Panama, das ehrwürdige Viertel Casco Viejo & unser Pech mit dem Wetter

Bildschirmfoto 2015-07-27 um 11.40.12Auf der Heimreise von Honduras hatten wir einen kurzen 20-Stunden-Stop-Over in Panama. Nicht viel Zeit, eine Stadt zu entdecken. Deshalb hatte ich mich, als nächtliches Domizil, für das ehrwürdige Viertel Casco Viejo (spanisch für altes Viertel), auch bekannt als Casco Antiguo oder San Felipe, entschieden. Die Aussicht auf koloniale Architektur erschien mir doch am Reizvollsten.Bildschirmfoto 2015-07-27 um 11.35.06Panama Stadt wurde im Jahr 1519 vom spanischen Gouverneur Pedro Arias de Ávila gegründet und entwickelte sich schnell zu einer prunktvollen, reichen Stadt und wichtigem Regierungszentrum.

Bildschirmfoto 2015-07-27 um 11.33.20Im Jahr 1671 wurde die Stadt vom walisischen Piraten Henry Morgen geplündert und komplett zerstört. Es blieben nur mehr Steinruinen von Panamá Viejo übrig. 1673 begann man mit der Wiederbesiedlung der Stadt und gründete „Casco Viejo“ (alter Schutzwall) mit prächtiger Architektur. Doch mit der Zeit breitete sich die Stadt immer weiter aus und die Gegend verkam zum städtischen Ghetto. Bildschirmfoto 2015-07-27 um 11.32.56Heute ist Casco Viejo halb verfallen und halb modernisiert. 2003 wurde der Stadtteil zum Kulturerbe der UNESCO ernannt. Die Restaurationen sind immer noch in vollem Gange und es ist wunderbar zu sehen, wie das alte Virtel seinen Glanz zurück erhält. Man bekommt einen Eindruck davon, wie es hier zu alten Zeiten ausgesehen haben muss und welcher Wohlstand hier herrschte.
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Das Viertel beherbergt heute luxuriöse Hotels, Mode und Kunstgalerien, aufwendig restaurierte Kirchen, malerische Plätzchen, hinreißende Cafés und einladende Restaurants. Es ist nur wenige Minuten Fahrtzeit, vom modernen Innenstadt entfernt und bietet gleichzeitig den besten Blick auf ihre Skyline.Wir hatten genau 1 Nacht und einen Vormittag Zeit, die Stadt zu erkunden. Den Abend haben wir bummelnd in den romantischen Gassen verbracht. Wir sind am Regierungspalast vorbei geschländert und haben uns das Abendessen auf einem der pittoresken Plätze schmecken lassen.Bildschirmfoto 2015-07-27 um 11.57.06Das Highlight der Nacht war dann definitiv der Blick von unserer Dachterasse! Auf der einen Seite, die altehrwürdige Altstadt mit ihren Plätzen und Kirchen…
Bildschirmfoto 2015-07-27 um 12.04.26und auf der anderen Seite die Moderne, alles überstrahlende Skyline des neuen Panama.Bildschirmfoto 2015-07-27 um 11.55.29Der nächste Morgen fiel dann leider jäh ins Wasser, weil das Wetter dermaßen schlecht war, dass an bummeln & fotografieren leider gar nicht zu denken war. Eine kleine Runde sind wir noch im Schutz der Dächer umher gehuscht, haben es aber dann vorgezogen, die örtliche Gastronomie zu testen. Leckerer regionaler Café, dazu Müsli mit frischem Obst aus Panama, begleitet von regionaler Musik, netten Gesprächen mit den Barkeepern und so ging unser Morgen wie im Flug rum, bis wir uns wieder auf den Weg zum Airport machen mussten.  Aber ich werde wiederkommen und die Sonnenseite von Panama und Casco Viejo für mich entdecken!
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Schnorcheln für Blinde – Wie ich die Unterwasserwelt für mich entdeckte!

Ich werd verrückt, ist das toll! Wie ein Blinder, der das erste Mal sieht, fühle ich mich in dem Moment, als ich, das erste Mal im Leben mit Taucherbrille und Schnorchel abtauche. Klar, hab ich schon Tauchvideos gesehen, aber das war am Bildschirm. Das die Unterwasserwelt direkt neben dem Bootssteg schon so aufregend sein kann, dass hätte ich mir nie, niemals träumen lassen. Und auch nicht, wie es ist, sich mit Flossen im Meer, umgeben von bunten Fischen zu bewegen!Dani_tauchenHeute morgen noch, habe ich verträumt auf die Wellen geschaut und bin mit Anlauf ins Wasser gesprungen, nichts ahnend, das unter mir eine kompette Welt existiert. Ich bin den Fischen ja geradezu auf den Kopf gesprungen! Und jetzt, bewege ich mich schwebend und völlig geflascht in ihrem Reich. Jeden noch so kleinen, unscheinbaren Fisch kommentiere ich mit aufgeregten Gesten in Richtung meines Freundes. Ich gebe ihm ein Zeichen und wir tauchen auf.danispringtSo schnell wie ich los plappern möchte, bekomme ich den Schnorchel gar nicht aus dem Mund: „Hast du das gesehen? Da ist alles voller bunter Fische und der Eine sah aus wie Nemo!“ Daniel grinst mich an. Ephorisch wie ich, ist er allerdings nicht. „Das ist ganz normal.“ Geh erstmal richtig tauchen, das wird dich umhauen“ „Ach was, das ist doch schon der Oberhammer“, erwidere ich. Geradezu beleidigt, dass meine Begeisterung nicht nachempfunden wurde, stopfe ich mir den Schnorchel wieder in den Mund und verschwinde im türkisblauen Meer.Leni_schnorchelnLuftanhalten und so tief wie möglich in diese Welt eintauchen – denke ich mir, während ich mit starken Flossenschlägen in mein neues Zauberreich vordringe. Allein dieses Schwebengefühl ist berauschend! Es ist wie fliegen. Man hat den Kontakt zur Erde verloren, spürt kein Gewicht mehr und bewegt sich scheinbar mühelos durch Raum und Zeit. Und erst diese göttliche Ruhe. Alle Sinne sind jetzt auf „Sehen“ ausgerichtet. Ich möchte fast weinen, so hinreißend, bezaubernd und märchenhaft finde ich das, was meine Augen unter Wasser erblicken.Bildschirmfoto 2015-07-21 um 16.30.07Und das sind nicht nur all die Fische – hier auf Utila ist das Belize Barrier Reef, das zweit größte Korallenriff der Welt. Das all diese fabelhaften Korallen nur 50 m von meinem Schlafplatz entfernt sind, hätte ich mir nie träumen lassen. Und schon gar nicht, dass ich darin herumschnorcheln könnte! Ich stoppe meine Forwärtsbewegungen und fange an zu beobachten. Jetzt erst nehme ich bewußt wahr, wie Wellen und Strömung auf das Riff wirken, wie die Korallen sich im Wasser wiegen, als wären sie ein Blatt im Wind. Ist das schön! Und all die Farben. Ich kann mich gar nicht satt daran sehen.Bildschirmfoto 2015-07-21 um 17.13.06Plötzlich und völlig unerwartet ist da unter mir ein riesiger blauer Fisch. Gebannt starre ich ihn an. Ob er Angst vor mir hat? Ob ich vor ihm Angst haben sollte? Ich weiß ja eigentlich gar nichts über die Unterwasserwelt hier. Aber ich habe keine Angst. Alles wirkt so friedlich, so ruhig, so anmutig. Ich verharre in meiner Starre und sinniere weiter. Ich glaube ich verstehe jetzt, warum Taucher in Tiefenrausch verfallen und ihr Leben riskieren. Mir ist in diesem Moment alles egal, es könnte ein gefährliches Tier sein und ich würde nicht flüchten. Ich will diesen Moment nicht verlieren. Ich will in dieser für mich neuen Welt verharren. Ich will weiter schweben und ein Teil davon werden.Bildschirmfoto 2015-07-21 um 16.04.05Und in der nächsten Sekunde denke ich an meine Kamera. Ich brauche jetzt sofort meine Kamera. Ich will das hier alles filmen. Ich möchte das für immer festhalten! Die nächste Stunde verbringe ich also warmen Wasser der Karibik, beobachte, filme, schwimme und schwebe – ein wunderbarer Zustand und hätte die Sonne nicht das Meer geküßt, wäre ich wohl nie wieder aufgetaucht!Bildschirmfoto 2015-07-21 um 15.58.06Utila ist die perfekte Insel um Schnorcheln zu gehen oder um mit Tauchen anzufangen. Es gibt unzählige Tauchschulen und weltweit sollen Tauschscheine hier am günstigsten sein. Am besten einfach googeln und das für Euch richtige Angebot finden. Wer clever ist, findet Tauchschulen mit kostenloser Unterkunft und manchmal auch kostenlosem Bier. Wenn Ihr ohne Vorbuchung auf der Insel ankommt, werdet Ihr direkt am Schiffsanleger überhäuft mit solchen „Sonderangeboten“ und macht sicherlich auch noch ein Schnäppchen. Bildschirmfoto 2015-07-24 um 08.18.54ACHTUNG ist allerdings in der Hochsaison geboten, wenn ganz Nordamerika auf den BayIslands einfällt, dann könnte alles ausgebucht sein. Also einfach ein wenig informieren und recherchieren. Wer nur eine Unterkunft sucht, für den gilt im Prinzip das Gleiche. Unterkünfte bekommt man vor Ort problemlos, außer es ist Hauptsaison. Es gibt gemütliche Backbacker-Hostels, aber auch sehr günstige Unterkünfte direkt am Strand. Ich habe zur Vorbereitung und Buchung airbnb & booking.com benutzt.  Good luck & happy dive!

 

Honduras? Was zur Hölle wollt ihr da?

„Honduras? Was zur Hölle wollt ihr da? Das Land ist extrem gefährlich, die Kriminalitätsraten sollen noch schlimmer, als die von Ciudad Juárez in Mexiko, sein. Regenwald und Touristenattraktionen sind unter der Kontrolle von terrorisierenden Banden wie der „Mara Salvatrucha 13“ − so schallt es aus dem Freundeskreis und auch das Auswärtige Amt warnt: „Honduras ist das Land mit der weltweit höchsten Mordrate.“

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Also was will ich da? Vielleicht der Welt zeigen, dass es ein phantastisches Land ist, mit freundlichen Menschen, faszinierenden Landschaften und einer Geschichte, die bis zu den Mayas zurück geht. Ich lass mich von solchen Warnungen nicht bremsen, obgleich sie mir natürlich zu denken geben und mich achtsam sein lassen. Aber ich habe in Südafrika gelebt, welches die höchste Vergewaltigungsrate hat und ich war als Backpacker in El Salvador, was ebenfalls hoch gelistet ist, in der Gewaltstatistik. Beides alleine als Frau. Und das alles war überhaupt kein Problem. Denn wenn man sich mit dem Konflikten eines Landes auseinandersetzt, dann merkt man auch schnell, dass es Touristen oft gar nicht betrifft.Honduras Goucho So auch in Honduras. Ja, es gibt Banden & Drogenkriege im Land, aber wir haben uns nicht in die Brennpunkte begeben, wir haben Nachtfahrten vermieden und genauso Orte, vor denen uns Einheimische gewarnt haben. Uns sind die regelmäßigen Straßenkontrollen der Polizei aufgefallen, aber das hat uns eher Sicherheit vermittelt und als Tourist wurden wir ohnehin immer freundlich durchgewunken. Und um es noch mal ganz deutlich zu sagen: Wir haben uns zu keiner Zeit unsicher gefühlt. Man muss auch nicht ständig wachsam sein oder Sorge haben, beraubt zu werden. Das ist hier alles kein Thema. Touristen bekommen wirklich überhaupt nichts mit, von den im Vorfeld diskutierten Themen.

IMG_5045Honduras hat sich für uns von einer Perspektive gezeigt, die allen Vorurteilen und Statistiken trotzt. Das Land hat unglaublich offene, hilfsbereite und lebensfrohe Menschen, die Vielfältigkeit und Schönheit der Landschaft ist von so überwältigende Schönheit, dass es schwer fällt, sich nicht zu verlieben.IMG_4166

Verlieben in märchenhafte Ruinenstätten, karibische Traumstrände, farbenfrohe Häuser, verwunschene Nebelwälder oder in die bunte Unterwasserwelt des Belize Barrier Reef. Ich glaube, wenn ein Taucher, ein Architekt, ein Ornithologe, ein It-Girl und ein Archäologe zusammen hier Urlaub machen würden, wäre es trotzdem für alle perfekt. Und so geht es auch mir. Bis heute lässt mich dieses Land nicht los und ich träume mich zurück in die Zeit in Honduras.

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Neugierig geworden? Begleitet mich in meinem Blog zu den einzelnen Stationen und erfahrt mehr über das faszinierende Land in Zentral-Amerika.

Enjoy the Ride – Sani Pass, Drakensberge und der höchste Pub von Afrika

Sani Pass, Drakensberge und der höchste Pub von Afrika – das stand auf unserer Tour durch Südafrika auf dem Plan, was uns erwarten würde wußten wir nur in der Theorie. Welches Abenteuer es wirklich war, liest du hier:

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Enjoy the Ride

Oh mein Gott – ich werde sterben! Das Auto wird den Halt verlieren, wir werden uns überschlagen und die Böschung hinabrollen!“ – schreit es in mir! Im Fortgang meines Zwiegesprächs höre ich mich beruhigend sagen: „Baby, keine Sorge! Es ist nur ein bisschen holprig, der Mann weiß schon was er tut!“ Noch immer umklammere ich den Griff des Autos auf der einen Seite und das Knie meines Beifahrers auf der anderen. Der findet es auch irgendwie toller als ich. Ist ja auch ein Mann.

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Ein Königreich des Himmels

An dem Punkt muss ich auch eingestehen, dass Frau doch ganz glücklich ist, dass wir zu dem Allradfahrzeug (4×4), noch den Guide und Fahrer mit dazu gebucht haben. Unsere Tour führt den Sani Pass hinauf und damit bewegen wir uns auf dem höchsten Gebirgspass Südafrikas. Auf 2473 m Höhe über dem Meeresspiegel, windet er sich über zahlreiche Serpentinen bis ins Königreich Lesotho.

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Sani Pass – die Herausforderung

Allein auf einem Teilstück von 6,5 Kilometern werden 1330 Höhenmeter überwunden und damit ist der Sani Pass einer der drittsteilsten Pass-Straßen der Welt und natürlich nicht asphaltiert – was ihn bei Geländewagen-Fans so beliebt macht. 20,5% Steigung führen bei mir allerdings zu Selbstgesprächen.

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Massage gefällig

Diese werden noch zusätzlich angeheizt durch all die erheiternden Geschichten unseres Guides. Denn „Oh my god“ − wird auch der erste Teil des Sani-Passes liebevoll genannt. Im Fortlauf der Tour abgelöst durch „Beginning of african massage“ und gipfelnd in „Highway to hell“. Ich versuche die Schräglage des 4×4 zu ignorieren und mich stattdessen auf die Schönheit der Umgebung zu konzentrieren.

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J.R.R. Tolkien & der Herr der Ringe

Denn gerade habe ich erfahren, dass es die Drakensberge, einst die landschaftliche Inspiration zu der „Herr der Ringe“ Saga geliefert haben sollen. Das J.R.R. Tolkien mit 3 Jahren bereits Südafrika verlassen hat und diese Geschichte vielleicht auch ins Reich der Märchen gehört, möchte ich hier nicht weiter vertiefen.

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Heimat der Hobbits

Aber in der Tat beflügelt diese Kulisse und es ist ein Leichtes sich vorzustellen, man hat die friedliche Heimat der Hobbits gerade hinter sich gelassen und durchquert nun Mittelerde. Von den Zulus werden die bizarren Bergspitzen uKhalamba, „Barriere der Speere“ genannt, mit viel Phantasie, kann man darin aber auch den Rücken eines Drachen sehen. Beim Zwischenstopp gleite ich also elegant wie eine Elfe aus unserem Gefährt, stelle mich in den Wind und genieße den Blick hinab ins Tal der Phantasie.

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Die Erhabenheit Südafrikas

Ein erhabenes Gefühl und ich bin immer wieder davon fasziniert wie facettenreich sich Freiheit in Südafrika anfühlt. Sei es auf Felsen am Meer, beim Game drive in der Karoo oder eben hier im Bergmassiv. Und dabei frage ich mich, woran es liegt? Ist es die Stille? Fernab von Autolärm. Ist es die Weite? Kilometerweit keine Zeichen von Zivilisation. Oder eben die Kombination aus Ruhe, Abgeschiedenheit und landschaftlicher Schönheit.

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Haarnadelkurven und Handtaschenkauf

Vorbei an liegen gebliebenen Autowracks, haben wir uns die halsbrecherischen Haarnadelkurven nach oben gekämpft, haben der Schotterpiste getrotzt und dem Geländewagen klettern beigebracht. Geradezu lächerlich erscheint es mir also, dass Four by Four-Cars in unserer modernen Welt nur noch zum Handtaschenkauf in Großstädten ausgeführt werden.

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Die Karawane und der Weg

Und hier schleppen sich noch immer einfache Feuerholzträger aufs Plateau, dessen karge Vegetation nur aus busch- und baumloser Steppe besteht. Für sie hat sich seit der britischen Kolonialisierung nicht viel getan. Den beschwerlichen Weg haben sie sich auch damals schon mit ihren Maultierkarawanen den Pass hinauf gequält.

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Die Währung heißt Schaf

Unser Guide beginnt wieder zu erzählen: Wisst ihr, ich habe so einen einfachen Basotho-Hirten mal gefragt, wie viel Geld er auf der Bank hat. Er schüttelte den Kopf und erklärte mir, er habe kein Bankkonto. Also fragte ich ihn, wie viel Bares er unter dem Kopfkissen habe. Wieder Kopfschütteln. Umgerechnet 5 EUR habe er einstecken, das ist alles was er an Geld habe. Dann bist Du also ein armer Mann, begegnete ihm Rayn. „Nicht ganz, ich habe 1.000 Schafe“. Bei umgerechnet also 20 EUR pro Tier wären das 20.000 EUR.

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Definiere Reichtum

Dann bist Du ja sogar reich! Warum also, lebst Du so arm?“ Wieder Kopfschütteln beim Hirten. „Ich verstehe euer Leben nicht. Die Leute aus aller Welt kommen zu mir, berichten wie stressig ihr Leben ist, wie teuer alles ist, wie Neid und Missgunst sich breit machen und wie ausgebrannt sie sich fühlen. Mir geht es gut hier. Ich habe zwar ein einfaches Leben, aber dafür kann ich es genießen – die Natur, meine Tiere und das Miteinander im Dorf.“

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Glück ist nicht käuflich

Betroffene Stille macht sich um mich breit: Ja, vielleicht haben wir vergessen wie wenig man doch eigentlich braucht um glücklich zu sein. Wohl jedem in unserer Gruppe gibt diese Geschichte zu denken und wir betrachten die Menschen, ihre einfachen Hütten und ihren ärmlichen Lebensstil auf einmal mit ganz anderen Augen.

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Jetzt ein Maluti

Ein schweres Holzschild über dem Tresen verkündet, wir haben soeben den höchsten Pub Africa´s betreten. Dramatisch an der Kante des Plateaus gelegen erinnert er mich eher an eine rustikale Berghütte in den Alpen, ausgestattet mit Skiern, vergilbten Bildern an der Wand und knisterndem Kamin. Wieder höre ich meine innere Stimme zu mir reden: „Frau hat sich jetzt etwas Erholung und ein Bier verdient.“ Ich gönne mir ein Maluti Premium Lager – ein in Lesotho gebrautes Bier – und schlängle mich an unzähligen Touristen vorbei auf die Veranda.

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Die Steigerung von Spektakulär

In keinem Foto festzuhalten und nur schwer zu beschreiben ist das Panorama, was sich mir hier bietet: Spektakulär und im Zickzackkurs fällt die Straße hinab ins Tal, ragt die zerklüftete, karge Gebirgslandschaft in den Himmel empor, lassen sich in der Ferne die sanften und grünen Hügel KwaZulu-Natals ausmachen.

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Und mir wird schlagartig wieder bewusst, dass es zwar schon eine Herausforderung war, den Sani Pass herauf zu fahren, aber runter, noch mal eine ganz andere Hausnummer ist. Dabei fällt mir auch wieder ein, dass die eigene Einstellung ursächlich dazu beträgt, wie man sich gerade fühlt und da wir hier schon bei Märchengeschichten sind, gestalte ich mir meine eigene.

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Indiana Jones & ich

In mäßigem Tempo ruckeln wir den Sani Pass wieder hinunter. Die Reifen bezwingen, den ein oder anderen Felsen, wir bewegen uns haarscharf am Abgrund entlang und ich grinse sogar noch. Ich habe nämlich beschlossen, mir einfach vorzustellen, dass ich INDIANA JONES kleine Schwestern bin, Abenteuer und Aufregung liebe und die Abfahrt als riesen Spaß genieße.

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Reich der Geschichten

Wer sich also auch gerne ins Reich der Geschichten und sagenhaften Landschaften begeben möchte, dem sei der Sanipass hiermit wärmstens ans Herz gelegt. Ein wenig Phantasie, Abenteuerlust und Gefallen an Geländewagen-Ausritten, sollte man dabei allerdings schon mitbringen, damit es zu einem unvergesslichen Erlebnis wird.

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Und eins sei auch noch erwähnt: Selbstgespräche sind kein Grund zur Sorge – bedenklich wird es erst, wenn man etwas Neues erfährt *smile*

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Wir sind im Jahr 2012 den Sani-Pass gefahren und haben die Drakensberge besucht. Zu der Zeit gab es kaum deutschsprachige Artikel zum Sani-Pass.

Dieser Text ist auch als Magazin-Artikel erhältlich:

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Ethik auf Reisen – Die miese Seite der Welt

Ist es vertretbar in so ein Land zu reisen?” − diese Frage beschäftigt mich immer wieder. Wobei “so ein” immer recht breit gefasst ist. Mich schrecken Sicherheitswarnungen vom Auswärtigen Amt nicht davon ab, in Länder zu reisen, vor denen offiziell gewarnt wird. Ich wäre sonst nie in El Salvador gelandet. Hätte nie erfahren können, wie atemberaubend schön die Natur ist und wie unglaublich offen und lieb die Menschen dort sind. Was mich wirklich davon abhält in bestimmte Länder zu reisen, ist die Ethik mancher Staaten. Kind straßeIch reise nicht, um alle Länder dieser Welt gesehen zu haben. Ich möchte Nationen, Staaten & Kontinente entdecken, um ihre Kultur, ihre Werte und Menschen kennen zu lernen. Und natürlich die Flora & Fauna zu bestaunen. Aber in der Tat, ist mir der Kontakt zu Menschen auf Reisen sehr wichtig und es vergeht keine Reise, wo ich diesen nicht suche. Deshalb mache ich mir bei der Auswahl meiner Urlaubsziele auch Gedanken, um deren ethnische Aspekte.DomRep,So wollte ich lange nicht nach Indien reisen, wegen der Horrormeldungen über Vergewaltigungen. Dann habe ich recherchiert und rausgefunden, dass die Vergewaltigungsrate umgelegt auf die Einwohner, doch einiges relativiert. Und jetzt haltet Euch fest, denn demnach hat Deutschland eine doppelt so hohe Vergewaltigungsrate wie Indien. Diese Information hat mich fast umgehauen und ich denke, die wenigsten wissen das. Was dort passiert verurteile ich immer noch aufs Schärfste, aber ich würde jetzt nach Indien reisen. Auch habe ich mich mit Menschen ausgetauscht, die in Indien unterwegs waren oder dort gelebt haben. Und auch das hat mein Bild entscheidend verändert und dazu beigetragen, dass ich jetzt weiß, wie man sich dort verhalten sollte, um sicher zu reisen.Fortaleza, BrasilienAber es gibt natürlich noch unzählige Beispiele für Länder die meiner Wertewelt nicht standhalten. So lehne ich es zutiefst ab, wenn Frauen keinerlei Rechte haben, wenn Wale bestialisch abgeschlachtet oder Kinder gezielt ermordet werden.KindIch sehe das so: Als Reisender bringe ich Geld ins Land und unterstütze damit die Volkswirtschaft aka auch die Regierung. Und so lange die keinen Einfluss nimmt oder selbst ihr Handeln ändert, gibt es von mir kein Geld und auch keine mediale Unterstützung. Denn jede Reise wird heutzutage ja auch von SocialMedia begleitet und animiert vielleicht zum Nachreisen.FärörInselnIch erkenne sehr wohl an, dass es in vielen Ländern Probleme gibt, die sich so einfach nicht lösen lassen. Die religiöse, geschichtliche oder traditionelle Ursachen haben und deshalb begründet von vielen in Frage gestellt werden.image-2015-12-07(4)Meine geschätzte Mutter zum Beispiel reist in keine Länder, in denen es Slums gibt. Und das obwohl es Armensiedlungen überall auf der Welt und inzwischen sogar in Berlin gibt. Ich denke nicht, dass man sich vor Armut verschließen sollte. Denn gerade da, kann der Tourismus zum Wandel & gegenseitigen Verständnis beitragen. Was ich persönlich in Afrika oder Brasilien erlebt habe.Slum KapstadtFür mich dürfen es demnach sogar sehr gerne Länder sein, die in unserer Wertewelt als Drittland oder Schwellenland bezeichnet werden. Weil ich mit meiner Reise dann vielleicht die Lebensumstände der Menschen verbessern kann. Weil ich durch Social Media die Möglichkeit habe, mehr Menschen für ein Land zu begeistern, selbst wenn es arm ist und das ist eben mein Beitrag zu Ethik auf Reisen.image-2015-09-25(84)Andererseits haben mich auch schon Staaten auf Grund ihrer Werte so sehr fasziniert, dass ich sie bereisen möchte. Costa Rica zum Beispiel, denn dort legt man gesteigerten Wert auf den Tierschutz. So wurden zum Beispiel alle Zoos geschlossen und die Tiere in die Freiheit entlassen. Siehe Link.Vogel HondurasOder das Beispiel „Uruguay„: Der ehemalige Präsident des Landes ist mein Vorbild und wegen ihm habe ich das Land in Südamerika bereist. Seine Ansichten, Visionen und seine Lebenseinstellung faszinieren mich und ich wollte herausfinden, wie sich das auch in Uruguay selbst wiederspiegelt.


Ich akzeptiere, dass jeder seine eigenen moralischen und ethischen Werte festlegt. Jeder muss selbst wissen, was er vertreten kann. Bis wohin er noch in den Spiegel schauen kann und will. Ich wünsche mir einfach, dass man auch beim Reisen hinterfragt, ob es vertretbar ist. Natürlich kann man argumentieren, dass man ja nur ein kleiner Reisender ist, der an der politischen Lage nichts ändern wird. Aber vergleichen wir das doch mal mit einem Einkauf von Kleidung, die von Kinderhänden genäht wird. „Wenn ich diese Hose jetzt nicht kaufe, dann ändert sich für das Kind trotzdem nichts“. ABER Du vergißt, dass du eine(r) von VIELEN sein kannst. Wenn Millionen Menschen diese Hose boykottieren und den Hersteller zu besseren Arbeitsbedingungen drängen, dann ändert sich auch etwas für das Kind. Und genau das ist schon überall auf der Welt passiert und hat zur Verbesserung von Arbeits und Lebensbedingungen geführt. Auch im Tourismus! Überdenke wie es wäre, wenn wir alle unseren Unmut über Menschenrechte und Tierquälerei kundtun. Wieviel könnten wir erreichen, wenn wir alle endlich für eine bessere Welt einstehen könnten, als nur egoistisch an uns zu denken?

Oder wie Ghandi sagen würde:

„Be the change you want to see in the world!“


Wie seht ihr das?
Reist ihr überall hin, weil ihr Lust darauf habt oder wählt ihr eure Ziele auch moralischen Grundsätzen aus, so wie ich?

#info

Begriff: Ethik ist die Lehre bzw. Theorie vom Handeln gemäß der Unterscheidung von gut und böse. Gegenstand der Ethik ist die Moral. Die griech. Die Begriffe „Ethik“ (vom Griechischen „ethicos“) und „Moral“ (vom Lateinischen „mos, moris“) sind ähnlich. Beide bedeuten in etwa „Sitte“ oder „Handlungsregel“ und beziehen sich auf das Verhalten, das sich in einer bestimmten sozialen Situation gehört.

*Quelle: http://www.theintelligence.de/index.php/gesellschaft/volksverdummung/5108-in-deutschland-werden-mehr-frauen-vergewaltigt-als-in-indien.html

Achtung, Statistiken ändern sich jedes Jahr. Was zu meiner Recherchezeit galt, muss heute nicht mehr gelten. Macht euch bitte selbst auf die Suche nach aktuellen Zahlen & vergleicht verschiedene Quellen.

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Kapstadt für Naturliebhaber: Ein perfekter Tag am Kap der Guten Hoffnung

Ein Tag in Kapstadt & Umgebung ist kostbar, denn es gibt so viel zu entdecken. Typische Ausflüge ans Kap der Guten Hoffnung sind daher meist auf 2h ausgelegt und danach hat man das Gefühl alles “Offensichtliche” entdeckt zu haben.

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Diaz Beach in Kapstadt − Einer der faszinierendsten Strände der Welt.

Diaz Beach hat es als einer der landschaftlich atemberaubendsten Strände Kapstadts zu Weltruhm geschafft. Und auch mich fasziniert er immer wieder auf´s Neue. Er ist dramatisch eingebettet in Felsen, umspült von wild tosendem Atlantik, dessen Wasser türkisblau erstrahlt und wirklich jeden in seinen Bann zieht. Weiterlesen

Stromschnellen durchpaddeln ist nichts für Pussys – Rafting in Montenegro

Luft, Luft, ich ringe nach Luft! Grad noch wollte ich kopfüber in dieses naturreine, türkisblaue Wunderwasser eintauchen, doch jetzt setzt geradezu mein Herz aus. Eiskalte 10 Grad fühlen sich an meinen Füßen wie 1.000 Nadeln an. Ok, verschieben wir das Abtauchen und geben uns mit Bewundern zufrieden und freuen uns aufs Raften. Bildschirmfoto 2015-08-06 um 11.39.14 Weiterlesen

Amsterdam “Trip” − Auch Kiffen will gelernt sein

Bildschirmfoto 2015-07-23 um 11.50.23“Kiffen in Amsterdam, Beten in Rom und Hangover in Vegas” − steht es auf meiner Reise-to-do-Liste. Die etwas abgewandelte Form von “Eat, Pray, Love” also. Wobei ich den Anspruch habe, meine eigene, spannende Reise zu initiieren und kein Abklatsch zu sein. Ich habe also nun meine 3, 4, 5 Köfferchen ins Auto gepackt und bin nach Amsterdam gedüst. Weiterlesen

Parachuting in Kroatien – Die Perspektive ändert den Blick

Kroatien ist auch ein Paradies für Outdoor-Enthusiasten & Parachuting gehört definitiv dazu. Erfahre hier wie sich anfühlt über der Welt zu schweben und einen ganz anderen Blickwinkel zu haben.

So wie bei einer 6-jährigen Quengelbacke schreit es “Ich will auch! Ich will auch!“ – allerdings in meinem Kopf. Da kurz über der Bucht erspähe ich ein Motorboot und dahinter einen riesigen, sonnengelben Gleitschirm. Sofort verfestigt sich mein Wille, das auch unbedingt machen zu wollen. Fliegen ist für mich der Inbegriff von Freiheit. Bildschirmfoto 2015-06-16 um 16.20.01Nichts ist Schöner, als vom Wind getragen zu werden, den Kontakt zum Boden zu verlieren und die Welt von oben zu sehen. Das Gefühl, dass es keine Grenzen mehr gibt, die einen zurück halten. Das man jedes Ziel spielend erreichen kann und das nichts und niemand dazwischen steht. Ich liebe den Perspektivwechsel, den Blick über das große Ganze. Das Begreifen von Entfernungen und vor allem der Schönheit der Welt. Das macht den Reiz am Fliegen für mich aus. Und dabei spielt es kaum eine Rolle wie ich abhebe. Wobei ich Paragliden bevorzuge. Nicht der Thrill des freien Falls, sondern das Gleiten und das Erleben stehen im Vordergrund. Gedacht. Getan. Ich befinde mich auf einem kleinen Motorboot.Bildschirmfoto 2015-07-23 um 13.43.10Unter mir das glasklare Wasser, über mir das blau des Himmels und ich bald dazwischen. Die Freude steigt. Gekleidet in eine sexy orangene Schwimmweste, gezwängt in ein Gurt-System und in den Schirm geklingt stehe ich auf der Plattform des Bootes. Wir nehmen Geschwindigkeit auf. Rasen mit Speed über die Wellen. Das Wasser spritzt, als der Schirm gelöst wird. Kurze Atempause, vor freudiger Anspannung – in Erwartung dieses einen Moments. Die Sekunde, als der Schirm greift, mich nach oben zieht und meine Beine den Kontakt zum Grund verlieren. Ich fliege, ich fliege. Mein Herz springt, meine Moleküle applaudieren, die Hormone tanzen und ich bin glücklich. Überglücklich mit jedem Meter, der die Leine, die mich mit dem Boot verbindet, länger werden läßt. Über mir der knallgelbe Schirm, eingebettet in Himmelblau und Schäfchenwolkenweiß.Leni Parashuting

Unter mir die glitzernden Wellen des Mittelmeers. Ich schließe die Augen, breite die Arme aus, lasse der Phantasie freien Lauf: Wie ein Vogel gleite ich durch die Luft und werde vom Wind getragen. Ein erhabenes Gefühl, doch mit einem heftigen Ruck reißt es mich jäh aus meiner Vogelperspektiventraumwelt. Das Boot hat beschleunigt, schlägt Haken und mein Flugverhalten passt sich den Kurvenfahrten an. Das scheint Teil der Touristenbespaßung zu sein. Ich nehme es sportlich, winke dem Fotografen und mache den Ulk mit. Abkoppeln und weiterfliegen ist ja leider keine beachtenswerte Option. Bildschirmfoto 2015-06-16 um 16.15.15Wieder bewundere ich die Welt unter mir: die schroffe Steinküste, die malerischen Buchten, die vorgelagerten Inseln. Alles schon gesehen, aber nicht aus diesem Winkel. Die Perspektive ändert den Blick, heißt es. Und das nicht nur beim Fliegen. Ich sinniere über Weite, Größe und Entfernung bis weit hinter den Horizont. Unendlich weit scheint mir dieser entfernt. Kaum begreifbar, dass das Meer nicht endet, an seiner Kante. Dafür endet mein Flug. Die Leine, an der ich hänge, wird eingezogen. Meine Füße landen wieder auf dem Boden. Mein Herz schmerzt, meine Flügel hängen lahm. Wieder schließe ich die Augen, träume mich in dieses Gefühl zurück und spüre diesen Frieden in mir. Und das nehme ich mit von Bord. Das Gefühl, dass die Gedanken frei sind und fliegen können.

Bildschirmfoto 2015-06-16 um 15.55.26Mein Parashut-Flug startete in Cavtat (bei Dubrovnik) am Hafen. Hier gibt es eine Touristeninformation und auch jede Menge Anbieter für allerlei Aktivitäten in und ums Wasser. Einfach ein bißchen rumlaufen, die Anbieter kann man gar nicht übersehen. Und meistens geht es auch ganz spontan oder zumindest am nächsten Tag.
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Bären, Kurven, Knattern – Unterwegs mit dem Schneemobil in Schweden

So eine Schneemobil-Tour kann einem schon ganz schön was abverlangen. Welcher Thrill es wirklich ist erfährst du hier:

“Oh, oh, der Radius wird immer größer. Verdammter Mist. Das ist eine Kurväääää. Ich will keine Stadionrunde drehen. Los jetzt. Zieh endlich rüber!“
Immer weiter drifte ich aus der Spur und damit weg von meiner Gruppe.

Photo Credits Eva P.

Von den Leuten, die sich eben noch mit ihren Schneemobilen wie in einer Perlenkette aufgereiht, mit mir durch die Nacht geschlagen haben. Und offensichtlich das Fahrverhalten so eines Schneemobils besser beherrschen als ich. „Fräulein, reiß dich zusammen, das kann doch wohl jetzt nicht so schwer sein. Du hast einen Motorradführerschein, fährst Jet Ski und Quadbike. Vielleicht hätte ich ein paar Übungsdrifts mehr machen sollen“ schießt es mir durch den Kopf, als ich endlich wieder in der Spur bin.Photo Credits Eva P.Photo Credits Eva P.

Wir haben den zugefrorenen See verlassen, auf dem wir gestartet sind und bewegen uns jetzt auf schmalen Waldwegen immer tiefer hinein, in die schwedische Wildnis, rund um Arvidsjaur. Ich umklammere den Griff, mein Daumen presst sich auf den Gashebel, ich versuche der Gruppe zu folgen und verdammt noch Mal in der Spur zu bleiben. „Wie war das noch? Dahin gucken, wohin man lenken möchte.“ Aber ich sehe nur verflixt, mächtige Bäume!Schneemobil SchwedenNa, das kann ja heiter werden. Allerdings ist das nicht mein einziges Problem. Denn im Moment wird es nicht nur heiter, sondern auch noch heißer. Die beheizten Griffe sind auf -30 Grad Außentemperatur optimiert. Wir haben aber nur -8 Grad, was dazu führt, dass mir das Leder der Handschuhe unter den Fingern weg schmilzt. Wie um Himmels Willen dreht man das runter? Oder gibt dem Guide Lichthupe, damit der das abschaltet? image-2015-09-12(4)Aber mir bleibt keine Zeit zum Sinnieren. Die Gruppe heizt voraus und ich versuche mitzuhalten. Das Adrenalin schießt mir durch den ganzen Körper, das Blut pocht in den Adern und mein Herz schlägt bis zum Anschlag. Nur nicht den Anschluss verlieren, bloß nicht aus der Kurve driften, ja nicht am Anstieg umkippen und schon gar nicht an einem Baum hängen bleiben.image-2015-09-12(9)Der schmale Weg windet sich durch den Wald, über uns leuchten die Sterne und angestrahlt vom Licht des Scheinwerfers funkeln die Eiskristalle des Schnees ….. Es könnte fast romantisch sein, wäre das jetzt eine Schlittenhundetour und nicht ich allein, auf einem lärmenden, 125 PS starken und 200 kg schweren Schneemobil. Schneemobil SchwedenWir „donnern“ also weiter durch die Nacht und dabei zeigt die Tachonadel gerade mal 40km/h an.  Mir reicht das schon vollkommen und ich frage mich, wie die Waldbewohner diese nächtliche Ruhestörung so finden. Ich würde ganz schön doof gucken, wenn ich als Bär aus meiner Schneekuhle aufgeschreckt werden würde und eine Horde Wildgewordener auf ihren Spaßmobilen an mir vorbei knattert.image-2015-09-12(5)Wir erreichen eine Lichtung. Wieder einer dieser tausend tiefgefrorenen Seen, dessen Ausmaße im kargen Licht des Mondes gar nicht auszumachen sind. „Tobt Euch aus, fahrt die Kisten aus, drückt mal ordentlich drauf“ – lautet die Aufforderung an uns. Und kaum ist diese ausgesprochen, sehe ich nur mehr die Rücklichter meiner Gefährten. Schneemobil SchwedenUnd nach zögerlichem „Rumcruisen“, will auch ich es nun endlich wissen. Das Ding ist durchzugsstark und bissig. Ich katapultiere mich auf 80 km/h, es drückt mir das Wasser aus den Augen und ich habe Schweißperlen auf der Stirn. Aber was soll ich sagen: Leider geil!image-2015-09-12(8)

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