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Beten kann Leben retten – die erste Taxifahrt in Brasilien

„Alter, ich will heute nicht sterben. Ich bin doch grad erst hier angekommen“ So schreit es in mir, bei unser Fahrt vom Flughafen in unsere neue brasilianische Bleibe in Canaã dos Carajás. Das Taxifahrer, wenn sie nicht grad nach Taxometer bezahlt werden, es immer eilig haben ist ein weltweites Phänomen. Ich kenne auch die Helldriver aus Afrika, aber das hier ist noch mal eine Hausnummer krasser. Dann nämlich, wenn zu einem, nennen wir es gewagten Fahrstil, auch noch schlechte Straßen und Gegenverkehr dazu kommen. image-2015-08-28(2)Aber von vorne: Es ist der 08.April 2015 wir sind gerade auf dem Flughafen von Parauapebas gelandet. Die Sonne lacht durch die Wolken, es ist unglaublich schwül und unser Taxifahrer Frederico begrüßt uns überschwänglich. Er arbeitet für die Firma meines Freundes und sie kennen sich bereits. Für mich ist alles neu. Wir laden die schweren Koffer ins Auto und starten. Ich sitze auf der Rückbank und bestaune mit großen Augen meine neue „Homebase“. Für die nächsten Monate ist Brasilien nämlich meine neue Heimat. Aufgeregt war ich bis zum Landeanflug eigentlich gar nicht. Aber jetzt bin ich es, seit wir „das große Grüne“ ganz nah überflogen haben.image-2015-08-28Und jetzt sitze ich hier im Auto und sehe das erste Mal den Regenwald des Amazonas. Die Straße vom Flughafen nach Parauapebas ist gut ausgebaut und schlängelt sich durch den dichten Wald, vorbei an Baumriesen, Lianen und allerlei Gestrüpp. Weit schauen kann man allerdings nicht, zu verworren ist das wilde Dickicht. Ich vermisse direkt die Artenvielfalt die ich mit dem Amazonas Gebiet verbinde. Keine Affen, die sich von Baum zu Baum hangeln, keine bunten Vögel und keine riesigen Würgeschlangen, die auf Ästen sitzen und genüßlich vor sich herzüngeln. „Die wollen wahrscheinlich auch nicht an der Straße wohnen“ kommentiere ich selbst meine Gedanken. Immerhin das Wetter hat sich dem Klischee angepaßt, es gießt nun wie aus Eimern.image-2015-08-28(1)Wir sind inzwischen am Grenzposten angekommen. Grenzposten? Ja, denn die Ein & Austrittskontrolle die VALE hier installiert hat, hat wirklich die Anmutung einer Grenzanlage. Anscheinend befinden sich der Flughafen und wir uns auf Firmengrund des Bergbauriesen und zur „Ausreise“ müssen die Papiere gezeigt werden. Die Firma, für die auch mein Freund im Subunternehmen arbeitet, scheint hier Einfluß zu haben. Es geht weiter durch Parauapebas, einer Stadt welche die Anmutung einer abgerockten Industriestadt hat. Und was Anders ist sie ja auch nicht, als der Lebensmittelpunkt derer, die hier in der Region Arbeit gefunden haben.image-2015-08-28(6)Wir biegen auf die Verbindungsstraße nach Canaã ab und ich werde jäh aus meiner Verträumtheit gerissen. Frederico nimmt nämlich jetzt an Fahrt auf. Er tritt das Gaspedal des Taxis durch und beginnt zu rasen. Grundsätzlich mag ich es ja auch, wenn man schnell voran kommt, aber da spreche ich von deutschen Autobahnen, zweispurig und ohne Gegenverkehr. image-2015-08-28(5)Hier ist die Ausgangslage eine ganz Andere! Die Landstraße, so man sie denn als solche bezeichnen darf, ist eigentlich mehr eine Piste. Keine Randbefestigung, keine Leitpfosten und aufgebrochener Asphalt mit Löchern so groß, dass man ein Auto darin parken könnte. Die Menge & Tiefe der Schlaglöcher führt unausweichlich dazu, dass man auf der Straße einen kreativen Fahrstil an den Tag legen muß. Denn wenn man sich die Stoßdämpfer und Reifen nicht ruinieren will, dann umfährt man diese riesigen Trümmerfelder am Besten. image-2015-08-28(7)Außerdem weicht man gleich noch auf den Sandstreifen neben der Fahrbahn aus oder benutzt einfach die Gegenfahrbahn mit. Und genau hier liegt das Problem! Auf der Gegenfahrbahn sind nämlich auch Fahrzeuge. Eine Autofahrt gestaltet sich daher als Schlängelpartie zwischen entgegenkommenden PKWs, Schlaglöchern und chaotischen Mopedfahrern, die überall durch und drüber heitzen.image-2015-08-28(3)Von einer kleinen Kuppe die wir gerade hinaufgefahren sind, können wir hinab auf den Straßenverlauf schauen und noch im gleichen Moment stellen sich mir von den Füßen aufwärts alle Haare zu Berge! Himmel hilf! Rechts und links wird überholt, auf die Gegenfahrbahn wird ausgewichen, die LKWs preschen an einem vorbei als seien sie allem Gegenüber erhaben und dazu wirbelt der Staub durch die Luft. Selbst ein vernünftiger Fahrstil ist hier ein Risiko! Ich will mir gar nicht ausmalen, was passiert wenn hier mal einer kein Glück hat, grad noch irgendwo dran vorbei geschrammt zu sein.image-2015-08-28(4)Ich bekomme Beklemmung, denn Frederico scheint nicht zu ahnen, was sein Fahrstil und diese chaotische Straße bei mir auslöst. Mein Herz pochert wie wild und meine Gedankenn kreisen. Er rast! Verdammt er rast diese besch*** Straße entlang. Auch wenn er sich auskennt, er kann schlicht nicht allen Schlaglöchern ausweichen, er bedenkt nicht, dass der LKW den er grad überholt plötzlich auch ausweicht uns abdrängt. Alles im Auto vibriert, klappert und ich klammere mich an den Griff über mir. Jeder Schlag tut nicht nur den Stoßdämpfern weh, sondern auch ich nehme den Schmerz im Rücken persönlich. Ich hab jetzt nicht nur Beklemmung, ich habe noch dazu auch Wutpochern in meinem Kopf.


Wieder setzt Frederico zum Überholvorgang an und ich frag mich, ob er des Wahnsinns ist! 4 Personen mit 8 schweren Reisegepäckstücken befördert er, da kann man nicht vor der Bergkuppe einen langen LKW überholen. Wir sind viel zu träge und der Wagen ist kein SUV mit unendlich Horsepower! Im Gegenteil! Gedanklich schreie ich ihn an: „Alter bist Du irre?!“ Ich will hier jetzt ganz sicher nicht sterben! Ich bin grad erst angekommen.“ Ich atme tief durch und ringe nach Fassung: „Könntest du ihm bitte sagen, dass er nicht so schnell und vernünftig fahren soll?“ – hauche ich meinen Freund in zuckersüßem Ton zu.


Frederico bremst kurz darauf ab. Der Verkehr bleibt trotzdem chaotisch, das Gewirr auf der Straße gleicht einem Ameisenhaufen! Es ist absolut chaotisch, aber irgendwie scheinen die Schutzengel hier einen verdammt guten Job zu machen. Zumindest sieht man keine verunfallten Fahrzeuge. Das wäre bei dem starken Verkehrsaufkommen wahrscheinlich gleich eine Massenkarambolage!

Und es bleibt auch dabei, bei jedem Überholmanöver steigt mein Herzinfarksrisiko und nach jedem geglückten Ausweichmanöver durchzieht mich ein kaltwarmer Schauer. Irgendwie muss ich diese Stunde Autofahrt überstehen. Ich zwinge mich dazu, nicht mehr auf die Straße zu sehen. Eine Hand umklammert den Sitz, die andere tippelt nervös auf dem Smartphone rum. Immer wieder spüre ich die Schlaglöcher im Rücken, höre Reifenquitschen oder die dumpfen Töne der Stoßdämpfer. Nicht nur die von unserem Taxi!image-2015-08-28(8)„Lieber Gott, wenn Du da draußen bist und mich hörst, bitte bring uns heil an. Der ganze Aufwand mit Jobkündigen, Wohnungauflösen & Umziehen  wären sonst ja völlig umsonst gewesen, das kann nicht in deinem Sinne sein.“ Beten hilft, da bin ich mir sicher. Besonders in solchen Situationen. Eine weitere halbe Stunde leide ich stumm vor mich hin, bis wir endlich in Canaã ankommen. Körperlich unversehrt, aber vergessen werde ich diese Taxifahrt wohl mein ganzes Leben nicht!

#infoIch möchte hier noch sagen, dass Frederico ein echt netter Kerl ist und er wahrscheinlich nur einen schlechten Tag hatte. Ich habe ihn in den letzten Monaten sehr gern gewonnen, wir hatten einfach nur einen „holprigen“ Start. Die Straße von Canaã dos Carajás nach Parauapebas befindet sich derzeit in Reperatur und sollte demnächst sicher befahrbar sein. Stand 28.08.2014

Die Bilder und Videos sind im Nachgang und mit unserem Auto aufgenommen worden, nur das Regenwaldbild aus dem Flieger und das von Frederico am Steuer sind Zeitzeugen. Nur so ließ sich am Besten bebildern, wie es auf der Strecke oder auf den Straßen hier so aussieht. Die Videos sind an einem Sonntag entstanden, wo nur in etwa 1/3 des normalen Verkehrs unterwegs ist. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie chaotisch es abläuft, wenn wochentags die Straßen voll sind.

S11D – die Lebensader von Canaã dos Carajás

„S11D“ – klingt erst mal abstrakt, dabei ist es die Lebensader von Canaã dos Carajás, der Stadt in der wir jetzt leben. Um genau zu sein, ist es ist das größte Eisenerz-Minen-Projekt in der Welt und wird auch als „Serra Sul“ bezeichnet. Die Mine ist ein offener Tagebau und liegt in der Bergbauregion „Serra dos Carajás“ im Bundesstaat Pará im Norden Brasiliens und damit am äußeren Rand des Amazonas Gebietes. Mit geschätzten 17 Milliarden Tonnen Bänder-Eisenerz verfügt der Standort über eine der weltweit reichsten Eisenerzlagerstätten.image-2015-08-25(1)Minenbetreiber ist das Bergbauunternehmen VALE, eines der drittgrößten Unternehmen in diesem Segment. Mit einem Marktanteil von 35 Prozent ist die Firma sogar der größte Eisenerz-Exporteur der Welt. Mit einem Investitionsvolumen von 19.5 Billion Dollar wird die neue Mine erschlossen. Diese Investition von VALE ist die größte private Investion in Brasilien in dieser Dekade. S11D soll im Jahr 2016 seine Arbeit aufnehmen. Angestrebt ist der Abbau von 90 Millionen Tonnen pro Jahr, von einem der reinsten Eisenerze der Welt.

image-2015-08-25S11D – Kritiker bezeichnen das Projekt als politisches Dilemma.

Rohstoffe wie Gold, Diamanten und Eisenerze sind die Lebensader für Brasiliens blasse Wirtschaft. Gleichzeitig steht das Land aber unter enormem internationalem Druck seine natürlichen Ressourcen & den Regenwald zu schonen. Solange der Tourismus in Brasilien mit etwa 0,5 % des Bruttosozialprodukts kein wirklich wichtiger Faktor ist, wird das Wohl der Menschen wahrscheinlich immer zu Lasten der Umwelt fallen. image-2015-08-25(4)VALE ist jedoch an der Entwicklung eines nachhaltigen Bergwerks im Amazonas sehr starkt interssiert, da sich zunehmend Unmut auch in der eigenen Bevölkerung ausbreitet. Dieser richtet sich gegen die Umweltverschmutzung und die gravierende Zerstörung des Regenwaldes, aber auch Menschenrechtsverletzungen waren in der Vergangenheit ein Thema.image-2015-08-25(3)Ein moderner Bergbaubetrieb muss wirtschaftliche, soziale, ökologische und technische Aspekte berücksichtigen, das weiß man auch bei VALE. Aus diesem Aspekt heraus, hat die Firma ABB einen 140 Mio Dollar Auftrag bekommen, die Fördertechniken zu automatisieren. Diesen Prozess bezeichnet man mit „truckless mining“. An der Installation dieser neuen Förderanlagen arbeitet mein Freund. Seine Firma ist für den Transport und den Aufbau der Verarbeitungsanlagen (Module) an ihrem Bestimmungsort zuständig.image-2015-08-25(7)Die „Module“ (riesige Stahlkonstruktionen) sind das Herzstück der neuen Mine. Über modernste Förderbänder werden sie mit den Rohstoffen beliefert, die sie dann aufbereiten und auf Züge verladen. Durch die Verwendung der Förder- und Verarbeitungsanlagen vor Ort, kann der riesenhafte Einsatz an Trucks und der Ausstoß an CO2 Abgasen drastisch vermindert werden. In diesem Zusammenhang verwendet die Branche den Begriff „Truckless transportation“ – was eine der Hauptforderungen des IPPC (Intergovernmental Panel on Climate Change) für die neue Mine war. Das Unternehmen plant 3% weniger Wasser zu verbrauchen, 77% weniger Treibstoff and 50% weniger Emissionen zu verursachen.image-2015-08-25(5)VALE hat außerdem seine Verantwortung erkannt und arbeitet eng mit den Gemeinden der Region und der Regierung zusammen. Infolgedessen investiert das Unternehmen in gemeinschaftliche Beziehungen, in soziale Initiativen und Infrastrukturprogramme. Lokale Arbeitskräfte werden qualifiziert und Unternehmertum gefördert. image-2015-08-25(8)Und das alles ist auch für Außenstehende wie mich sichtbar. Medizinische Einrichtungen, Supermärkte & Apotheken haben sich auf die VALE Karte spezialisiert, die Mitarbeitern Vergünstigungen bietet. Der Straßen- und Wohnungsbau wird voran getrieben und es gibt unzählige Schulungs- & Trainingscenter. Auch die Jobvergabecenter sind hier vor Ort angesiedelt. Soweit uns bekannt ist, verdienen die Mitarbeiter bedeutend besser, als der Durchnittsbrasilianer. image-2015-08-25(9)Der Bergbau ist die Lebensader der Region. Canaã dos Carajás ist eine der am schnellsten wachsenden Städte des Landes. Waren es im Jahr 2000 noch 10.000 Einwohner so sind es jetzt bereits 52.000. Auch für die, die nicht in der Mine beschäftigt sind, ist der Bergbau ein Jobmotor. 30.000 Arbeitsplätze hängen an S11D und damit eine enorme Wirtschaftskraft. Das kommt lokalen Geschäften, der Wohnungsbaubranche, der Hotellerie und der Gastronomie zu Gute.image-2015-08-25(10)Bei allem Nutzen für die Menschen in der Region hoffe ich, dass sowohl VALE als auch die Menschen hier, sich ihrer Verantwortung dem Lebensraum „Amazonas“ gegenüber bewußt sind. Das erkannt wird, dass Wohlstand sehr wohl auch mit Natur und Umweltschutz einher gehen kann. Und das ein intaktes Ökosystem auch die Lebensqualität der Menschen steigert.

 

Dreck ist meine zweite Haut – mein Leben mit Staubschicht in Brasilien.

„Dreckig. Ich fühle mich dreckig. Immer und überall.“ Das ist die Antwort auf die Frage, wie ich mich in meinem neuen Leben hier in Brasilien fühle.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 10.48.43Die Stadt in der wir seit April leben heißt Canaã dos Carajás und sie ist eine klassische Minenstadt. Nicht so romantisch wie im Westernfilm, aber genauso staubig. Wenn man sich die Karte der Region anschaut, dann meint man ja, wir wohnen im Amazonas und damit im dichten Regenwald. Das war auch sicherlich vor hundert Jahren noch alles dichter, grüner und lebendiger Wald, doch davon ist leider nicht mehr viel übrig.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 08.43.41In der Schule haben wir gelernt, dass Regenwald ein in sich geschlossener Wasserkreislauf ist und alles Leben von den Pflanzen darin abängt. Das feuchte Nass fällt vom Himmel, wird von den Pflanzen aufgenommen und wieder über die Blätter abgegeben. Rodet man die Bäume, bleibt nichts als Sandwüste übrig. Und so ist es auch hier geschehen. Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.27.16In der ganzen Gegend findet man großen Minen die Infrastruktur, wie Straßen, Schienen oder Städte brauchen. Also mußte Platz geschaffen werden. Außerdem hat der Mensch für mehr Weideland gesorgt und dafür eben den Regenwald abgeholzt oder nieder gebrannt. Einzig Gras und Palmen wachsen hier auch auf den kargen Böden gut. Zwischen Januar und April ist Regenzeit. In diesen Monaten schauert es jeden Tag. Manchmal nur für ein paar Minuten, aber in der kurzen Zeit fällt genug Wasser vom Himmel, um der Landschaft das nötige Leben einzuhauchen.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.25.13Trotzdem bleiben große unbewirtschaftete Flächen, Schotterpisten und loser Sand zurück. Und eben dieser braune Staub legt sich täglich als feine Schicht auf jede Fläche, jedes Blatt und jeden Stein. Nichts, aber auch gar nichts bleibt davon veschont. Genau wie in einer Wüste zieht der Sand in jede feine Ritze, bedeckt jede erdenkliche Fläche und natürlich auch auf die Haut der Menschen. Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.44.54Und so kommt es, dass ich mich hier immer dreckig fühle. In der Wohnung müssen täglich die Oberflächen gewischt werden und spätestens jeden zweiten Tag die Böden. Mit ungewaschenen Füßen, kann man sich nicht einfach mal auf die Couch lümmeln oder sich ins Bettchen kuscheln, selbst wenn man 2x am Tag wischen würde. Es käme einem trotzdem ungeputzt vor. Leute mit Reinigungsfimmel würden irre werden. WP_20150807_14_01_47_Pro-2Inzwischen habe ich mich schon einigermaßen daran gewöhnt und meine Tolleranzschwelle nach unten gesetzt. Aber trotzdem fluche ich noch jeden Tag darüber. Stellt euch vor, dass es nichts gibt, was sauber ist. Man kann nichts anfassen und dabei sauber bleiben. Sofort möchte man sich wieder die Hände waschen. Und ich bin wahrlich nicht pingeling, aber hier…. Man macht sich einfach ständig dreckig! In der Wohnung, im Auto, überall.Nun kann man argumentieren, dann putzt doch einfach. Wenn es so einfach wäre! 1x das Fenster oder die Autotür geöffnet, die Lüftung an oder die Scheiben runtergekurbelt und es ist direkt wieder alles voller braunem Staub. Am Anfang habe ich in der Tat noch versucht, dem Herr zu werden. Aber man resigniert. Der braune Dunst ist in der Luft. Immer. Und so wird man wohl auch immer ein ekliges Gefühl an den Händen haben, braune Fußsohlen oder quer übers T-Shirt einen dunklen Streifen vom Autogurt.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 10.49.30Genauso kann man hier nichts kaufen, was sich neu anfühlt und sauber ist. Die Geschäfte kämpfen ja mit dem gleichen Problem. Also ist jede Packung im Supermarkt mit einer Schicht Staub belegt und ich wasche daheim erstmal alles ab, bevor es in die Schränke wandert. Das Schöne an neuen Dingen ist ja eigentlich, dass sie sich neu anfühlen. Das gibt es hier nicht. Hier fühlt sich nichts neu, sauber und unbenutzt an. Im Gegenteil. Man greift ins Regal und ekelt sich. Mir ist vollkommen die Lust auf Einkäufe vergangen.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 10.49.01Jetzt ist Trockenzeit und das bedeutet, dass es seit Wochen nicht geregnet hat und der Regen der fiel, hat eigentlich auch nur die Staubschicht befeuchtet. Die Natur leidet unter der Trockenheit und die Blätter können nicht atmen. Ganz besonders deutlich wird das am Straßenrand. Grün ist da kein Grashalm mehr. Entlang des Weges ist jede Pflanze braun. Es ist jetzt gerade erst August und ich kann mir gar nicht vorstellen, wie es die nächsten 4 Monate mit dieser Trockenheit hier weiter geht. Schon jetzt staubt und brennt es an jeder Ecke und mit Besserung ist vor Januar nicht zu rechnen.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.38.51Die letzten Tage habe ich auch zunehmend riesige Windhosen über der Stadt beobachtet. Die Schwüle, die aufgeheizte Luft, dazu die Brände und der ausgedörrte Boden sind ein idealer Nährboden für diese „Wirbelstürme“. 40 Meter hoch reißt er den losen Staub und allen Müll in die Luft und bahnt sich seinen Weg durch die Stadt. Wohl dem, dessen Haus verschont bleibt. Als sei es noch nicht staubig genug. Ein geschlossenes Fenster ist kein Schutz, denn diese sind weder doppelt verglast noch isoliert. Durch die Ritzen & Schiebeleisten findet der Staub seinen Weg, besonders bei Wind.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.37.37Die Steigerung von Staub ist dann Matsch. Als ich im April hier ankam, verwandelte der Regen, der auf den Sand fiel, alles zu einer matschigen rotbraunen Masse. Manche Straßen waren dann überhaupt nicht mehr befahrbar und wir mussten aufpassen, bei unseren Ausflügen nicht irgendwo stecken zu bleiben. Da war ich dann also nicht nur staubig an den Händen, sondern oft auch bis zum Knie hoch voller Pampe. Seiher trage ich auch Flip Flops. Mein ganzes Leben hatte ich noch nie solche Schuhe. Hier machen sie Sinn. Zu Hause angekommen, spült man sie einfach unterm Wasserhahn ab. Lederriemchensandalen, wie ich sie früher trug, wären hier nach kürzester Zeit ruiniert.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.58.06Man ist hier also gezwungen sich damit zu arrangieren, ob es einem nun paßt oder nicht. Ob man dagegen ankämpft oder nicht. Dreck gehört hier zum Alltag. Also kann ich auch berechtigt behaupten, dass ich mich dreckig fühle.Bildschirmfoto 2015-08-17 um 11.42.59