Aussichtspunkte oder Sitzplätze in der Bahn. Auf dem Hinweg hinten und auf dem Rückweg vorne, so ist man den anderen Touristen immer einen Schritt voraus.image-2015-12-18(18)Die Bahn schlängelt sich am Fluss entlang und in dem Tempo in dem sie sich bewegt könnte man gut und gerne nebenher joggen. Aber genau das macht auch das Erlebnis aus. Und so genießt jede Einzelne von uns diese kurze Fahrt. Zumal wir auch froh sind mal nicht im Laufschritt durch den Park zu hechten, nach dem Mittag einen Pause zu haben und hier etwas Erholung zu finden.image-2015-12-18(19)Nach der Zugfahrt geht es über Laufstege wieder über den Fluss. Wieder steht man direkt über den reißenden Wassermassen, begreift man die ungezähmte Natur und ihre wilde Schönheit. Am Ende des Stegs ist eine Art Insel angelegt und erst als wir diese Plattform betreten stockt uns gemeinschaftlich der Atem.IguazuWie in einem riesigen Schlund (deshalb auch Devil’s Throat) scheint der sich ergießende Wasserfall hier im Nichts zu verschwinden. Die Fälle sind hier so gewaltig, dass das Wasser zu explodieren scheint und sich riesige, einer Staubwolke ähnliche Luftwassergemische bilden. IguazuImmer wieder steigen diese nach oben und peitschen uns als kalter Regen entgegen. Ein gewaltiges Schauspiel. Gefesselt stehe ich am Abgrund und versuche zu erfassen, welche Naturgewalten hier freigesetzt werden. Die Natur ist hier so intensiv, so spektakulär und so unbeugsam, dass mir schlagartig wieder bewusst wird, wie nichtig ein Mensch doch dagegen ist.image-2015-12-18(21)Niemand der hier aus welchem Grund auch immer und auf welche Art auch immer im Wasser schwamm konnte sich je retten, erklärt unser Guide. Anders als bei den Niagarafällen war auch noch niemand so irre sich hier in einem Holzfass in die Tiere zu stürzen. Ich kann mir nur allzu gut ausmalen, dass man hier keine Überlebenschance hätte. Der Name El Diabolo kommt nicht von irgendwo her. Wieder kostet es mich Überwindung über den Steg zurück zu laufen. Ganz besonders wenn man die Reste des alten Stegs sieht und eben noch diese Urgewalt erlebt hat.
Aber alles geht gut und auf der Rückfahrt mit der Bummelbahn ist jede von uns Mädels geradezu geflashed und wir sind uns einig, dass die argentinische Seite definitiv die Spektakulärere ist. So schön der Panoramablick von Brasilien aus war, diese Vorführung hier ist nicht zu toppen.image-2015-12-18(22)Todmüde geht es zurück ins Hostel und ich finde auch mich bestätigt in der Aussage der Hostelmanagerin, dass die Fälle müde machen. Als ich um 8 Uhr schon wieder im Bett liege, brauche ich mich über das Kopfschütteln meiner Zimmermitbewohnerin echt nicht wundern. Mir ist´s egal. Ich muss dieses Erlebnis erst mal sacken lassen, so beeindruckend war es. Noch dazu nutze ich lieber die Tage zum Entdecken als mir die Nacht in Bars um die Ohren zu schlagen.

Mietwagen in Brasilien – Absichern gegen Schlaglöcher, Anarchie & Ego

Wer in Brasilien einen Trip mit den Leihwagen plant, der sollte in erster Linie verstehen, wie der Verkehr in diesem Land läuft, sich darauf einstellen und sich entsprechend versichern. Brasilien – das sind nicht nur Städte wie Rio oder Sao Paulo sondern in erster Linie ein riesiges Land mit einer Infrastruktur die mit Deutschland nicht vergleichbar ist. Welche Regeln es hier gibt und was du unbedingt beachten mußt, erfährst du hier:image-2015-08-28(4)Um es mit anderen Worten zu sagen, herrscht in den meisten Teilen des Landes reine Anarchie auf der Straße. Es wird rechts und links überholt, in Einbahnstraßen abgebogen, im Gegenverkehr gefahren, gerast und keinerlei Rücksicht genommen. Auch werden Geschwindigkeitsbeschränkungen konsequent überschritten und Verkehrszeichen ignoriert.image-2015-08-28(3)Die größte Gefahr ist das Ego des Fahrers. Selbstüberschätzung in Kurven, Motorräder die nur auf der Hinterachse gefahren werden und rücksichtslose Drängelei machen den Verkehr in Brasilien so speziell. Hier gilt immer noch: Der Stärkere gewinnt und die Vorfahrt hat.image-2015-12-07(8)Die Polizei hat zumeist andere Sorgen als schnell Verkehrsdelikte aufzunehmen und so ist es nicht verwunderlich, dass gerade in ländlichen Teilen das Ego des Fahrers über den Fahrstsil bestimmt. Und mit dem legt man sich dann besser auch nicht an.Brasilien, MotorradWer sich in Brasilien einen Wagen ausleiht muss sich in erster Linie darüber klar sein, ob er mit dem für unsere Verhältnisse chaotischen Fahrstil der Brasilianer klar kommt. Auch sollte einem bewußt sein, dass bei derart egogesteuertem Verkehr auch keine Rücksicht auf Unfälle genommen wird. Kommt es zum Crash wird oft nicht einmal angehalten zur Schadensaufnahme. Es ist „normal“ den Unfallort zu verlassen, um nicht für die Reparaturen aufkommen zu müssen.image-2015-12-07(2)Auch Tiere auf der Fahrbahn sind keine Seltenheit. Zu den ausgedehnten Weidelandschaften gehören auch Pferde und Kühe und nicht all zu selten findet man diese Tiere auch auf der Fahrbahn. Einen Crash mit einem derart kräftigen Tier und mit einigermaßen Geschwindigkeit überlebt man nur mit Glück. Das Fahrzeug ist dann sicherlich schrottreif. Tierunfälle sind keine Seltenheit auch nicht in Städten! Man sollte sich unbedingt auf derartige Gefahren im Verkehr einstellen und absichern.Es gilt sich die Versicherungspolicen genau studieren um bei einem Crash mit Fahrerflucht oder Tierschaden auf der sicheren Seite zu sein.Pferd Brasilien Ähnlich verhält es sich auch mit der Qualität der Straßen. Sie kann gut sein, aber gerade in strukturschwachen Gegenden sind oft riesige, kratergroße Schlaglöcher die Norm. Wer nicht rechtzeitig ausweichen kann riskiert Schäden am Fahrzeug und auch dafür wird man haftbar gemacht von der Mietwagenfirma. Wer hier eine zu geringe Eigenbeteiligung wählt, bleibt leicht auf den Kosten sitzen. Auch sind längst nicht alle Straßen geteert und Brücken sind oft nur eine marode Aneinanderreihung von Holzstämme. Hier braucht man schon Nerven beim Drüberfahren. Oft gibt es keine funktionierende oder gar keine Kanalisation zum Abfluß von Regenwasser. Entsprechend sammelt sich der das Wasser auf der Straße. Dabei besteht dann nicht nur Aquaplaninggefahr, sondern das Fahrzeug kann auch ganz „absaufen“. Wer sich unsicher ist, der steigt aus und begutachtet die Lage und wählt ggf. eine Umfahrung.image-2015-12-07(1)Uns ist es schon passiert das wir so tief im Wasser standen, dass nur noch eine Hand Abstand bis zum Spiegel war, so hoch stand es! Und das mitten in einer Stadt.
Wasser, Canaa dos Carajas

Auch sollte man sich vor Fahrtantritt bei der Leihwagenfirma informieren, wie eine Schadensaufnahme erfolgen muss. Denn auch hier kann es sein, dass die Polizei kein großes Interesse an einer Unfallaufnahme hat, dies aber von der Mietwagenfirma gefordert ist. Rückfragen vor Fahrtantritt sind daher unerlässlich.Mietwagen Fahren BrasilienWer ohnehin ein schwaches Nervenkostüm im Verkehr hat, der sollte sich überlegen, ob er nicht gleich auf das gut funktionierende Busnetz ausweicht und einen der bequemen Überlandbusse wählt. Das erspart Stress, schont den Geldbeutel und das Nervekostüm.image-2015-12-07(3)

 

Auch Tankstellen sind in ländlichen Gegenden nicht so einfach zu finden. Zudem sind Streiks nichts Ungewöhnliches und leere Tanks auch nichts. Entsprechend empfiehlt es sich einen Reservekanister dabei zu haben, wenn man nicht irgendwo ohne Sprit stranden will. Erfragt diesen direkt bei der Leihfirma bzw. kauft einen, wenn dies günstiger ist.image-2015-12-07(6)Nach knapp 1 Jahr in Brasillien kann ich sagen, dass ich ein Fahrzeug hier immer sehr gut versichern würde. Wer ohnehin eine Dashcam hat, der sollte sie zur eigenen Sicherheit und als Beleg für den Versicherer auch hier im Verkehr nutzen. Ansonsten ist jederzeit und mit allem zu rechnen. Vielleicht habt ihr ja von meiner ersten Taxifahrt schon gelesen? Im LINK gehts zur Geschichte!

Oder schaut mal hier:

4 Wochen. 4 Länder. 5 Stationen. Solo-Tour in Südamerika!

Ich habe wie eigentlich immer keine Lust auf Weihnachten, Familie und Geschenke. Ich will reisen, entdecken und unterwegs sein. Also Flüge gebucht und ab ins südliche Südamerika. Der Plan: 4 Wochen. 4 Länder. 5 Stationen. Ich möchte Backpack allein als Frau durch Brasilien, Paraguay, Argentinien & Uruguay reisen und einen Ex-Präsidenten treffen.

Meine Familie, mein Partner und meine Freunde sind „begeistert“. Wieder lasse ich mich Weihnachten nicht blicken und verkrümel mich lieber. Ich habe einfach keine Lust mehr auf  „Weihnachten“. Wie jedes Jahr geht der Terror-Kommerz direkt im September schon los. Man wird auf allen Kanälen bombardiert und zum Einkaufen genötigt, als sei das der einzige Sinn hinter diesem Fest. Nein, ich will nur noch weg sein zu dieser Zeit. Auch wenn das in meinem Umfeld eigentlich niemand so recht akzeptieren will. Sei es drum. Es ist gebucht und ich starte am 10.12.15 zu meinem Solo-Trip durch Südamerika!

Solo-Tour-Planung – so sieht sie derzeit aus:

SoloTour -INTEXTBILD-

BRASILIEN – Iguazú-Wasserfälle

Die erste Station meiner Weihnachtsreise sind die Iguazú-Wasserfälle in Brasilien und Argentinien. Hier werde ich in der Nacht zum 11.12.15 ankommen. Die Wasserfälle die ich hier besuchen möchte sind wesentlich breiter als die Victoria-Fälle, höher als die berühmten Niagara-Fälle und wohl auch wesentlich beeindruckender. Die Iguazú-Wasserfälle werden vom Flusses Iguaçu/Iguazú gespeist und verlaufen an der Grenze zwischen dem brasilianischen Bundesstaat Paraná und der argentinischen Provinz Misiones.

Iguazú in Zahlen:

Höhe: 195 m
Höhe: 82 m
Größte Stufe: 82 m
Anzahl der Stufen: 275
Durchfluss: 1.756 m³/s

Der Panoramablick macht schon mal Lust!

PARAGUAY

Nach 2 Tagen Erkundungstour der Fälle von Argentinien und Brasilien aus, geht es für mich mit dem Bus weiter in Richtung Asunción, der Hauptstadt von Paraguay. Die Stadt gilt auf Grund ihrer vielen Gärten und Parks als die grünste Stadt der Welt. Das Land besticht in der Hauptsache damit, dass man hier noch das authentische Südamerika findet, aber auch mit seinen Gegensätzen! Von hochtechnisiert bis absolut ländlich ist alles drin. Fest gebucht habe ich nur 2 Nächte im El Nomadá Hostel in der Hauptstadt. Danach lasse ich mich treiben und höre mich um, was andere Backpacker im Hostel empfehlen.

ARGENTINIEN

Hauptziel ist hier ganz klar Buenos Aires. Allerdings sind es von Asuncion bis in die Haupstadt Argentiniens auch 18h Busfahrt. Respekt habe ich vor so einer langen Fahrt. Besonders weil man in den Bussen schnell krank wird, da man auf Tiefkühlkost-Niveau runter gekühlt wird. Wahrscheinlich werde ich diese Fahrt splitten und irgendwo rund um Santa Fe noch einen Zwischenstop einlegen. Am 23.12.15 hoffe ich dann vor Ort zu sein und bei meiner Airbnb Gastgeberin einziehen. Eine ganz liebe Dame mit der ich übers Internet Kontakt hatte und die mich direkt eingeladen hat mit ihr und ihrer Familie Weihnachten und Silvester zu feiern. Die Tage in Buenos Aires möchte ich einfach mit der Kamera rumlaufen, in hübschen Cafés verbringen, mit Menschen in Kontakt kommen, Tango tanzen und die Stadt und ihr Flair in mich aufsaugen.

image-2015-12-03(4)URUGUAY

Wie ich am 1. Januar 2016 von Buenos Aires nach Montevideo kommen werde, weiß ich ehrlich gesagt noch nicht. Soweit ich es mitbekommen habe, steht das öffentliche Leben da still. Normal gibt es Busverbindungen oder Boote ins Nachbarland. Ich checke das, wenn ich vor Ort bin und frage meine Gast-Mama um Rat. Auch in Montevideo bin ich wieder in einem Hostel untergebracht und ich habe vor bis zum 04.01. zu bleiben.

Mein Traum wäre den ehemaligen Präsidenten des Landes zu treffen. José Mujica ist eine Inspiration für mich und mein Vorbild. Man nennt ihn auch den ärmsten Präsidenten der Welt, weil er 550.000 $ von seinem Gehalt gespendet hat. Wegen ihm kam ich überhaupt erst auf die Idee diese Reise anzutreten. Ich weiß, es klingt einfältig einen Präsidenten treffen zu wollen, aber hey ich hab noch Träume! Die Anfrage bei der Sekretärin läuft, aber man hat mich schon auf die Urlaubszeit hingewiesen. Ich vertraue hier einfach mal auf Gott, auf das Universum und mein Glück. Und danke allen, die mich bei diesem Vorhaben unterstützen!

Mir bleiben dann noch weiter 6 Tage in Uruguay. Ich will mich ans Meer durchschlagen und hoffe dort noch unberührte Natur und schöne Parks zu finden. Zu der Zeit ist allerdings Hochsaison in dem Land und jeder Winkel soll überbevölkert sein. Auch ist noch nicht klar, ob mich die Busse mitnehmen, denn auch diese werden gut ausgebucht sein.

BRASILIEN – PORTO ALLEGRE

Für den 10.01. habe ich mir wieder über Airbnb eine günstiges Zimmer in Porto Allegre gesucht. Ganz in der Nähe vom Flughafen, da am 12.10 mein Flieger ganz in der Früh startet und ich nicht lange durch die Stadt gurken will. Auch habe ich hier etwas Zeitpuffer eingebaut, falls es mit den Bussen aus Uruguay doch nicht so ideal klappt, wie erhofft. Das Flußufer hier soll sehr schön sein, also werde ich dort spazieren gehen und noch mal den Urlaub Revue passieren lassen.

IMG-20140306-WA0000Die emotionale Seite:

Ganz anders sieht die Gefühlswelt aus. Zwar habe ich keine Angst vor der Reise, aber großen Respekt ganz sicher. Immerhin ich bin alleine als Frau ohne große Sprachkenntnisse unterwegs. Ich roadtrippe nicht, sondern muss mich drauf verlassen, dass es mit den Bussen klappt und ich nach Ankunft die Unterkünfte immer finde. Besonders wenn ich nachts ankomme. Hier vertraue ich auf mein Nokia Handy, was Navigation ohne Internet schon integriert hat. Bisher hat mir das in fast allen Ländern (außer Honduras wo es keine Sateliten gibt) immer sicher ans Ziel geführt. Darauf hoffe ich auch diesmal.

Auch in ein Taxi steigt man nachts als Frau alleine nicht so gerne. Weibliche Taxifahrer sind rar und einem Mann so ausgeliefert sein, das vermeide ich so es geht. Aber ich vertraue darauf das auch hier alles gut geht. Ich bin ja nicht ganz unerfahren und hoffe das mir das zu Gute kommt.

Natürlich wird es komisch sein, wieder alleine unterwegs zu sein. Auch das bin ich nach ein paar Urlauben mit Partner nicht mehr gewohnt. Die Sicherheit die ein Reisepartner mitbringt hat man ganz einfach nicht, wenn man alleine reist.

Meine Erfahrung nach jeder Reise war eigentlich, dass man sich an die Regeln halten muss um sicher zu reisen. Das man nicht blauäugig sein sollte und sich für Notsituationen ein Backup schaffen sollte. Alle diese Vorkehrungen haben mir bisher geholfen sicher zu reisen und ich vertraue darauf, dass es auch diesmal wieder so ist.

Also: ANGST – NEIN! RESPEKT – JA!

Zur weiteren Vorbereitung:

Gepäck: Ich reise in der Hauptsache mit dem Bus, laufe dann zu den Unterkünften. Deshalb habe ich mich klassisch für einen Rucksack entschieden. Ich habe meinen bei Decathlon gefunden, weil ich eine günstige Variante speziell auf Frauen zugeschnitten gesucht habe. Hier sollte jeder für sich testen und anhand der Bedürfnisse und des Budgets für sich festlegen, was gut zu einem paßt.

Ich nehme nur die nötigsten Sachen mit, weil ich keine Lust habe einen viel zu schweren und vollgepackten Rucksack rumzuschleppen. Was daheim bleibt sind Schmuck, Make up, hübsche Schuhchen und sonstige „Luxusartikel„. Was mit darf ist das Netbook, die Kamera-Ausrüstung, 1x Flip Flops, 1x leichte Treckingschuhe, Handtuch, warme Kleidung für unterkühlte Busse und ein Hut als Sonnenschutz. Natürlich auch Medikamente, Sonnenschutz und Ungezieferabwehr.

Dokumente: Ich habe Kopien meiner Unterlagen dabei und sie zusätzlich auf meiner Cloud abgelegt. Im Notfall habe ich so Zugriff und kann mich schnell bei Polizei und Behörden ausweisen. Meine Flug und Unterkunftsbuchungen inkl. Anschriften, Wegbeschreibung & Rufnummern habe ich in einer Excell-Liste zusammengefaßt. Diese hilft mir, bei so einem langen Trip die Übersicht zu behalten. Parallel bekommt sie meine Familie, damit sie nachvollziehen können, wann ich wo sein werde. Siehe auch die Anleitung im LINK.image-2015-12-03(1)Geld: Ich habe brasilianische Real für die erste Station dabei und noch rund 100 Dollar für den Notfall. Nach den Grenzübertritten hole ich mir Bargeld am Automaten. Ich habe sowohl die Master als auch die Visa-Card dabei, weil auch hier die Erfahrung gezeigt hat, dass oft 1 Bezahlsystem nicht funktioniert.

Visa: Visas braucht man für keines dieser Länder. Wohl aber muß man die Einreisedokumente für jeden Grenzübertritt peinlichst genau ausfüllen und sich seinen Paß abstempeln lassen. Gerade bei IGUAZU fahren die Busser gerne am Grenzübergang vorbei und auf der Rückreise zahlt man Strafe. Siehe auch LINK.

Navigation: Meine Erfahrung der letzten Jahre hat gezeigt, dass Internetverbindungen auf Reisen und besonders in abgelegenen Gebieten nicht funktioniert. Deshalb habe ich ein Handy was offline Navigation ermöglicht. Ich habe vorab alle Karten runtergeladen und alle Adressen eingespeichert, die ich ansteuern will. Im W-Lan funktioniert eine Unterkunfssuche besser, als unterwegs auf der Straße nur mit der Adresse.

Mobilfunk: Ich habe zwei Handys dabei. Ein billiges, was ich „abgebe“ wenn ich ausgeraubt werde und mein normales Handy, was ich auch zur Navigation nutze. Ich werde mir in Argentinien eine SimCard holen um auch im Land selbst telefonieren zu können. Hier bin ich die meiste Zeit und deshalb macht es da besonderen Sinn.

Reiseführer: Mein Lonely Planet Südamerika ist meine Reise-Bibel. Als Pauschaltourist habe ich „LP“ nie verstanden. Wenn man auf Insiderwissen wie Busverbindungen, Tipps & Sicherheitsanweisungen aber angewiesen ist, dann ist er gold wert. Er wird trotz seines Gewichts mein Begleiter sein. Mein eBookReader nehme ich diesmal als Reiseführer nicht mit. Die Suche im digitalen Nachschlagewerk hat mich in Namibia schier irre gemacht. 1000 Suchergebnisse für eine Anfrage. Da blätter ich lieber wieder.

Weihnachten anders, aber nicht ohne Spirit!

Ja, bei mir läuft Weihachten anders, aber warum es nicht ohne Spirit läuft und was sich noch hinter dieser Reise verbirgt verrate ich hier im LINK.

Kompromiss? Aber natürlich!

Mein Freund und ich reisen nach meinem Solo-Trip auch noch gemeinsam durch Bolivien, Chile und Peru. Diese Lösung war ein Kompromiss, weil er gerne mit Familie feiern wollte und ich gerne flüchte. Im Januar beginnt unser gemeinsamer Backpacktrip!


Ich hoffe du begleitest mich auf meiner Solo-Tour durch Südamerika – auf Instagram, Facebook, Twitter oder eben hier!

In diesem Sinne: #get up & travel!

 

5 Sonnenziele – Vom Blogger empfohlen!

Sonnenziele – Wer sehnt sich nicht nach ihnen, wenn in Deutschland das schöne Wetter auf sich warten läßt? Wer hat nicht Lust auf Traumstrände statt Freibad und Meerbrise statt Durchzug in der Wohnung?Palme, Strand, MeerAn den Strand zum Beispiel – dahin wo wir uns besonders gerne sehen. Hier sind meine 5 Sonnenziele für dich. Von Klassiker bis Außergewöhnlich. Von Luxus bis Backpack. Und alle garantiert erprobt und für gut befunden!

Sonnenziel Südafrika!

Kapstadt, Tafelberg, SüdafrikaEin Klassiker unter den Sonnenzielen ist ganz klar Südafrika, denn hierhin kann man das ganze Jahr reisen! Egal ob Westküste mit dem wunderschönen Fischerdorf Paternoster oder entlang der Garden Route bis Jeffreys Bay oder zu Safari im Krüger. Südafrika hat einfach immer die beste Jahreszeit für große und kleine Fluchten zu Sonne, Strand und Meer. Guck mal hier: LINK

Sonnenziel Dominikanische Republik!

DomRepJa, du hast richtig gelesen, ich empfehle dir die DomRep! Und weißt du auch warum? Das Land hat sein Image vom Billigtourismus abgelegt und den Wandel vollzogen. Es entstehen nur noch 5 Sterne Luxus-Resorts und die solltest du dir neben den immer noch traumhaften Stränden sicher nicht entgehen lassen. Frag im Reisebüro explizit nach den neuen Häusern – du wirst überrascht sein! Wer noch skeptisch ist, der lese mal im LINK.

Sonnenziel Honduras!

Indura Beach Resort HondurasVöllig unterschätzt auf der Karte der Reisenden ist Honduras fast noch Geheim-Tipp. Das Land in Zentralamerika hat nicht nur mit Maya-Tempeln aufzuwarten. Es hat auch eine geradezu himmlische Karibikküste, jede Menge Inseln für Robinson-Crusoe-Feeling und mit dem zweitgrößten Riff der Welt auch ein absolutes Tauch-Eldorado! Backpacker lieben die Insel Utilá. Einfacher erreichbar und nicht weniger spannend, ist die große Schwesterinsel Roatan. Mein Tipp ist das „INDURA“ 5 Sterne Resort – eine großartige Anlage, mit Spa, Golfplatz, Privatstrand und jeder Menge Luxus! Alle Honduras-Tipps hier im LINK!

Sonnenziel Brasilien!

Beach , Traumurlaub, Fortaleza, BrasilienKeine Frage, Brasiliens Strände können echt was! Kilometerlange, feinsandige Strände, türkisblaues Meer und Frauen in ultraknappen Bikinis. Wer also genau das genießen will, der sollte die Suchmaschinen rauschen lassen. Flüge nach Rio de Janeiro sind in zB. der Wintersaison unglaublich günstig zu bekommen und auch sonst oft im Angebot. Schaut direkt nach den Angeboten der Airlines – von Condor, über IBERIA bis LAN. Ich habe schon Angebote für 250 EUR gesehen. Hotels in Rio sind nicht gerade ein Schnäppchen. Schaut bei Airbnb nach günstigen Angeboten oder weicht auf Reciefe, Belize oder Fortaleza aus. Wenn es doch Rio wird, dann bucht euch nicht an der Copacabana ein sondern an die viel schönere & hippere Ipanema-Bucht.

Sonnenziel El Salvador!

El SalvadorEl Salvador ist sicherlich auch kein Land was jeder auf der Agenda hat, aber genau das macht es so interessant! Von Vulkanen, exzellenten Wellen für Sürfer bis hin zu Maya-Stätten ist es ein riesengroßer Abenteuerspielplatz. Und genau weil es so wenige kennen, mußt du dir den Strand auch nicht mit hunderten von Leuten teilen. Backpackerfeeling, günstige Unterkünfte direkt am Meer und die besten Wellen versprechen einen grandiosen Urlaub. Nach Latainamerika gibt es immer wieder Schnäppchenpreise. Auch hier solltest du mal ganz genau bei IBERIA oder in den Flugsuchmaschinen schauen. Warum ich El Salvador besonders schätze erfährst du durch klicken auf LINK.Sonnenziele Winterparadiese Zitat Quotes, InspirationIn diesem Sinne: #get up & sun burned!

 

5-Sonnenziele-im-Winter

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Brasilien Ι Fortaleza – Zwischen Fußball, Frauen, Traumstränden und Problemvierteln

Viel hatte ich mir versprochen von Fortaleza, der Stadt von der so viele Brasilianer schwärmen. Mit 75.000 Besuchern pro Jahr ist sie eine der am meisten besuchten Städte des Landes. Sie lockt mit feinsandigen Traumstränden, ihrer Liebe zu Fußball, kokusnusspalmengesäumten Strandbars & natürlich mit Frauen in ultraknappen Bikinis. Doch die Stadt hat auch eine andere Seite.image-2015-11-19(51)Wir landen am späten Abend & fahren die 14 km vom City-Flughafen mit dem Mietwagen in Richtung Hotel. Der erste Eindruck ist so ganz anders, als die Bilder der Stadt, die sich als moderne Metropole im Internet, für mich dargestellt hatte. image-2015-11-19(24)Das Bild hier ist geprägt von herruntergekommenen Häusern die mit hässlichen Grafitti-Schmierereien besprüht sind. In dunklen Gassen, finden sich zwielichtige Gestalten und auf den Straßen liegt jede Menge Müll. So wie ich es eigentlich auch aus Canaá dos Carajas schon kenne, der brasilianischen Stadt in der wir seit April 2015 leben. image-2015-11-19(27)Kein vertrauenerweckender Eindruck und schon gar nicht schön. Wir verriegeln das Auto, überfahren rote Ampeln und hoffen nicht stoppen zu müssen. Und nur auf den letzten 2 Kilometern unserer Strecke wandelt sich das Bild. Denn dort am Meer ist die Skyline-Metropole zu finden, sieht es aufgeräumter aus und auch die Menschen auf der Straße machen einen vertrauenserweckenderen Eindruck.image-2015-11-19(20)Unser Hotel ist in der ersten Reihe direkt an der Strandpromenade und seinem umtriebigen Markt. Es ist 23 Uhr und die Straßenstände sind sehr gut besucht. Es herrscht reger Handel, es wird gejoggt, musiziert, getanzt, getrunken & gefeilscht. An Ruhezeiten denkt hier Niemand. Man will Spaß und Unterhaltung und so kehrt erst in den frühen Morgenstunden Ruhe ein.image-2015-11-23(1)-1Als ich am neuen Morgen wieder aus dem Fenster schaue, erkenne ich den Bazar von letzter Nacht nicht wieder. Die Szenerie erinnert jetzt eher an einen Containerhafen als an einen Markt mit hunderten Besuchern und vollgepackten Ständen. FortalezaWir starten zu unserer Entdeckungstour durch die Stadt und ich hoffe mit dem neuen Tag endlich das Brasilien zu finden, was in meinem Kopf ist. Was ich aus Hochglanzmagazinen kenne -das schöne, das bunte, das lebensfrohe Land.  image-2015-11-19(34)Wir starten am Meer und hier sieht erstmal alles ganz gut aus. Kein Plastemüll am Strand, eine saubere Promenade und auch keine verunstalteten Grafittiwände. image-2015-11-19(32)Doch das Bild der Stadt änderst sich schnell. Während man am Meer die neu gebauten Wolkenkratzer findet, sind es in Richtung Innenstadt die historischen Gebäude. Die entweder herausgeputzt sind oder völlig dem Verfall überlassen werden. image-2015-11-19(33)Und je weiter man sich davon entfernt, umso krasser werden die Gegensätze zwischen den Luxusapartments mit Meerblick und den einfachen blechdachgedeckten Häusern.image-2015-11-19(25)Eigentlich hatten wir nicht vor, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Doch ein englischsprachiger Tourguide war für Samstags nicht aufzutreiben. Zig Touranbieter haben uns abgewunken und so starteten wir unsere eigene Entdeckungstour. Begrüßt von türkisblaumen Meer, sind wir in die Innentstadt rund um die „Rua Monsignore Tito Guedes“ mit ihrer gotisch-römischen Kathedrale gestartet. image-2015-11-19(45)Die Catedral Metropolitana de Fortaleza ist die drittgrößte Kirche Brasiliens und sie soll nachts eine wahre Schönheit sein, wenn sie bunt angestrahlt wird. image-2015-11-19(28)Und in der Tat ist sie mit Platz für 5.000 Gläubige ein recht imposantes Bauwerk. Im Gegensatz zu opulenten Gotteshäusern wie man sie etwa in Rom findet ist sie allerdings sehr schlicht gehalten. Sehr frustriert hat mich allerdings der Anblick ihrer Frontseite. Bewacht, von bis an die Zähne bewaffneten Polizisten, verunstaltet mit Grafitti und von Plastikmüll umweht, bot sich eine reichlich erbärmliche Ansicht, die wohl auf keinen Besucher einladend wirkt. Catedral Metropolitana de Fortaleza, Ceará, BrasilienIm Umkreis der Kathedrale herrscht reger Handel. Gerade an Samstagen ist das eine bunte Mischung aus Menschen, Musik und Essensständen. image-2015-11-19(40)Ich werfe mich gerne in das Getümmel der Menschen und beobachte sie bei der Arbeit. So auch an diesem Tag.image-2015-11-19(37)Wer sich hier allerdings eine schicke Shoppingstraße erhofft hat, ist hier falsch am Platz. Dazu sollte man den Weg in einer der Malls (Mercado Central) finden oder sich besser im Stadtteil Meireles umsehen. image-2015-11-19(43)Hier herrscht das ganz normale brasiliansiche Leben der Straße mit seinen geschäftigen Händlern und mit Einkaufstüten behangenen Frauen. Wir schlendern Ziellos durch die Gegend und schauen dem Treiben zu.image-2015-11-19(41)Und es fällt auf, dass überall rund um die Kathedrale wunderschöne restaurierte Häuse findet aber auch Gebäude die dringend saniert werden müssen, damit die Stadt ihren usprünglichen Charme nicht ganz verliert. image-2015-11-19(29)Es ist schon regelrecht bedrückend, wenn man sieht welche ehrwürdigen Gemäuer hier ihrem Verfall preisgegeben sind und ich kann mir sehr lebendig vorstellen wie schön die Stadt einst war. Man ist fast geneigt hier Hand anzulegen um zum Erhalt beizutragen.image-2015-11-19(30)Zumal sie durch Grafitti besprüht nur noch trauriges Bild einer großen Geschichte abliefern. Ich bin wirklich ein Fan von Street Art, aber bloße Kritzeleien sind für mich Vandalismus. image-2015-11-19(31)Aber man findet auch die wahren Künstler er Szene in der Stadt. An den richtigen Stellen eingesetzt sind die Wandbilder dann wirklich eine Verschönerung der Kulisse. In Fortaleza sind sie sehr oft auch mit sozialkritischem Hintergrund zu finden und man sollte es sich nicht nehmen lassen mal genauer hinzusehen.image-2015-11-19(46)Nach einer guten Stunde haben wir genug gesehen von der Innenstadt. Uns zieht es zurück ans Meer zur schönen Seite Brasiliens. Denn Strände können die Brailianer;) image-2015-11-19(21)Wieder führt der Weg vorbei an unzähligen Wolkenkratzern die hier wie Pilze aus dem Boden gewachsen sind und das moderne Fortaleza verkörpern. image-2015-11-19(47)Trotzdem findet man immer auch noch traditionelle Stätten, Gotteshäuser oder Statuen zwischen den Hochhäusern oder direkt am Meer. image-2015-11-19(26)Die bekanntesten Stadtstrände sind Praia Meireles, Praia Mucuripe, Praia de Iracema – doch eher wenige Badegäste sind hier zu finden. Das Wasser ist hochgradig belastet und so weicht man zum Baden auf die Strände weiter außerhalb aus. image-2015-11-21(6)Dieser alte Turm hat uns sehr beeindruckt. Rundum ist er mit einem Gesicht geschmückt und statt einer alten Ruine erblickt man nun eben ein Kunstwerk. Sehr gelungen, wie wir fanden.image-2015-11-19(19)Es ist schön auch mal Zeit zu haben, um ein paar anderen Seiten Brasiliens entdecken zu können. Und so schauen wir den Fischern auf ihren bunten Booten zu und beobachten, das Leben am Strand.Fuball Typisch für dieses Land ist natürlich Fußball. Das Spielfeld wandert dann auch schon mal ins Wasser. Dann kann man sich gleich abkühlen, wenn es heiß hergeht. Ich bin gerne unter Locals und Brasilianern beim Fußball zu zuschauen ist immer eine riesen Freude.image-2015-11-23(1)Was wir auch häufig beobachten konnten und was nicht minder beliebt ist, sind Quadbike-Touren über den Strand oder durch die Dünen. Für mich stören sie hier allerdings die Erholungssuchenden.Fortaleza, Beach, kiteAber auch andere Sportler wie Kiter kommen an der Küste von Fortaleza voll auf ihre Kosten. Zumal der Wind hier gut steht, das Wasser Badewannenwarm ist und sich die Kiter nicht gerade drängen wie in anderen Kitehochburgen. Wir haben uns ein schattiges Plätzchen gesucht und schauen dem Treiben am Meer zu. Wie die Kiter mit dem Wind über den Ozean jagen, wie sie über Wellen springen und den tosenden Wassermassen trotzden.image-2015-11-23(1)Wer für Kiten noch nicht groß genug ist, der übt eben so lange mit einem kleinen Drachen, wie dieser Junge mit seinem selbstgebauten Spielzeug, der uns auch ins Auge gefallen ist.BeachDie Strände etwas außerhalb Fortalezas sind unter der Woche geradezu menschenleer. Wir laufen am Meer entlang, schauen den Fischern zu, spielen mit den Wellen und lassen die Seele baumeln. Und hier ist Brasilien für mich dann endlich auch mal paradiesisch.MüllAllerdings sieht es direkt hinterm Traumbeach wieder aus wie auf einer Müllkippe. Dreck und Armut kann man hier nicht ausblenden. Sie gehören untrennbar mit Brasilien zusammen.image-2015-11-19(22)Und wer diese Bilder nicht erträgt, der ist in diesem Land schlicht und einfach fehlt am Platz.image-2015-11-19(23)Ich empfehle sich den Film Trash anzusehen, denn er zeichnet das Bild Brasiliens sehr gut auf, was auch ich kennenlernen durfte und was weit weg ist von Copa Cabana Schönheiten, erolgreichen Fußballern & Skyline Metropolen. Er zeigt die harte Realität der Menschen hier. image-2015-11-23(2)So auch das der indigen Bevölkerungsschicht. Einst waren diese Ureinwohner Brasiliens ein stolzes Volk was im Einklang mit der Natur lebte. Auf Grund der Profitsucht von Rohstoffkonzernen und deren Brandrohdung, verlieren sie immer mehr ihres natürlichen Lebensraumes. nativeAnstatt in ihrer Heimat im Regenwald zu leben, verkaufen sie nun Touristennap am Strand. Ich fand man sah die Wut darüber sehr deutlich in ihren Augen und ihrer Körpersprache. Ich habe mich nicht sehr wohl gefühlt dabei,  ihnen hier weitab ihrer eigentlichen Heimat, zu begegnen. Und auch am Foto mit blauem Hintergrund statt grünem, erkennt man, dass hier etwas nicht stimmt.image-2015-11-19(17)Aber man findet in Fortaleza auch eine junge vermögende Schicht, die es sich nicht nehmen läßt mit Champangner in den Beach-Bars zu feiern. In den angesagten Locations kostet eine Flasche Champagner dann auch schon mal 200 EUR. image-2015-11-23(5)Und hier haben wir sie dann auch gefunden, die schönen Frauen Brasiliens in ihren knappen Bikinis.
image-2015-11-19(36)Mein Fazit: Fortaleza ist eine ganz typische brasilianische Stadt. Mit all ihren Problemen, Konflikten aber auch mit traumhaften Stränden, türkisblauem Meer und schönen Frauen. Allerdings würde ich nie nur wegen der Strände hierher reisen. Ich muß mich im Urlaub auch abseits des Strandes wohl fühlen und hier scheidet die Stadt ganz klar für mich aus.image-2015-11-19(18)Mein Tipp:

Wen es trotzdem nach Fortaleza zieht, gerade wegen der Strände, dem würde ich empfehlen sein Quartier in der Nähe der Strände Futoro 1 & Futoro 2 zu suchen und nicht in der Innenstadt.

image-2015-11-19(35)Außerdem lohnt sich die Anmietung eines Fahrzeuges direkt am Flughafen. Damit ist man flexibel und kann die Stadt verlassen um die wirklich schönen Plätze am Meer zu entdecken. image-2015-11-19(44)Wer Ruhe sucht sollte sich auf keinen Fall in der Innenstadt am Meer niederlassen, da ist es bis in die frühen Morgenstunden eigentlich immer belebt und laut. Auch sollte man Geruchstechnisch auf Einiges eingestellt sein. Ich habe noch nie eine Stadt erlebt, wo es derartig schlimm nach Pisse stinkt. Besonders rund um den beliebten Markt und seine Flaniermeile.image-2015-11-23(6)

Beten kann Leben retten – die erste Taxifahrt in Brasilien

„Alter, ich will heute nicht sterben. Ich bin doch grad erst hier angekommen“ So schreit es in mir, bei unser Fahrt vom Flughafen in unsere neue brasilianische Bleibe in Canaã dos Carajás. Das Taxifahrer, wenn sie nicht grad nach Taxometer bezahlt werden, es immer eilig haben ist ein weltweites Phänomen. Ich kenne auch die Helldriver aus Afrika, aber das hier ist noch mal eine Hausnummer krasser. Dann nämlich, wenn zu einem, nennen wir es gewagten Fahrstil, auch noch schlechte Straßen und Gegenverkehr dazu kommen. image-2015-08-28(2)Aber von vorne: Es ist der 08.April 2015 wir sind gerade auf dem Flughafen von Parauapebas gelandet. Die Sonne lacht durch die Wolken, es ist unglaublich schwül und unser Taxifahrer Frederico begrüßt uns überschwänglich. Er arbeitet für die Firma meines Freundes und sie kennen sich bereits. Für mich ist alles neu. Wir laden die schweren Koffer ins Auto und starten. Ich sitze auf der Rückbank und bestaune mit großen Augen meine neue „Homebase“. Für die nächsten Monate ist Brasilien nämlich meine neue Heimat. Aufgeregt war ich bis zum Landeanflug eigentlich gar nicht. Aber jetzt bin ich es, seit wir „das große Grüne“ ganz nah überflogen haben.image-2015-08-28Und jetzt sitze ich hier im Auto und sehe das erste Mal den Regenwald des Amazonas. Die Straße vom Flughafen nach Parauapebas ist gut ausgebaut und schlängelt sich durch den dichten Wald, vorbei an Baumriesen, Lianen und allerlei Gestrüpp. Weit schauen kann man allerdings nicht, zu verworren ist das wilde Dickicht. Ich vermisse direkt die Artenvielfalt die ich mit dem Amazonas Gebiet verbinde. Keine Affen, die sich von Baum zu Baum hangeln, keine bunten Vögel und keine riesigen Würgeschlangen, die auf Ästen sitzen und genüßlich vor sich herzüngeln. „Die wollen wahrscheinlich auch nicht an der Straße wohnen“ kommentiere ich selbst meine Gedanken. Immerhin das Wetter hat sich dem Klischee angepaßt, es gießt nun wie aus Eimern.image-2015-08-28(1)Wir sind inzwischen am Grenzposten angekommen. Grenzposten? Ja, denn die Ein & Austrittskontrolle die VALE hier installiert hat, hat wirklich die Anmutung einer Grenzanlage. Anscheinend befinden sich der Flughafen und wir uns auf Firmengrund des Bergbauriesen und zur „Ausreise“ müssen die Papiere gezeigt werden. Die Firma, für die auch mein Freund im Subunternehmen arbeitet, scheint hier Einfluß zu haben. Es geht weiter durch Parauapebas, einer Stadt welche die Anmutung einer abgerockten Industriestadt hat. Und was Anders ist sie ja auch nicht, als der Lebensmittelpunkt derer, die hier in der Region Arbeit gefunden haben.image-2015-08-28(6)Wir biegen auf die Verbindungsstraße nach Canaã ab und ich werde jäh aus meiner Verträumtheit gerissen. Frederico nimmt nämlich jetzt an Fahrt auf. Er tritt das Gaspedal des Taxis durch und beginnt zu rasen. Grundsätzlich mag ich es ja auch, wenn man schnell voran kommt, aber da spreche ich von deutschen Autobahnen, zweispurig und ohne Gegenverkehr. image-2015-08-28(5)Hier ist die Ausgangslage eine ganz Andere! Die Landstraße, so man sie denn als solche bezeichnen darf, ist eigentlich mehr eine Piste. Keine Randbefestigung, keine Leitpfosten und aufgebrochener Asphalt mit Löchern so groß, dass man ein Auto darin parken könnte. Die Menge & Tiefe der Schlaglöcher führt unausweichlich dazu, dass man auf der Straße einen kreativen Fahrstil an den Tag legen muß. Denn wenn man sich die Stoßdämpfer und Reifen nicht ruinieren will, dann umfährt man diese riesigen Trümmerfelder am Besten. image-2015-08-28(7)Außerdem weicht man gleich noch auf den Sandstreifen neben der Fahrbahn aus oder benutzt einfach die Gegenfahrbahn mit. Und genau hier liegt das Problem! Auf der Gegenfahrbahn sind nämlich auch Fahrzeuge. Eine Autofahrt gestaltet sich daher als Schlängelpartie zwischen entgegenkommenden PKWs, Schlaglöchern und chaotischen Mopedfahrern, die überall durch und drüber heitzen.image-2015-08-28(3)Von einer kleinen Kuppe die wir gerade hinaufgefahren sind, können wir hinab auf den Straßenverlauf schauen und noch im gleichen Moment stellen sich mir von den Füßen aufwärts alle Haare zu Berge! Himmel hilf! Rechts und links wird überholt, auf die Gegenfahrbahn wird ausgewichen, die LKWs preschen an einem vorbei als seien sie allem Gegenüber erhaben und dazu wirbelt der Staub durch die Luft. Selbst ein vernünftiger Fahrstil ist hier ein Risiko! Ich will mir gar nicht ausmalen, was passiert wenn hier mal einer kein Glück hat, grad noch irgendwo dran vorbei geschrammt zu sein.image-2015-08-28(4)Ich bekomme Beklemmung, denn Frederico scheint nicht zu ahnen, was sein Fahrstil und diese chaotische Straße bei mir auslöst. Mein Herz pochert wie wild und meine Gedankenn kreisen. Er rast! Verdammt er rast diese besch*** Straße entlang. Auch wenn er sich auskennt, er kann schlicht nicht allen Schlaglöchern ausweichen, er bedenkt nicht, dass der LKW den er grad überholt plötzlich auch ausweicht uns abdrängt. Alles im Auto vibriert, klappert und ich klammere mich an den Griff über mir. Jeder Schlag tut nicht nur den Stoßdämpfern weh, sondern auch ich nehme den Schmerz im Rücken persönlich. Ich hab jetzt nicht nur Beklemmung, ich habe noch dazu auch Wutpochern in meinem Kopf.


Wieder setzt Frederico zum Überholvorgang an und ich frag mich, ob er des Wahnsinns ist! 4 Personen mit 8 schweren Reisegepäckstücken befördert er, da kann man nicht vor der Bergkuppe einen langen LKW überholen. Wir sind viel zu träge und der Wagen ist kein SUV mit unendlich Horsepower! Im Gegenteil! Gedanklich schreie ich ihn an: „Alter bist Du irre?!“ Ich will hier jetzt ganz sicher nicht sterben! Ich bin grad erst angekommen.“ Ich atme tief durch und ringe nach Fassung: „Könntest du ihm bitte sagen, dass er nicht so schnell und vernünftig fahren soll?“ – hauche ich meinen Freund in zuckersüßem Ton zu.


Frederico bremst kurz darauf ab. Der Verkehr bleibt trotzdem chaotisch, das Gewirr auf der Straße gleicht einem Ameisenhaufen! Es ist absolut chaotisch, aber irgendwie scheinen die Schutzengel hier einen verdammt guten Job zu machen. Zumindest sieht man keine verunfallten Fahrzeuge. Das wäre bei dem starken Verkehrsaufkommen wahrscheinlich gleich eine Massenkarambolage!

Und es bleibt auch dabei, bei jedem Überholmanöver steigt mein Herzinfarksrisiko und nach jedem geglückten Ausweichmanöver durchzieht mich ein kaltwarmer Schauer. Irgendwie muss ich diese Stunde Autofahrt überstehen. Ich zwinge mich dazu, nicht mehr auf die Straße zu sehen. Eine Hand umklammert den Sitz, die andere tippelt nervös auf dem Smartphone rum. Immer wieder spüre ich die Schlaglöcher im Rücken, höre Reifenquitschen oder die dumpfen Töne der Stoßdämpfer. Nicht nur die von unserem Taxi!image-2015-08-28(8)„Lieber Gott, wenn Du da draußen bist und mich hörst, bitte bring uns heil an. Der ganze Aufwand mit Jobkündigen, Wohnungauflösen & Umziehen  wären sonst ja völlig umsonst gewesen, das kann nicht in deinem Sinne sein.“ Beten hilft, da bin ich mir sicher. Besonders in solchen Situationen. Eine weitere halbe Stunde leide ich stumm vor mich hin, bis wir endlich in Canaã ankommen. Körperlich unversehrt, aber vergessen werde ich diese Taxifahrt wohl mein ganzes Leben nicht!

#infoIch möchte hier noch sagen, dass Frederico ein echt netter Kerl ist und er wahrscheinlich nur einen schlechten Tag hatte. Ich habe ihn in den letzten Monaten sehr gern gewonnen, wir hatten einfach nur einen „holprigen“ Start. Die Straße von Canaã dos Carajás nach Parauapebas befindet sich derzeit in Reperatur und sollte demnächst sicher befahrbar sein. Stand 28.08.2014

Die Bilder und Videos sind im Nachgang und mit unserem Auto aufgenommen worden, nur das Regenwaldbild aus dem Flieger und das von Frederico am Steuer sind Zeitzeugen. Nur so ließ sich am Besten bebildern, wie es auf der Strecke oder auf den Straßen hier so aussieht. Die Videos sind an einem Sonntag entstanden, wo nur in etwa 1/3 des normalen Verkehrs unterwegs ist. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie chaotisch es abläuft, wenn wochentags die Straßen voll sind.

S11D – die Lebensader von Canaã dos Carajás

„S11D“ – klingt erst mal abstrakt, dabei ist es die Lebensader von Canaã dos Carajás, der Stadt in der wir jetzt leben. Um genau zu sein, ist es ist das größte Eisenerz-Minen-Projekt in der Welt und wird auch als „Serra Sul“ bezeichnet. Die Mine ist ein offener Tagebau und liegt in der Bergbauregion „Serra dos Carajás“ im Bundesstaat Pará im Norden Brasiliens und damit am äußeren Rand des Amazonas Gebietes. Mit geschätzten 17 Milliarden Tonnen Bänder-Eisenerz verfügt der Standort über eine der weltweit reichsten Eisenerzlagerstätten.image-2015-08-25(1)Minenbetreiber ist das Bergbauunternehmen VALE, eines der drittgrößten Unternehmen in diesem Segment. Mit einem Marktanteil von 35 Prozent ist die Firma sogar der größte Eisenerz-Exporteur der Welt. Mit einem Investitionsvolumen von 19.5 Billion Dollar wird die neue Mine erschlossen. Diese Investition von VALE ist die größte private Investion in Brasilien in dieser Dekade. S11D soll im Jahr 2016 seine Arbeit aufnehmen. Angestrebt ist der Abbau von 90 Millionen Tonnen pro Jahr, von einem der reinsten Eisenerze der Welt.

image-2015-08-25S11D – Kritiker bezeichnen das Projekt als politisches Dilemma.

Rohstoffe wie Gold, Diamanten und Eisenerze sind die Lebensader für Brasiliens blasse Wirtschaft. Gleichzeitig steht das Land aber unter enormem internationalem Druck seine natürlichen Ressourcen & den Regenwald zu schonen. Solange der Tourismus in Brasilien mit etwa 0,5 % des Bruttosozialprodukts kein wirklich wichtiger Faktor ist, wird das Wohl der Menschen wahrscheinlich immer zu Lasten der Umwelt fallen. image-2015-08-25(4)VALE ist jedoch an der Entwicklung eines nachhaltigen Bergwerks im Amazonas sehr starkt interssiert, da sich zunehmend Unmut auch in der eigenen Bevölkerung ausbreitet. Dieser richtet sich gegen die Umweltverschmutzung und die gravierende Zerstörung des Regenwaldes, aber auch Menschenrechtsverletzungen waren in der Vergangenheit ein Thema.image-2015-08-25(3)Ein moderner Bergbaubetrieb muss wirtschaftliche, soziale, ökologische und technische Aspekte berücksichtigen, das weiß man auch bei VALE. Aus diesem Aspekt heraus, hat die Firma ABB einen 140 Mio Dollar Auftrag bekommen, die Fördertechniken zu automatisieren. Diesen Prozess bezeichnet man mit „truckless mining“. An der Installation dieser neuen Förderanlagen arbeitet mein Freund. Seine Firma ist für den Transport und den Aufbau der Verarbeitungsanlagen (Module) an ihrem Bestimmungsort zuständig.image-2015-08-25(7)Die „Module“ (riesige Stahlkonstruktionen) sind das Herzstück der neuen Mine. Über modernste Förderbänder werden sie mit den Rohstoffen beliefert, die sie dann aufbereiten und auf Züge verladen. Durch die Verwendung der Förder- und Verarbeitungsanlagen vor Ort, kann der riesenhafte Einsatz an Trucks und der Ausstoß an CO2 Abgasen drastisch vermindert werden. In diesem Zusammenhang verwendet die Branche den Begriff „Truckless transportation“ – was eine der Hauptforderungen des IPPC (Intergovernmental Panel on Climate Change) für die neue Mine war. Das Unternehmen plant 3% weniger Wasser zu verbrauchen, 77% weniger Treibstoff and 50% weniger Emissionen zu verursachen.image-2015-08-25(5)VALE hat außerdem seine Verantwortung erkannt und arbeitet eng mit den Gemeinden der Region und der Regierung zusammen. Infolgedessen investiert das Unternehmen in gemeinschaftliche Beziehungen, in soziale Initiativen und Infrastrukturprogramme. Lokale Arbeitskräfte werden qualifiziert und Unternehmertum gefördert. image-2015-08-25(8)Und das alles ist auch für Außenstehende wie mich sichtbar. Medizinische Einrichtungen, Supermärkte & Apotheken haben sich auf die VALE Karte spezialisiert, die Mitarbeitern Vergünstigungen bietet. Der Straßen- und Wohnungsbau wird voran getrieben und es gibt unzählige Schulungs- & Trainingscenter. Auch die Jobvergabecenter sind hier vor Ort angesiedelt. Soweit uns bekannt ist, verdienen die Mitarbeiter bedeutend besser, als der Durchnittsbrasilianer. image-2015-08-25(9)Der Bergbau ist die Lebensader der Region. Canaã dos Carajás ist eine der am schnellsten wachsenden Städte des Landes. Waren es im Jahr 2000 noch 10.000 Einwohner so sind es jetzt bereits 52.000. Auch für die, die nicht in der Mine beschäftigt sind, ist der Bergbau ein Jobmotor. 30.000 Arbeitsplätze hängen an S11D und damit eine enorme Wirtschaftskraft. Das kommt lokalen Geschäften, der Wohnungsbaubranche, der Hotellerie und der Gastronomie zu Gute.image-2015-08-25(10)Bei allem Nutzen für die Menschen in der Region hoffe ich, dass sowohl VALE als auch die Menschen hier, sich ihrer Verantwortung dem Lebensraum „Amazonas“ gegenüber bewußt sind. Das erkannt wird, dass Wohlstand sehr wohl auch mit Natur und Umweltschutz einher gehen kann. Und das ein intaktes Ökosystem auch die Lebensqualität der Menschen steigert.

 

Feuer Teil 2! Ich würde jetzt gerne packen und gehen

10 Uhr morgens ich sitze am Rechner und schreibe die Geschehnisse vom Feuer am letzten Morgen auf, als ich es verdächtig knistern höre. Ich eile zum Fenster und behalte mit meiner Vermutung recht, es brennt schon wieder! Neben unserem Haus ist eine Freifläche und die wird gerade munter in Brand gesetzt. Am Wegrand bewegt sich ein Mann vorwärts und entzündet alle paar Meter das Gras. „Normal“ hier in Canaá dos Carajas und das obwohl es gegen das Gesetz des Landes verstößt. Aber wo kein Richter…image-2015-08-20(4)Ich schaue mir die Lage an. Feuer und Gegenfeuer flackern da auf. Die Hautstraße ist eingehüllt in dichten Rauch. Auf dem Dach des Neubaus gegenüber nutzt man den Brand gleich noch, um Baureste zu verbrennen. Munter wird der Dreck von oben in die Flammen geworfen und laute Pfiffe dienen der Erheiterung. Ich kann es gar nicht lustig finden, denn ich sehe Dinge kommen, die die Herrschaften da nicht bedacht haben. Denn die in brandgesetzte Fläche hat „Anschluß“ an die hinter unserem Haus. Das bemerken jetzt auch die Brandschatzer. Mit 2 Eimern Wasser wird noch versucht, das Feuer zu löschen. Aber es ist längst zu spät, die Flammen haben sich schon viel zu tief ins Dickicht gefressen.image-2015-08-20(5)Ich laufe in der Wohnung umher, sammle wieder unsere Pässe und Kameras ein, stopfe alles in meinen kleinen Rucksack und renne die Treppen hinunter. „Fuego, Fuego“ gebe ich dem Nachbarn zu verstehen, mit dem wir schon am Montag das Feuer bekämpft haben. Ich laufe weiter zu dem kleinen Häuschen neben uns, informiere die Geschäftsläute der Läden in Front und laufe in den Hinterhof. Oi, Oi, Feugo! Gebe ich der Nachbarin zu versehen und deute über ihr Nebengebäude. Sie sieht den dichten Rauch und verständigt sofort weitere Nachbarn.

Inzwischen ist das Feuer auch wieder an unserem Hinterhof angekommen. Ich laufe noch mal hoch, um weitere Sachen einzupacken. Von oben sehe ich, wie der Nachbar mit dem Rücken zur Hauswand steht und mit dem Gartenschlauch gegen die Flammen und dichten Rauch kämpft. Ich bete in diesem Moment für ihn, dass er sich nicht noch eine Rauchvergiftung einfängt.

Ich laufe wieder nach unten. Der Rauch zieht wie durch ein Kaminrohr angezogen durch den Flur und im ganzen Haus riecht es verkohlt. An der Mauer des Innehofes gelehnt steht die Leiter auf der der Nachbar versucht die Flammen vom Gemäuer abzuhalten. Wie schon am Montag bekämpft er das Feuer mit seinem Gartenschlauch. Außerdem wurde ein Gegenfeuer gelegt. Was allerdings nicht gerade zu meiner Beruhigung beiträgt.

Auch die Nachbarn auf der anderen Seite der kleinen Senke sind jetzt aufmerksam geworden und ziehen alte Bretter aus der Gefahrenzone, um Schlimmeres zu vermeiden. Das Feuer frißt sich derweil immer weiter durch das Dickicht. Die ausgedöhrten Grashalme sind ein idealer Nährboden.

Ich höre Mäuse quiken die vergebens versuchen, dem Inferno zu entkommen und ich sehe Vögel über den Nestern ihrer Jungen kreisen. Immer wieder versuchen sie die Kleinen zur Flucht zu animieren, aber sie sind noch nicht flügge. Ich beobachte die Taube, deren Nachwuchs wir neulich mit Wasser versorgt haben. Auch sie kreist hilflos immer wieder über das Nest. Entsetzlich die Vorstellung, dass da grad Tiere bei lebendigem Leibe verbrennen. Es mögen nur Vögel und Mäuse sein, aber es sind auch Lebewesen, die ein Recht auf Existens haben. In mir steigt Wut auf und ich fühle die Ohnmacht, die mich umgibt. Ich kann mich jetzt nicht ins Dickicht wagen ohne Gummistiefel und Machete. Erst Recht nicht, wenn es von allen Seiten brennt. Es bricht mir das Herz, das miterleben zu müssen.

Ich bin so wütend! So unglaublich wütend auf diese dummen Menschen, die dieses Feuer gelegt haben. Von wegen „kontrolliertes Abbrennen“ – als sie begriffen haben, dass sie die Kontrolle verloren hatten, haben sie sich ganz schnell aus dem Staub gemacht. Sie haben nicht Bescheid gesagt. Sie haben nicht geholfen zu löschen. Sie haben nicht die Feuerwehr gerufen. In Deutschland würde man dafür in den Knast wandern, da bin ich mir sicher.

Die Menschen hier haben schon nicht viel, aber das wenige dann auch noch bei einem Feuer zu verlieren, stelle ich mir schrecklich vor. Zumal hier sicherlich niemand versichert ist, wie in Deutschland. Die, die das Feuer gelegt haben, sollten dann doch wissen, welches Unglück sie über die Betroffenen bringen? Aber nein, man denkt hier nicht vorausschauend und schon gar nicht an seine Mitmenschen.

Wäre mir das Knistern entgangen, hätte ich die Nachbarn nicht noch rechtzeitig gewarnt, dann hätten die Flammen wahrscheinlich das Nebengebäude erfaßt und danach wahrscheinlich auch unser Haus. Wie kann man so verdammt rücksichtslos und ignorant sein. Es will mir nicht in den Kopf. Was ist denn, wenn der Nachbar heute Nacht stirbt, weil er sich unbemerkt eine Rauchvergiftung zugezogen hat? Er stand minutenlang im dichten Qualm? Wer versorgt dann Frau und Kind? Mir gehen so viele Dinge durch den Kopf und ich kann dieses Handeln beim besten Willen nicht begreifen.image-2015-08-20(2)Eigentlich würde ich jetzt gerne Daniels und meinen Koffer packen und gehen. Wir haben Unfälle und Verfolgungsjagden mitbekommen, aber da es uns nicht direkt betroffen hat, konnten wir damit leben. So ein Feuer aber an unserem Haus, das betrifft uns und macht mir Angst.image-2015-08-20(7)

Müllkippe statt Traumstrand – unsere tägliche Tüte Plastik gib uns heut´

Gerade auf Reisen fällt mir auf, wie sehr die Welt inzwischen vermüllt ist, wie Tiere leiden & Traumstrände zu Müllkippen werden. Hier meine Geschichte dazu und einem Ansatz, der helfen könnte dieses Problem anzugehen:

Kopfschüttelnd & wild mit den Armen fuchtelnd stehe ich an der Supermarktkasse „Não plástico”, versuche ich der Einpackhilfe verständlich zu machen, während mich die Kassierin weiter zutextet. “Keine Plastiktüten” widerhole ich in meinem mageren portugisisch. Jetzt verstummt sie und beide sehen mich mit großen ungläubigen Augen an. “Ich will diese verdammte scheiß Plastetüte nicht” grummel ich vor mich hin, zerre an meiner Tasche und kramer einen Jutebeutel hervor und drücke sie dem Einpacker in die Hand, während ich bezahle.

Ok, sie haben es gecheckt denke ich, bin kurz abgelenkt und gerade als sich meine Aufmerksamkeit wieder meinen Einkäufen zuwende, sehe ich, wie zwar 3-4 Sachen in die Ökotasche gewandert sind, aber der Rest wieder in Plastiktüten verpackt wird. “Não plástico” wiederhole ich nun energisch, während ich dem Mann hinter mir die Tüten aus der Hand reiße und alles wieder auspacke. Ozean_Müll_retMein Jutesack hält mehr aus und ich stopfe den gesamten Einkauf in diese eine Tragetasche. “Geht doch” stammel ich, während der Mann immer noch fragend neben mir steht. Wahrscheinlich denken sie jetzt wieder “doofe Deutsche”, aber das ist mir egal. Wenn ihr es nicht blickt, dass ihr Teil des Mülls in euer Welt seit, dann tuts mir leid. Mit mir nicht. Ich habe Augen im Kopf, ich weiß, was wir dem Planeten mit unseren Plastiktüten antuen. 

Allein in Deutschland verbrauchen wir 6.1 Milliarden Plastiktüten im Jahr und dabei haben wir ein schon ein Bewußtsein für dieses Problem und benutzen viel Jutetaschen. Der große Rest der Welt noch nicht. Hier in Brasilien, wo ich gerade bin, scheint niemand eine Wahrnehmung für dieses Problem zu haben. Und dabei leben sie hier sogar in ihrem Dreck. Er ist allgegenwärtig! Zwischen den Häusern stapelt er sich, am Gehwegrand liegt er rum und sogar in den Bäumen haben sich Plastiktüten verfangen. Wenn jeder etwas achtsamer wäre, hätten sie das Problem nicht.

Basstölpel in Plastiknest auf Helgoland

Basstölpel in Plastiknest auf Helgoland

Gerade auf Reisen fällt mir auf, wie sehr die Welt inzwischen vermüllt ist. In unserem deutschen Alltag ist das Problem kaum mehr sichtbar, weil wir alles schön recyceln, aber Massen an Müll produzieren wir trotzdem. So ziemlich jeder Artikel kommt eingeschweißt und in eine Plastikform gepreßt über die Ladentheke bei uns an. Wie oft in der Woche tragt ihr den gelben Sack aka den recyclebaren Müll aus der Wohnung? Fällt es euch noch auf, wieviel ihr produziert?IMG_3857Mir fällt es auf. Am meisten aber im Urlaub, wenn ich an einsamen Stränden spazieren gehe und das türkisblaue Meer genießen will. Dann wenn ich statt Muscheln & Treibholz nur mehr angespühlte Müllberge am Strand finde. Über 10 Millionen Tonnen Plastikmüll landen jedes Jahr in unseren Meeren. Inzwischen gibt es sogar schon Plastikstrudel draußen im Ozean. Der bekannteste ist der Nordpazifikwirbel der sogar den Beinamen Great Pacific Garbage Patch (deutsch: Großer Pazifikmüllfleck) trägt. Früher benannten wir Inseln, heute bekommt schwimmender Müll im Meer einen Namen!

Was dein, mein und unser Müll anrichtet spottet jeder Beschreibung. Nicht nur, dass unsere geliebten weißen Strände jetzt die Anmutung einer Müllkippe haben, nein, wir zerstören auch das Leben im Meer mit unserem Plastikwahn. Googelt doch mal “Plastik Ozeane Tiere” – mir steigen die Tränen in die Augen, wenn ich die leidenden Schildkröten, Delfine und Seevögel sehe.Bildschirmfoto 2015-08-18 um 09.36.02Seehunde verheddern sich an Bierdosennetzen, Vögel sterben am Plastikdeckel meiner Wasserflasche und Schildkröten verschlucken Kleinteile deines Restmülls, weil sie sie für Quallen hielten. Wir können also nicht sagen, dass das Müllproblem der Ozeane nichts mit uns zu tun hat.

Wir entscheiden bereits im Supermarkt was letztlich im Meer landet und später sogar in unseren Mägen. Denn Plastik ändert vielleicht seine Form, indem es von Wellen & UV-Lich zersetzt wird, aber diese Mikroplastikteilchen gehen nie verloren. Sie bleiben im Wasser und landen in den Mägen der Tiere und somit auch in deinem, wenn du Fisch ißt.11807549_10100639850334462_4988155059209044839_o„Jedes kleine Stück Kunststoff, das in den letzten 50 Jahren hergestellt wurde und ins Meer gelangte, ist dort immer noch irgendwo.“– sagt Tony Andrady, Chemiker des amerikanischen Research Triangle Institute

Mir ist jedenfalls gründlich der Apettit auf Plastik vergangen und ich lobe mir Supermärkte ohne Verpackungen, wie es sie mehr und mehr gibt in Deutschland. Ich versuche meinen Konsum zu beschränken und falls doch nötig, nur verpackungslose Produkte zu kaufen. Selbst beim Internetshopping habe ich Anbieter gefunden, die das ermöglichen. 11816302_10100639850439252_7352746465139836578_oUnd ich trage mit stolz meinen Jutesack rund um die Welt zum Einkaufen und wiederhole zur Not in jeder Sprache dieses Planeten: “Keine Plastiktüte, bitte” Das ist das Mindeste was jeder tun kann.

Und ich wünsche mir, dass wir das alle tun. Ändern wir unser Konsumverhalten, verzichten wir auf Plastik und vor allem auf Plastiktüten und öffnen wir als Reisende auch Anderen mit unseren Bildern von vermüllten Traumstränden und verendeten Tieren die Augen.11875097_10100639850409312_5406976563651724937_o

Engagiert Euch fürs Meer besonders wenn ihr Taucher, Segler oder Wassersportler seit. Durch euer Hobby habt ihr Glaubwürdigkeit, so wie der 20 jährige Boyan Slat. Als Taucher hat er gesehen, was wir den Ozeanen antuen und er hat eine Idee entwickelt, wie man die Ozeane vom Müll befreien kann. Via Crowdfunding arbeitet er unermüdlich an der Umsetzung seiner Vision. Und auch ich unterstütze sein Projekt, des “Oceanclenups” Schaut Euch an, was er auf die Beine gestellt hat: www.theoceancleanup.com! Was er alleine erreicht hat, verdient allerhöchsten Resepekt und Anerkennung. Und wir können das auch! Denn jeden Tag an der Supermarktkasse ist es unsere Entscheidung ob Plastik in die Ozeane wandert oder nicht.

So #get up & avoid plastic!#infoIm LINK könnt ihr die Meereströmungen verfolgen und schauen, wohin sich unser Müll so bewegt.

Das Projekt „TheOceanCleanUp“ könnt ihr euch im Link auf der Website anschauen und es via Crowdfunding unterstützen.

Nathan Robinson & Chris Figgener (Fotograf) haben mich mit ihrem Seaturtle-Bildmaterial unterstützt. Sie engagieren sich für die Meeresschildkröten und auch in ihrem Projekt könnt ihr euch als zum Beispiel als Volunteers einbringen. Informationen dazu im Netz unter www.leatherback.org

 

 

 

Dreck ist meine zweite Haut – mein Leben mit Staubschicht in Brasilien.

„Dreckig. Ich fühle mich dreckig. Immer und überall.“ Das ist die Antwort auf die Frage, wie ich mich in meinem neuen Leben hier in Brasilien fühle.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 10.48.43Die Stadt in der wir seit April leben heißt Canaã dos Carajás und sie ist eine klassische Minenstadt. Nicht so romantisch wie im Westernfilm, aber genauso staubig. Wenn man sich die Karte der Region anschaut, dann meint man ja, wir wohnen im Amazonas und damit im dichten Regenwald. Das war auch sicherlich vor hundert Jahren noch alles dichter, grüner und lebendiger Wald, doch davon ist leider nicht mehr viel übrig.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 08.43.41In der Schule haben wir gelernt, dass Regenwald ein in sich geschlossener Wasserkreislauf ist und alles Leben von den Pflanzen darin abängt. Das feuchte Nass fällt vom Himmel, wird von den Pflanzen aufgenommen und wieder über die Blätter abgegeben. Rodet man die Bäume, bleibt nichts als Sandwüste übrig. Und so ist es auch hier geschehen. Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.27.16In der ganzen Gegend findet man großen Minen die Infrastruktur, wie Straßen, Schienen oder Städte brauchen. Also mußte Platz geschaffen werden. Außerdem hat der Mensch für mehr Weideland gesorgt und dafür eben den Regenwald abgeholzt oder nieder gebrannt. Einzig Gras und Palmen wachsen hier auch auf den kargen Böden gut. Zwischen Januar und April ist Regenzeit. In diesen Monaten schauert es jeden Tag. Manchmal nur für ein paar Minuten, aber in der kurzen Zeit fällt genug Wasser vom Himmel, um der Landschaft das nötige Leben einzuhauchen.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.25.13Trotzdem bleiben große unbewirtschaftete Flächen, Schotterpisten und loser Sand zurück. Und eben dieser braune Staub legt sich täglich als feine Schicht auf jede Fläche, jedes Blatt und jeden Stein. Nichts, aber auch gar nichts bleibt davon veschont. Genau wie in einer Wüste zieht der Sand in jede feine Ritze, bedeckt jede erdenkliche Fläche und natürlich auch auf die Haut der Menschen. Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.44.54Und so kommt es, dass ich mich hier immer dreckig fühle. In der Wohnung müssen täglich die Oberflächen gewischt werden und spätestens jeden zweiten Tag die Böden. Mit ungewaschenen Füßen, kann man sich nicht einfach mal auf die Couch lümmeln oder sich ins Bettchen kuscheln, selbst wenn man 2x am Tag wischen würde. Es käme einem trotzdem ungeputzt vor. Leute mit Reinigungsfimmel würden irre werden. WP_20150807_14_01_47_Pro-2Inzwischen habe ich mich schon einigermaßen daran gewöhnt und meine Tolleranzschwelle nach unten gesetzt. Aber trotzdem fluche ich noch jeden Tag darüber. Stellt euch vor, dass es nichts gibt, was sauber ist. Man kann nichts anfassen und dabei sauber bleiben. Sofort möchte man sich wieder die Hände waschen. Und ich bin wahrlich nicht pingeling, aber hier…. Man macht sich einfach ständig dreckig! In der Wohnung, im Auto, überall.Nun kann man argumentieren, dann putzt doch einfach. Wenn es so einfach wäre! 1x das Fenster oder die Autotür geöffnet, die Lüftung an oder die Scheiben runtergekurbelt und es ist direkt wieder alles voller braunem Staub. Am Anfang habe ich in der Tat noch versucht, dem Herr zu werden. Aber man resigniert. Der braune Dunst ist in der Luft. Immer. Und so wird man wohl auch immer ein ekliges Gefühl an den Händen haben, braune Fußsohlen oder quer übers T-Shirt einen dunklen Streifen vom Autogurt.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 10.49.30Genauso kann man hier nichts kaufen, was sich neu anfühlt und sauber ist. Die Geschäfte kämpfen ja mit dem gleichen Problem. Also ist jede Packung im Supermarkt mit einer Schicht Staub belegt und ich wasche daheim erstmal alles ab, bevor es in die Schränke wandert. Das Schöne an neuen Dingen ist ja eigentlich, dass sie sich neu anfühlen. Das gibt es hier nicht. Hier fühlt sich nichts neu, sauber und unbenutzt an. Im Gegenteil. Man greift ins Regal und ekelt sich. Mir ist vollkommen die Lust auf Einkäufe vergangen.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 10.49.01Jetzt ist Trockenzeit und das bedeutet, dass es seit Wochen nicht geregnet hat und der Regen der fiel, hat eigentlich auch nur die Staubschicht befeuchtet. Die Natur leidet unter der Trockenheit und die Blätter können nicht atmen. Ganz besonders deutlich wird das am Straßenrand. Grün ist da kein Grashalm mehr. Entlang des Weges ist jede Pflanze braun. Es ist jetzt gerade erst August und ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es die nächsten 4 Monate mit dieser Trockenheit hier weiter geht. Schon jetzt staubt und brennt es an jeder Ecke und mit Besserung ist vor Januar nicht zu rechnen.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.38.51Die letzten Tage habe ich auch zunehmend riesige Windhosen über der Stadt beobachtet. Die Schwüle, die aufgeheizte Luft, dazu die Brände und der ausgedörrte Boden sind ein idealer Nährboden für diese „Wirbelstürme“. 40 Meter hoch reißt er den losen Staub und allen Müll in die Luft und bahnt sich seinen Weg durch die Stadt. Wohl dem, dessen Haus verschont bleibt. Als sei es noch nicht staubig genug. Ein geschlossenes Fenster ist kein Schutz, denn diese sind weder doppelt verglast noch isoliert. Durch die Ritzen & Schiebeleisten findet der Staub seinen Weg, besonders bei Wind.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.37.37Die Steigerung von Staub ist dann Matsch. Als ich im April hier ankam, verwandelte der Regen, der auf den Sand fiel, alles zu einer matschigen rotbraunen Masse. Manche Straßen waren dann überhaupt nicht mehr befahrbar und wir mussten aufpassen, bei unseren Ausflügen nicht irgendwo stecken zu bleiben. Da war ich dann also nicht nur staubig an den Händen, sondern oft auch bis zum Knie hoch voller Pampe. Seiher trage ich auch Flip Flops. Mein ganzes Leben hatte ich noch nie solche Schuhe. Hier machen sie Sinn. Zu Hause angekommen, spült man sie einfach unterm Wasserhahn ab. Lederriemchensandalen, wie ich sie früher trug, wären hier nach kürzester Zeit ruiniert.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.58.06Man ist hier also gezwungen sich damit zu arrangieren, ob es einem nun paßt oder nicht. Ob man dagegen ankämpft oder nicht. Dreck gehört hier zum Alltag. Also kann ich auch berechtigt behaupten, dass ich mich dreckig fühle.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.42.59

Willkommen in Canaã dos Carajás – unserem „Paradies“

Mein Freund sagt immer: „Schatz, ich weiß gar nicht was Du hast. Es hat immer gutes Wetter, Sonnenschein & Palmen – es muss das Paradies sein!“ Nun, wenn man es nur darauf reduziert, dann hat er wohl Recht.Bildschirmfoto 2015-08-03 um 13.16.34Vor knapp 4 Monaten bin ich ihm, in die vielleicht häßlichste Stadt Brasiliens gefolgt und „Paradies“ ist inzwischen ein Running-Gag zwischen uns. Denn wann immer einer von uns genervt ist, beruhigen wir mit dem „Paradies„-Spruch.

Und hier liegt Canaã dos Carajás, was wir lieber als „Homebase“, anstatt als neue Heimat bezeichnen:Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.10.25Der Bundesstaat heißt: Pará und der Teil, in dem wir leben, gehört eigentlich noch zum Amazonas. Allerdings sieht man davon nicht mehr viel. Der Regenwald, wie es ihn hier ursprünglich einmal gab, mußte weichen. Entstanden sind riesige, grüne Weideflächen.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.30.41Das Holz des Regenwaldes ist wertvoll, die Erze im Boden haben einen Milliarden schweren Wert und der Mensch tut sein Übriges durch seine Ausbreitung. Noch immer und täglich fallen große Flächen der Brandrodung zum Opfer, damit Viehwirtschaft betrieben werden kann, neue Siedlungen entstehen oder Platz für Minen geschaffen wird.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.22.35Viehwirtschaft & die Mine dominieren hier die Landschaft und bieten die meiste Arbeit für die Menschen hier.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.30.16VALE -der Minenbetreiber- ist auch der größte Arbeitgeber in der gesamten Region. Zehntausende Jobs hängen allein an der Entstehung der neuen Mine. Das Projekt nennt sich S11D. An ihm arbeitet auch mein Freund für eine große Kranfirma.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.39.06Die Stadt selbst ist innerhalb nur weniger Jahre beachtlich gewachsen und hat mit dem Ansturm auf Arbeitsplätze gar nicht mithalten können. Und das ist wahrscheinlich auch genau der Grund, warum die Brasilianer selbst sagen, es sei die häßlichste Stadt des Landes.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.10.43Im Hotel Canaá haben wir die ersten 2 Monate gelebt. Ein sehr hübsches Hotel & wir haben uns sehr wohl gefühlt. Aber auf Dauer sind 16qm für zwei Personen schon eine Herausforderung. Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.56.50Mitte Juni sind wir dann in ein eigenes Apartment umgezogen. Unsere Wohnung ist im dritten Stock. Das Haus liegt direkt an der Hauptverkehrsstraße. Und man sieht hier schon sehr deutlich, was das so mit sich bringt… Müll & viel Verkehr. Denn jeder Minenabeiter kommt hier vorbei. Wir sind trotzdem happy, dass wir eine moderne, komfortable Bleibe gefunden haben und nun endlich auch viel mehr Platz & einen Balkon haben.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.58.32Die Hauptverkehrststraße ist Lebensader der Stadt.

Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.04.31Wie überall gibt es kleine Geschäfte, Bars und Restaurants.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.53.30 Menschen, die nicht in der Mine Arbeit gefunden haben, besitzen oft ihr eigenes Geschäft – manchmal auch auf 2-4 Rädern. Meist werden Lebensmittel, Eis oder Handyzubehör verkauft.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.53.49Das ist der Platz, an dem die Busse in die nächst größeren Orte wie Parauapebas oder Marabá starten.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.05.25In der Mitte ist die Hauptverkehrsstraße durch einen Grünstreifen getrennt. Er ist Treffpunkt, Marktplatz und auch Spielplatz. Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.05.07Für viele Menschen aber auch ihr Lebensmittelpunkt.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.54.05Natürlich gibt es morderne Läden, aber auch das gehört zum normalen Stadtbild.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.58.58Wer hat Lust, hier auszugehen? Ich meistens nicht. Billiard ist allerdings neben Fußball das zweitliebste Hobby, der Männer hier.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.52.10In der Regenzeit wird die Stadt regelmäßig geflutet. Schade, dass man bei neuen Straßen nicht an Gullis und Kanalisation gedacht hat. Am Ende der Straße, sammelt sich dann das Wasser, unterspühlt sie und bildet riesige Löcher. Die neue Straße ist damit schon wieder nichts mehr wert.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.51.07Richtig übel ist es dann, auf den nicht geteerten Nebenstraßen. Kein Spaß wenn man da mit Moped oder Fahrrad durch muß, wie ein großer Teil der Bevölkerung … und ich!Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.50.54Autowaschanlagen wie diese gibt es daher wie Sand am Meer. Warum noch Niemand auf die Idee kam, eine moderne Anlage hier hinzusetzen, erschließt sich mir nicht. Allerdings sichert es so natürlich mehr Menschen ein Einkommen, vielleicht liegt es daran.

Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.53.12Es wird unheimlich viel neu und gut gebaut. Trotzdem sind Holzhütten mit Lehmboden hier ganz normale Wohnhäuser.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.58.16 Von sowas wird mir regelmäßig schlecht, wenn ich durch die Stadt laufe.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.06.11Und so sieht es zwischen den einzelnen Häusern aus. Ich werde nie verstehen, warum die Menschen in ihrem eigenen Dreck leben, anstatt auf Sauberkeit zu achten.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.07.50Apropo Dreck. Mit dem hab ich ich so meine größten Probleme. Der braune Sand ist immer und überall. Man kann nicht aus dem Haus gehen, ohne sich dreckig zu machen. Wer ein Hygienefanatiker ist, der würde hier nur im Quarantäne-Anzug rumlaufen.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.52.30Brasilianer mögen es laut. Sehr laut. Wer am Lautesten ist, der bekommt die Aufmerksamkeit & Kundschaft. Da wo es laut ist, da geht man auch hin zum Tanzen, Einkaufen oder Fußball schauen. Ja, sogar auf die Kirchen trifft das zu. Entsprechend hat jeder der etwas auf sich hält, seinen Kofferraum komplett mit Lautsprecherboxen ausgebaut und wummert duch den Ort. Optional wird man noch durch Werbefahrzeuge dauerbeschallt. Den ganzen Tag cruisen sie im Schritttempo mit donnernden Boxen herum und verkünden die frohe Botschaft. Mich nervts als Bewohner, aber die, die damit rumfahren, müssen doch komplett gaga sein, zum Feierabend… Ohrenstöbsel benutzen sie jedenfalls nicht, das hab ich überprüft.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.00.03Und das bricht mir jedes Mal das Herz: Die Hunde und Katzen, die unter erbärmlichsten Umständen versuchen, auf der Straße zu überleben. Ich tue meinen Teil, aber ich kann nicht alle füttern, verarzten oder retten.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.09.08Das ist ein beliebter Treffpunkt. Am Wochenende ist da alles voll mit Menschen. Die Stadt hat außer einer Disco, den üblichen Bars & Fußballplätzen eigentlich keinerlei Freizeiteinrichtungen. Kein Kino, kein Schwimmbad, keinen Park – nichts.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.54.28Aber es gibt auch schöne Dinge hier! Und das sind in der Hauptsache die Menschen. Ich mag ihr Lächeln, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Dinge, die ich in Deutschland immer schmerzlich vermisse.

Wir haben die ActionCam aufs Dach getan und einfach mal gefilmt wie es hier aussieht. Also, macht Euch ein #liveBild!

Die Region rund um Canaã dos Carajás in Pará, Brasilien

In und um Canaã dos Carajás in der Region Pará:

Bildschirmfoto 2015-07-24 um 18.25.29Untrennbar verbunden mit Brasilien: Fußball & PapageienBildschirmfoto 2015-07-24 um 18.33.04Toll finde ich hier die Menschen. Besonders, wenn sie so charaktergezeichnet sind, wie dieser Herr.

Bildschirmfoto 2015-07-24 um 18.30.13Die Region war einst Regenwald. Dieser mußte aber Minen und der Landwirtschaft weichen. Große Farmen und Rinderhaltung dominieren jetzt die Landschaft.

Bildschirmfoto 2015-07-24 um 18.33.49Brazilien ist unbestritten auch das Land der Flip Flops. In tausend Farben, Variationen und Designs gibt es die hier. Echt famos!Bildschirmfoto 2015-07-24 um 18.32.32Schönheit, kennt kein Alter. Man achte bitte auf die Schuhe!

Bildschirmfoto 2015-07-24 um 18.30.28Typisch für das Stadtbild in Canaã sind auch immer noch Pferdekutschen, Kühe und Esel!

Bildschirmfoto 2015-07-24 um 18.46.53Hier wie überall auf der Welt, man hängt am Smartphone. Man beachte die Schuhe.Bildschirmfoto 2015-07-24 um 18.57.16Glückliche Schweine gibts hier auch. Die haben sogar eigene, naturbelassene Planschbecken.Bildschirmfoto 2015-07-24 um 19.10.28So mag ich das! Viel wunderbare Natur. Nur sehen das so viele Brasilianier nicht und schützen diese nicht.Bildschirmfoto 2015-07-24 um 19.15.43Großwild wie in Africa sucht man hier vergebens. Da freut man sich auch schon mal über einen Frosch, aber nicht anfassen – giftig!Bildschirmfoto 2015-07-24 um 19.11.17Tolle rote Straße – könnte man denken. Aber stellt Euch die mal bei dem Regen. Und vor allem bei den Massen an Reigen, die hier je nach Saison runter kommen.Bildschirmfoto 2015-07-24 um 19.11.45Ein Baumriese. Der hatte früher mal Brüder & Schwestern. Jetzt steht der da alleine, dank Brandrodung & Co.Bildschirmfoto 2015-07-24 um 19.25.06Also ich sehe 6 Papageien, vielleicht auch 7 und ihr? Ok, über den Letzten lasse ich mit mir streiten.Bildschirmfoto 2015-07-24 um 19.45.02Zugegeben, es gibt auch moderne Tankstellen, aber die machen doch nicht halb so viel her, wie dieses Exemplar!
Bildschirmfoto 2015-07-24 um 19.51.21Mein Lieblings-Goucho! Eigentlich trifft der Begriff es nicht richtig, aber ich nenne ihn so. Sieht er nicht sympatisch aus unser Kneipier?Bildschirmfoto 2015-07-24 um 19.26.45Ein blauer Arara, wie die Tiere hier genannt werden. In Europa bezeichnen wir diese Vögel als Aras. Wunderschöne Geschöpfe!

Bildschirmfoto 2015-07-24 um 19.45.58Gang of three;)Bildschirmfoto 2015-07-24 um 20.03.05Schlaglochralley. Und leider Alltag auf den Straßen rund um den Ort.Bildschirmfoto 2015-07-24 um 20.01.45Ach guck, ein Esel!Bildschirmfoto 2015-07-24 um 20.01.33Ein Lehmhüttendorf.Bildschirmfoto 2015-07-24 um 20.00.54Klasse oder? Eine sich windende rote Straße, eingerahmt in saftiges Grün.Bildschirmfoto 2015-07-24 um 19.44.36Und noch ein Vogel! Sehr anmutiges Tier, findet Ihr nicht auch?
Bildschirmfoto 2015-07-24 um 20.22.39Wegen ihnen gibt es so viele Cowboys hier! Yihaaaa!Bildschirmfoto 2015-07-24 um 20.20.10Es macht zugegeben sehr viel Spaß die Gravel Roads lang zu fahren… es staubt so schön!

Wie gefällt dir Canaã dos Carajás? Schreib mir ich bin gespannt!

Die miese Seite der Welt. Ethik auf Reisen

Ist es vertretbar in so ein Land zu reisen?” − diese Frage beschäftigt mich immer wieder. Wobei “so ein” immer recht breit gefasst ist. Mich schrecken Sicherheitswarnungen vom Auswärtigen Amt nicht davon ab, in Länder zu reisen, vor denen offiziell gewarnt wird. Ich wäre sonst nie in El Salvador gelandet. Hätte nie erfahren können, wie atemberaubend schön die Natur ist und wie unglaublich offen und lieb die Menschen dort sind. Was mich wirklich davon abhält in bestimmte Länder zu reisen, ist die Ethik mancher Staaten. Kind straßeIch reise nicht, um alle Länder dieser Welt gesehen zu haben. Ich möchte Nationen, Staaten & Kontinente entdecken, um ihre Kultur, ihre Werte und Menschen kennen zu lernen. Und natürlich die Flora & Fauna zu bestaunen. Aber in der Tat, ist mir der Kontakt zu Menschen auf Reisen sehr wichtig und es vergeht keine Reise, wo ich diesen nicht suche. Deshalb mache ich mir bei der Auswahl meiner Urlaubsziele auch Gedanken, um deren ethnische Aspekte.DomRep,So wollte ich lange nicht nach Indien reisen, wegen der Horrormeldungen über Vergewaltigungen. Dann habe ich recherchiert und rausgefunden, dass die Vergewaltigungsrate umgelegt auf die Einwohner, doch einiges relativiert. Und jetzt haltet Euch fest, denn demnach hat Deutschland eine doppelt so hohe Vergewaltigungsrate wie Indien. Diese Information hat mich fast umgehauen und ich denke, die wenigsten wissen das. Was dort passiert verurteile ich immer noch aufs Schärfste, aber ich würde jetzt nach Indien reisen. Auch habe ich mich mit Menschen ausgetauscht, die in Indien unterwegs waren oder dort gelebt haben. Und auch das hat mein Bild entscheidend verändert und dazu beigetragen, dass ich jetzt weiß, wie man sich dort verhalten sollte, um sicher zu reisen.Fortaleza, BrasilienAber es gibt natürlich noch unzählige Beispiele für Länder die meiner Wertewelt nicht standhalten. So lehne ich es zutiefst ab, wenn Frauen keinerlei Rechte haben, wenn Wale bestialisch abgeschlachtet oder Kinder gezielt ermordet werden.KindIch sehe das so: Als Reisender bringe ich Geld ins Land und unterstütze damit die Volkswirtschaft aka auch die Regierung. Und so lange die keinen Einfluss nimmt oder selbst ihr Handeln ändert, gibt es von mir kein Geld und auch keine mediale Unterstützung. Denn jede Reise wird heutzutage ja auch von SocialMedia begleitet und animiert vielleicht zum Nachreisen.FärörInselnIch erkenne sehr wohl an, dass es in vielen Ländern Probleme gibt, die sich so einfach nicht lösen lassen. Die religiöse, geschichtliche oder traditionelle Ursachen haben und deshalb begründet von vielen in Frage gestellt werden.image-2015-12-07(4)Meine geschätzte Mutter zum Beispiel reist in keine Länder, in denen es Slums gibt. Und das obwohl es Armensiedlungen überall auf der Welt und inzwischen sogar in Berlin gibt. Ich denke nicht, dass man sich vor Armut verschließen sollte. Denn gerade da, kann der Tourismus zum Wandel & gegenseitigen Verständnis beitragen. Was ich persönlich in Afrika oder Brasilien erlebt habe.Slum KapstadtFür mich dürfen es demnach sogar sehr gerne Länder sein, die in unserer Wertewelt als Drittland oder Schwellenland bezeichnet werden. Weil ich mit meiner Reise dann vielleicht die Lebensumstände der Menschen verbessern kann. Weil ich durch Social Media die Möglichkeit habe, mehr Menschen für ein Land zu begeistern, selbst wenn es arm ist und das ist eben mein Beitrag zu Ethik auf Reisen.image-2015-09-25(84)Andererseits haben mich auch schon Staaten auf Grund ihrer Werte so sehr fasziniert, dass ich sie bereisen möchte. Costa Rica zum Beispiel, denn dort legt man gesteigerten Wert auf den Tierschutz. So wurden zum Beispiel alle Zoos geschlossen und die Tiere in die Freiheit entlassen. Siehe Link.Vogel HondurasOder das Beispiel „Uruguay„: Der ehemalige Präsident des Landes ist mein Vorbild und wegen ihm habe ich das Land in Südamerika bereist. Seine Ansichten, Visionen und seine Lebenseinstellung faszinieren mich und ich wollte herausfinden, wie sich das auch in Uruguay selbst wiederspiegelt.


Ich akzeptiere, dass jeder seine eigenen moralischen und ethischen Werte festlegt. Jeder muss selbst wissen, was er vertreten kann. Bis wohin er noch in den Spiegel schauen kann und will. Ich wünsche mir einfach, dass man auch beim Reisen hinterfragt, ob es vertretbar ist. Natürlich kann man argumentieren, dass man ja nur ein kleiner Reisender ist, der an der politischen Lage nichts ändern wird. Aber vergleichen wir das doch mal mit einem Einkauf von Kleidung, die von Kinderhänden genäht wird. „Wenn ich diese Hose jetzt nicht kaufe, dann ändert sich für das Kind trotzdem nichts“. ABER Du vergißt, dass du eine(r) von VIELEN sein kannst. Wenn Millionen Menschen diese Hose boykottieren und den Hersteller zu besseren Arbeitsbedingungen drängen, dann ändert sich auch etwas für das Kind. Überdenke wie es wäre, wenn wir alle unseren Unmut über Menschenrechte und Tierquälerei kundtun. Wieviel könnten wir erreichen, wenn wir alle endlich für eine bessere Welt einstehen könnten, als nur egoistisch an uns zu denken?

Oder wie Ghandi sagen würde:

„Be the change you want to see in the world!“


Wie seht ihr das?
Reist ihr überall hin, weil ihr Lust darauf habt oder wählt ihr eure Ziele auch moralischen Grundsätzen aus, so wie ich?

#info*Quelle: http://www.theintelligence.de/index.php/gesellschaft/volksverdummung/5108-in-deutschland-werden-mehr-frauen-vergewaltigt-als-in-indien.html

Achtung, Statistiken ändern sich jedes Jahr. Was zu meiner Recherchezeit galt, muss heute nicht mehr gelten. Macht euch bitte selbst auf die Suche nach aktuellen Zahlen & vergleicht verschiedene Quellen.