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SüdamerikaTrip: Canaã dos Carajás nach Foz do Iguaçu

Heute geht es nun endlich los. 4.5 Wochen und backpack allein als Frau durch Südamerika liegen vor mir und die gespannte Aufregung der letzten Tage ist gewichen und ich bin für eine Verhältnisse sehr ruhig. Alles ist so gut es geht vorbereitet und es gibt keinen Grund jetzt noch irgendwie in Panik zu verfallen. Ich habe alle Papiere in doppelter Ausführung dabei & ein Backup auf der Cloud. Die Kreditkartenfirmen sind informiert das ich reise und die wichtigsten Verbindungen und Unterkünfte sind vor gebucht.

Daniel hat sich den Vormittag für mich frei genommen und will mich die 60 km zum Flughafen von Parauaphebas bringen. Wir haben ausreichend Zeitpuffer eingebaut, denn in Brasilien weiß man nie, ob gerade mal wieder Jemand streikt und eine brennende Straßenblockade aufgebaut hat. Das passiert hier wo wir gerade leben im Schnitt 1x im Monat. Da das Verkehrsnetz hier nicht so dicht wie in Deutschland ist und es zuweilen nur eine Straße in die nächste Stadt gibt, hieße das einen Umweg von 1-2 Stunden über irgendwelche Feldwege.image-2015-12-14(1)Aber es läuft alles gut bis ungefähr 15 km vorm Flughafen als plötzlich alle Fahrzeuge stehen und nichts mehr geht. Die Straße verläuft hier durch dichten Dschungel und Ausweichrouten gibt es hier keine mehr, wenn hier der Verkehr steht dann geht gar nichts mehr. Nach 15 min. im Fahrzeug werde ich nervös und steige aus um raus zu finden, wo das Problem liegt. „Accidentchi“ was so viel heißt wie Unfall erfahre ich von einem anderen Fahrer und auch, dass mit 30 min Wartezeit zu rechnen sei. Ich bin erleichtert. 30 brasilianische Minuten wird uns als Zeitverzögerung angegeben. Das ist in unserer Zeitrechnung ungefähr 1 Stunde und die haben wir in jedem Fall als Puffer. Als der Verkehr kurze Zeit später wieder anrollt bin ich trotzdem erleichtert, dass es endlich weiter geht. Ich hasse es auf Flughäfen zu spät zu kommen und noch panisch irgendwo hinhechten zu müssen.

Der Flughafen „Carajas“ ist allerdings so übersichtlich, dass lange Wege hier kein Problem wären. Daniel verabschiedet sich und ich trotte in den Flughafen. Noch immer ist von Aufregung absolut gar nichts zu spüren. Etwas über 2h sind es jetzt noch bis zum Abflug und in der Halle sind außer mir nur noch 4 andere Reisende. Eine junge Fau kommt mir bekannt vor, sie hatte uns vorhin auf der Straße gefragt, was passiert sei. Ich trotte in ihre Richtung und setze mich neben sie. Sie erkennt mich wieder und wir fangen sofort an zu quasseln. Sie heißt Barbara und ist Juristin hier in Brasilien. Die 2h bis zum Take of vergehen wie im Flug. Es ist wunderbar mit ihr zu reden. Sie spricht fließend englisch, interessiert sich wie ich für Politik, Naturschutz und Weltgeschehen. Ich lasse mir von ihr erklären, wie Korruption in Brasilien funktioniert und erkläre ihr im Gegenzug die deutsche Vetternwirtschaft bzw neudeutsch den „Lobbyismus“. Wir lachen und schmieden Pläne für eine gerechtere und bessere Zukunft. Leider fehlt uns in dem Moment noch das politische Zepter, aber wer weiß schon, welchen Job er in 20 Jahren hat?

Als wir endlich im Flieger sitzen erklärt mir diese selbstbewusste 24ig Jährige Juristin, dass sie schreckliche Flugangst hat. Ich muss schmunzeln. So eine taffe Frau, die Korruption trotzt und selbstbewusst vor Gericht spricht gesteht mir gerade, dass sie nicht immer so taff ist. Ich beruhige sie: „Fliegen ist wie Busfahren, nur weiter oben.“ Sie betet als das Flugzeug an Fahrt aufnimmt. Ich erkläre ihr, dass Turbulenzen so was wie eine Party sind, Wolken sind Zuckerwatte und darüber liegt das Paradies, denn da scheint immer die Sonne. Außerdem erkläre ich noch, das falls doch was passiert es doch viel cooler ist, bei einem Flugzeugabsturz zu sterben als an nem Herzinfarkt im Büro. Sie muss lachen. Mal abgesehen davon ist heute ohnehin kein Tag zum Sterben. Doch nicht auf dem Hinflug in den Urlaub! Fliegen Azul FlughafenDie 1h bis Belem im Nordosten Brasiliens vergeht rasend schnell und unsere heitere Unterhaltung über Gott und die Welt setzt sich fort. Barbara war sogar schon in Freiburg und auf dem Oktoberfest. Da hat sie mir was voraus ich bin wahrscheinlich die einzige Deutsche die noch nie in München dieser Tradition beigewohnt hat. Das versteht im Ausland immer nie jemand. Alle wollen da unbedingt mal hin oder waren sogar schon da.

Als wir im Anflug auf Belem sind kann ich unter mir im Fluss ein U-Boot sehen! Das hat was von James Bond Filmen, wenn man das zum ersten Mal sieht. Irgendwie völlig out of the world. Barbera erklärt mir, dass wir gerade über den Marinehafen geflogen sind.

Sie ist jetzt wieder reichlich nervös und wieder beruhige ich sie. Leider kann sie mit einer Story aufwarten von einem Flugzeug welches hier mal die Landebahn überschritten hat und über den Rasen „gestrauchelt“ ist. Der Pilot muss so Schiss gehabt haben, dass er seine Angst live übers Mikro kommentiert hat. Was nicht gerade professionell war und zur Beruhigung der Insassen beitrug. Er erkärte sich später im Fernsehen damit, dass er eben auch nur ein Mensch ist und ziemlich die Hosen voll hatte. Ich kommentiere die Geschichte mit einem „Was für ein Abenteuer“ um dem ganzen etwas die Brisanz zu nehmen und Barbara mit Humor zu entspannen. Natürlich geht bei unserem Flug alles glatt und sie verspricht mir, bei zukünftigen Flügen immer an meine Worte zu denken und entspannt an das Erlebnis „Fliegen“ ran zu gehen.

5h Aufenthalt habe ich in Belem. Mancher würde sich zu einer Tour in die Stadt aufmachen. Ich gehe lieber auf Nummer sicher und bleibe am Flughafen. Eine blockierte Straße am Tag reicht als Aufregung. Dafür bleibt Barbara noch eine Stunde mit mir in der Abflughalle. Ihre Schwester hat sich zu uns gesellt und fortan schnattern 3 Frauen und tauschen Lebensgeschichten aus. Ich genieße die Gesellschaft der Beiden. Denn das ist genau das was ich am Reisen liebe. Neue Menschen treffen und einen Einblick in ihr Leben, ihr Land und ihre Kultur zu bekommen. Leider mus Thamara zurück zur Uni und so muss ich die nächsten 4 Stunden alleine tot schlagen. Wir tauschen noch Konaktdaten, schießen Fotos und dann trennen sich unsere Wege auch schon wieder.image-2015-12-14(2)

Ich kenne den Flughafen in Belem. 3 Stopover musste ich hier schon mit langen Stunden des Wartens verbringen. Ich kenne die Läden, die Fastfoodketten, den Schuhputzautomaten und sogar die Cocktailbar. Also trotte ich die Halle einmal von links nach rechts lustlos ab, damit ich mich heute überhaupt irgendwie beweg habe. Draußen regnet es in Strömen – wie eigentlich jedesmal wenn ich hier bin. Bei einem der Stops war sogar mal der Strom weg und wir saßen in einem komplett stockdunklen Flughafen. Über lange Minuten bis die Notversorgung ansprang und wenigstens die Ausgänge markierte, hat man nicht mal die Hand vor den Augen erkannt.

Ich erinnere mich an ein Internetcafe in der oberen Ebene, investiere 12 Real (3 EUR!) und surfe für 1.5 h im Netz. Immerhin mal schauen was daheim so geht und meine Freunde machen.

Der Anschlussflug nach Sao Paulo ist sogar mal angeschrieben. Uns ist es hier schon passiert (und auch an anderen brasilianischen Flughäfen) das es ständig wechselte und irgendwann gar nichts mehr dran stand. Diesmal habe ich Glück und alles läuft reibungslos.

Wieder fliege ich mit GOL einer brasilianischen Airline. Wer innerhalb des Landes fliegt, der kommt oft sehr günstig von A nach B bei vergleichsweise langen Strecken. Immerhin ich durchfliege ein Land von oben nach unten, welches fast so groß ist wie der ganzer Kontinent und hab für diesen Flug gerade mal 80 EUR bezahlt. Direkt bei der Airline gebucht und mit dem Inkognito Surf-, und Wechselkurs-Trick hat mich das zudem eine Menge Geld gespart. Ich fliege gerne mit GOL, da es eine sehr gute Airline mit verlässlichem Service ist.

Bei diesem Flug sitze ich in der letzten Reihe und kämpfe diesmal mit Würgereiz. Wofür allerdings die Airline nichts kann. Irgendwer um mich herum hat seine Verdauung nicht im Griff und im Minutenintervall bekomme ich divese Ausdünstungen ab. Die Kotztüte im Blick ringe ich mit Brechreiz und würde am liebsten lautstark und für jedermann hörbar darum bitten zum „Blähen“ gefälligst das Boardclo aufzusuchen. So widerwärtigen Gerüchen war ich bisher an Board noch nie und ich schwöre nach Ankunft direkt nach Travel Hacks gegen derartige Gerüche zu suchen.

Ja auch solche Geschichten begleiten einem beim Reisen und keiner ist davor gefeit. Da der Flieger bis auf den letzten Platz ausgebucht ist kann ich auch nicht nach einem anderen Platz fragen.

Die Dame vor mir bestätigt derweil mal wieder mein Urteil über Brasilianer. Die sind nämlich absolut Selbst-, und Selfieverliebt und ich werde Zeuge, wie sie ihre Handygalerie betrachtet. Keine 3, 5 oder 10 Bilder von sich und ihrem Freund sind da zu sehen, sondern im Schnitte hat sie 40x ein und das gleiche Motiv auf ihrem Smartphone. Hier möchte ich dann schon das Wort Selfobsessed benutzen. Vielleicht sei noch angemerkt, dass sie sicherlich kein Model ist was derartig Bildsammlungen vielleicht noch erklären würde. Inzwischen bin ich seit 12 Stunden unterwegs und ich beschließe etwas zu schlafen. Da ich erst gegen 1:30 Uhr in Foz do Iguaçu landen werde ist an viel Schlaf in der Nacht wohl nicht zu denken.

Die Landung in Sao Paulo klappt reibungslos allerdings dauert es eine gefühlte Ewigkeit bis ich aus dem Flieger komme. Ich habe nur 40 min Umsteigezeit und habe Angst den Anschlussflug nicht zu erreichen. Schnell checke ich auf der Anzeigetafel das Gate für „Foz de Iguazu“ und hetze dann dem Flugsteigentgegen, denn mein nächster Flug startet vom anderen Terminal und die Zeit rennt.

image-2015-12-14(3)Als ich drüber ankomme die Ernüchterung… Ich bin am falschen Gate! In meiner Hektik habe ich nicht drauf geachtet, das 2x Foz do Iguaçu ausgeschrieben ist. Ich bin am Flugsteig für die Airline Azul und nicht wie gebucht bei GOL. Und zu meinem großen Glück ist dieser Flug wieder in der Ankuftshalle, also wieder Füße in die Hand nehmen und zurück rennen.

Als ich 217 erreiche ist das Boarding längst am Laufen. Sicherheitshalber erkundige ich mich „Foz do Iguaçu?“, denn einen Monitor mit Destination gibt es zwar, aber der dient wohl nur der Dekoration. Der Flieger geht jedenfalls nicht dahin und man schickt mich weiter zu 219. Auch wieder nix. So langsam nervt mich diese brasilianische Anzeigentaktik. Hier kommt man irgendwie nur mit Durchfragen zum richtigen Flugsteig. Egal irgendwann werde ich fündig und kann direkt durchlaufen.

Völlig außeratem und mit rotem Kopf lass ich mich in den Sitz fallen und versuche erstmal meinen Puls wieder in den Griff zu bekommen. Ich mag keine solcher Herzschlagfinals, wenns ums Fliegen geht. Lieber warte ich ne Weile und hab dafür etwas Puffer.

Der Flughafen in Foz do Iguaçu ist bedeutend größer als ich dachte, aber trotzdem noch übersichtlich. Ich schnapp mir meinen Rucksack und trotte zum Taxistand. Wir einigen uns auf 300 Real und der Fahrer tritt in die Eisen. Ziemlich Brasilientypisch überschreitet er die ausgewiesene Geschwindigkeit. Statt 60 km fährt er an die 60 km zu schnell. Also knappe 120 im Ort. Da sonst niemand weiter auf der Straße ist und ich nur noch ankommen will beschwere ich mich auch nicht.image-2015-12-14(5)Selbst in der Dunkelheit ist erkennbar, dass Brasilien hier viel sauberer ist, als in der Stadt in der ich die letzten Monate gelebt habe. Alles macht einen sehr sauberen und gepflegten Eindruck. Ich bin sehr entzückt! Auch von meinem Hosel. Das ich spät ankommen werde hatte ich vorab angekündigt und so muss ich gar nicht warten und werde freudig in Empfang genommen. Ich habe mich in ein 6er Mädelszimmer eingebucht und zu meinem Entzücken ist auch nur eine Person neben mir hier. Es verspricht also eine ruhige Nacht zu werden. Und Schlaf hab ich jetzt auch dringend nötig.

 

Brasilien Ι Fortaleza – Zwischen Fußball, Frauen, Traumstränden und Problemvierteln

Viel hatte ich mir versprochen von Fortaleza, der Stadt von der so viele Brasilianer schwärmen. Mit 75.000 Besuchern pro Jahr ist sie eine der am meisten besuchten Städte des Landes. Sie lockt mit feinsandigen Traumstränden, ihrer Liebe zu Fußball, kokusnusspalmengesäumten Strandbars & natürlich mit Frauen in ultraknappen Bikinis. Doch die Stadt hat auch eine andere Seite.image-2015-11-19(51)Wir landen am späten Abend & fahren die 14 km vom City-Flughafen mit dem Mietwagen in Richtung Hotel. Der erste Eindruck ist so ganz anders, als die Bilder der Stadt, die sich als moderne Metropole im Internet, für mich dargestellt hatte. image-2015-11-19(24)Das Bild hier ist geprägt von herruntergekommenen Häusern die mit hässlichen Grafitti-Schmierereien besprüht sind. In dunklen Gassen, finden sich zwielichtige Gestalten und auf den Straßen liegt jede Menge Müll. So wie ich es eigentlich auch aus Canaá dos Carajas schon kenne, der brasilianischen Stadt in der wir seit April 2015 leben. image-2015-11-19(27)Kein vertrauenerweckender Eindruck und schon gar nicht schön. Wir verriegeln das Auto, überfahren rote Ampeln und hoffen nicht stoppen zu müssen. Und nur auf den letzten 2 Kilometern unserer Strecke wandelt sich das Bild. Denn dort am Meer ist die Skyline-Metropole zu finden, sieht es aufgeräumter aus und auch die Menschen auf der Straße machen einen vertrauenserweckenderen Eindruck.image-2015-11-19(20)Unser Hotel ist in der ersten Reihe direkt an der Strandpromenade und seinem umtriebigen Markt. Es ist 23 Uhr und die Straßenstände sind sehr gut besucht. Es herrscht reger Handel, es wird gejoggt, musiziert, getanzt, getrunken & gefeilscht. An Ruhezeiten denkt hier Niemand. Man will Spaß und Unterhaltung und so kehrt erst in den frühen Morgenstunden Ruhe ein.image-2015-11-23(1)-1Als ich am neuen Morgen wieder aus dem Fenster schaue, erkenne ich den Bazar von letzter Nacht nicht wieder. Die Szenerie erinnert jetzt eher an einen Containerhafen als an einen Markt mit hunderten Besuchern und vollgepackten Ständen. FortalezaWir starten zu unserer Entdeckungstour durch die Stadt und ich hoffe mit dem neuen Tag endlich das Brasilien zu finden, was in meinem Kopf ist. Was ich aus Hochglanzmagazinen kenne -das schöne, das bunte, das lebensfrohe Land.  image-2015-11-19(34)Wir starten am Meer und hier sieht erstmal alles ganz gut aus. Kein Plastemüll am Strand, eine saubere Promenade und auch keine verunstalteten Grafittiwände. image-2015-11-19(32)Doch das Bild der Stadt änderst sich schnell. Während man am Meer die neu gebauten Wolkenkratzer findet, sind es in Richtung Innenstadt die historischen Gebäude. Die entweder herausgeputzt sind oder völlig dem Verfall überlassen werden. image-2015-11-19(33)Und je weiter man sich davon entfernt, umso krasser werden die Gegensätze zwischen den Luxusapartments mit Meerblick und den einfachen blechdachgedeckten Häusern.image-2015-11-19(25)Eigentlich hatten wir nicht vor, die Stadt auf eigene Faust zu erkunden. Doch ein englischsprachiger Tourguide war für Samstags nicht aufzutreiben. Zig Touranbieter haben uns abgewunken und so starteten wir unsere eigene Entdeckungstour. Begrüßt von türkisblaumen Meer, sind wir in die Innentstadt rund um die „Rua Monsignore Tito Guedes“ mit ihrer gotisch-römischen Kathedrale gestartet. image-2015-11-19(45)Die Catedral Metropolitana de Fortaleza ist die drittgrößte Kirche Brasiliens und sie soll nachts eine wahre Schönheit sein, wenn sie bunt angestrahlt wird. image-2015-11-19(28)Und in der Tat ist sie mit Platz für 5.000 Gläubige ein recht imposantes Bauwerk. Im Gegensatz zu opulenten Gotteshäusern wie man sie etwa in Rom findet ist sie allerdings sehr schlicht gehalten. Sehr frustriert hat mich allerdings der Anblick ihrer Frontseite. Bewacht, von bis an die Zähne bewaffneten Polizisten, verunstaltet mit Grafitti und von Plastikmüll umweht, bot sich eine reichlich erbärmliche Ansicht, die wohl auf keinen Besucher einladend wirkt. Catedral Metropolitana de Fortaleza, Ceará, BrasilienIm Umkreis der Kathedrale herrscht reger Handel. Gerade an Samstagen ist das eine bunte Mischung aus Menschen, Musik und Essensständen. image-2015-11-19(40)Ich werfe mich gerne in das Getümmel der Menschen und beobachte sie bei der Arbeit. So auch an diesem Tag.image-2015-11-19(37)Wer sich hier allerdings eine schicke Shoppingstraße erhofft hat, ist hier falsch am Platz. Dazu sollte man den Weg in einer der Malls (Mercado Central) finden oder sich besser im Stadtteil Meireles umsehen. image-2015-11-19(43)Hier herrscht das ganz normale brasiliansiche Leben der Straße mit seinen geschäftigen Händlern und mit Einkaufstüten behangenen Frauen. Wir schlendern Ziellos durch die Gegend und schauen dem Treiben zu.image-2015-11-19(41)Und es fällt auf, dass überall rund um die Kathedrale wunderschöne restaurierte Häuse findet aber auch Gebäude die dringend saniert werden müssen, damit die Stadt ihren usprünglichen Charme nicht ganz verliert. image-2015-11-19(29)Es ist schon regelrecht bedrückend, wenn man sieht welche ehrwürdigen Gemäuer hier ihrem Verfall preisgegeben sind und ich kann mir sehr lebendig vorstellen wie schön die Stadt einst war. Man ist fast geneigt hier Hand anzulegen um zum Erhalt beizutragen.image-2015-11-19(30)Zumal sie durch Grafitti besprüht nur noch trauriges Bild einer großen Geschichte abliefern. Ich bin wirklich ein Fan von Street Art, aber bloße Kritzeleien sind für mich Vandalismus. image-2015-11-19(31)Aber man findet auch die wahren Künstler er Szene in der Stadt. An den richtigen Stellen eingesetzt sind die Wandbilder dann wirklich eine Verschönerung der Kulisse. In Fortaleza sind sie sehr oft auch mit sozialkritischem Hintergrund zu finden und man sollte es sich nicht nehmen lassen mal genauer hinzusehen.image-2015-11-19(46)Nach einer guten Stunde haben wir genug gesehen von der Innenstadt. Uns zieht es zurück ans Meer zur schönen Seite Brasiliens. Denn Strände können die Brailianer;) image-2015-11-19(21)Wieder führt der Weg vorbei an unzähligen Wolkenkratzern die hier wie Pilze aus dem Boden gewachsen sind und das moderne Fortaleza verkörpern. image-2015-11-19(47)Trotzdem findet man immer auch noch traditionelle Stätten, Gotteshäuser oder Statuen zwischen den Hochhäusern oder direkt am Meer. image-2015-11-19(26)Die bekanntesten Stadtstrände sind Praia Meireles, Praia Mucuripe, Praia de Iracema – doch eher wenige Badegäste sind hier zu finden. Das Wasser ist hochgradig belastet und so weicht man zum Baden auf die Strände weiter außerhalb aus. image-2015-11-21(6)Dieser alte Turm hat uns sehr beeindruckt. Rundum ist er mit einem Gesicht geschmückt und statt einer alten Ruine erblickt man nun eben ein Kunstwerk. Sehr gelungen, wie wir fanden.image-2015-11-19(19)Es ist schön auch mal Zeit zu haben, um ein paar anderen Seiten Brasiliens entdecken zu können. Und so schauen wir den Fischern auf ihren bunten Booten zu und beobachten, das Leben am Strand.Fuball Typisch für dieses Land ist natürlich Fußball. Das Spielfeld wandert dann auch schon mal ins Wasser. Dann kann man sich gleich abkühlen, wenn es heiß hergeht. Ich bin gerne unter Locals und Brasilianern beim Fußball zu zuschauen ist immer eine riesen Freude.image-2015-11-23(1)Was wir auch häufig beobachten konnten und was nicht minder beliebt ist, sind Quadbike-Touren über den Strand oder durch die Dünen. Für mich stören sie hier allerdings die Erholungssuchenden.Fortaleza, Beach, kiteAber auch andere Sportler wie Kiter kommen an der Küste von Fortaleza voll auf ihre Kosten. Zumal der Wind hier gut steht, das Wasser Badewannenwarm ist und sich die Kiter nicht gerade drängen wie in anderen Kitehochburgen. Wir haben uns ein schattiges Plätzchen gesucht und schauen dem Treiben am Meer zu. Wie die Kiter mit dem Wind über den Ozean jagen, wie sie über Wellen springen und den tosenden Wassermassen trotzden.image-2015-11-23(1)Wer für Kiten noch nicht groß genug ist, der übt eben so lange mit einem kleinen Drachen, wie dieser Junge mit seinem selbstgebauten Spielzeug, der uns auch ins Auge gefallen ist.BeachDie Strände etwas außerhalb Fortalezas sind unter der Woche geradezu menschenleer. Wir laufen am Meer entlang, schauen den Fischern zu, spielen mit den Wellen und lassen die Seele baumeln. Und hier ist Brasilien für mich dann endlich auch mal paradiesisch.MüllAllerdings sieht es direkt hinterm Traumbeach wieder aus wie auf einer Müllkippe. Dreck und Armut kann man hier nicht ausblenden. Sie gehören untrennbar mit Brasilien zusammen.image-2015-11-19(22)Und wer diese Bilder nicht erträgt, der ist in diesem Land schlicht und einfach fehlt am Platz.image-2015-11-19(23)Ich empfehle sich den Film Trash anzusehen, denn er zeichnet das Bild Brasiliens sehr gut auf, was auch ich kennenlernen durfte und was weit weg ist von Copa Cabana Schönheiten, erolgreichen Fußballern & Skyline Metropolen. Er zeigt die harte Realität der Menschen hier. image-2015-11-23(2)So auch das der indigen Bevölkerungsschicht. Einst waren diese Ureinwohner Brasiliens ein stolzes Volk was im Einklang mit der Natur lebte. Auf Grund der Profitsucht von Rohstoffkonzernen und deren Brandrohdung, verlieren sie immer mehr ihres natürlichen Lebensraumes. nativeAnstatt in ihrer Heimat im Regenwald zu leben, verkaufen sie nun Touristennap am Strand. Ich fand man sah die Wut darüber sehr deutlich in ihren Augen und ihrer Körpersprache. Ich habe mich nicht sehr wohl gefühlt dabei,  ihnen hier weitab ihrer eigentlichen Heimat, zu begegnen. Und auch am Foto mit blauem Hintergrund statt grünem, erkennt man, dass hier etwas nicht stimmt.image-2015-11-19(17)Aber man findet in Fortaleza auch eine junge vermögende Schicht, die es sich nicht nehmen läßt mit Champangner in den Beach-Bars zu feiern. In den angesagten Locations kostet eine Flasche Champagner dann auch schon mal 200 EUR. image-2015-11-23(5)Und hier haben wir sie dann auch gefunden, die schönen Frauen Brasiliens in ihren knappen Bikinis.
image-2015-11-19(36)Mein Fazit: Fortaleza ist eine ganz typische brasilianische Stadt. Mit all ihren Problemen, Konflikten aber auch mit traumhaften Stränden, türkisblauem Meer und schönen Frauen. Allerdings würde ich nie nur wegen der Strände hierher reisen. Ich muß mich im Urlaub auch abseits des Strandes wohl fühlen und hier scheidet die Stadt ganz klar für mich aus.image-2015-11-19(18)Mein Tipp:

Wen es trotzdem nach Fortaleza zieht, gerade wegen der Strände, dem würde ich empfehlen sein Quartier in der Nähe der Strände Futoro 1 & Futoro 2 zu suchen und nicht in der Innenstadt.

image-2015-11-19(35)Außerdem lohnt sich die Anmietung eines Fahrzeuges direkt am Flughafen. Damit ist man flexibel und kann die Stadt verlassen um die wirklich schönen Plätze am Meer zu entdecken. image-2015-11-19(44)Wer Ruhe sucht sollte sich auf keinen Fall in der Innenstadt am Meer niederlassen, da ist es bis in die frühen Morgenstunden eigentlich immer belebt und laut. Auch sollte man Geruchstechnisch auf Einiges eingestellt sein. Ich habe noch nie eine Stadt erlebt, wo es derartig schlimm nach Pisse stinkt. Besonders rund um den beliebten Markt und seine Flaniermeile.image-2015-11-23(6)

Beten kann Leben retten – die erste Taxifahrt in Brasilien

„Alter, ich will heute nicht sterben. Ich bin doch grad erst hier angekommen“ So schreit es in mir, bei unser Fahrt vom Flughafen in unsere neue brasilianische Bleibe in Canaã dos Carajás. Das Taxifahrer, wenn sie nicht grad nach Taxometer bezahlt werden, es immer eilig haben ist ein weltweites Phänomen. Ich kenne auch die Helldriver aus Afrika, aber das hier ist noch mal eine Hausnummer krasser. Dann nämlich, wenn zu einem, nennen wir es gewagten Fahrstil, auch noch schlechte Straßen und Gegenverkehr dazu kommen. image-2015-08-28(2)Aber von vorne: Es ist der 08.April 2015 wir sind gerade auf dem Flughafen von Parauapebas gelandet. Die Sonne lacht durch die Wolken, es ist unglaublich schwül und unser Taxifahrer Frederico begrüßt uns überschwänglich. Er arbeitet für die Firma meines Freundes und sie kennen sich bereits. Für mich ist alles neu. Wir laden die schweren Koffer ins Auto und starten. Ich sitze auf der Rückbank und bestaune mit großen Augen meine neue „Homebase“. Für die nächsten Monate ist Brasilien nämlich meine neue Heimat. Aufgeregt war ich bis zum Landeanflug eigentlich gar nicht. Aber jetzt bin ich es, seit wir „das große Grüne“ ganz nah überflogen haben.image-2015-08-28Und jetzt sitze ich hier im Auto und sehe das erste Mal den Regenwald des Amazonas. Die Straße vom Flughafen nach Parauapebas ist gut ausgebaut und schlängelt sich durch den dichten Wald, vorbei an Baumriesen, Lianen und allerlei Gestrüpp. Weit schauen kann man allerdings nicht, zu verworren ist das wilde Dickicht. Ich vermisse direkt die Artenvielfalt die ich mit dem Amazonas Gebiet verbinde. Keine Affen, die sich von Baum zu Baum hangeln, keine bunten Vögel und keine riesigen Würgeschlangen, die auf Ästen sitzen und genüßlich vor sich herzüngeln. „Die wollen wahrscheinlich auch nicht an der Straße wohnen“ kommentiere ich selbst meine Gedanken. Immerhin das Wetter hat sich dem Klischee angepaßt, es gießt nun wie aus Eimern.image-2015-08-28(1)Wir sind inzwischen am Grenzposten angekommen. Grenzposten? Ja, denn die Ein & Austrittskontrolle die VALE hier installiert hat, hat wirklich die Anmutung einer Grenzanlage. Anscheinend befinden sich der Flughafen und wir uns auf Firmengrund des Bergbauriesen und zur „Ausreise“ müssen die Papiere gezeigt werden. Die Firma, für die auch mein Freund im Subunternehmen arbeitet, scheint hier Einfluß zu haben. Es geht weiter durch Parauapebas, einer Stadt welche die Anmutung einer abgerockten Industriestadt hat. Und was Anders ist sie ja auch nicht, als der Lebensmittelpunkt derer, die hier in der Region Arbeit gefunden haben.image-2015-08-28(6)Wir biegen auf die Verbindungsstraße nach Canaã ab und ich werde jäh aus meiner Verträumtheit gerissen. Frederico nimmt nämlich jetzt an Fahrt auf. Er tritt das Gaspedal des Taxis durch und beginnt zu rasen. Grundsätzlich mag ich es ja auch, wenn man schnell voran kommt, aber da spreche ich von deutschen Autobahnen, zweispurig und ohne Gegenverkehr. image-2015-08-28(5)Hier ist die Ausgangslage eine ganz Andere! Die Landstraße, so man sie denn als solche bezeichnen darf, ist eigentlich mehr eine Piste. Keine Randbefestigung, keine Leitpfosten und aufgebrochener Asphalt mit Löchern so groß, dass man ein Auto darin parken könnte. Die Menge & Tiefe der Schlaglöcher führt unausweichlich dazu, dass man auf der Straße einen kreativen Fahrstil an den Tag legen muß. Denn wenn man sich die Stoßdämpfer und Reifen nicht ruinieren will, dann umfährt man diese riesigen Trümmerfelder am Besten. image-2015-08-28(7)Außerdem weicht man gleich noch auf den Sandstreifen neben der Fahrbahn aus oder benutzt einfach die Gegenfahrbahn mit. Und genau hier liegt das Problem! Auf der Gegenfahrbahn sind nämlich auch Fahrzeuge. Eine Autofahrt gestaltet sich daher als Schlängelpartie zwischen entgegenkommenden PKWs, Schlaglöchern und chaotischen Mopedfahrern, die überall durch und drüber heitzen.image-2015-08-28(3)Von einer kleinen Kuppe die wir gerade hinaufgefahren sind, können wir hinab auf den Straßenverlauf schauen und noch im gleichen Moment stellen sich mir von den Füßen aufwärts alle Haare zu Berge! Himmel hilf! Rechts und links wird überholt, auf die Gegenfahrbahn wird ausgewichen, die LKWs preschen an einem vorbei als seien sie allem Gegenüber erhaben und dazu wirbelt der Staub durch die Luft. Selbst ein vernünftiger Fahrstil ist hier ein Risiko! Ich will mir gar nicht ausmalen, was passiert wenn hier mal einer kein Glück hat, grad noch irgendwo dran vorbei geschrammt zu sein.image-2015-08-28(4)Ich bekomme Beklemmung, denn Frederico scheint nicht zu ahnen, was sein Fahrstil und diese chaotische Straße bei mir auslöst. Mein Herz pochert wie wild und meine Gedankenn kreisen. Er rast! Verdammt er rast diese besch*** Straße entlang. Auch wenn er sich auskennt, er kann schlicht nicht allen Schlaglöchern ausweichen, er bedenkt nicht, dass der LKW den er grad überholt plötzlich auch ausweicht uns abdrängt. Alles im Auto vibriert, klappert und ich klammere mich an den Griff über mir. Jeder Schlag tut nicht nur den Stoßdämpfern weh, sondern auch ich nehme den Schmerz im Rücken persönlich. Ich hab jetzt nicht nur Beklemmung, ich habe noch dazu auch Wutpochern in meinem Kopf.


Wieder setzt Frederico zum Überholvorgang an und ich frag mich, ob er des Wahnsinns ist! 4 Personen mit 8 schweren Reisegepäckstücken befördert er, da kann man nicht vor der Bergkuppe einen langen LKW überholen. Wir sind viel zu träge und der Wagen ist kein SUV mit unendlich Horsepower! Im Gegenteil! Gedanklich schreie ich ihn an: „Alter bist Du irre?!“ Ich will hier jetzt ganz sicher nicht sterben! Ich bin grad erst angekommen.“ Ich atme tief durch und ringe nach Fassung: „Könntest du ihm bitte sagen, dass er nicht so schnell und vernünftig fahren soll?“ – hauche ich meinen Freund in zuckersüßem Ton zu.


Frederico bremst kurz darauf ab. Der Verkehr bleibt trotzdem chaotisch, das Gewirr auf der Straße gleicht einem Ameisenhaufen! Es ist absolut chaotisch, aber irgendwie scheinen die Schutzengel hier einen verdammt guten Job zu machen. Zumindest sieht man keine verunfallten Fahrzeuge. Das wäre bei dem starken Verkehrsaufkommen wahrscheinlich gleich eine Massenkarambolage!

Und es bleibt auch dabei, bei jedem Überholmanöver steigt mein Herzinfarksrisiko und nach jedem geglückten Ausweichmanöver durchzieht mich ein kaltwarmer Schauer. Irgendwie muss ich diese Stunde Autofahrt überstehen. Ich zwinge mich dazu, nicht mehr auf die Straße zu sehen. Eine Hand umklammert den Sitz, die andere tippelt nervös auf dem Smartphone rum. Immer wieder spüre ich die Schlaglöcher im Rücken, höre Reifenquitschen oder die dumpfen Töne der Stoßdämpfer. Nicht nur die von unserem Taxi!image-2015-08-28(8)„Lieber Gott, wenn Du da draußen bist und mich hörst, bitte bring uns heil an. Der ganze Aufwand mit Jobkündigen, Wohnungauflösen & Umziehen  wären sonst ja völlig umsonst gewesen, das kann nicht in deinem Sinne sein.“ Beten hilft, da bin ich mir sicher. Besonders in solchen Situationen. Eine weitere halbe Stunde leide ich stumm vor mich hin, bis wir endlich in Canaã ankommen. Körperlich unversehrt, aber vergessen werde ich diese Taxifahrt wohl mein ganzes Leben nicht!

#infoIch möchte hier noch sagen, dass Frederico ein echt netter Kerl ist und er wahrscheinlich nur einen schlechten Tag hatte. Ich habe ihn in den letzten Monaten sehr gern gewonnen, wir hatten einfach nur einen „holprigen“ Start. Die Straße von Canaã dos Carajás nach Parauapebas befindet sich derzeit in Reperatur und sollte demnächst sicher befahrbar sein. Stand 28.08.2014

Die Bilder und Videos sind im Nachgang und mit unserem Auto aufgenommen worden, nur das Regenwaldbild aus dem Flieger und das von Frederico am Steuer sind Zeitzeugen. Nur so ließ sich am Besten bebildern, wie es auf der Strecke oder auf den Straßen hier so aussieht. Die Videos sind an einem Sonntag entstanden, wo nur in etwa 1/3 des normalen Verkehrs unterwegs ist. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie chaotisch es abläuft, wenn wochentags die Straßen voll sind.

S11D – die Lebensader von Canaã dos Carajás

„S11D“ – klingt erst mal abstrakt, dabei ist es die Lebensader von Canaã dos Carajás, der Stadt in der wir jetzt leben. Um genau zu sein, ist es ist das größte Eisenerz-Minen-Projekt in der Welt und wird auch als „Serra Sul“ bezeichnet. Die Mine ist ein offener Tagebau und liegt in der Bergbauregion „Serra dos Carajás“ im Bundesstaat Pará im Norden Brasiliens und damit am äußeren Rand des Amazonas Gebietes. Mit geschätzten 17 Milliarden Tonnen Bänder-Eisenerz verfügt der Standort über eine der weltweit reichsten Eisenerzlagerstätten.image-2015-08-25(1)Minenbetreiber ist das Bergbauunternehmen VALE, eines der drittgrößten Unternehmen in diesem Segment. Mit einem Marktanteil von 35 Prozent ist die Firma sogar der größte Eisenerz-Exporteur der Welt. Mit einem Investitionsvolumen von 19.5 Billion Dollar wird die neue Mine erschlossen. Diese Investition von VALE ist die größte private Investion in Brasilien in dieser Dekade. S11D soll im Jahr 2016 seine Arbeit aufnehmen. Angestrebt ist der Abbau von 90 Millionen Tonnen pro Jahr, von einem der reinsten Eisenerze der Welt.

image-2015-08-25S11D – Kritiker bezeichnen das Projekt als politisches Dilemma.

Rohstoffe wie Gold, Diamanten und Eisenerze sind die Lebensader für Brasiliens blasse Wirtschaft. Gleichzeitig steht das Land aber unter enormem internationalem Druck seine natürlichen Ressourcen & den Regenwald zu schonen. Solange der Tourismus in Brasilien mit etwa 0,5 % des Bruttosozialprodukts kein wirklich wichtiger Faktor ist, wird das Wohl der Menschen wahrscheinlich immer zu Lasten der Umwelt fallen. image-2015-08-25(4)VALE ist jedoch an der Entwicklung eines nachhaltigen Bergwerks im Amazonas sehr starkt interssiert, da sich zunehmend Unmut auch in der eigenen Bevölkerung ausbreitet. Dieser richtet sich gegen die Umweltverschmutzung und die gravierende Zerstörung des Regenwaldes, aber auch Menschenrechtsverletzungen waren in der Vergangenheit ein Thema.image-2015-08-25(3)Ein moderner Bergbaubetrieb muss wirtschaftliche, soziale, ökologische und technische Aspekte berücksichtigen, das weiß man auch bei VALE. Aus diesem Aspekt heraus, hat die Firma ABB einen 140 Mio Dollar Auftrag bekommen, die Fördertechniken zu automatisieren. Diesen Prozess bezeichnet man mit „truckless mining“. An der Installation dieser neuen Förderanlagen arbeitet mein Freund. Seine Firma ist für den Transport und den Aufbau der Verarbeitungsanlagen (Module) an ihrem Bestimmungsort zuständig.image-2015-08-25(7)Die „Module“ (riesige Stahlkonstruktionen) sind das Herzstück der neuen Mine. Über modernste Förderbänder werden sie mit den Rohstoffen beliefert, die sie dann aufbereiten und auf Züge verladen. Durch die Verwendung der Förder- und Verarbeitungsanlagen vor Ort, kann der riesenhafte Einsatz an Trucks und der Ausstoß an CO2 Abgasen drastisch vermindert werden. In diesem Zusammenhang verwendet die Branche den Begriff „Truckless transportation“ – was eine der Hauptforderungen des IPPC (Intergovernmental Panel on Climate Change) für die neue Mine war. Das Unternehmen plant 3% weniger Wasser zu verbrauchen, 77% weniger Treibstoff and 50% weniger Emissionen zu verursachen.image-2015-08-25(5)VALE hat außerdem seine Verantwortung erkannt und arbeitet eng mit den Gemeinden der Region und der Regierung zusammen. Infolgedessen investiert das Unternehmen in gemeinschaftliche Beziehungen, in soziale Initiativen und Infrastrukturprogramme. Lokale Arbeitskräfte werden qualifiziert und Unternehmertum gefördert. image-2015-08-25(8)Und das alles ist auch für Außenstehende wie mich sichtbar. Medizinische Einrichtungen, Supermärkte & Apotheken haben sich auf die VALE Karte spezialisiert, die Mitarbeitern Vergünstigungen bietet. Der Straßen- und Wohnungsbau wird voran getrieben und es gibt unzählige Schulungs- & Trainingscenter. Auch die Jobvergabecenter sind hier vor Ort angesiedelt. Soweit uns bekannt ist, verdienen die Mitarbeiter bedeutend besser, als der Durchnittsbrasilianer. image-2015-08-25(9)Der Bergbau ist die Lebensader der Region. Canaã dos Carajás ist eine der am schnellsten wachsenden Städte des Landes. Waren es im Jahr 2000 noch 10.000 Einwohner so sind es jetzt bereits 52.000. Auch für die, die nicht in der Mine beschäftigt sind, ist der Bergbau ein Jobmotor. 30.000 Arbeitsplätze hängen an S11D und damit eine enorme Wirtschaftskraft. Das kommt lokalen Geschäften, der Wohnungsbaubranche, der Hotellerie und der Gastronomie zu Gute.image-2015-08-25(10)Bei allem Nutzen für die Menschen in der Region hoffe ich, dass sowohl VALE als auch die Menschen hier, sich ihrer Verantwortung dem Lebensraum „Amazonas“ gegenüber bewußt sind. Das erkannt wird, dass Wohlstand sehr wohl auch mit Natur und Umweltschutz einher gehen kann. Und das ein intaktes Ökosystem auch die Lebensqualität der Menschen steigert.

 

Feuer Teil 2! Ich würde jetzt gerne packen und gehen

10 Uhr morgens ich sitze am Rechner und schreibe die Geschehnisse vom Feuer am letzten Morgen auf, als ich es verdächtig knistern höre. Ich eile zum Fenster und behalte mit meiner Vermutung recht, es brennt schon wieder! Neben unserem Haus ist eine Freifläche und die wird gerade munter in Brand gesetzt. Am Wegrand bewegt sich ein Mann vorwärts und entzündet alle paar Meter das Gras. „Normal“ hier in Canaá dos Carajas und das obwohl es gegen das Gesetz des Landes verstößt. Aber wo kein Richter…image-2015-08-20(4)Ich schaue mir die Lage an. Feuer und Gegenfeuer flackern da auf. Die Hautstraße ist eingehüllt in dichten Rauch. Auf dem Dach des Neubaus gegenüber nutzt man den Brand gleich noch, um Baureste zu verbrennen. Munter wird der Dreck von oben in die Flammen geworfen und laute Pfiffe dienen der Erheiterung. Ich kann es gar nicht lustig finden, denn ich sehe Dinge kommen, die die Herrschaften da nicht bedacht haben. Denn die in brandgesetzte Fläche hat „Anschluß“ an die hinter unserem Haus. Das bemerken jetzt auch die Brandschatzer. Mit 2 Eimern Wasser wird noch versucht, das Feuer zu löschen. Aber es ist längst zu spät, die Flammen haben sich schon viel zu tief ins Dickicht gefressen.image-2015-08-20(5)Ich laufe in der Wohnung umher, sammle wieder unsere Pässe und Kameras ein, stopfe alles in meinen kleinen Rucksack und renne die Treppen hinunter. „Fuego, Fuego“ gebe ich dem Nachbarn zu verstehen, mit dem wir schon am Montag das Feuer bekämpft haben. Ich laufe weiter zu dem kleinen Häuschen neben uns, informiere die Geschäftsläute der Läden in Front und laufe in den Hinterhof. Oi, Oi, Feugo! Gebe ich der Nachbarin zu versehen und deute über ihr Nebengebäude. Sie sieht den dichten Rauch und verständigt sofort weitere Nachbarn.

Inzwischen ist das Feuer auch wieder an unserem Hinterhof angekommen. Ich laufe noch mal hoch, um weitere Sachen einzupacken. Von oben sehe ich, wie der Nachbar mit dem Rücken zur Hauswand steht und mit dem Gartenschlauch gegen die Flammen und dichten Rauch kämpft. Ich bete in diesem Moment für ihn, dass er sich nicht noch eine Rauchvergiftung einfängt.

Ich laufe wieder nach unten. Der Rauch zieht wie durch ein Kaminrohr angezogen durch den Flur und im ganzen Haus riecht es verkohlt. An der Mauer des Innehofes gelehnt steht die Leiter auf der der Nachbar versucht die Flammen vom Gemäuer abzuhalten. Wie schon am Montag bekämpft er das Feuer mit seinem Gartenschlauch. Außerdem wurde ein Gegenfeuer gelegt. Was allerdings nicht gerade zu meiner Beruhigung beiträgt.

Auch die Nachbarn auf der anderen Seite der kleinen Senke sind jetzt aufmerksam geworden und ziehen alte Bretter aus der Gefahrenzone, um Schlimmeres zu vermeiden. Das Feuer frißt sich derweil immer weiter durch das Dickicht. Die ausgedöhrten Grashalme sind ein idealer Nährboden.

Ich höre Mäuse quiken die vergebens versuchen, dem Inferno zu entkommen und ich sehe Vögel über den Nestern ihrer Jungen kreisen. Immer wieder versuchen sie die Kleinen zur Flucht zu animieren, aber sie sind noch nicht flügge. Ich beobachte die Taube, deren Nachwuchs wir neulich mit Wasser versorgt haben. Auch sie kreist hilflos immer wieder über das Nest. Entsetzlich die Vorstellung, dass da grad Tiere bei lebendigem Leibe verbrennen. Es mögen nur Vögel und Mäuse sein, aber es sind auch Lebewesen, die ein Recht auf Existens haben. In mir steigt Wut auf und ich fühle die Ohnmacht, die mich umgibt. Ich kann mich jetzt nicht ins Dickicht wagen ohne Gummistiefel und Machete. Erst Recht nicht, wenn es von allen Seiten brennt. Es bricht mir das Herz, das miterleben zu müssen.

Ich bin so wütend! So unglaublich wütend auf diese dummen Menschen, die dieses Feuer gelegt haben. Von wegen „kontrolliertes Abbrennen“ – als sie begriffen haben, dass sie die Kontrolle verloren hatten, haben sie sich ganz schnell aus dem Staub gemacht. Sie haben nicht Bescheid gesagt. Sie haben nicht geholfen zu löschen. Sie haben nicht die Feuerwehr gerufen. In Deutschland würde man dafür in den Knast wandern, da bin ich mir sicher.

Die Menschen hier haben schon nicht viel, aber das wenige dann auch noch bei einem Feuer zu verlieren, stelle ich mir schrecklich vor. Zumal hier sicherlich niemand versichert ist, wie in Deutschland. Die, die das Feuer gelegt haben, sollten dann doch wissen, welches Unglück sie über die Betroffenen bringen? Aber nein, man denkt hier nicht vorausschauend und schon gar nicht an seine Mitmenschen.

Wäre mir das Knistern entgangen, hätte ich die Nachbarn nicht noch rechtzeitig gewarnt, dann hätten die Flammen wahrscheinlich das Nebengebäude erfaßt und danach wahrscheinlich auch unser Haus. Wie kann man so verdammt rücksichtslos und ignorant sein. Es will mir nicht in den Kopf. Was ist denn, wenn der Nachbar heute Nacht stirbt, weil er sich unbemerkt eine Rauchvergiftung zugezogen hat? Er stand minutenlang im dichten Qualm? Wer versorgt dann Frau und Kind? Mir gehen so viele Dinge durch den Kopf und ich kann dieses Handeln beim besten Willen nicht begreifen.image-2015-08-20(2)Eigentlich würde ich jetzt gerne Daniels und meinen Koffer packen und gehen. Wir haben Unfälle und Verfolgungsjagden mitbekommen, aber da es uns nicht direkt betroffen hat, konnten wir damit leben. So ein Feuer aber an unserem Haus, das betrifft uns und macht mir Angst.image-2015-08-20(7)

Willkommen in Canaã dos Carajás – unserem „Paradies“

Mein Freund sagt immer: „Schatz, ich weiß gar nicht was Du hast. Es hat immer gutes Wetter, Sonnenschein & Palmen – es muss das Paradies sein!“ Nun, wenn man es nur darauf reduziert, dann hat er wohl Recht.Bildschirmfoto 2015-08-03 um 13.16.34Vor knapp 4 Monaten bin ich ihm, in die vielleicht häßlichste Stadt Brasiliens gefolgt und „Paradies“ ist inzwischen ein Running-Gag zwischen uns. Denn wann immer einer von uns genervt ist, beruhigen wir mit dem „Paradies„-Spruch.

Und hier liegt Canaã dos Carajás, was wir lieber als „Homebase“, anstatt als neue Heimat bezeichnen:Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.10.25Der Bundesstaat heißt: Pará und der Teil, in dem wir leben, gehört eigentlich noch zum Amazonas. Allerdings sieht man davon nicht mehr viel. Der Regenwald, wie es ihn hier ursprünglich einmal gab, mußte weichen. Entstanden sind riesige, grüne Weideflächen.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.30.41Das Holz des Regenwaldes ist wertvoll, die Erze im Boden haben einen Milliarden schweren Wert und der Mensch tut sein Übriges durch seine Ausbreitung. Noch immer und täglich fallen große Flächen der Brandrodung zum Opfer, damit Viehwirtschaft betrieben werden kann, neue Siedlungen entstehen oder Platz für Minen geschaffen wird.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.22.35Viehwirtschaft & die Mine dominieren hier die Landschaft und bieten die meiste Arbeit für die Menschen hier.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.30.16VALE -der Minenbetreiber- ist auch der größte Arbeitgeber in der gesamten Region. Zehntausende Jobs hängen allein an der Entstehung der neuen Mine. Das Projekt nennt sich S11D. An ihm arbeitet auch mein Freund für eine große Kranfirma.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.39.06Die Stadt selbst ist innerhalb nur weniger Jahre beachtlich gewachsen und hat mit dem Ansturm auf Arbeitsplätze gar nicht mithalten können. Und das ist wahrscheinlich auch genau der Grund, warum die Brasilianer selbst sagen, es sei die häßlichste Stadt des Landes.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.10.43Im Hotel Canaá haben wir die ersten 2 Monate gelebt. Ein sehr hübsches Hotel & wir haben uns sehr wohl gefühlt. Aber auf Dauer sind 16qm für zwei Personen schon eine Herausforderung. Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.56.50Mitte Juni sind wir dann in ein eigenes Apartment umgezogen. Unsere Wohnung ist im dritten Stock. Das Haus liegt direkt an der Hauptverkehrsstraße. Und man sieht hier schon sehr deutlich, was das so mit sich bringt… Müll & viel Verkehr. Denn jeder Minenabeiter kommt hier vorbei. Wir sind trotzdem happy, dass wir eine moderne, komfortable Bleibe gefunden haben und nun endlich auch viel mehr Platz & einen Balkon haben.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.58.32Die Hauptverkehrststraße ist Lebensader der Stadt.

Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.04.31Wie überall gibt es kleine Geschäfte, Bars und Restaurants.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.53.30 Menschen, die nicht in der Mine Arbeit gefunden haben, besitzen oft ihr eigenes Geschäft – manchmal auch auf 2-4 Rädern. Meist werden Lebensmittel, Eis oder Handyzubehör verkauft.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.53.49Das ist der Platz, an dem die Busse in die nächst größeren Orte wie Parauapebas oder Marabá starten.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.05.25In der Mitte ist die Hauptverkehrsstraße durch einen Grünstreifen getrennt. Er ist Treffpunkt, Marktplatz und auch Spielplatz. Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.05.07Für viele Menschen aber auch ihr Lebensmittelpunkt.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.54.05Natürlich gibt es morderne Läden, aber auch das gehört zum normalen Stadtbild.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.58.58Wer hat Lust, hier auszugehen? Ich meistens nicht. Billiard ist allerdings neben Fußball das zweitliebste Hobby, der Männer hier.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.52.10In der Regenzeit wird die Stadt regelmäßig geflutet. Schade, dass man bei neuen Straßen nicht an Gullis und Kanalisation gedacht hat. Am Ende der Straße, sammelt sich dann das Wasser, unterspühlt sie und bildet riesige Löcher. Die neue Straße ist damit schon wieder nichts mehr wert.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.51.07Richtig übel ist es dann, auf den nicht geteerten Nebenstraßen. Kein Spaß wenn man da mit Moped oder Fahrrad durch muß, wie ein großer Teil der Bevölkerung … und ich!Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.50.54Autowaschanlagen wie diese gibt es daher wie Sand am Meer. Warum noch Niemand auf die Idee kam, eine moderne Anlage hier hinzusetzen, erschließt sich mir nicht. Allerdings sichert es so natürlich mehr Menschen ein Einkommen, vielleicht liegt es daran.

Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.53.12Es wird unheimlich viel neu und gut gebaut. Trotzdem sind Holzhütten mit Lehmboden hier ganz normale Wohnhäuser.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.58.16 Von sowas wird mir regelmäßig schlecht, wenn ich durch die Stadt laufe.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.06.11Und so sieht es zwischen den einzelnen Häusern aus. Ich werde nie verstehen, warum die Menschen in ihrem eigenen Dreck leben, anstatt auf Sauberkeit zu achten.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.07.50Apropo Dreck. Mit dem hab ich ich so meine größten Probleme. Der braune Sand ist immer und überall. Man kann nicht aus dem Haus gehen, ohne sich dreckig zu machen. Wer ein Hygienefanatiker ist, der würde hier nur im Quarantäne-Anzug rumlaufen.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.52.30Brasilianer mögen es laut. Sehr laut. Wer am Lautesten ist, der bekommt die Aufmerksamkeit & Kundschaft. Da wo es laut ist, da geht man auch hin zum Tanzen, Einkaufen oder Fußball schauen. Ja, sogar auf die Kirchen trifft das zu. Entsprechend hat jeder der etwas auf sich hält, seinen Kofferraum komplett mit Lautsprecherboxen ausgebaut und wummert duch den Ort. Optional wird man noch durch Werbefahrzeuge dauerbeschallt. Den ganzen Tag cruisen sie im Schritttempo mit donnernden Boxen herum und verkünden die frohe Botschaft. Mich nervts als Bewohner, aber die, die damit rumfahren, müssen doch komplett gaga sein, zum Feierabend… Ohrenstöbsel benutzen sie jedenfalls nicht, das hab ich überprüft.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.00.03Und das bricht mir jedes Mal das Herz: Die Hunde und Katzen, die unter erbärmlichsten Umständen versuchen, auf der Straße zu überleben. Ich tue meinen Teil, aber ich kann nicht alle füttern, verarzten oder retten.Bildschirmfoto 2015-07-31 um 17.09.08Das ist ein beliebter Treffpunkt. Am Wochenende ist da alles voll mit Menschen. Die Stadt hat außer einer Disco, den üblichen Bars & Fußballplätzen eigentlich keinerlei Freizeiteinrichtungen. Kein Kino, kein Schwimmbad, keinen Park – nichts.
Bildschirmfoto 2015-07-31 um 16.54.28Aber es gibt auch schöne Dinge hier! Und das sind in der Hauptsache die Menschen. Ich mag ihr Lächeln, die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft. Dinge, die ich in Deutschland immer schmerzlich vermisse.

Wir haben die ActionCam aufs Dach getan und einfach mal gefilmt wie es hier aussieht. Also, macht Euch ein #liveBild!

Küste wird überbewertet. Riverbeach in Marabá kann was!

Sommerliche Temperaturen um die 30ig Grad haben wir hier eigentlich das ganze Jahr und bei über 90% Luftfeuchte, läßt es sich auch ordentlich schwitzen. Was Canaá dos Carajas nicht hat, ist ein Platz am Meer. Nicht mal ein Platz am See. Sehr schade. Denn gerade in Brasilien, wo es hitzig zugeht und man gerne Kurven zeigt, wünscht man sich einen Ort zum Abkühlen. Und ein wenig auch zum Schauen.

Aber, wenn man schon im „Paradies“ lebt, kann man eben nicht auch noch Me(h)er erwarten. Also haben wir uns aufgemacht etwas Neues für uns zu entdecken. Unsere wilde Fahrt führt uns nach Marabá, denn hier und das hatten wir gehört, soll es einen Strand geben! Kein Meer, aber einen Fluß, der zur Trockenzeit eine phatastische Insel frei gibt. Nach „nur“ 3h Fahrt mit allerhand Schlaglöchern hatten wir unser Ziel erreicht.

Allerdings erinnerte mich die Szenerie mit den kleinen Booten eher an asiatische Länder als an Brasilien.

Bildschirmfoto 2015-08-08 um 15.18.03Mit so einer kleinen Jolle sind wir von der Uferpromenade zur Insel übergesetzt.
Allein die Überfahrt war entzückend!Bildschirmfoto 2015-08-08 um 15.17.49Und was uns dort erwartet hat, war erst Recht der Knaller!
Bildschirmfoto 2015-08-08 um 15.37.56Strohütten, wehende Flaggen, einladende Hängematten und bunte Drachen. Dazu quirliges Familienleben, Badespaß und Beachlife pur!Bildschirmfoto 2015-08-08 um 15.38.32Kinder gehören in Brasilien einfach dazu. Und weil das Wasser so angenehm warm ist, packt man auch gleich Tisch & Stühle mit in den Fluß.Bildschirmfoto 2015-08-08 um 15.52.48Macht ja Sinn! Genauso wie die Kühlbox, damit man das Leben so richtig genießen kann.
Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.03.08Und auch so läßt es sich wunderbar aushalten!Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.16.47Verpflegung gibt es selbstverständlich direkt am Strand. Frisches Obst wird sogar bis an den Tisch im Fluß gebracht.Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.18.10 Dieser Händler verkauft Käsespieße, die er im eigens dafür entwickelten Grill heiß macht. Clever!Bildschirmfoto 2015-08-08 um 17.41.18Auf Naschereien muß hier auch Niemand verzichten.
Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.32.49Als wir uns nach Essensständen erkundigen, werden wir direkt von einer brasilianischen Familie adoptiert! Kind auf den Schoß, Bier auf den Tisch und Essen wird uns auch angeboten. So herzig. „Eigentlich ist das hier für unsere Familie, aber hey, dann seit ihr jetzt Familie.“ Ich glaube man ist stolz „alemão“ Gäste zu haben. Jeder will ein Bild mit uns und wir genießen den „kulturellen“ Austausch, auch wenn wir nur ein paar Brocken portugiesisch auf Lager haben.Riverbeach MarabaDer Strand ist bevölkert von Händlern, egal ob man bunte Armbändchen will, oder….Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.20.00…ein neues Spielzeug.Bildschirmfoto 2015-08-08 um 17.27.55Oder zwei, drei…
Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.02.54Super funktioniert hier auch Drachensteigen lassen! Daran haben brasilianische Kinder überhaupt sehr viel Freude. Das beobachte ich auch in Canaá sehr häufig.
;araba Lautspecher BeatboxNa und laute Musik, darf natürlich auch nich fehlen. Wie „gewöhnt“ sie daran sind, sieht man hier. Man kann auch vor den größten Beat-Wummern noch friedlich schlafen.Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.20.39Aber in der Hauptsache geht es natürlich um´s Badevergügen.Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.21.38Ok, das war gelogen! Wir sind ja in Brasilien, da geht es natürlich auch um Körperkult;) Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.21.04Ja, das ist ein Bikini. Der wohl knappeste, den ich je gesehen habe. Aber hey, die Frau hat Ausstrahlung und Selbstbewußtsein und das macht sexy!
Das vergessen nur die Meisten. Hätte sie einen schwarzen Badeanzug an, wäre sie nie Jemandem aufgefallen. So aber, war sie der Hingucker schlechthin und ich bin mir sehr sicher, dass der ein oder andere Herr Gefallen gefunden hat.
Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.18.54Und so genießt eben jeder auf seine Weise!Bildschirmfoto 2015-08-08 um 16.16.31Für die Sicherheit ist natürlich auch gesorgt. Baywatch ist watching you! Und auch wenn ihr euch jetzt Sorgen macht, dass der Rettungsschwimmer wegen mir abgelenkt war und das Mädchen grad nebendran ertrinkt…. keine Sorge… er hatte zu jeder Zeit alles unter Kontrolle!
Bildschirmfoto 2015-08-08 um 17.42.41Wie überall auf der Welt, liebt auch der Brasilianer Selfies. Und für diese Verliebtheit gibt es kein besseres Tool als einen Selfie-Stick.Bildschirmfoto 2015-08-08 um 17.42.57Immer und überall ist grad jemand beschäftigt sich in Pose zu setzen.Bildschirmfoto 2015-08-08 um 17.42.30Sogar beim Knutschen! Aus der Ferne betrachtet dachte ich zunächst sie zeigt einem Anderen den Finger. Bis ich mal rangezoomt habe!
Bildschirmfoto 2015-08-08 um 17.57.45Zum Sonnenuntergang hatten wir die Insel mit dem Boot wieder verlassen und sind zur Uferpromenade zurück gekehrt.Bildschirmfoto 2015-08-08 um 18.04.36An der sich jetzt alle zu treffen schienen…
Bildschirmfoto 2015-08-08 um 17.55.04… um die letzten Sonnenstrahlen zu erhaschen und das warme Licht zu genießen. Bildschirmfoto 2015-08-08 um 18.01.56Für uns war der Tag definitiv ein Highlight. Und als Fazit läßt sich ganz klar sagen:
Wer braucht da noch ein Meer, wenn er einen solchen Stadtstrand haben kann?
So ein Fluß ist eine echte Alternative! Also dann:

#get up & rock

PS: Hier noch was zum Lachen für Euch!

#info

Marabá liegt im nördlichen Teil Brasiliens und ist die viertgrößte Stadt in der Region Pará. Sie liegt rund 500 km südlich von Belém und hat rund 230.000 Einwohner. Marabá befindet sich am Ufer des Rio Tocantins bei der Einmündung des Rio Itacaiúnas und ist auch per Flugzeug erreichbar. Die Stadt ist sicherlich keine touristische Perle. Wer trotzdem hier landet, sollte sich diesen Stadtstrand jedoch nicht entgehen lassen. Am Bootsanleger besteht die Möglichkeit sein Fahrzeug auf einem bewachten Parkplatz abzustellen. Die Bootsfahrt hat uns rund 6 Real pro Strecke und Person gekostet. Das sind umgerechnet etwa 2 EUR. Auf der „Insel“ gibt es Essensstände und an der Promenade Restaurants. Taxis waren nicht so leicht zu finden, man sollte sich vorab die Rufnummer notieren, wenn man diesen Service nutzen will. Wir haben uns sehr sicher, wohl und willkommen gefühlt.

Die Region rund um Canaã dos Carajás in Pará, Brasilien

In und um Canaã dos Carajás in der Region Pará:

Bildschirmfoto 2015-07-24 um 18.25.29Untrennbar verbunden mit Brasilien: Fußball & PapageienBildschirmfoto 2015-07-24 um 18.33.04Toll finde ich hier die Menschen. Besonders, wenn sie so charaktergezeichnet sind, wie dieser Herr.

Bildschirmfoto 2015-07-24 um 18.30.13Die Region war einst Regenwald. Dieser mußte aber Minen und der Landwirtschaft weichen. Große Farmen und Rinderhaltung dominieren jetzt die Landschaft.

Bildschirmfoto 2015-07-24 um 18.33.49Brazilien ist unbestritten auch das Land der Flip Flops. In tausend Farben, Variationen und Designs gibt es die hier. Echt famos!Bildschirmfoto 2015-07-24 um 18.32.32Schönheit, kennt kein Alter. Man achte bitte auf die Schuhe!

Bildschirmfoto 2015-07-24 um 18.30.28Typisch für das Stadtbild in Canaã sind auch immer noch Pferdekutschen, Kühe und Esel!

Bildschirmfoto 2015-07-24 um 18.46.53Hier wie überall auf der Welt, man hängt am Smartphone. Man beachte die Schuhe.Bildschirmfoto 2015-07-24 um 18.57.16Glückliche Schweine gibts hier auch. Die haben sogar eigene, naturbelassene Planschbecken.Bildschirmfoto 2015-07-24 um 19.10.28So mag ich das! Viel wunderbare Natur. Nur sehen das so viele Brasilianier nicht und schützen diese nicht.Bildschirmfoto 2015-07-24 um 19.15.43Großwild wie in Africa sucht man hier vergebens. Da freut man sich auch schon mal über einen Frosch, aber nicht anfassen – giftig!Bildschirmfoto 2015-07-24 um 19.11.17Tolle rote Straße – könnte man denken. Aber stellt Euch die mal bei dem Regen. Und vor allem bei den Massen an Reigen, die hier je nach Saison runter kommen.Bildschirmfoto 2015-07-24 um 19.11.45Ein Baumriese. Der hatte früher mal Brüder & Schwestern. Jetzt steht der da alleine, dank Brandrodung & Co.Bildschirmfoto 2015-07-24 um 19.25.06Also ich sehe 6 Papageien, vielleicht auch 7 und ihr? Ok, über den Letzten lasse ich mit mir streiten.Bildschirmfoto 2015-07-24 um 19.45.02Zugegeben, es gibt auch moderne Tankstellen, aber die machen doch nicht halb so viel her, wie dieses Exemplar!
Bildschirmfoto 2015-07-24 um 19.51.21Mein Lieblings-Goucho! Eigentlich trifft der Begriff es nicht richtig, aber ich nenne ihn so. Sieht er nicht sympatisch aus unser Kneipier?Bildschirmfoto 2015-07-24 um 19.26.45Ein blauer Arara, wie die Tiere hier genannt werden. In Europa bezeichnen wir diese Vögel als Aras. Wunderschöne Geschöpfe!

Bildschirmfoto 2015-07-24 um 19.45.58Gang of three;)Bildschirmfoto 2015-07-24 um 20.03.05Schlaglochralley. Und leider Alltag auf den Straßen rund um den Ort.Bildschirmfoto 2015-07-24 um 20.01.45Ach guck, ein Esel!Bildschirmfoto 2015-07-24 um 20.01.33Ein Lehmhüttendorf.Bildschirmfoto 2015-07-24 um 20.00.54Klasse oder? Eine sich windende rote Straße, eingerahmt in saftiges Grün.Bildschirmfoto 2015-07-24 um 19.44.36Und noch ein Vogel! Sehr anmutiges Tier, findet Ihr nicht auch?
Bildschirmfoto 2015-07-24 um 20.22.39Wegen ihnen gibt es so viele Cowboys hier! Yihaaaa!Bildschirmfoto 2015-07-24 um 20.20.10Es macht zugegeben sehr viel Spaß die Gravel Roads lang zu fahren… es staubt so schön!

Wie gefällt dir Canaã dos Carajás? Schreib mir ich bin gespannt!