Warum du reisen solltest, um ein besserer Mensch zu werden

Sei mal ehrlich, wann hat dich ein Tag vorm Fernseher und auf der Couch zum Guten hin verändert? Wann hat dich eine TV-Episode dermaßen geprägt, dass es dein ganzes ICH beeinflusst hat? Ich möchte behauten, noch nie. Denn was uns prägt, sind Erfahrungen und zwar ausschließlich die, die wir selbst gemacht haben und nicht, die wie wir uns irgendwo angeschaut haben. Klar, kann man auch im TV etwas lernen, aber wirklich verinnerlicht hat man es dann nicht. Man kann dir erklären, wie sich eine heiße Herdplatte anfühlt, aber nur wenn du es wirklich gespürt hast, wirst du die Lektion verstanden haben und deine Hand nicht mehr darauf tun.

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Und deshalb sage ich, dass Reisen dich in einer Weise prägen, verändern und weiterbringen wird, wie es kein Buch, keine Uni und erst Recht keine Zeit vorm TV je tun wird. Geh raus und lebe, fahr weg und begegne, sei unterwegs und erfahre. Man kann dir viel erzählen über andere Lebensweisen, aber wenn du sie nie selbst erfahren hast, wie sollst du wirklich verstehen, was es bedeutet in einem anderen Kulturkreis aufgewachsen zu sein? Wie willst du einer Lebensart tollerant gegenüberstehen, wenn du sie nie verstanden hast? Wie willst du eine Religion akzeptieren, wenn du nie wirklich erlebt hast, wie sie von den Menschen gelebt wird? Wie willst du jemals anerkennen, wie wichtig ein intakter Lebensraum für uns alle ist, wenn du nie draußen bist und die Zusammenhänge in der Natur begreifst?

IMG_1234Ich kann mich an mein Leben zwischen zwanzig und dreißig eigentlich nicht erinnern. Ich war ein Couch Potatoe, verbrachte meine Zeit vorm TV und auf dem Sofa. Mein Leben rauschte an mir vorbei. Ich weiß heute nicht mehr, was sich in dieser Zeit abgespielt hat. Klar ein paar Stationen im Job sind in Erinnerung geblieben, aber daneben eigentlich nichts. Und damit bin ich nicht alleine. So viele Menschen schalten schon am Morgen zum Frühstück den Fernseher ein und manchmal sogar nicht mal zum Schlafengehen aus. Wie viele wissen noch, was vor einem Jahr, am Sonntag um 17 Uhr im TV lief? Welche Serie, welcher Film, welche Talentshow einen gerade vom Leben abgelenkt hat? Wohl kaum Jemand und genau das ist das Fatale. Oder um es mit Alexander von Humboldt zu untermauern: „Die gefährlichste aller Weltanschauungen ist die der Leute, welche die Welt nie angeschaut haben.“

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Seit ich meine Couch verlassen habe und in die Welt hinaus gehe, hat sich alles verändert. Ich reise und erlebe. Ich erfahre die Welt mit all ihrem Überfluss an Schönheit und Möglichkeiten. Ich entdecke Menschen, Kulturen, Lebensweisen auf eine Art, wie ich es nie zuvor getan habe. Ich bin in der Natur, schaue Elefanten in die Augen, ich sitze mit Wildfremden am Lagerfeuer oder wandle durch jahrtausendealte Gemäuer. Und das Beste? Ich kann mich daran erinnern! Ich weiß, wann ich mit Freunden um die Häuser gezogen bin, wann ich durch wildes Wasser gepaddelt oder unter Sternen geschlafen habe. IMG_1325

Ich erlebe Momente und Orte die so speziell und einzigartig sind, dass sie sich für immer in mein Gedächtnis einbrennen und von denen ich mit absoluter Bestimmtheit auch in 10 Jahren noch erzählen kann. Weil ich sie erlebt habe und nicht irgendein Schauspieler in der Glotze vor mir. Viele dieser Begegnungen und Erlebnisse haben mich geprägt, verändert und auch wachsen lassen. Hier sind ein paar dieser Geschichten, mit denen ich dich inspirieren möchte, die Couch zu verlassen und zu reisen:

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Gier nach Holz

Weißt du, wann mich der Schutz des Regenwaldes etwas anging? Als ich in Brasilien in Fortaleza am Strand einem Indigen Mann in die Augen geschaut habe und seinen Schmerz verstand. Als ich gespürt habe, dass unsere Gier nach Holz und Ressourcen ihn sein Heim gekostet hat. Zawar hatte ich die Brandrohdung jeden Tag mitbekommen, aber als er vor mir Stand in seiner traditionellen Kleidung und mir Touristennap verkaufen wollte, da ging es mich etwas an. Ich konnte in seinem Blick erkennen, wie sehr in das anwiedert, was er jetzt hier tat um überleben zu können. Davor war er ein stolzer Krieger, mit Traditionen, Würde und einem unabhängigem Leben. Er hatte ein Heim und konnte seine Familie ernähren ohne Touristen am Strand ansprechen zu müssen. Jetzt war er ein verbitterter Mann, der hasste was er tat und Verachtung verspürte, für die Touristen wie mich. An diesem Punkt verstand ich, das mich der Regenwald sehr wohl etwas angeht.

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Plastik im Meer

Es waren Basstölpel auf Helgoland die mir eindrücklich klar machten, dass auch mein Umgang mit Plastik das Leben von Millionen Seevögeln und Meeresbewohnern beeinflusst. Auf der Insel gibt es an den Klippen ein riesige Kolonie dieser beeindruckenden Vögel, die jährlich auch viele Touristen anlockt. Sie alle stehen dann vor Nestern aus Plastik. Den erbärmlichen Anblick eines Jungvogels werde ich wohl nie vergessen. Er lag da als sei er tod. Erstickt durch einen Plastikteil, was seine Eltern für Nahrung hielten und ihm fütterten. Neben mir ein Kind „Mama, ist der Vogel tod?“ Betretene Stille, denn jedem der Touristen geisterte die gleiche Frage durch den Kopf. Nur ob alle verstanden haben, das auch sie Verantwortung tragen, das bezweifle ich.

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Menschlichkeit kennt keine Farbe

Auf einem Langstreckenflug von Frankfurt nach Harare drückte mir meine Sitznachbarin aus Simbabwe ihr erst wenige Wochen altes Baby in den Arm, damit sie den Badraum aufsuchen konnte. Ich saß da mit diesem kleinen Mensch auf dem Schoss, bewunderte das hinreißend, lächelnde Wesen mit seiner Stubsnase, den neugierigen Augen und fragte mich, wie je ein Mensch nur auf Grund einer Hautfarbe Ablehnung erfahren konnte.

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Nutella und der Niedergang des Regenwaldes

Oder erinnerst du dich an den „Nutella-Palmöl-Skandal“? Der hätte mich wirklich herzlich wenig gekratzt, wenn ich von ihm in meinem normalen Alltag gehört hätte. Ich liebte meinen Brotaufstrich und hätte ihn wahrscheinlich auch noch verteidigt. Aber ich war gerade in Honduras unterwegs. Über hunderte Kilometer ist hier der Regenwald abgeholzt worden und ist die Landschaft jetzt von Palmenplantagen gesäumt, deren Früchte später zu Palmöl verarbeitet werden, welches man in Nutella wieder findet. Noch immer sieht man in Honduras den Rauch aufsteigen, lodern die Flammen, die alles Leben niederbrennen, um neuen Platz zu schaffen, für noch mehr Plantagen der großen Konzerne. Hier begriff ich, dass auch mein Nutella-Konsum schuld trägt, am Raubbau an der Natur. An der unwiederbringlichen Zerstörung einzigartiger Landschaften, der Austrottung von Tieren und auch an dem Niedergang kleinerer Bauern und ihrer Familien. Für Billiglöhne arbeiten sie jetzt auf den Plantagen und werden von Großkonzernen ausgebeutet.

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Glück ist keine Frage des Geldes

Townships von Simbabwe bis in Dominikanische Republik lehrten mich, dass Glück und Lebensfreude nichts mit Geld und Wohlstand zu tun haben. Im Gegenteil. In den Armenvirteln sind die Menschen viel mehr aufeinander angewiesen. Man hilft sich und arbeitet zusammen. Das prägt natürlich auch das Gemeinschaftsgefühl und das zeigt sich im Umgang miteinander. Hier trifft man sich auf der Straße zum Plauschen, sitzt mit den Nachbarn zusammen oder die Kinder spielen gemeinsam Fußball. Während bei uns die Alten isoliert daheim vorm Fernseher hocken und die Kinder in ihren Zimmern Playstation zocken. Ich habe es als wohltuend empfunden, zu sehen, wie dort Leben miteinander stattfindet.

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Bildung der Schlüssel

Auf einem Spaziergang durch ein einfaches Dorf im Mekong Delta in Vietnam zeigte uns unsere Reiseführerin ihre Schule. Ein Gebäudekomplex, der eher die Anmutung eines Stalles hatte. Einfache, modrige Gebäude, ein matschiger Vorplatz und dunkle Klassenräume und doch war die junge Frau so stolz hier zur Schule gegangen zu sein. Der Grundstein für ihren Bildungsweg war und sie heute befähigt auf einem Schiff zu arbeiten und Touristen ihr Land zu zeigen. Sie hat in der Schule Sprache gelernt, konnte zur Uni gehen und das gibt ihr heute ihr Auskommen. Durch sie wurde mir bewußt, wie wichtig selbst die einfachste Schule ist. Durch meinen Beruf und meinen Reiseblog habe ich Rainer Meutsch, den Gründer von „Berge & Meer“ Reisen kennengelernt. Seine Stiftung „FLY & HELP“ baut Schulen auf der ganzen Welt und ich bin immer wieder sehr beeindruckt, wieviel dieser Mann mit seinem persönlichen Engagment erreicht hat. Mittlerweile hat FLY & HELP bereits Bildungsprojekte in über 36 Ländern initiiert, gefördert und betreut. Bis heute wurden bereits 137 Schulen gebaut. Ein Projekt, was ich übrigens gerne unterstütze und dir auch ans Herz legen möchte, damit mehr Schulen entstehen können, die jungen Menschen eine Perspektive geben. Alle Infos findest du im LINK.

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Sammle Erfahrungen, Momente und Erlebnisse

Und das ist nur ein kleiner Abriss an Situationen auf Reisen, die mich zum Nachdenken und letztlich auch zu Veränderungen gebracht haben. Durch all diese Erfahrungen habe ich ein Gefühl dafür bekommen, dass auch mein Handeln hier daheim Einfluss auf das Leben in anderen Ländern hat. Ich habe gelernt wie wertvoll ein Menschenleben und eine intakte Umwelt sind. Wie wichtig Interesse, Kommunikation und Verständnis sind und was es heißt einen achtsamen Umgang miteinander zu pflegen.

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Und genau aus diesen Gründen bin ich der festen Überzeugung, dass Reisen hilft, ein besserer Mensch zu werden. Und damit meine ich nicht, sich in einen All-Inclusive-Urlaub fliegen zu lassen, in seiner Hotelanlage zu hocken und sich die Sonne auf den Bauch scheinen zu lassen. Ich meine das Reisen, bei dem man ein Land und seine Menschen auch wirklich kennenlernt. Bei dem man die Anlage verlässt, auf eigene Faust auf Entdeckungstour geht und sich ins wahre Leben der Einheimischen begibt – auf Märkten, belebten Plätzen oder auf ihren Festen.

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Ich wünsche mir für dich, dass du den Fernseher auslässt und die Welt für dich entdeckst. Das du dich aufs Reisen einlässt und lernst, dass dieser Planet so viele Geschichten schreibt, in denen du der Held bist und nicht ein Schauspieler in einer fiktiven Serie im TV. Geh raus, lerne, lebe und vor allem wachse auch daran.

In diesem Sinne:

#get up & werde besser

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2 Kommentare
  1. Tanja
    Tanja says:

    Liebe Marlene,
    nicht umsonst heißt es ja „die interessanteste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben“. 😉
    Ich kann dir nur zustimmen, reisen verändert die eigene Haltung, reisen verändert die Sichtweise, auf vielleicht vorgefertigte Meinungen und so eben auch auf die eigene Weltanschauung. Mit jeder Reise ein klein wenig mehr…

    Viele Grüße,
    Tanja

    Antworten
    • Marlene
      Marlene says:

      Hallo Tanja,

      lieben Dank das Du Dir Zeit genommen hast, um mir zu schreiben. Es freut mich, dass du es genauso siehst und mir das auch mitgeteilt hast. By the way: Schönes Zitat! Das trifft es nur zu gut.

      In diesem Sinne: Immer tolle Reisen mit vielen interessanten Momenten und Begegnungen.

      Grüße Marlene

      Antworten

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