Beiträge

Mietwagen in Brasilien – Absichern gegen Schlaglöcher, Anarchie & Ego

Wer in Brasilien einen Trip mit den Leihwagen plant, der sollte in erster Linie verstehen, wie der Verkehr in diesem Land läuft, sich darauf einstellen und sich entsprechend versichern. Brasilien – das sind nicht nur Städte wie Rio oder Sao Paulo sondern in erster Linie ein riesiges Land mit einer Infrastruktur die mit Deutschland nicht vergleichbar ist. Welche Regeln es hier gibt und was du unbedingt beachten mußt, erfährst du hier:image-2015-08-28(4)Um es mit anderen Worten zu sagen, herrscht in den meisten Teilen des Landes reine Anarchie auf der Straße. Es wird rechts und links überholt, in Einbahnstraßen abgebogen, im Gegenverkehr gefahren, gerast und keinerlei Rücksicht genommen. Auch werden Geschwindigkeitsbeschränkungen konsequent überschritten und Verkehrszeichen ignoriert.image-2015-08-28(3)Die größte Gefahr ist das Ego des Fahrers. Selbstüberschätzung in Kurven, Motorräder die nur auf der Hinterachse gefahren werden und rücksichtslose Drängelei machen den Verkehr in Brasilien so speziell. Hier gilt immer noch: Der Stärkere gewinnt und die Vorfahrt hat.image-2015-12-07(8)Die Polizei hat zumeist andere Sorgen als schnell Verkehrsdelikte aufzunehmen und so ist es nicht verwunderlich, dass gerade in ländlichen Teilen das Ego des Fahrers über den Fahrstsil bestimmt. Und mit dem legt man sich dann besser auch nicht an.Brasilien, MotorradWer sich in Brasilien einen Wagen ausleiht muss sich in erster Linie darüber klar sein, ob er mit dem für unsere Verhältnisse chaotischen Fahrstil der Brasilianer klar kommt. Auch sollte einem bewußt sein, dass bei derart egogesteuertem Verkehr auch keine Rücksicht auf Unfälle genommen wird. Kommt es zum Crash wird oft nicht einmal angehalten zur Schadensaufnahme. Es ist „normal“ den Unfallort zu verlassen, um nicht für die Reparaturen aufkommen zu müssen.image-2015-12-07(2)Auch Tiere auf der Fahrbahn sind keine Seltenheit. Zu den ausgedehnten Weidelandschaften gehören auch Pferde und Kühe und nicht all zu selten findet man diese Tiere auch auf der Fahrbahn. Einen Crash mit einem derart kräftigen Tier und mit einigermaßen Geschwindigkeit überlebt man nur mit Glück. Das Fahrzeug ist dann sicherlich schrottreif. Tierunfälle sind keine Seltenheit auch nicht in Städten! Man sollte sich unbedingt auf derartige Gefahren im Verkehr einstellen und absichern.Es gilt sich die Versicherungspolicen genau studieren um bei einem Crash mit Fahrerflucht oder Tierschaden auf der sicheren Seite zu sein.Pferd Brasilien Ähnlich verhält es sich auch mit der Qualität der Straßen. Sie kann gut sein, aber gerade in strukturschwachen Gegenden sind oft riesige, kratergroße Schlaglöcher die Norm. Wer nicht rechtzeitig ausweichen kann riskiert Schäden am Fahrzeug und auch dafür wird man haftbar gemacht von der Mietwagenfirma. Wer hier eine zu geringe Eigenbeteiligung wählt, bleibt leicht auf den Kosten sitzen. Auch sind längst nicht alle Straßen geteert und Brücken sind oft nur eine marode Aneinanderreihung von Holzstämme. Hier braucht man schon Nerven beim Drüberfahren. Oft gibt es keine funktionierende oder gar keine Kanalisation zum Abfluß von Regenwasser. Entsprechend sammelt sich der das Wasser auf der Straße. Dabei besteht dann nicht nur Aquaplaninggefahr, sondern das Fahrzeug kann auch ganz „absaufen“. Wer sich unsicher ist, der steigt aus und begutachtet die Lage und wählt ggf. eine Umfahrung.image-2015-12-07(1)Uns ist es schon passiert das wir so tief im Wasser standen, dass nur noch eine Hand Abstand bis zum Spiegel war, so hoch stand es! Und das mitten in einer Stadt.
Wasser, Canaa dos Carajas

Auch sollte man sich vor Fahrtantritt bei der Leihwagenfirma informieren, wie eine Schadensaufnahme erfolgen muss. Denn auch hier kann es sein, dass die Polizei kein großes Interesse an einer Unfallaufnahme hat, dies aber von der Mietwagenfirma gefordert ist. Rückfragen vor Fahrtantritt sind daher unerlässlich.Mietwagen Fahren BrasilienWer ohnehin ein schwaches Nervenkostüm im Verkehr hat, der sollte sich überlegen, ob er nicht gleich auf das gut funktionierende Busnetz ausweicht und einen der bequemen Überlandbusse wählt. Das erspart Stress, schont den Geldbeutel und das Nervekostüm.image-2015-12-07(3)

 

Auch Tankstellen sind in ländlichen Gegenden nicht so einfach zu finden. Zudem sind Streiks nichts Ungewöhnliches und leere Tanks auch nichts. Entsprechend empfiehlt es sich einen Reservekanister dabei zu haben, wenn man nicht irgendwo ohne Sprit stranden will. Erfragt diesen direkt bei der Leihfirma bzw. kauft einen, wenn dies günstiger ist.image-2015-12-07(6)Nach knapp 1 Jahr in Brasillien kann ich sagen, dass ich ein Fahrzeug hier immer sehr gut versichern würde. Wer ohnehin eine Dashcam hat, der sollte sie zur eigenen Sicherheit und als Beleg für den Versicherer auch hier im Verkehr nutzen. Ansonsten ist jederzeit und mit allem zu rechnen. Vielleicht habt ihr ja von meiner ersten Taxifahrt schon gelesen? Im LINK gehts zur Geschichte!

Oder schaut mal hier:

Beten kann Leben retten – die erste Taxifahrt in Brasilien

„Alter, ich will heute nicht sterben. Ich bin doch grad erst hier angekommen“ So schreit es in mir, bei unser Fahrt vom Flughafen in unsere neue brasilianische Bleibe in Canaã dos Carajás. Das Taxifahrer, wenn sie nicht grad nach Taxometer bezahlt werden, es immer eilig haben ist ein weltweites Phänomen. Ich kenne auch die Helldriver aus Afrika, aber das hier ist noch mal eine Hausnummer krasser. Dann nämlich, wenn zu einem, nennen wir es gewagten Fahrstil, auch noch schlechte Straßen und Gegenverkehr dazu kommen. image-2015-08-28(2)Aber von vorne: Es ist der 08.April 2015 wir sind gerade auf dem Flughafen von Parauapebas gelandet. Die Sonne lacht durch die Wolken, es ist unglaublich schwül und unser Taxifahrer Frederico begrüßt uns überschwänglich. Er arbeitet für die Firma meines Freundes und sie kennen sich bereits. Für mich ist alles neu. Wir laden die schweren Koffer ins Auto und starten. Ich sitze auf der Rückbank und bestaune mit großen Augen meine neue „Homebase“. Für die nächsten Monate ist Brasilien nämlich meine neue Heimat. Aufgeregt war ich bis zum Landeanflug eigentlich gar nicht. Aber jetzt bin ich es, seit wir „das große Grüne“ ganz nah überflogen haben.image-2015-08-28Und jetzt sitze ich hier im Auto und sehe das erste Mal den Regenwald des Amazonas. Die Straße vom Flughafen nach Parauapebas ist gut ausgebaut und schlängelt sich durch den dichten Wald, vorbei an Baumriesen, Lianen und allerlei Gestrüpp. Weit schauen kann man allerdings nicht, zu verworren ist das wilde Dickicht. Ich vermisse direkt die Artenvielfalt die ich mit dem Amazonas Gebiet verbinde. Keine Affen, die sich von Baum zu Baum hangeln, keine bunten Vögel und keine riesigen Würgeschlangen, die auf Ästen sitzen und genüßlich vor sich herzüngeln. „Die wollen wahrscheinlich auch nicht an der Straße wohnen“ kommentiere ich selbst meine Gedanken. Immerhin das Wetter hat sich dem Klischee angepaßt, es gießt nun wie aus Eimern.image-2015-08-28(1)Wir sind inzwischen am Grenzposten angekommen. Grenzposten? Ja, denn die Ein & Austrittskontrolle die VALE hier installiert hat, hat wirklich die Anmutung einer Grenzanlage. Anscheinend befinden sich der Flughafen und wir uns auf Firmengrund des Bergbauriesen und zur „Ausreise“ müssen die Papiere gezeigt werden. Die Firma, für die auch mein Freund im Subunternehmen arbeitet, scheint hier Einfluß zu haben. Es geht weiter durch Parauapebas, einer Stadt welche die Anmutung einer abgerockten Industriestadt hat. Und was Anders ist sie ja auch nicht, als der Lebensmittelpunkt derer, die hier in der Region Arbeit gefunden haben.image-2015-08-28(6)Wir biegen auf die Verbindungsstraße nach Canaã ab und ich werde jäh aus meiner Verträumtheit gerissen. Frederico nimmt nämlich jetzt an Fahrt auf. Er tritt das Gaspedal des Taxis durch und beginnt zu rasen. Grundsätzlich mag ich es ja auch, wenn man schnell voran kommt, aber da spreche ich von deutschen Autobahnen, zweispurig und ohne Gegenverkehr. image-2015-08-28(5)Hier ist die Ausgangslage eine ganz Andere! Die Landstraße, so man sie denn als solche bezeichnen darf, ist eigentlich mehr eine Piste. Keine Randbefestigung, keine Leitpfosten und aufgebrochener Asphalt mit Löchern so groß, dass man ein Auto darin parken könnte. Die Menge & Tiefe der Schlaglöcher führt unausweichlich dazu, dass man auf der Straße einen kreativen Fahrstil an den Tag legen muß. Denn wenn man sich die Stoßdämpfer und Reifen nicht ruinieren will, dann umfährt man diese riesigen Trümmerfelder am Besten. image-2015-08-28(7)Außerdem weicht man gleich noch auf den Sandstreifen neben der Fahrbahn aus oder benutzt einfach die Gegenfahrbahn mit. Und genau hier liegt das Problem! Auf der Gegenfahrbahn sind nämlich auch Fahrzeuge. Eine Autofahrt gestaltet sich daher als Schlängelpartie zwischen entgegenkommenden PKWs, Schlaglöchern und chaotischen Mopedfahrern, die überall durch und drüber heitzen.image-2015-08-28(3)Von einer kleinen Kuppe die wir gerade hinaufgefahren sind, können wir hinab auf den Straßenverlauf schauen und noch im gleichen Moment stellen sich mir von den Füßen aufwärts alle Haare zu Berge! Himmel hilf! Rechts und links wird überholt, auf die Gegenfahrbahn wird ausgewichen, die LKWs preschen an einem vorbei als seien sie allem Gegenüber erhaben und dazu wirbelt der Staub durch die Luft. Selbst ein vernünftiger Fahrstil ist hier ein Risiko! Ich will mir gar nicht ausmalen, was passiert wenn hier mal einer kein Glück hat, grad noch irgendwo dran vorbei geschrammt zu sein.image-2015-08-28(4)Ich bekomme Beklemmung, denn Frederico scheint nicht zu ahnen, was sein Fahrstil und diese chaotische Straße bei mir auslöst. Mein Herz pochert wie wild und meine Gedankenn kreisen. Er rast! Verdammt er rast diese besch*** Straße entlang. Auch wenn er sich auskennt, er kann schlicht nicht allen Schlaglöchern ausweichen, er bedenkt nicht, dass der LKW den er grad überholt plötzlich auch ausweicht uns abdrängt. Alles im Auto vibriert, klappert und ich klammere mich an den Griff über mir. Jeder Schlag tut nicht nur den Stoßdämpfern weh, sondern auch ich nehme den Schmerz im Rücken persönlich. Ich hab jetzt nicht nur Beklemmung, ich habe noch dazu auch Wutpochern in meinem Kopf.


Wieder setzt Frederico zum Überholvorgang an und ich frag mich, ob er des Wahnsinns ist! 4 Personen mit 8 schweren Reisegepäckstücken befördert er, da kann man nicht vor der Bergkuppe einen langen LKW überholen. Wir sind viel zu träge und der Wagen ist kein SUV mit unendlich Horsepower! Im Gegenteil! Gedanklich schreie ich ihn an: „Alter bist Du irre?!“ Ich will hier jetzt ganz sicher nicht sterben! Ich bin grad erst angekommen.“ Ich atme tief durch und ringe nach Fassung: „Könntest du ihm bitte sagen, dass er nicht so schnell und vernünftig fahren soll?“ – hauche ich meinen Freund in zuckersüßem Ton zu.


Frederico bremst kurz darauf ab. Der Verkehr bleibt trotzdem chaotisch, das Gewirr auf der Straße gleicht einem Ameisenhaufen! Es ist absolut chaotisch, aber irgendwie scheinen die Schutzengel hier einen verdammt guten Job zu machen. Zumindest sieht man keine verunfallten Fahrzeuge. Das wäre bei dem starken Verkehrsaufkommen wahrscheinlich gleich eine Massenkarambolage!

Und es bleibt auch dabei, bei jedem Überholmanöver steigt mein Herzinfarksrisiko und nach jedem geglückten Ausweichmanöver durchzieht mich ein kaltwarmer Schauer. Irgendwie muss ich diese Stunde Autofahrt überstehen. Ich zwinge mich dazu, nicht mehr auf die Straße zu sehen. Eine Hand umklammert den Sitz, die andere tippelt nervös auf dem Smartphone rum. Immer wieder spüre ich die Schlaglöcher im Rücken, höre Reifenquitschen oder die dumpfen Töne der Stoßdämpfer. Nicht nur die von unserem Taxi!image-2015-08-28(8)„Lieber Gott, wenn Du da draußen bist und mich hörst, bitte bring uns heil an. Der ganze Aufwand mit Jobkündigen, Wohnungauflösen & Umziehen  wären sonst ja völlig umsonst gewesen, das kann nicht in deinem Sinne sein.“ Beten hilft, da bin ich mir sicher. Besonders in solchen Situationen. Eine weitere halbe Stunde leide ich stumm vor mich hin, bis wir endlich in Canaã ankommen. Körperlich unversehrt, aber vergessen werde ich diese Taxifahrt wohl mein ganzes Leben nicht!

#infoIch möchte hier noch sagen, dass Frederico ein echt netter Kerl ist und er wahrscheinlich nur einen schlechten Tag hatte. Ich habe ihn in den letzten Monaten sehr gern gewonnen, wir hatten einfach nur einen „holprigen“ Start. Die Straße von Canaã dos Carajás nach Parauapebas befindet sich derzeit in Reperatur und sollte demnächst sicher befahrbar sein. Stand 28.08.2014

Die Bilder und Videos sind im Nachgang und mit unserem Auto aufgenommen worden, nur das Regenwaldbild aus dem Flieger und das von Frederico am Steuer sind Zeitzeugen. Nur so ließ sich am Besten bebildern, wie es auf der Strecke oder auf den Straßen hier so aussieht. Die Videos sind an einem Sonntag entstanden, wo nur in etwa 1/3 des normalen Verkehrs unterwegs ist. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, wie chaotisch es abläuft, wenn wochentags die Straßen voll sind.