Als Alleinreisende auf Kreuzfahrt in Alaska – Erfahrungsbericht

„Als Alleinreisende auf Kreuzfahrt zu gehen, wie ist das so?“ Diese Frage erreichte mich immer wieder nach meiner Cruise von Vancouver nach Anchorage. Weil es mir ein Anliegen ist anderen zu helfen, möchte ich meine Erfahrung gerne teilen, um ihnen Mut zu machen, selbst mal in so ein Abenteuer zu starten.

Kreuzfahrt von Vancouver nach Anchorage, Royal Princess

Alleinreisende auf Kreuzfahrt – Eine Grundsatzentscheidung

Ich reise viel und ganz unterschiedlich: Das kann die Solo-Backpackingtour durch Südamerika sein, die Gruppenreise durch Simbabwe, ein Road Trip mit Freundin auf Zypern oder ganz klassisch der Pauschalurlaub mit Partner. Ich lege mich nicht fest, ob es ein Campingtrip ist, ich bei AirBnB-Anbietern wohne oder Luxus-Hotels besuche. Für mich hat jede Reiseform ihre Qualitäten, passt sich dem Budget und den Möglichkeiten an.

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Warum eine Kreuzfahrt

Womit ich bisher noch nie gereist bin, waren Kreuzfahrtschiffe. Aber angefeuert durch ein paar Freunde, die schon viele Jahre auf Cruise-Schiffen arbeiten, wurde ich neugierig auf diese Form des Unterwegsseins. Sie alle lieben ihren Job und den damit verbundenen Lifestyle über alles und machen immer riesig Lust aufs Reisen mit ihren Bildern im Netz. Aber ob das auch zu mir passte?

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Den größten Vorteil an einer Kreuzfahrt, sehe ich darin, dass man einmal seine Kabine bezieht, aber täglich an anderen Orten ist und richtig viel entdecken kann ohne wertvolle Urlaubszeit zu verlieren. Wer mal lange Zeit auf einem Backpacktrip unterwegs war, der weiß, wie zeitfressend und nervenaufreibend es ist, jeden Tag aufs Neue eine Unterkunft zu finden, einzuchecken, auszupacken und sich zurechtzufinden. Nach 4 Monaten on Tour in Südamerika hab ich es nur noch gehasst, ständig woanders zu übernachten.

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Also kam mir die Idee mit der Kreuzfahrt wieder in den Sinn. Allerdings stand ich vor zwei Problemen: Nicht jeder meiner Freunde begeistert sich für Alaska und ist bereit, in so eine Reise mehr zu investieren, als in einen Pauschalurlaub am Mittelmeer. Noch dazu kennen wir ja alle die gängigen Vorurteile gegenüber Kreuzfahrten: „Eine Cruise ist nur was für Reiche“, „…da muss man sich so aufbrezeln“ und „…da sind nur Rentner unterwegs.

Kreuzfahrt von Vancouver nach Anchorage, Royal Princess

Nun zugegeben, je nach Reiseform ist Alaska nicht gerade günstig zu bereisen, aber dafür ist es ein „Once-In-A-Lifetime-Adventure“ und mit einer pauschalen Urlaubsreise überhaupt nicht zu vergleichen. Seit vielen Jahren schon, schwärme ich von diesem Reiseziel, nur fand ich leider nie Jemanden, der diese Begeisterung auch teilte. Auf dieses Erlebnis verzichten wollte ich aber natürlich auch nicht.

Kreuzfahrt von Vancouver nach Anchorage, Royal Princess

Nur war mir auch wenig danach, selbstständig und tagelang mit dem Wohnmobil durch einsame Gegenden zu fahren. Nachts vielleicht völlig allein mit dem Camper irgendwo zu stehen und bei einem Problem mit dem Fahrzeug mir selbst überlassen zu sein.

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Und das war für mich dann auch der entscheidende Grund, mich für die Kreuzfahrt nach Alaska zu entscheiden. Zudem sah ich den Vorteil darin, dass ich völlig im Budget bleibe und mir um meine Sicherheit keine Gedanken machen musste. Was gerade für eine alleinreisende Frau ein wichtiger und nicht außer acht zu lassender Punkt ist.

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Doch gleichzeitig spukten eben diese Gedanken in meinem Kopf herum. „Bin ich vielleicht zu jung für eine Kreuzfahrt?“, „Werde ich mich einsam fühlen, wenn da nur Rentnerpärchen sind?“ oder „Wird es mir vielleicht sogar zu viel mit so vielen Menschen auf einem Schiff zu sein?“ Fragen über Fragen, aber beantworten kann man sich diese nur selbst, also entschied ich mich dazu, Kreuzfahrten einfach mal eine Chance zu geben. So eine Woche geht schnell rum und selbst wenn es nicht meinen Geschmack treffen sollte, ist so eine kurze Zeit gut machbar. Also startete meine erste Cruise!

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Schon fast übermütig vor Freude checkte ich in Vancouver auf der „Royal Princess“ ein, die mich in 7 Tagen durch die sogenannteInside-Passage“ nach Anchorage in Alaska bringen sollte. Und gleich im Cruise Terminal viel auf: „Nein, es wird keine Renternfahrt, aber auch kein Ausflug mit „Teenies“. Eine Reise durch Alaska ist nun mal auch kein Trip, der den partyfreudigen Zwanziger anspricht oder ins Budget von Teenagern fällt.

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Es gab ein paar junge Leute, Reisende meines Alters und natürlich auch Menschen in der Hochblüte ihres Lebens. Diese waren allerdings weit weg von tattrigen Rentnern. Ich würde sie, als die klassischen Best Ager beschreiben. Nun bin ich ja auch keine zwanzig mehr und die Entfernung zwischen Teenie und Sixty ungefähr die Gleiche. Da ich in der Regel auch mit beiden Altersklassen ganz gut klar komme, hab ich mich hier gut aufgehoben gefühlt und sah das Vorurteil, der Rentnerfahrt widerlegt.

Kreuzfahrt von Vancouver nach Anchorage, Royal Princess

Die Kabine – mein Zuhause für eine Woche

Meine Kabine war kein klassisches Single-Zimmer mit nur einem schmalen Bett, wie man sie in Hotels findet. Das finde ich persönlich ganz furchtbar. Ein Bett muss groß, kuschlig und der raumfüllende Mittelpunkt eines jeden Schlafzimmers sein, um sich darin wohlzufühlen. Besonders positiv ist mir also meine Kabine ins Auge gefallen.

Kreuzfahrt von Vancouver nach Anchorage, Royal Princess

Mein Bett erfüllte genau diese Kriterien und sollte die nächsten Tage der Platz für Träume sein. Überhaupt fand ich die Kabine sehr geräumig. Perfekt für eine Person, um sich auszubreiten und wohlzufühlen. Hier eine kleine Room-Tour für dich, damit du es dir besser vorstellen kannst:

Vermutlich hätte der viele Platz auch für zwei Personen gut gereicht. Aber um sich ein wenig wie ein Prinzesschen zu fühlen, fand ich die Räume auch genau passend für mich und meine Garderobe. Apropos Garderobe! Das ist natürlich auch so ein Punkt auf einer Kreuzfahrt und das aus vielerlei Gründen! 1x eingecheckt muss ich meine drei Koffer nicht dauernd rumschleppen, ich kann meine schönsten Sachen dabei haben und es gibt so viele Outfitmöglichkeiten auf einem Schiff!

Kreuzfahrt von Vancouver nach Anchorage, Royal Princess

Ich hatte keine drei Koffer dabei, war aber trotzdem gut ausgerüstet. Sachen, mit denen man sich auf dem Schiff ganz normal bewegt, etwas hübschere Kleider für den Abend, Sportoutfit fürs Gym, den Badeanzug für den Pool und natürlich die Garderobe für die Outdoor-Abenteuerausflüge an Land.

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Mit meiner Kabine war ich also rundum glücklich. Für alles fand sich bequem Platz und ich genoss es ehrlicherweise auch, die Tasche beim Reisen mal auszupacken, die Blusen knitterfrei aufzuhängen und Ablagefächer für Kleinkram zu haben. Sonst lebe ich auf Reisen oft aus der Tasche, weil das Ein- und Auspacken einfach zu müßig ist, wenn man nur für ein oder zwei Nächte irgendwo ist.

Kreuzfahrt von Vancouver nach Anchorage, Royal Princess

Der Balkon – ein Stück Lebensgefühl

Besonders angetan war ich auch von meinem Balkon. Bevor man Kreuzfahrtreisender wird, überlegt man sicherlich, Geld zu sparen und eine Innenkabine zu buchen. Seid ich den Unterschied und das damit verbundene Lebensgefühl kenne, würde ich nur noch eine Kabine mit Balkon wählen. Es ist so herrlich da in aller Stille zu sitzen und die Landschaft vorbei ziehen zu sehen.

Kreuzfahrt von Vancouver nach Anchorage, Royal Princess

Ein Schiff voller Möglichkeiten

Als Nächstes machte ich mich daran, das Schiff zu erkunden und zu schauen, welche Möglichkeiten ich hier hatte. Dabei war mir auch wichtig rauszufinden, wie spürbar die 3.500 Gäste auf dem Schiff sind. Da ich ein Mensch bin, der auch seinen Freiraum und Rückzugsmöglichkeiten braucht, wollte ich herausfinden, wie es sich für mich anfühlt.

Kreuzfahrt von Vancouver nach Anchorage, Royal Princess

Also lief ich das ganze Schiff von vorne nach hinten ab. Schaute mir alle Restaurants an, checkte die Sportmöglichkeiten, kam am Spa und den Shoppingmöglichkeiten vorbei. Nach einem Tag auf See hatte ich damit ein ganz gutes Gefühl für das Schiff und fand mich erstaunlich gut zurecht.

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Das Sonnendeck – mein Liebingsplatz

Und blieb letztlich am Liebsten auf dem Sonnendeck, denn das fand ich einfach nur großartig! Und während meiner ganzen Zeit auf dem Schiff ging es hier gemütlich einher. Mit einer kleinen Ausnahme. Als wir nämlich die Glacier Bay anfuhren, wurde es draußen an der Reeing voller. Aber immer noch so, dass man einen Platz zum Fotografieren und Filmen gefunden hat.

Kreuzfahrt von Vancouver nach Anchorage, Royal Princess

Früh morgens oder während der Abendfilm lief, hatte man das Oberdeck quasi für sich alleine. Was sicherlich auch an den Außentemperaturen lag. Mich hielt das nicht davon ab, hier morgens zu sporteln und abends Hollywood-Streifen zu schauen.

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Da es sich um eine Alaska-Kreuzfahrt handelte, war klimatisch- und jahreszeitbedingt (September), am Pool eher wenig los. Trotzdem fanden sich auch hier immer wieder Leute wie ich, die im heißen Whirlpool lagen und mit denen ich leicht ins Gespräch kommen konnte. (Ich habe hier bewusst ein Foto ausgewählt, wo keine Menschen in ihren Badesachen gezeigt werden, daher nicht wundern, wenn es gar so leer aussieht.)

Kreuzfahrt von Vancouver nach Anchorage, Royal Princess

Die Sonnendecks – Entspannen in sagenhafter Natur

Auch in den hinteren Teilen des Schiffes gab es Decks, die nur wenig frequentiert waren. Hier saß ich in aller Ruhe in der Sonne und genoss den Blick auf die sagenhaft schöne Landschaft. Und keine Sorge, Alaska ist nicht immer fürchterlich kalt. Im Gegenteil, wer im Sommer reist, der hat tagsüber auch Temperaturen um die 30ig Grad. Vielleicht nicht in der Glacier Bay, aber in den anderen Orten die passiert werden.

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Die Restaurants – mehr als nur Ort der Verpflegung

Auf dem Schiff gibt es zwei Restaurants, die immer geöffnet sind und verschiedene Spezialitätenrestaurants mit Sitzplätzen, die reserviert werden müssen. Ich persönlich habe mich in den Buffet-Restaurants am Wohlsten gefühlt, weil ich einen sehr speziellen Ernährungsstil habe und die Auswahl für mich dort einfacher war. Das Angebot war umwerfend und egal, ob man Vegetarier ist oder so wie ich, sich zuckerfrei ernährt, hier wird garantiert jeder fündig. Aber natürlich habe ich auch Naschkatzen beobachtet, die voll auf ihre Kosten gekommen sind.

Kreuzfahrt von Vancouver nach Anchorage, Royal Princess

Zudem liebe ich auf Reisen den Kontakt zu anderen Menschen und den Austausch mit ihnen. Hier konnte ich höflich fragen, ob ich mich dazu setzen darf und wurde immer herzlich am Tisch begrüßt. Daraus sind sehr viele, sehr wertvolle Gespräche entstanden und auch die ersten Boardfreundschaften. Es gibt also als Alleinreisende auch bei den Mahlzeiten keinen Grund sich abgeschottet oder gar einsam zu fühlen. Im Gegenteil, dass Schiff machte es mir einfach neue Freundschaften zu knüpfen.

Kreuzfahrt von Vancouver nach Anchorage, Royal Princess

Die Landausflüge – Abenteuer on the go

Zu einer Kreuzfahrt gehören aber natürlich auch die Landgänge. Hier hat man die Möglichkeit, sich Ausflüge zu buchen oder auf eigene Erkundungstour zu gehen. Ich habe immer eine Mischung gemacht. Mindestens einen Ausflug gebucht, aber ich bin auch alleine losgezogen und hab die Gegend für mich entdeckt. So war ich vormittags mit einem historischen Zug auf der Gold-Rausch-Route unterwegs, bin zum Whale Whatching rausgefahren oder war Kajaken. Den Nachmittag bin ich dann durch die Ortschaften geschlendert, war bummeln und habe viel fotografiert.

Kreuzfahrt von Vancouver nach Anchorage, Royal Princess

Das war für mich die perfekte Mischung aus Gesellschaft und Zeit für mich. Wer Bedenken hat, sich einsam zu fühlen, der kann sich natürlich auch mehr als einen Ausflug am Tag anschließen. Vielleicht hat man aber sogar schon Freundschaften auf dem Schiff geschlossen und zieht gemeinsam los.

Kreuzfahrt von Vancouver nach Anchorage, Royal Princess

Das Internet – Kontakt zur Außenwelt und mit den Lieben

Kontakthalten mit den Lieben daheim ist natürlich auch wichtig und ist hilfreich, sich nicht alleine zu fühlen. Ich habe ein Datenpaket für die gesamte Reise gehabt. Damit war ich auf der Kreuzfahrt immer via WLan mit dem Internet verbunden und konnte so Facebook checken, Stories posten oder WhatsApp Nachrichten empfangen. Bei meinem Schlendern übers Schiff habe ich auch ein Internet-Café entdeckt, wenn die Sehnsucht zu groß sein sollte, kann man sich auch hier einloggen und mit Freunden und Familie auf großen Monitoren Videochatten.

Kreuzfahrt von Vancouver nach Anchorage, Royal Princess

Das Entertainment – Bordunterhaltung par excellence

Besonders vor den Seetagen und Abenden hatte ich etwas Bedenken, in die Verlegenheit zu geraten mich verloren oder gar einsam zu fühlen. Aber auf dem Schiff ist natürlich immer jede Menge Entertainment geboten, bei der man Unterhaltung und Konakt zu Mitreisenden findet. Bei der Vielfalt an Angeboten findet sich zu jeder Tageszeit eine passende Aktivität.

Kreuzfahrt von Vancouver nach Anchorage, Royal Princess

Spieletreffs in der Bibliothek sind zum Beispiel eine hervorragende Möglichkeit, um soziale Kontakte zu knüpfen und beschäftigt zu sein. Oder wie wäre es mit einem Tanzabend? Ich habe diese Veranstaltungen geliebt, denn hier hatte man dann auch einen Grund, die schicken Kleider auszuführen und Make-up aufzulegen. Wann macht man das schon im Alltag? Wohl höchstens an Silvester und dann auch nur, wenn der Rahmen entsprechend ist. Für mich war es in jedem Fall ein Genuss und wann immer sich eine Gelegenheit bot, war ich dabei.

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Wer gerne in Gesellschaft ist, aber nicht unbedingt den persönlichen Kontakt braucht, der fühlt sich bestimmt auch bei Comedy-Events, Gala-Shows oder Vorträgen sehr wohl. Für mich war das auch stets eine gute Wahl unter Menschen zu sein. Welche Programmpunkte anstehen kann man über die App checken, sich darüber auch die eigenen Termine eintragen und im Blick behalten.

Kreuzfahrt von Vancouver nach Anchorage, Royal Princess

Überall auf dem Schiff hatte man zudem an den Panels die Möglichkeit sich über das „Ocean Medaillon„einzuloggen und sich alle nötigen Informationen anzeigen zu lassen. Mir half das, immer alle Veranstaltungen und Termine im Blick zu behalten und rechtzeitig alle Räumlichkeiten zu finden. Zudem ist das Ocean Medaillon auch super praktisch, weil man nicht nur (vergleichbar mit einer Chipcard) sein Zimmer damit öffnen kann, sondern dieses auch zum Bezahlen nutzen kann. Oder man ordert via der App die Cocktails genau an den Ort, an den man sich gerade aufhält. Wandert man also vom Pool zu den Lieben, so findet der Kellern einen auch dort.

Kreuzfahrt von Vancouver nach Anchorage, Royal Princess

Als Alleinreisende auf Kreuzfahrt – Mein Fazit

Trotz der Bedenken im Freundeskreis und meiner Skepsis vor einer Kreuzfahrt, kann ich jetzt aus vollem Herzen sagen: Ich habe die Cruise geliebt, jede Minute genossen und genau die richtige Entscheidung damit getroffen, Alaska per Schiff zu entdecken und mich auch hier für den Marktführer zu entscheiden. Für mich war es der perfekte Weg als Alleinreisende unterwegs zu sein, mich sicher und nicht einsam zu fühlen.

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Zudem hat die Royal Princess genug Platz, für eine freiheitsliebende Seele wie mich. Die Mischung aus entdeckungsreichen und erholsamen Tagen an Board war auch ideal. So hat man viel gesehen und sich trotzdem erholen können. Von mir also alle Daumen hoch und ein absolutes „Unbedingt machen“! Neugierig geworden? Dann schau mal hier, ob eine Alaska-Kreuzfahrt etwas für dich sein könnte:

Kenntlichmachung

Ich wurde zu dieser Pressereise von Princess Cruise Deutschland eingeladen. Inkludiert war hier die Kreuzfahrt inkl. Verpflegung, wie bei solchen Angeboten für Journalisten üblich. Flüge, Unterkünfte vor der Reise und Landausflüge habe ich aus eigenem Budget finanziert. Darüber hinaus gab es keine Bezahlung. Meine persönliche Meinung bleibt davon unbeeinflusst.

 

Amerika Road Trip – Unterwegs im Land der Vorurteile

Unseren Amerika Road Trip kann man gerne unter dem Motto führen: „Sie waren jung und wussten nicht was sie tun“. Aber genau deshalb war es auch der ultimative Trip durch ein Land, wie es nicht skuriller, außergewöhnlicher und abgedrehter nicht sein kann!image-2015-09-01(3)Ich hatte Flüge nach Orlando gewonnen, meinen besten Freund im Gepäck und wir waren nahezu ohne Vorbereitung nach Amerika gestartet. Kurz hatten wir uns mal zusammengesetzt und 3 Punkte festgelegt, die wir ansteuern wollten. Wir haben die Motelpreise an unserer ersten Station gecheckt und den Mietwagen gebucht. Klar war auch: keine Vergnügungsparks.image-2015-09-01(33)Und da standen wir nun im großen Amerika was wir Beide nur aus dem Fernsehen kannten. Keine Vorstellung hatten wir, was uns hier wirklich erwarten würde. Ich ging davon aus, dass die Läden 7 Tage in der Woche für 24 Stunden geöffnet haben, das Klamotten spottbillig sind, alle sexy Victoria Secret Unterwäsche trugen, es überall diese coolen American Diner im Stil der 50iger gibt und an jedem Stadtrand ein Open Air Kino. Die Realität war eine völlig Andere.image-2015-09-01(10)Schon am ersten Tag den wir spät ankamen scheiterten wir daran etwas zu Essen zu bekommen. Supermärkte geschlossen & American Diner ab 22 Uhr im Feierabend. Am nächsten Morgen dann sollten sich zumindest unsere Shoppingträume erfüllen. Wir fuhren die nächste Mall an. „Nicht mehr als 300 EUR, hörst Du?“ – ich bat Tom auf mich aufzupassen, falls ich dem Shoppingrausch total erliegen sollte. Erste Station der Victoria Secret Store, der für mich der Inbegriff von sexy Unterwäsche, Männerträumen und schöner Frauen war. image-2015-09-01(2)Voller Vorfreude stoppte ich am ersten Auslagetisch, griff nach einem „Höschen“ und dachte, ich muss im falschen Film sein. Statt winzigem Stringtanga hielt ich einen monströsen beigen Schlübba in der Hand, der die Dimensionen hatte, auf einen Elefantenhintern zu passen! Der Alptraum an geschmackloser Unterwäsche setzte sich fort. Völlig verstört verließ ich den Laden. Anscheinend ist die Verkaufsware eine auf die Amerikanerin angepasste und nicht die, die auf dem Laufsteg gezeigt wurde. Genau 18 Dollar hab ich nach einem Tag in der Mall ausgegeben, denn spottbillig wie gedacht, war es dort nicht. Tom gings ähnlich und damit war das Thema Shoppen & Victoria Secret in Amerika für uns gestorben.image-2015-09-01(31)Wir rollten raus aus der Stadt und unser Ziel war die Westküste. An jeder Ampel bestaunten wir den Verkehr, die riesigen Autos, typische Schulbusse und überdimensional große US-Flaggen. Ich kam mir vor wie in einem Road Movie! „Guck mal, die sitzen auf der Ladefläche des Pickups!“ Selbst so eine Kleinigkeit hatte einen „Wow-Effekt“. Wir kannten es ja nicht und hielten es für die große Freiheit.image-2015-09-02(1)Die Highways waren breit, die Lastwagen riesig, die Sonne schien, wir hatten die Musik laut aufgedreht und unsere Highlights waren nicht Museen, Schlösser oder Plätze, sondern der ganz normale amerikanische Alltag.image-2015-09-02(8)Wir liebten es durch die Supermärkte zu schlendern und all diese überdimensional, großen Verpackungen aus den Regalen zu ziehen. XXXXL Gatorade, XXXXL Baguette, XXXXL Chipstüte – alles schien hier größer zu sein als im Rest der Welt und wir hatten einen Heidenspaß daran, diese neue Welt für uns zu entdecken.image-2015-09-01(6)Unser erstes geplantes Etappenziel führte uns nach Caladesi Island, denn ich wollte im glasklaren und wunderbar warmen Wasser des Golf von Mexico paddeln gehen. Gesagt getan! Wieder große Augen beim Anblick der ersten Pelikane und zwei im Wasser turtelnden Rochen. War das schön hier! Ich hatte noch nicht viel gesehen außerhalb von Europa und war von allem schwer beeindruckt.image-2015-09-01(18)Am Ende eines wunderbaren Tages galt es ein Motel für die Nacht zu finden. Wir kannten die Preise von Orlando, nicht aber die von der Westküste und so wurde unsere Suche bald zum Spießrutenlauf. Zu teuer, zu laut, zu dreckig… Kakerlaken die quer über die Wand liefen. Darauf war ich auch nicht eingestellt. Nach Stunden beschlossen wir, uns stattdessen in einem Hotel einzubuchen und uns von dem Schreck erstmal zu erholen.image-2015-09-02

11 Tage waren wir in Florida unterwegs und das Moteldilemma setzte sich fort. Jeden Tag waren wir über Stunden damit beschäftigt eine bezahlbare & saubere Unterkunft zu finden, die uns Beiden passte. Eigentlich verschenkte Urlaubszeit, aber irgendwie gehörte es zum Erlebnis „Amerika“ auch schon wieder dazu.image-2015-09-01(26)Wir fuhren die Westküste runter in Richtung Everglades, spielten Volleyball mit Einheimischen am Strand von Clearwater, aßen Riesenburger in Fort Myers und schlotzten das leckerste Eis „ever“ in Naples. Der Weg war das Ziel und Freiheit unser Begleiter, so rollten wir den Krokodilen entgegen, auf die ich schon sehnsüchtig wartete.image-2015-09-01(9)In den Everglades angekommen überredete man uns zu einer Sonnenuntergangstour, bei der man mit etwas Glück sogar Delfine springen sehen konnte. Ich war Feuer & Flamme. Nach 2 Stunden, die die Fahrt gedauert hatte, habe ich zwar einen tollen Sundowner gesehen, aber keinen Delfin und erst Recht kein einziges Krokodil! Ich ging davon aus, dass die Everglades das Mutterland dieser urzeitlichen Tiere sind. Das sie hier fast schon gestapelt an den Stränden zwischen den Mangroven rumlungern würden. Aber nichts! Nicht ein Krokodil zeigte sich.image-2015-09-01(19)Dafür Trilliarden von Mücken, als wir wieder unser Auto erreichen. Ich werde nie die schwarze Wolke an der Tankstellenleuchte vergessen und auch nicht die 10 Meter lange Theke voll von Insektiziden. „Nein, hier bleiben wir keine einzige Nacht!“ Nächstes Etappenziel waren die Key Islands. Doch noch stand uns eine lange Fahrt durch die Dunkelheit und auf schnurgerader Straße bevor.image-2015-09-01(32)An der Ostküste angekommen und eigentlich hundemüde fiel mir ein Casino auf. Das hatten wir bisher auch vermisst. Ein wenig quengeln und umziehen auf dem Parkplatz war schon nötig, um Tom zu einem Besuch zu überreden. ABER Amerika war auch das Land des Glücksspiels und das durfte ich mir natürlich in keinem Fall entgehen lassen. Wie toll muss das sein, in prunkvollen Sälen zu wandeln, all die reichen & schönen Menschen zu bewundern und dann gleich noch aus 50 Dollar die Wahnsinnsumme von 5.000 Dollar zu erspielen. Ja, ich war voller Erwartung als sich die Türen öffneten.image-2015-09-01(29)Doch noch im gleichen Moment überkam mich Ernüchterung. Stumm und mit großen Augen wandelten wir durch einen riesigen geschmacklosen Saal, vollgestopft mit Menschen und Maschinen. Ein Spielautomat neben dem Anderen. Davor lauter verkrachte Existenzen. Der Bauerbeiter in seiner Arbeitskleidung, die Oma in ihrem Kittelchen oder die Hausfrau gleich im Schlafanzug. Die Menschen hingen an den Automaten als seien sie ihre letzte und einzigste Hoffnung. „Bring mich hier raus“ flehte ich Tom an. Aus der großen Quengelbacke war ein eingeschüchteres Mädchen geworden, so enttäuscht war ich von diesem Anblick. Auch dieses Casinos war so fernab der Hollywoodromantik die ich seit Oceans Eleven damit verband.image-2015-09-01(24)Dafür waren die nächsten Tage um so schöner, denn es ging auf die Florida Keys. Umgeben von türkisblauem Meer hüpften wir von Insel zu Insel, bestaunten schicke Yachten, schnelle Motorboote und Jetskys.image-2015-09-02(2)In Key West angekommen fanden wir eine schöne Bleibe und freuten uns schon auf den Abend mit Dosenbier und Chill-Out-Mucke am Meer. Nachdem wir das hippe Key West für uns erkundet hatten und zurück in unserem Motel waren, dann allerdings die Ernüchterung. Es herrschte Ebbe, also saßen wir statt am rauschenden Meer nun am schlammigen Tümpel. image-2015-09-01(22)Aber es spielte keine Rolle, denn wir hatten uns. Und wir wären nicht wir gewesen, wenn nicht auch ein staubiger Randstein oder ein Platz an einer matschigen Pfütze nicht cool gewesen wären. Es war schlicht egal, was um uns war. Gute Freunde machen sich ihre Welt eben schön und so lachten wir über das fehlende Meer.image-2015-09-02Unsere Tour näherte sich dem Ende und unser Flieger sollte von Miami aus starten. Nachdem wir von Shopping & Großstädten schon am ersten Tag geheilt waren planten wir keine große Tour mehr durch die Stadt. Aber zunächst mal galt es, das angepeilte Motel finden.image-2015-09-02(4)Die Straße hatten wir sehr schnell gefunden, die Hausnummer war uns entfallen. „Wie lang kann eine Straße schon sein? Da findet man seine Unterkunft bestimmt ganz leicht.“ Weit gefehlt. Auch Straßen haben hier eine andere Dimension und so fanden wir uns in einem Stadtteil wieder, welchen man gut und gerne als „dodgy“ (schmuddelig) bezeichnen könnte. „Hier muss es doch sein.“ „Warte ich schau doch noch mal in den Unterlagen“ – also hielten wir.image-2015-09-02(3)Allerdings nur unter der Prämisse „Du gibtst Gas ohne zu fragen warum, wenn ich Dir das Signal dazu gebe!“ Mir war die Gegend absolut suspekt & ich wollte nicht in eine Schießerei verwickelt werden. Wie aus einem schlechten Hip Hop Video sah es hier aus. Aufgemotze Karren, runtergekommene Häuser, gepimte Tussis und Typen mit Goldkettchen.image-2015-09-02(6)Und während wir da so am Straßenrand standen tauchte plötzlich und unvermittelt eben so ein „Hip Hopper“ an meinem Fenster auf. Rabenschwarz, viel zu große Klamotten, über und über mit schweren Goldketten und Anhängern behängt und grinste mich an. Mit breit geöffnetem Mund in dem auch alles golden glänzte! Ich werde dieses Bild nie vergessen. „So Tom, jetzt gibt doch bitte Gas!“ Besagter Moment war gekommen und ich sah wieder ein Vorurteil als bestätigt an. Bis heute schmunzle ich über diese Szene und meine Dorfkinddenke.image-2015-09-02(5)Den Abend verbrachten wir im angesagten Art Deco Virtel und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus. Nur lauter schöne & hippe Menschen. Frauen mit XXL Brüsten, fahrende Beatboxen, Party an jeder Bar und nur gut gelauntes Partyvolk. Miami erfüllte mein Klischee der Stadt und wurde zum krönenden Abschluss einer Reise die so nie geplant war. Die aber genau deshalb so wunderbar war.image-2015-09-01(7)Sich treiben lassen, in den Tag hinein leben, unterwegs sein und entdecken, erleben und bestaunen – so lässt es sich wohl am Besten beschreiben. Der wichtigste Faktor bei einem Road Trip und das habe ich gelernt, ist der Mensch mit dem man reist. Denn der Urlaub findet im Auto statt. Die Chemie muss also stimmen, der Way of life muss passen und am besten auch der Musikgeschmack.image-2015-09-02(7)Wir haben gelernt, dass Vorurteile oft überhaupt nichts mit der Realität zu tun haben und dann aber wieder auch zu 200% passen. Wir haben herausgefunden, das die Amerikaner unglaublich nette Menschen sind und wir haben uns verliebt in die Weite und Freiheit dieses Landes.

#danke

Ich möchte an dieser Stelle noch Tom danken für diesen wirklich außergewöhnlichen Trip, den ich sicherlich nie vergessen werde. Es war eine tolle Zeit und du hast sie so speziell gemacht! Danke auch für einen Teil des Bildmaterials!

image-2015-09-01(11)Und so sieht unser Trip auf der Karte aus!
#infoMit diesem Text nehme ich an der Blogparade von Oliver von Sinograph teil. Er fragt in die Runde: Vorurteilen: Was sind deine Aha-Momente?
Und auch andere Blogger haben sich Gedanken zu dem Thema gemacht. Schaut doch mal bei Ulrike vorbei und lest im LINK, welche Gedanken sie sich zu China macht.