Boat´n Bike – Inselhüpfen in Kroatien

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Tag 1

Eine gewisse Ungeduld & Aufgeregtheit begleitet mich in der Anfahrt auf Opatija (Kroatien). Über Serpentinen schlängelt sich die Straße hinab, vorbei an typischen Steinmäuerchen, Olivenheinen und den ersten Häusern der Stadt. Und dann ist der Blick plötzlich frei. Frei für eine schier unglaubliche –Panorama-Aussicht auf die Kvarter Bucht und das leuchtende Blau der Adria. Mir kullern die Tränen, so ergriffen bin ich von der Schönheit dieses Anblicks.

Ich kann es kaum mehr erwarten, den Hafen und unser Schiff zu erreichen. Aber zunächst bin ich überwältigt von der mondänen Schönheit dieser Stadt. Prächtige Villen, süße Straßenkaffes und gut gelaunte Touristen zeichnen das Stadtbild. Ich hab mich sofort verliebt. Überall viel Grün, kleine Parks mit Schattenspendenden Zypressen und Palmen. Man kann Opatija gut und gerne als eine der Perlen der Adria bezeichnen.

Leider bleibt mir keine Zeit alle Schönheiten zu entdecken. Auf mich wartet ja ein Schiff im Hafen. Sagt ich eins? Drei wunderschöne Motorsegler der Katariner Line haben geankert und zwei nette Damen nehmen mich auch direkt in Empfang. Staunend stehe ich vor der „Dalmatinka“ und freue mich gleich aufs Schiff zu kommen. Doch zunächst lerne ich meine Mitreisenden kennen. Eine bunte Mischung aus Österreichern, Schweizern und Deutschen. Alle sehr nett, stelle ich fest. Jetzt geht’s endlich auf´s Schiff und in unsere Kabine mit eigenem Bad und Blick aufs Meer.

Für einen kleinen Moment zweifel ich an meiner Wahrnehmung, denn erst jetzt merke ich, dass das Schiff schaukelt und mein Gleichgewichtssinn sich erst darauf einstellen muss. In jedem Fall aber eine sehr interessante Erfahrung. Die Entdeckungstour geht weiter: Neugierig schlendere ich übers Schiff, finde das Reich vom Koch, riskiere einen Blick in das Innere in dem sich der Motorraum befindet, entere das Steuerhäuschen des Kapitäns und genieße später den Blick übers Meer vom Sonnendeck aus. Sehr reizend unser Schiff und die Atmosphäre kann man sehr schnell als familiär beschreiben. Als die Räder und das Gepäck verstaut sind legt unser Schiff ab und wir gleiten sanft übers Meer.

Ich stehe an der Reling. Unter mir hunderte kleiner Fische, die sich scheinbar schwerelos fortbewegen. Noch nie habe ich vergleichbar, klares Wasser gesehen. Bis mind. 10 m lässt das Meer auf seine Bewohner schauen. Als nächstes treffen wir unter Deck, hier lernen wir die Crew & unseren Guide „Appi“ kennen. Nach kurzer Sicherheitseinweisung, ein paar Informationen zum Schiff und der Tour gibt’s erstmal einen leckeren Welcome Drink. Indes trifft man sich auf dem Sonnendeck zum Plauschen, um sich kennenlernen und natürlich um die Aussicht zu genießen.

Der Blick schweift entlang der Steilküste, vorbei an kleinen romantischen Buchten, Fischerbooten zurück nach Opatija, welches sich zunehmend in der Ferne verliert. Wir haben Kurs auf die Insel Krk genommen. Unser Schiff “ parkt“ in der dritten Reihe und ich frage mich, wie wir von dort aus an Land gehen sollen. Als Landei hat man ja keinerlei Vorstellung von Seefahrt. Doch die Lösung ist simpel: Die Schiffe werden kurzerhand miteinander vertaut und mit einem Bootssteg verbunden. Man durchläuft einfach alle Schiffe um ans Peer zu gelangen. Wir starten unsere erste Entdeckungstour an Land.

Wir sind in Omnijal, eines dieser kleinen reizenden Dörfchen mit engen Gassen, bezaubernden Blumenbeeten und faul in der Sonne liegenden Katzen. Ich bin erstaunt, wie unterschiedlich hier die Temperaturen auf uns wirken. Bei Anfang 20° C, stöhnen wir schon vor Hitze. Mit kühlen Getränken lassen wir uns am Straßenrand nieder und beobachten wie die Menschen hier leben. Alles geht sehr viel ruhiger von Statten, als wir es in unserem hektischen Alltag gewohnt sind.

Wir schnaufen tief ein, so als könne man mit der Luft auch den Lebensstil adaptieren. Am Abend treffen sich alle wieder in der Konobar, was übersetzt so viel heißt wie Kellerbar. Unterm Sternenhimmel sitzend werden einheimische Spezialitäten gereicht, Kroatischer Wein probiert und als Dessert gibt es, auch ganz typisch, Palatschinken (vergleichbar mit Crêpes). Lustig wird es, als der Kellner begreift, dass nicht Einer für Alle zahlt und er alles einzeln kassieren muss. Er ist sichtlich angespannt. Anscheinend ist es hier Gang & Gäbe, dass die Rechnungen nicht aufgeschlüsselt werden. Tja, wieder was gelernt. Vorbei am Marktplatz, der Kirche und durch enge Häuserschluchten kehren wir zum Schiff zurück.

Und jeder fragt sich, wie sich die Nacht auf der schaukelnden „Dalmatinka“ gestalten wird. Aber die See liegt ruhig und somit wir auch. Es darf also süß geträumt werden. Zum Beispiel, wie es in den nächsten Tagen weiter geht, wie sich die Mountainbike-Touren gestalten werden, wie die umliegenden Inseln ausschauen und ob und die Sonne uns weiterhin begleiten wird.422428_243719925708510_2067599745_n

Tag 2

Krk, Omisalj Cres

In der Nacht wurden wir wunderbar in den Schlaf geschaukelt und können so erholt in den 2´ten Tag unserer Reise starten. Leider lässt der Blick aus dem Bullauge nichts Gutes erahnen und dem ernsten Gesichtsausdruck unseres Kapitäns nach, auch nicht. Appi, unser Guide, erklärt uns auch genau warum. Angesagt sind Starkregen, schwerer Sturm und Turbolenzen auf dem Meer. Wir müssen also unsere Route ändern und schwenken auf die Südtour um.

Wir verlassen den Hafen von Omisalj und steuern die Insel Cres an. Das Schiff ringt mit den ersten Ausläufer des Unwetters, gegen Wind, hohe Wellen und die Gischt, die gegen das Deck donnert. Ich wanke zum Bug des Schiffs, klammer mich an die Reling und verfolge gespannt den Kampf mit den Naturgewalten. Unser Kapitän steuert in ruhigere Gewässer und im Hafen von Cres können wir ankern und endlich aufs Mountainbike umsteigen.

Also die Meisten, ich suche noch immer den Schlüssel vom Fahrradschloss. Dank Panzerkette ist mein Bike untrennbar mit dem Boot vereint. Ich werde panisch & sehe den gesamten Urlaub in Gefahr. Die Gruppe ist derweil ganz relaxed & freut sich mit mir, als nach dem 3´ten Kofferausschütten der Schlüssel endlich auftaucht.

Wir starten zu unserer ersten Tour über die Insel. Die Straße schlängelt sich entlang der Küste, umsäumt von endlosen Olivenhängen, vorbei an grasenden Schafen, führt unser Weg immer bergauf in Richtung Predoscica. Die Gegend ist einfach wunderschön. Sehr karg aber mit dem Charme mediterraner Landschaften. Und beim Blick über die Bucht gerät man leicht ins Träumen.

Gedämpft wird dieses Hochgefühl allerdings durch die ersten Regentropfen auf unserer Haut. Als wir den Ort erreichen, regnet es in Strömen. Gruppendynamisch entscheiden wir, zurück zum Hafen zu fahren. Und wir haben Glück, der Regen setzt kurz aus und wir können es sogar noch abseits der Straße auf einem kleinen Wirtschaftsweg ordentlich rollen lassen. Umsäumt von diesen typischen Steinmäuerchen und schattenspendenden Bäumen führt uns der Trail in rasantem Tempo über allerlei Stöckchen & Steine.

Das Mountainbiker-Herz fängt fröhlich an zu pochen. Jedem aus der Gruppe ist anzusehen, dass er gerade mörder viel Spaß hatte, als wir wieder in Cres ankommen. Für eine Einsteigertour waren es heute leichte 24 km, bei 400 Höhenmetern und guten 2h Fahrtzeit. Hungrig aber glücklich suchen wir uns ein kleines Lokal & genießen den Nachmittag in der Altstadt. Den Abend verbringen wir auf dem Schiff, tauschen alte Mountainbiker-Weisheiten aus und planen gemeinsam den nächsten Tag.
image-2015-08-21(7)Tag 3

Der 3 Tag startet mit dem Unwort „Bora“. Unwort deshalb, weil es sich hier um den stärksten Wind in Kroatien handelt und mit 50 Knoten die Anfahrt auf unsere nächste Station in Mali Losinj verhindert. Wir müssen also einen weiteren Tag in Cres bleiben. Einfallsreichtum ist gefragt. Und wenn einer verdammt gut improvisieren kann, dann unser Guide „Appi“. Nach kurzem Blick in den Himmel beschließt er, dass es heute nicht regnet und wir direkt starten können.

Also „er“ beschließt… 30 min später geht es auf der alten Uferstraße in Richtung Valun. Obgleich „Straße“ es nicht so ganz trifft. Den Weg als Eseltrail zu bezeichnen wäre eine viel bessere Beschreibung. Auf rotem Sand & Schotterpiste geht’s knackig bergauf. Zur Belohnung für diese Strapazen gibt es einen atemberaubenden Blick hinüber zum Hafen, wo unser Schiff ankert. Doch viel Zeit zum Verschnaufen ist nicht, weiter geht’s entlang des Höhenwegs oberhalb der Steilküste. Für mich „Flachlandtiroler“ gestaltet sich die Etappe zum persönlichen Alpe d´Hueze. Appi ist so reizend mich darüber aufzuklären, dass das allenfalls Hügel sind. Meine Lunge sagt etwas Anderes.

Dafür liebe ich die Abfahrten. Kopf aus, Sattel zwischen die Beine und dann ordentlich Stoff. Und alles was ich bei den Anstiegen an Boden auf die Gruppe verloren habe, hol ich damit locker wieder auf. Funktionierte leider nur so lange, bis meine Kette im Anstieg gerissen ist und ich auf weiter Flur alleine war. Glücklicherweise schaut unser Appi regelmäßig, ob all seine Schäfchen mit der Herde mithalten. Selbstverständlich könnte ich die Kette auch alleine nuten, aber hey, ich bin eine Frau und lass mich gerne retten;) Appi kann das eh viel besser und in Windeseile. Die Kette ist nach 5 min. repariert und wir heizen dem Rest der Gruppe nach.

Im Affenzahn geht es die Berge ähhh Hügel hinauf und wieder runter, bis wir endlich wieder bei unserer Truppe sind. Weiter geht’s nun wieder gemeinsam. Auf kleinen, einsamen Wirschaftswegen radeln wir„Podol“ entgegen, der wohl kleinste Ort in dem ich je war. 2 Häuser und ein paar Stallungen, mehr gibt’s nicht. Dafür sind die Bewohner umso reizender. Wir fragen nach Wasser & scheitern bei dem Versuch, dieses auch zu bezahlen. Das ist Gastfreundschaft & man würde beleidigt sein, wenn wir diese ausschlagen würden. Wir nehmen also dankend an & ziehen weiter. Vorbei an idyllischen Olivenhainen, aufgeregt flüchtenden Schafsherden und Eseln mit ihren typischen „iahhh“ – Rufen.

Inzwischen haben alle schrecklichen Hunger & treten noch mal ordentlich in die Pedale um schnell am Mittagstisch zu sitzen. Nachdem alle Mägen gefüllt sind geht’s retour zum Hafen von Cres. Diesmal nehmen wir die Hauptstraße. Die Steigungen werden dadurch nicht minder anstrengend für mich, zumal der Wind aufgefrischt ist und wir nun mit kräftigem Gegenwind kämpfen. Aber wie es sich für ein gutes Team gehört, wird Windschatten gefahren und alle kommen abgekämpft, aber glücklich wieder am Schiff an.

Den späten Nachmittag verbringen alle auf Ihre Art. Die Einen gehen Shoppen, Jörg ist noch nicht ausgepowert & schwingt sich in sein Paddelboot, die anderen Sorgen sich um Ihren Mineralien-Haushalt und gleichen diesen bei einem kühlen Bier im malerischen Hafen aus. Ich schnapp mir meine Kamera und gehe auf Entdeckungstour durch die Altstadt. Kleine Gassen, bezaubernde Cafés und alte steinerne Kirchen gehören ebenso zum Stadtbild wie die vielen, bunten Fischerboote. Bei untergehender Sonne sitzen wir später alle beim Essen zusammen und planen den nächsten Tag. Soweit das möglich ist bei „Bora“. Geschafft haben wir heute 60 km und 1000 hm. Nicht schlecht, wie ich finde. Es bleibt also spannend!image-2015-08-21(2)

Tag 4

Wir begrüßen den Tag mit herrlichem Sonnenschein und der Kapitän hat auch gute Nachrichten für uns. Das Meer hat sich beruhigt und wir können endlich einen neuen Hafen ansteuern. Male Losinj heißt heute unser Etappenziel. Ein paar Leute der Gruppe entscheiden sich dafür den Vormittag auf dem Schiff und in der Sonne zu verbringen. Wir nehmen das Rad und verabschieden uns mit einem wehmütigen Blick über Cres und seine bezaubernde Altstadt. Es liegen knackige 60 km Weg vor uns & wir wollen unbedingt vor dem Schiff ankommen.

Diesmal geht es Größtenteils auf asphaltierten Straßen entlang der Adria-Küste. Und diese zeigt sich heute von ihrer schönsten Seite. Die Sonne lächelt uns an und das türkisblaue Meer leuchtet in all seinen Facetten. Außerdem haben wir wieder ganz wunderbare Begleiter. Es sind Schmetterlinge in vielen bunten Farben. Und während sie mit leichtem Flügelschlag durch die Lüfte gleiten, müssen wir schon ganz kräftig in die Pedale treten, um alle Anstiege zu meistern. Pausiert wird heute auf einem Hochplateau mit Panoramablick über die umliegenden Inseln. Und zu unserer Überraschung entdecken wir auch unser Schiff in der Ferne. Das spornt natürlich an, als Erste in Male Losinj zu sein, zumal Boris unser Kapitän erst noch die Insel umschiffen muss, um zum Hafen zu gelangen.

Wir können den direkten Weg nehmen, aber auch da liegen noch 30 km vor uns. Weiter geht es also durch die malerische Landschaft, mit ihren ach so typischen Steinmauern. Wobei ich mich heute ernsthaft gefragt habe, wie viele Steine das wohl sein mögen und wie lange die Menschen daran wohl gebaut haben. Stein für Stein so aufzutürmen, muss Jahrzehnte gedauert haben – es sind schon wahrlich kleine Meisterwerke. Dem Menschen nutzen sie als Zaun fürs Vieh – der Natur als Erosionsschutz. Überall dazwischen wachsen Olivenbäumchen, grasen Schafe, Ziegen oder Esel und all das ergibt dieses ganz typische Landschaftsbild. Und wenn man ganz genau hinschaut, lassen sich in den Nischen auch kleine Eidechsen entdecken, die faul in der Sonne liegen, aber flugs verschwunden sind, wenn man ihnen zu nahe kommt.

Wir radeln weiter und gönnen uns einen weiteren Zwischenstopp in einem dieser malerischen Dörfchen in denen die Welt still zu stehen scheint. Keine hektischer Verkehr, keine hastenden Menschen, nur das Meer ist in Bewegung. Der rechte Platz also um ein wenig zu verschnaufen und zu genießen. Hier treffen sich die Menschen in der Mittagszeit auf dem Marktplatz, um bei einem Kaffee gemütlich zu plauschen. Wir setzen indes unseren Weg fort. Entlang der Küste lassen sich immer wieder kleine Fischerboote in den Buchten ausmachen, es kreisen Möven über uns oder wir werden von Schafen angeblögt. Diese scheinen sich regelrecht zu freuen, wenn man ihnen mit einem „Mööööhh“ antwortet.

Auf den letzten Kilometern geben noch mal alle richtig Gas und tatsächlich, wir kommen vor der „Dalmatinka“ in Mali Lošinj an. Sogar eine Stunde früher, als ursprünglich geplant. Ich schätze, dass der Bärenhunger, den wir auf der Strecke entwickelt haben, hier die größte Motivation war. Und wir haben Glück, unser Koch hat bereits vorgesorgt und uns ein leckeres Mittagessen gezaubert. Zum Nachtisch gibt’s Pudding und es wird eifrig gefeilscht ob nicht jemand auf seine Portion verzichten mag. Ich tausche erfolgreich Schoko gegen Vanillepudding.

Am Nachmittag steigen diejenigen auf´s Rad, die bisher die Sonne vom Deck aus genossen haben. Es geht auf eine gemütliche Tour nach Veli Losinj, einem Nachbarort mit altem, historischem Stadtkern. Jörg schaut sich von seinem roten Kajak aus die Schifferboote & Motorjachten aus nächster Nähe an. Appi sitzt unter Deck und schneidet für uns die Filme zusammen, die er über Tag bei der Tour gedreht hat. Sarah & Christian bruzeln sich in der Sonne, während ich die Stadt zu Fuß erkunde. So verbringt jeder auf seine ganz eigene angenehme Art den Tag. Nach dem gemeinsamen Abendbrot gibt’s zur Belohnung für alle Biker noch ein leckeres Eis. Immerhin waren es 60 km in drei Stunden und bei 750 Höhenmetern.TeamTag 5

Es ist wieder Zeit den Anker zu lichten und weiter zu ziehen. Von der herrlich scheinenden Sonne angelockt sitzen alle an Deck und die Abfahrt wird zum Happening. So langsam verliert sich Mali Losinj am Horizont. Wir verlassen die Bucht mit einem letzten romantischen Blick auf den Leuchtturm. Wir nehmen Fahrt auf. Es geht vorbei an all den großen und kleinen Inseln und es fällt schwer auszumachen, was Festland ist und was nicht. Wir haben kaum mehr Wellengang und kommen gut voran. Es liegen fünf Stunden Fahrt vor uns.

Den Vormittag verbringt wieder jeder auf seine Art. Die Einen holen Schlaf nach, Anderen Lesen, Appi studiert die Karten und der Rest sitz einfach nur im Liegestuhl und genießt die Schönheit der Adria. Als wir den Hafen von Bozava erreichen ist es 13 Uhr und Drago, unser Koch, verwöhnt uns wieder mit einem leckeren Mittagessen. Auf den Strudel zum Nachtisch hätte ich mal besser verzichtet, das fällt mir allerdings erst auf, als ich auf dem Bike sitze und mich mit vollem Magen die erste Anhöhe hochschleppe. Heute ist eine gemütliche, kleine Tour geplant und fast alle sind mit den Rad unterwegs. Nur Sarah & Christian bleiben auf dem Schiff zurück und wollen den Tag lieber mit Schwimmen & Fotografieren verbringen.

Wir haben inzwischen ein paar Kilometer hinter uns gebracht und den Inselkamm erreicht. Die Insel Dugi Otok ist so schmal, dass das Meer nach jeder Kurve abwechselnd auf der rechten oder linken Seite ist. Und so bietet sich entweder der Blick auf die Inseln oder die Weite des Meeres. Das Landschaftsbild ist gezeichnet von vielen Kiefern, bunten Blumen und sehr viel Grün. In einer der Buchten lassen sich große Runde Bassins ausmachen und alle Fragen sich, welchen Nutzen sie haben. Jörg hat die Antwort parat. Sie dienen der Fischzucht. Außerdem liegen einige Steinbrüche an unserem Weg. Hier wurde Marmor abgebaut.

Wir haben einen sehr heißen Tag heute und der Fahrradtacho zeigt 33° C an. Bei 8% Steigung tue ich mich sichtlich schwer, als ich plötzlich von einer älteren Dame überholt werde, die anscheinend mühelose und mit leichtem Schritt den Berg hinauf fährt. Ich bin doch etwas schockiert & zweifle an meiner Kondition. Am liebsten würd ich das Bike jetzt die Böschung hinunter werfen und mich nur noch vom Schiff bewegen lassen. Gerade noch rechtzeitig entdecke ich den Motor an dem Rad der Dame. Sie benutzt ein Pedelec, das sind elektrisch, betriebene Räder. Damit käme ich natürlich auch spielend leicht jeden Anstieg hinauf und könnte noch milde die anderen Radler anlächeln.

Ich fahre also erhobenen Hauptes weiter und empfinde einen großen Stolz, als ich den “Gipfel“ aus eigener Kraft erreicht habe. Die Abfahrt nach Sali genießen noch mal alle in vollen Zügen. Fahrtwind & die Aussicht auf ein kühles Bier sind die beste Motivation. Unser Schiff hat zwar schon angelegt, aber als erstes zieht es uns in eine der typischen Konobars. Am Nachmittag sind die meisten am oder im Meer zu finden. Bei frischen 16° C Wassertemperatur überlasse ich das Schwimmen den Mutigen. Ich beobachte viel lieber die vielen kleinen Fischchen, das von der Meeresströmung schwingende Seegras und die vielen bunten Muscheln. Sogar einen Seestern finden wir.

Mit tiefer stehender Sonne starte ich zu einer Tour in Jörgs knall rotem Kajak. Ich erkunde den kleinen Hafen und fahre ein Stück entlang der Küste. Es ist herrlich sich von dem Meer treiben und den Wellen wiegen zu lassen. Ich genieße jede Minute. Zurück am Schiff merke ich, die Müdigkeit und beschließe, dass der Abend für mich hier endet. So ausgepowert sind nicht alle. Die meisten zieht es noch in ein Café im Ort. Appi, Jörg & Christian kennen anscheinend keine Müdigkeit. Die Drei planen eine Vollmondfahrt zu einem Salzsee. Es ist inzwischen 21 Uhr und mit Stirnlampen gewappnet treten sie in die Pedale.

Als ich um Mitternacht wach werde, kehren sie gerade von ihrem Abenteuer zurück. Ein kleines Stück des Weges hatten sie zu Fuß zurück gelegt, als sie in der Dunkelheit der Nacht plötzlich Schritte hinter sich hörten. Christian ist es ziemlich in die Knochen gefahren, angespannt suchte er sein Taschenmesser, während Abbi sein Zittern mit einem „Hey, ist das cool“ überspiele. Alle drei wurden von einem kleinen schwarzen Baby-Esel mitten in der finsteren Nacht überrascht. Ich find die Story klasse und ärger mich, dass ich nicht noch mit auf´s Bike gesprungen bin. Aber wir haben ja noch ein paar Tage für Abenteuer vor uns…
image-2015-08-21(3)Tag 6

…ist leider, leider über die Jahre verloren gegangen.

Tag 7

Sanft tuckernd starten wir in einen neuen Tag. Der Himmel ist blau und wolkenlos, die Sonne lächelt uns verheißungsvoll an und das Meer schimmert türkisblau. Und während alle das vom Sonnendeck aus genießen, haben Appi & ich uns unter Deck verkrochen um zu arbeiten. Ich freu mich auf den Tag, an dem es entspiegelte Monitore gibt, die es erlauben Blogs auch in der Sonne zu schreiben. Wir haben vier Stunden Fahrt vor uns und auch für uns wird noch Zeit sein, faul in der Sonne zu liegen.

Abbi arbeitet unterdes weiter am Video, als wir Beide durch donnernden Flugzeuglärm hochschrecken. Wir trauen unseren Augen nicht, als neben uns ein riesiges, gelbes Wasserflugzeug über die Meeresoberfläche donnert, dreht und nun auf der anderen Schiffsseite erneut an Fahrt aufnimmt und anschließend durchstartet. Ein atemberaubendes Schauspiel. Ich fühle mich an Indiana Jones Filme erinnert & schaue dem Flieger sehnsüchtig nach, als er sich über den Inseln im Himmel verliert. Die Crew klärt uns auf, dass das die örtliche Feuererwehr auf Probeeinsatz ist. Wenn es auf einer der Insel brennt, muss schnelle Hilfe kommen und das am besten aus der Luft. Damit diese Einsätze im Notfall reibungslos funktionieren, muss das Aufnehmen von Wasser regelmäßig trainiert werden. Ich beschließe im nächsten Leben Feuerwehrmann in Kroatien zu werden.

Oder Urlauber…. denn endlich hab auch ich es mal geschafft mich in den Liegestuhl zu legen und einfach nix zu tun. Herrlich. Plötzlich wieder Unruhe. Delfine! Ich flitze in die Kabine und schnapp mir die Kamera. Allerdings war das eine sehr blöde Idee, denn als ich an Deck zurück bin, ist nichts mehr zu sehen. Ich ärgere mich fürchterlich. So lange hab ich mir schon gewünscht mal Delfine zu sehen und jetzt vermassel ich mir diese Gelegenheit. Wenigstens sehe ich meinen Fehler ein und so bekomm ich kurz darauf noch eine zweite Chance. Ca. 500 m vor uns springen 3 bis 5 Delfine. Und noch besser. Zwei schwimmen auf uns zu. Tauchen auf und ab, stecken ihre Nasen in die Luft. Und dann sind sie genau unterm Bug. Weniger als 2 m unter mir. Ich halte mich mit fotografieren zurück und genieße einfach nur. Elegant gleiten sie durchs Wasser, tauchen unter dem Schiff durch und lächeln uns von der anderen Seite wieder an. Ich glaube wirklich, sie haben so richtig Spaß dabei, sich uns zu seigen. Meine Augen strahlen vor Glück. Leider ist das Schauspiel viel zu schnell wieder vorbei. Aber im Herzen bleibt es gespeichert für die Ewigkeit. Und ich glaube, so ging es allen an Board.

Am Nachmittag führt uns unsere Radtour von Mandre aus nach Tovonale. Die Landschaft zeigt sich heute in einem ganz anderen Bild. Karge Berge, dafür Täler mit Feldern, viel Grün und sogar Schilf. Ich muss lächeln, als ich 5 Schafe zwischen die Halme gekuschelt sehe. Ein ulkiges Bild. Man erkennt nur ein paar Wollknäule, aber nicht wirklich ein Schafe. In Lun wartet eine weitere Besonderheit auf uns. Hier gibt es über 2000 Jahre alte Olivenbäume. Ich frage nach, weil ich das Alter für kaum möglich halte. Die Stämme sind riesenhaft und die Wurzeln mit den Felsen verwachsen. So viele „Lebensjahre“ verlangen einem schon einemns gewissen Respekt ab.

Unsere heutige Etappe war kurz, nur 35 km, denn wir wollen mit dem Schiff noch weiter nach Rab. Und allein die Anfahrt versetzt uns in Staunen. Wie eine Festung, hoch auf den Felsen thront sie, die Altstadt von Rab. Vorbei an einer kleinen vorgelagerten Insel mit Leuchtturm fahren wir in den Hafen ein & ankern. Sofort wollen alle an Land und die Stadt besichtigen. Ich habe vor allem Hunger & bin auf der Suche nach etwas Leckerem. Leider komme ich nicht sehr weit. Rab ist so malerisch schön, dass ich an jeder Gasse, jeder Kirche und fast jedem Haus stehen bleibe und fotografiere.

Die Altstadt hat unheimlich viel Flair & ich habe in ganz Kroatien keine reizendere gesehen. Den Eindruck bestätigen auch die Anderen, als wir uns am Abend zum gemeinsamen Essen treffen. Für die Meisten gibts frischen Fisch oder Meeresfrüchte. Und zum Absacker noch ein paar Drinks in der Bar neben an. Ich bin todmüde und falle ganz früh in mein Bettchen. Noch einmal fällt mein Blick auf den Leuchtturm, dann schlafe ich sanft ein und freu mich auf den nächsten Tag.image-2015-08-21(4)Tag 8

Wir verlassen Rab und dabei wäre ich so gerne noch geblieben. Ein bisschen bummeln, fotografieren und an jeder zweiten Eisdiehle stehen bleiben. Ich bin schwer wehmütig. Überhaupt ist mir heute so gar nicht nach biken. Einfach nur das herrliche Wetter genießen, auf dem Schiff bleiben und nix tun, so stelle ich mir den Tag vor. Ich finde zum Abschluss hab ich mir einen faulen Tag verdient. Ich hab mich die letzten Tage so tapfer jede Steigung hochgekämpft, dass ich jetzt einfach schlapp bin. Das sieht Abbi, unser Guide, allerdings ganz Anders. Er schaut mir tief in die Augen und sagt: „Du musst einfach dabei sein, dass wird toll heute“. Och menno! Ich kann so schlecht „nein“ sagen. 20 min. später sitz ich auf meinem Bike und strampel den den Berg hoch.

Aber und das muss man ihm schon lassen, es ist toll. Wir sind wieder auf einem dieser Schafstrails unterwegs und es macht einfach riesig Spaß hier zu biken. Ich liebe einfach diese Abfahrten. Zum Mittag gibts zur Belohnung „Palatschinken“ und nach ner richtig langen Pause gehts weiter vorbei an kleinen Dörfchen, wild flüchtenden Schafen und malerischer Landschaft. Als Highlight hat Abbi noch die Besichtigung einer Höhle eingebaut. Wir lassen also unsere Bikes stehen und begeben uns unter die Erde. Ich genieße die Kühle in der Tiefe. Bei 30° C Außentemperatur sind die 16° C unter Tage eine willkommene Abkühlung.

Durch die Höhle werden wir von einer netten jungen Dame geführt. Sie erklärt uns auch die unterschiedlichen Tropfsteine. Stalaktiten heißen die, die von der Decke hängen. Das Gegenstück ist der vom Boden emporwachsende Stalagmit. Nach so viel Erdkunde gibts für die „Jungs“ erstmal ein Mittagsschläfchen auf der Bank. Ich schleiche mich davon und versuche endlich mal ein gescheites Foto von einem Schaf zu bekommen. Sie gehören einfach zum Landschaftsbild dazu und ich kann Kroatien nicht ohne ein Foto von ihnen verlassen. Bisher haben immer alle erfolgreich die Füße in die Hand genommen und sind geflüchtet, wenn ich sie ablichten wollte. Auch diesmal ergeht es mir nicht besser.

Nach 20 min. „Verfolgungsjagd“ gebe ich auf und begnüge mich mit der Rückansicht von Mama Schaf und ihrem Lämmchen. Ich habe es übrigens „Timmi“ getauft. Als wir am späten Nachmittag das Schiff erreichen, werden wir stürmisch begrüßt. Alle sind gut angekommen und haben Achtung vor der Leistung der letzten Tage und das wird gewürdigt. Immerhin fast 4000 Höhenmeter haben wir gepackt. Ich bin ziemlich stolz auf mich und auch darauf, an allen Tagen mitgefahren zu sein. Und wie das so ist, mit den verborgenen Kräften… ich gehe noch Kajak fahren, weil es einfach zu schön hier ist und ich mir das nicht entgehen lassen möchte. Eine letzte Runde paddel ich über das glasklare Meer, lass mich in der Sonne treiben und von den Wellen schaukeln.

Und anscheinend haben auch unsere Männer noch zu viel Energie und Unsinn im Kopf. Von der Reling aus werden alle verrückten Arten ausprobiert, sich ins Wasser zu hechten. Ob Bauchklatscher oder Kopfsprung – wir stehen bewundernd daneben und schauen dem Treiben zu. Besonders lustig wird es, als Abbi sich mit dem vom Masten hängenden Seil vom Schiff schwingt. Der Mann kennt einfach keine Angst und hat einen Haufen Schalk im Nacken. Etwas besinnlicher geht es dann schon am Abend zu. Boris, hat zum Kapitäns-Dinner geladen und spätestens nach dem 4´ten Gang bin ich soweit, dass man mich vom Schiff rollen könnte. Aber lecker wars! Den Abend verbringen wir in lustiger Runde zusammen, lassen den Urlaub Revue passieren und erzählen uns die ein oder andere Anekdote der letzten Tage. So schnell ging die Woche rum und ich mag überhaupt nicht ins Bett!image-2015-08-21(5)

Und hier noch das urkomische Video zu unserer Tour! Danke an Appi.at der das so toll für uns aufbereitet hat:

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