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Afrika Burn – Was geht beim verrücktesten Festival Afrikas?

Afrika Burn – ist das abgefahrendste Festival unter der Sonne Afrikas und wird am liebsten mit „mind blowing“ beschrieben. Denn es gibt kaum etwas Vergleichbares auf diesem Planeten und es wird dich für immer verändern!

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Zwar wird es gerne als kleiner, afrikanischer Ableger von Burning Man beschrieben, diesem Vergleich wird Afrika Burn aber nicht gerecht. Nicht weil es es nicht könnte! Weil es nicht will! Es hat einen Vergleich gar nicht nötig, weil es um Community und nicht Competition geht! Es ist keine Party zu der man feiern geht und sich danach wortlos verabschiedet.

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Ende April, Anfang Mai rollt die Karawande der Festivaljünger in den Tankwa Karoo NP, der nur wenige Stunden nördöstlich von Kapstadt (Südafrika) entfernt liegt. Ein eigentlich lebensfeindlicher Ort, der wenig bietet und einem mit seinen harrschen Bedingungen auch einiges abverlangt.

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Fast einer Fata Morgana kommt es dann gleich, wenn sich hier eine Zeltstadt mit Kunstpark in den unendlichen Weiten des Nichts bildet.

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Wenn plötzlich Skulpturen in den Himmel ragen, Phantasiekreationen lebendig werden und künstlerische Statements nachts in Flammen aufgehen.

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Die ausgedörrte Savanne erwacht in dieser Zeit zum Leben, wenn zehntausend Menschen in opulenten Kostümen, mit verrückten Mad Max Fahrzeugen, auf bunt geschmücken Fahrrädern oder zu Fuß hier das Regiment übernehmen.

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Wie ein riesiger Zirkus mit farbenfrohen Zelten und aberwitziger Dekoration wirkt „Tankwa Town“ dann. Und alles was auf diesem Rummelplatz dann passiert, geht von den Menschen aus, die ihn bevölkern.

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Ihre Kreativität, ihr Selbstausdruck, ihr künstlerisches Schaffen, ihr Miteinander und ihre Gesten. Hier wird nicht nur konsumiert, hier wird ausgetauscht, auf Höflichkeit Wert gelegt, tolleriert und akzeptiert.

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Das ist der Spirit den Afrika Burn allen voraus hat. Es ist ein Gemeinschaftsprojekt, eine Non-Profit-Organisation und eben keine Bespaßungsparty ohne Interaktion. Man ist selbst das, was hier passiert. Und es passiert Einiges!

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Fahrzeuge in Form einer Schnecke, einer Fledermaus oder eines Nashorns rattern an einem vorbei. Eine fahrende Discokugel, ein Regenbogen auf Rädern, ein Alien-Bus oder ein rostiger Dinosaurier. Alles was man hier findet wurde von den Teilnehmern geschaffen und in diese Einöde verfrachtet, um dieses Event einmalig werden zu lassen.

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Ein Heimkino aufgebaut, eine DJ-Anlage installiert, eine Yoga-Schule eröffnet oder eine Bar zum laufen gebracht. Hier erschafft man sich seine Träume oder ist, wer man schon immer mal sein wollte. Ohne soziale Zwänge, ohne politische Vorgaben, ohne den ganzen Kommerzscheiß. Alles lebt einzig vom Geben und Nehmen. Und das Beste ist, es funktioniert.

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Man fühlt sich angenommen, man genießt die wahre Freiheit, spürt endlich wieder worum es wirklich im Leben geht und genau das macht Afrika Burn so besonders, dass es jeden der sich darauf einlässt für immer verändern wird!

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Was spielt sich ab bei Afrika Burn?

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Die Kunstinstallationen

Riesige Körper die aus dem Sand ragen, für die ihre Macher tausende von Kilometern Anreise mit schweren LKWs auf sich genommen haben. Die bereits Wochen vor dem Festival hier waren und sie in sengender Sonne und in Handarbeit erschaffen haben.

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Die Teilnahme

Hier erwartet man, dass sich jeder ins Festival einbringt. Sei es künstlerisch, musikalisch oder auf die Art und Weise wie man sich kleidet.

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Die nächtlichen Feuer

Wenn die Kälte der Nacht in die Zeltstadt kriecht, zieht es die Menschen wie seit Jahrhunderten zu wärmenden Feuern. Kunstwerke werden dann in Flammen gesetzt und ihr Niedergang wird zelebriert. Weil ihre Kraft nicht verloren ist, sondern die Herzen der Gemeinde wärmt.

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Erfahrung Natur

Er ist ein erbarmungsloses Stück Erde zu dem man sich begiebt. Man kann es schon eine Survivalerfahrung nennen, hier den menschenfeindlichen Bedingungen voll ausgesetzt zu sein. Tagsüber brennt die Sonne gnadenlos, am Abend peitscht einem der Sandsturm ins Gesicht und nachts läßt die Eiseskälte den Atem zu Rauch werden. Man wird schwitzen und nach Luft jächzen und nur Stunden später bitterlich frieren. An einem wird der Sand kleben, die Frisur wird zerfallen und man wird sich selbst nicht mehr riechen können. Aber das alles wird egal sein, weil du da bist.

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Campinggemeinschaft

Campen ist nicht jedermanns Ding, aber wie sehr sind Tolleranz, Rücksichtnahme & Miteinander gefragt, wenn an die 10.000 Menschen nebeneinander campieren? Hier lernst du es! Und auch wieder, dass man von der Gemeinschaft profitieren kann, wenn man auch selbst bereit ist, etwas zu geben.

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Musik

Nachts ist Afrika Burn dann doch wieder ein riesiges Musikfestival, mit unzähligen DJ-Bühnen, Tanzflächen und Zelten in denen ausgiebig gefeiert wird. Von feinster Housemusik bis zu handgemachten Gitarrensound. Erst mit aufgehender Sonne zieht es die meisten in ihre Zelte um etwas Schlaf zu erhaschen. Da aber gehen die Frühaufsteher tanzen…

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Mutantenfahrzeug

Mach aus deinem Fahrrad ein Kunstobjekt, aus deiner Rostlaube eine coole Mad Max Karre oder bau den Schulbus zum DJ Pult um. Es gibt keinen TÜV, keine Straßen und keine Richtung die dir vorgegeben wird und deine Kreativität einengt. Nimm Menschen mit, lass sie aufspringen, lerne sie kennen und entlass sie wieder in die Freiheit. Alles ist deine freie Entscheidung!

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Organisation

Wenn du nicht verhungern willst, dann solltest du hier gut selbstorganisiert sein. Wieviel Liter Wasser braucht ein Mensch am Tag zum Trinken, Kochen, Waschen oder Duschen? Reicht der Sprit, werde ich ein oder zwei Ersatzreifen brauchen? Habe ich genügend Holzkohle dabei? Ich erinnere dich, es gibt nichts, aber auch gar nichts zu kaufen, in den nächsten hundert Kilometern.

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Offline

Handyempfang, WLan, mobiles Internet, Navigation? Ach vergiss es! Nichts davon wirst du hier finden. Komm klar damit eine Woche nicht erreichbar zu sein, dich an Verabredungen zu halten, über eine Karte den Anfahrtsweg zu finden und auch einfach mal mit den Leuten zu reden.

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Respekt

Vertrauen & Respekt – auch darum geht es bei Afrika Burn. Lass den Menschen wie er ist und sein will. Bewundere die Vielfahlt und erfreue dich an ihr, anstatt zu kategorisieren und zu kritisieren. Mach dich einfach mal locker und lös dich von altem Kastendenken. Jeder Mensch hat den gleichen Wert.

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Sternenhimmel

Wer den afrikanischen Sternenhimmel noch nie erleben durfte, wird sich nach dieser Erfahrung hier fragen, ob wir alle überhaupt unter dem gleichen Kosmos leben. So spektakulär, so sehenswert und so bezaubernd ist der Nachthimmel über Afrika Burn. Ihn still am Rand zu erleben, gehört auch zu einer der Erfahrungen, die man hier gemacht haben muss.

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Bevor du gehst:

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Tickets:

Folge der Facebookseite von Afrika Burn, um dich über alle Entwicklungen zu informieren. Lege dir eine Burner Bio auf www.afrikaburn.com an und bewirb dich um die Tickets. Sei nicht enttäuscht, wenn es nicht im ersten Anlauf klappt. Hoffe auf die Warteliste oder eine neue Chance. Es gibt keinen Schwarzmarkt vor Ort. Die Tickets müssen offiziell überschrieben werden.

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Anreise:

Der nächstgelegene Flughafen ist Kapstadt. Buch dein Fahrzeug rechtzeitig, da Campingfahrzeuge in der Zeit rar sind. Nimm dir zwei Erstatzreifen mit, denn wenigstens einen Platten hat auf der Strecke jeder. Versichere Glas, Unterboden und Reifen ordentlich, du wirst es brauchen. Fahr rechtzeitig los! Ein Großteil der Strecke ist Schotterpiste und eine angepaßte Fahrweise ist essentiell, um nicht auf dem Dach liegenzubleiben. Der Sand läßt dich schlimmer driften als Schnee es tut.

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Überleben:

Bring alles mit, was du zum Überleben in der Halbwüste brauchen wirst. Mindestens 6 Liter Wasser sind angemessen pro Tag. Mach dir eine Packliste und informier dich über die offizielle Seite was alles empfohlen wird. Bedenke auch, dass es keine medizinische Einrichtung gibt und du dich unter Umständen auch mit Medikamenten und Verbandszeug selbst versorgen mußt.

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Gemeinschaftswert:

Mach dir Monate vor dem Festival Gedanken, welchen Beitrag du leisten willst. Es ist keine Party! Man kauft auch sein Kostüm nicht. Bereite dich drauf vor, so wie andere es auch für dich tun.

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Kleidung:

Es ist heiß, es ist kalt. Trag nichts, trag alles!

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Volunteer:

Auch Afrika Burn kommt nicht ohne Helfer aus. Informiere dich über die Homepage, wie du dich noch stärker einbringen kannst.

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Presse & Foto:

Du willst als Fotograf, Vlogger oder Reporter zu Afrika Burn? Dann akkreditiere dich, ansonsten ist eine Vermarktung der Bilder und Geschichten nicht erlaubt!

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Regeln:

Halt dich an den Geist des Miteinanders und vorallem hinterlasse keinen Müll!

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Das Wichtigste:

Vergiß deinen ganz eigenen Spirit nicht!

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Ich hoffe mein Beitrag hat Lust gemacht auf dieses einzigartige Festival! Hast du noch Fragen, die ich dir beantworten kann? Dann schreib mir im Kommentarfeld oder über die Kontaktseite.

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Heiß auf Afrika Burn? Dann lies gleich im LINK weiter wie ich es erlebt habe! Inklusive Videomaterial!!!

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In diesem Sinne: #Get up & keep the spirit alive!

#infoWenn du dich für alle meine Fotos interessierst, dann schaue gerne auf meiner FLICKR Seite vorbei und lass dich mitnehmen in eine verrückte Welt!
Sollte dir mein Artikel gefallen haben, dann teile ihn gerne mit deinen Freunden oder lass mir noch einen Kommentar hier! Vielen lieben Dank.

Mein Afrika Burn – crazy, mad, funky, mind-blowing!

Ein Festival für das es kaum Worte gibt, weil es so überwältigend ist, dass es alles sprengt, was ich bis dato erlebt hatte! Hier erzähle ich dir meine Geschichte von Afrika Burn und warum es meine Welt verändert hat!

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Wenn ich an Afrika Burn zurück denke, dann immer mit einem Lächeln im Gesicht. Denn diese Gedanken nehmen mich mit zurück in eine Zeit voller Verrücktheiten, voller Sonnenschein im Herzen und gelebter Glückseligkeit.

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Sie tragen mich zurück zu lebensfrohen Menschen, zu Miteinander, zu Geben und Nehmen. Aber auch zu erstaunlichen Kostümen, zu Maskierungen, abgefahrenen Fahrzeugen und opulenten Gestalten. In meinem Geiste erwachen die Bilder und Momente aus Kunst, Performance und Musik. Mit brennenden Dinosauriern in dunkelster Nacht und tiefer Ehrfurcht vor dem Augenblick.

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Einem Augenblick den ich gerne für den Rest meines Lebens gehalten hätte, weil er so viel mehr von dem hatte, nach dem wir uns alle sehnen. Nach einem friedlichen Ort, der ohne Geld auskommt und wo es einem trotzdem an nichts fehlt.

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An dem es nur Freude und schöne Momente gibt und die Leichtigkeit den Tag bestimmt. An dem wir in erster Linie Mensch sind, uns verwirklichen und ausleben können. Hier ist es egal, welchen Status du hast, ob deine Haare gemacht sind oder du gerade im Schlafanzug durch die Halbwüste läufst. Man akzeptiert dich, genau so wie du bist.

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Das alles und noch viel mehr verbinde ich mit Afrika Burn, aber lass mich dich mit zurück ins Jahr 2013 nehmen und dir die ganze Story erzählen.

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Zu der Zeit habe ich schon fast 1,5 Jahre in Kapstadt gelebt und meine Freundin July hatte mir von einem Festival erzählt, was ich lieben würde. Irgendwie sollte es um Kunst, Kostüme, Musik und Performance gehen. Ganz bunt und voller unglaublicher Motive. Einen Klick bei Google Bilder und ich war Feuer & Flamme und meldete mich als Fotografin für Afrika Burn an. So richtig wußte ich damals gar nicht, worum es gehen sollte, aber ich liebte die Motive und wollte unbedingt dabei sein.

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Als es Anfang Mai dann endlich soweit war und ich mich intensiver mit der Vorbereitung beschäftigte, verging mir erst mal gründlich die Lust. Wie, da gibt es nur Toiletten und sonst rein gar nichts? Mir war ja klar, dass ich campen müsste, nicht aber, dass es keine Duschen oder Verpflegungsstände gibt. Das man alles, was man dort braucht, auch selbst mitnehmen muss. Jeder der mich kennt weiß, dass ich nicht mal ungeduscht die Post rein hole. Wie sollte ich da 6 Tage ohne Schauer in der Halbwüste aushalten?

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Der Unmut packte mich und ich war kurz davor mir dieses Event zu schenken. Nur dem Umstand, dass das South African Largest Telescope (SALT) in der Nähe ist, habe ich es wohl zu verdanken, dass ich doch noch gefahren bin. Sternegucken vom größten Teleskop im südlichen Afrika passte wunderbar zu mir und es ergänzte hervorragend meinen Festival-Trip. 

Ich lieh mir also den kompletten Campingkram bei meinen Freunden aus, mietete mir ein Auto und versuchte den ganzen Krempel in den Kleinwagen zu packen.

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Unzählige Wasserkanister, einen extra Benzinvorrat, dutzende Fertiggerichte, sowie Sommer und Winterkleidung sollten mich begleiten. In der kleinen Karoo, in der das Festival stattfindet, sind die Temperaturunterschiede nämlich extrem. Das Gebiet ist eine Halbwüste und somit ist es tagsüber brennend heiß und nachts kratzt die Skala an der Nullgradgrenze.

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Ich schaute mir grob die Route auf Google Maps an und besuchte zuerst mal in Ruhe SALT in Sutherland. Einer Kleinstadt etwa 4 Stunden in nordöstlicher Richtung von Kapstadt entfernt. Dann sollte mich mein Weg quer durch den Nationalpark zu Afrika Burn führen. So mein kleiner, naiver Plan. Denn allein die Anreise gestaltete sich zum Wagnis. Stell dir vor, lütte blonde Frau mit Kleinwagen, ohne Handyempfang und ohne jede Idee wie man einen platten Reifen wechselt, düst alleine durch das wilde Südafrika. Der Alptraum jeder besorgten Mutter!

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Unbestritten eine völlig bescheuerte Idee, solo und ohne jede Navigation quer durch den Tankwa Karoo Nationalpark zu fahren. Denn erst unterwegs habe ich festgestellt, dass die Routenführung hier nicht funktioniert, die Straßen einem Einiges abverlangen und ich bei einer Panne hoffnungslos aufgeschmissen wäre. So irrte ich über viele Stunden völlig orientierungslos durch die Gegend. Sah mich mit Schotterpisten die im Nichts endeten konfrontiert, kam ins Schlingern auf staubigem Untergrund, wich Wildtieren aus und vermied es nun knapp, dass mein Auto wegen Überhitzung liegenblieb.

Nur den Staubwolken am Ende des Horizonts habe ich es letztlich zu verdanken, dass ich den Weg zu Afrika Burn noch gefunden habe. Sie markierten, dass sich dort etwas abspielte und in dieser gottverlassenen Gegend konnten das nur andere Festivaljünger sein. Ich sollte Recht behalten. 
Im Abstand von 300 m und mit enormer Staubwolke zog die Karawane ihren Weg in Richtung Gate und ich gliederte mich ein.

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Durchgeschwitzt, staubig und völlig genervt von der fast schon verzweifelten Suche in der Wüste ein Staubkorn aka „Afrika Burn“ zu finden kam ich letztlich doch an. Aus den angepeilten zwei Stunden Anfahrt sind 8 Stunden geworden und zu aller Anstrengung hatte ich mir einen Platten gefahren und war kurz davor heulend einzuknicken. Aber es wäre nicht Südafrika, wenn sich nicht sofort Helfer angeboten hätten, die mir den Reifen wechselten.

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Die Situation war gerettet und ich nun endlich da. Eigentlich wollte ich nur noch ein paar Bekannte finden, mein Zelt aufbauen und schlafen. Aber wie zur Hölle findet man eine handvoll Leute in einer Masse von 6.500 Menschen, die wirr auf einem Campingplatz herumschwirren? Ohne Handynetz wohl gemerkt! Und ganz besonders an einem Tag, an dem man eh schon ein dünnes Fell hat?

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Ich war reichlich angekratzt, aber irgendwie fand ich dann doch meine Leute, baute mein Zelt auf, richtete mich ein und bestaunte nun erst mal die anderen „Burner“. Die waren irgendwie viel besser aufgestellt als ich. Camping-Equipment wie die Pro´s, High-Tec-Grills, Solarzellen und vor allem mit mobiler Dusche.

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Rasch wurde es dunkel und unser Nachbar warf sein Heimkino an. Ich staunte nicht schlecht: Eine mittelgroße Leinwand, ein Beamer, ein Zeltdacht mit Lichterkette und stylische Sitzsäcke waren der Rahmen für seine eigene kleine Vorführung. Er präsentierte ein selbstgeschnittenes Video von Afrika Burn aus dem letzten Jahr und dazu einen Sound, der sich für immer in mein Gedächtnis einbrennen sollte!

One Day / Reckoning Song (Wankelmut remix) von Asaf Avidan & The Mojos mit diesen Lyrics:

One day baby, we’ll be old
Oh baby, we’ll be old
And think of all the stories that we could have told

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Ab diesem Moment hatte mich Afrika Burn. Ab da war aller Frust der Anreise vergessen, war es egal, dass ich im Zelt nächtigte und wohl für 4 Tage ohne Dusche auskommen musste. Ich hatte Feuer gefangen und das brannte nur danach angeheizt zu werden. Ich wollte in diesem Jahr auch Teil dieser einzigartigen Community zu werden.

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Und erst jetzt in diesem Moment verstand ich, worum es bei Afrika Burn geht!

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Wer hierher kommt mit ein paar Dosenbier und coolen Sprüchen um fett Party zu machen, ist definitiv fehl am Platz und wird die Nase schnell im Dreck haben. Und auch die typischen Selfiejünger sind hier verpönt. Für viele Teilnehmer sind die Tage bei Afrika Burn eine lebensverändernde Erfahrung und eben keine Feier, die man mit Kater und ein paar Absturzbildern wieder verläßt.

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Afrika Burn ist ein Community-Projekt. Eine Art riesige Hippiegemeinde und alles was hier passiert, geschieht einzig durch die Menschen die teilnehmen.

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Es gibt einfach nicht das, was wir von anderen Festivals kennen. Keine gesponsorte Bühne, kein überteuerter Star, kein Moderator, keine Freß-Stände und keine Abzocker-Getränkebude – nichts dergleichen! Und genau das hebt Afrika Burn von allen anderen Festivals ab.

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Du bist Afrika Burn und gestaltest alles was hier stattfindet!

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Man selbst ist der Kino-Besitzer, hat die Turntables unter sich, jongliert mit Feuer, singt, tanzt oder gestaltet Kunst. Alles ist ein Geben und Nehmen.

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Der DJ dessen Set mich letzte Nacht hat durchtanzen lassen, sitzt nachher bei mir und läßt sich in meiner Wellness-Oase seine Verspannungen wegmassieren.

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Ich bin Zauberfee und entertaine die Kinder, deren Mütter mir später die Cocktails in ihrer Bar mixen.

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Grad noch durfte ich in einem abgespaceten Moped mitfahren und im Gegenzug kann der Schrauber jetzt meine selbstgestalteten Grußkarten, in meinem Postamt versenden.

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Der Künstler dessen Artwork ich mit großen, staunenden Augen bewundert habe, schaut sich unterdessen mein Geschick beim Jonglieren an.

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Jeder gibt von dem, was er am Besten kann oder tut das, was ihm am Meisten liegt. Jeder nimmt und gibt wonach ihm ist.

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Und nur hier ist es möglich zu sein, wer man sein will.

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Jeder kann in die Rolle schlüpfen, die er sich im realen Leben nie zutrauen würde.

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Ein Fabelwesen zum Beispiel:

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Der Lichtperformer:

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Der wilde Pirat, der die Königin geraubt hat:

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Oder die bezaubernde Tänzerin, zu der jeder aufschaut:

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Der Prediger, der mal ganz anders seine Botschaft verbreitet:

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Alles ist möglich bei Afrika Burn. Der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt! Weder in der Eigendarstellung noch im künstlerischen Bereich.

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Und genau um diese Kunst geht es nach Einbruch der Dunkelheit, wenn Afrika Burn seinem Namen gerecht wird. Ein nächtliches Schauspiel in dessen Fortlauf die Kunst zum flammenden Opfer wird und unter dem Beifall Tausender zu Asche zerfällt.

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Doch zurück zu dieser ersten Nacht! Noch immer war ich völlig überflutet, von all den Eindrücken der ersten Stunden. Ich war komplett geplättet von der Kreativität, welche die Leute hier an den Tag legten! Und das in einem Land wie Südafrika, wo viele täglich ums Überleben kämpfen.
Auch kaum zu glauben ist es, das alles was man hier findet extra in diese Halbwüste geschleppt und mühsam aufgebaut wurde und in wenigen Tagen wieder komplett verschwunden sein wird.

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Was ich in dieser Nacht erleben sollte, sprengte alles, was ich je erlebt hatte! Die Figuren fingen an zu leuchten, die Trucks blinkten bunt und selbst die Menschen waren mit Lichterketten behängt.

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Und dann stell dir vor, dass 6.500 Menschen in einem riesigen Halbkreis sitzen, es ist eiskalte Nacht, der Himmel ist voller Sterne und durch die karge Landschaft grollt ein dumpfer Sound.

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Inmitten dieses Zirkels aus Menschen kreisen schrille Fahrzeuge, jonglieren Leute mit Feuer und eine eiförmige Figur wird in Brand gesetzt. Eigentlich eine ganz simple Konstruktion, doch das sollte nicht so bleiben…

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Die Figur fing an sich zu bewegen, machte Geräusche und entfaltete sich. Sichtbar wurde die brennende Silhouette eines Dinosauriers. Der sich dann unter dem tosenden Beifall der Masse in unserem Zirkel bewegte! Vor mir lief ein brennender Dinosaurier durch die Wüste! Eine völlig irre Szenerie! Klick dich ins Video und du wirst wissen, was ich meine!

Ich saß sprachlos und völlig überwältigt da. Nie im Leben hätte ich sowas erwartet. Niemand hatte mich darauf vorbereitet, was hier nachts passiert! Nie zuvor hatte ich etwas Vergleichbares gesehen oder mir auch nur erträumen können!

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Und diese Nacht blieb so verrückt! Mit abgespacten Fahrzeugen, Feuershows, dröhnendem Sound und Eindrücken die sich in keinem Bild wiedergeben lassen.

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Die Reizüberflutung wollte und wollte kein Ende nehmen! Und genauso bleib es auch am nächsten Tag!

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Ich bewunderte die Skulpturen, bestaunte die Menschen und ließ mich auf diese verrückte Welt ein!

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In der Nacht von Samstag auf Sonntag ging dann bei mir gar nichts mehr. Ich war platt von all den Erlebnissen und früh im Bett. Als ich am nächsten Morgen gegen 4 Uhr wach wurde, lauschte ich dem Sound der zu mir ins Zelt drang. Da waren die Klänge aus den Anfangszeiten meiner Technophase! Irgendwann hielt ich es nicht mehr aus und schlürfte im Schlabberlook durch die dunkle Nacht in Richtung der Musik.

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Ich muss nicht betonen, dass ich aussah wie ein Assi. Schlafshirt, Jogginghose, Socken in den Ballerinas, die Haare seit Tagen nicht gewaschen und dazu eine Fleecejacke, die mich vor der Kälte schützen sollte. Als ich da ankam, wo der Sound herkam, fand ich einen DJ-Pult und ein paar Hardliner die immer noch am Tanzen waren. Ich gesellte mich dazu.

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Keine Frage, ich begann auch zu tanzen. Niemanden in der Runde stört es, wie ich aussah. Keiner beäugte mich auch nur für einen Moment irgendwie komisch. Ich machte mich locker, vergaß die Umstände und gab mich einfach nur der Musik hin.

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Und ich traf einen lieben Kollegen. Wir tanzten gemeinsam, nippten ein wenig am Sekt und irgend Jemand in der Runde verteile Trockenfrüchte. Wir gaben uns dem Sound hin, lachten, tanzten und vergaßen die Zeit. Die Sonne ging auf und wir drehten uns immer noch, zu der Musik der frühen Neunziger. Gegen 10 Uhr beschloss ich dann, die Heimreise ins Zelt anzutreten.

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Und irgendwie war ich dann besonders lustig drauf. Betrunken war ich aber definitiv nicht, dafür reichten die paar Schluck nicht aus. Trotzdem war ich extrem angeheitert, lief kichernd, grinsend und leicht orientierungslos durch die Halbwüste. Die Sonne brannte inzwischen erbarmungslos und ich war zudem sterbensmüde. Mit fast letzter Kraft fiel ich meinem Kumpel in die Arme und bat ihn mich im Zelt abzulegen.

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Mir war jetzt auch noch schlecht dazu. Hundeelend um ganz genau zu sein. Der Rest des Tages war die Hölle. Ich übergab mich am laufenden Band, mir tat jedes Körperteil weh, ich war unfähig aufzustehen und die Sonne knallte zudem unbarmherzig auf mein Zelt. Meine Augen waren aufgequollen und jede Ader stand hervor. Als ich an mir runter sah, hatte sich meine Haut knallrot eingefärbt, als wäre ich mit kochend heißem Wasser übergossen worden. Ich dachte ich könnte mich nie wieder nackt zeigen. Ich war entsetzt und verstand nicht, was mit mir passiert war!

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Bis mich ein Mädel in der Gruppe darüber aufklärte, dass Trockenfrüchte auf Technoparties auch schon mal mit Drogen gespritzt sind und ich diese wohl nicht vertragen habe. Das erklärte dann auch meinen wundersam, glücklichen Rückmarsch von der Party.

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Ich hatte bis dato keine Drogenerfahrung und wußte auch nicht, dass man von solchen Früchten besser die Finger läßt. Immerhin werde ich jetzt auch nie in die Versuchung kommen, freiwillig so ein Zeug zu konsumieren. Jede Erfahrung und sei sie noch so schlecht, ist für irgend etwas gut. Ich hatte meine Lektion gelernt. Und so unrühmlich das war, so sehr gehört es trotzdem zu meiner Erinnerung an Afrika Burn. Gemindert hat es dieses Erlebnis trotzdem nicht.

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Die letzten Stunden des Festivals konnte ich dann wieder genießen. Die Sonne gab noch mal alles, die Stimmung war ausgelassen und noch immer entdecke ich neue Skurilitäten.

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Und auch von den einzigartigen WC-Häuschen habe ich noch nicht erzählt. Sie sind das Einzige, was hier für die Besucher geschaffen wird. Und auch vor ihnen hatte ich mich im Vorlauf ziemlich gegruselt. Aber letztlich stellten sie sich als Highlight heraus. Denn die der Masse abgewendete Seite war offen. Man sitz mit dem Gesicht in die Wildnis. Eine schönere Aussicht hatte ich noch nie bei einer solchen Örtlichkeit. Man schaut in die Weite der Lanschaft und kann sogar Tiere beobachten!

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Alles in Allem war auch die Campingerfahrung für mich keine schlechte. Denn wenn man sich mit dem Nachbarn gut stellt, dann kann man sogar dessen Campingdusche mitbenutzen. Und weil ich ja ein lieber Mensch bin, kam ich in den Genuss! Also waren meine Bedenken vor dem Festival völlig unbegründet. Beim nächsten Mal würde ich einfach meine eigene mobile Dusche mitbringen.

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Nach all diesen Erlebnissen hieß es am Montagmorgen dann Abschied nehmen. Und immerhin meine Rückfahrt gestaltete sich zum Spaziergang. Ich schloss mich ein paar Leuten an, fuhr sicher im Konvoi und hörte über Stunden diesen einen Song, den ich so sehr mit Afrika Burn verbinde. Du erinnerst dich?

One day baby, we’ll be old…

Wie passend auch die Lyrics: „Eines Tages werden wir alt sein und davon erzählen„. Heute habe ich dir meine Geschichte erzählt, mit all den Momenten die mich geprägt haben. Weil ich gelernt habe, dass Menschen durchaus friedlich miteinander leben können. Das es eine Welt ohne Mißgunst, Eifersucht und Neid geben kann. Dass ein System sehr wohl auch ohne Geld auskommen kann und das Gemeinschaften in denen geteilt wird, funktionieren. Eine wunderbare Erfahrung und ich werde nicht müde, diesen Spirit auch in mein Leben zu übertragen! Denn eines Tages, Baby….
#infoHast du den Artikel mit allen Infos zum Ticketkauf, der Anreise und meinen praktischen Tipps schon gelesen? Falls nein, dann folge dem LINK. Wenn du dich für alle meine Fotos interessierst, dann schaue gerne auf meiner Flickr Seite vorbei und lass dich mitnehmen in eine verrückte Welt! Sollte dir mein Artikel gefallen haben, dann teile ihn gerne mit deinen Freunden oder lass mir noch einen Kommentar hier! Vielen lieben Dank.

In diesem Sinne: #get up & get burned!

 

29+1 Grund verliebt in Südafrika zu sein, weil…

1.) … es das Land der absoluten Freiheit ist.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 13.56.462.) … ich das Bunte darin mag.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 10.05.013.) … es die atemberaubendsten Strände hat.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 12.03.174.) … die Weite einen so fesselt und in den Bann zieht.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 14.36.375.) … die Menschen einen Sinn für Kreatives haben.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 12.08.096.)… es ein riesen Abenteuerspielplatz ist.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 14.13.457.) … Lebensfreude hier spürbar wird.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 12.07.538.) … es die besten Weine der Welt gibt.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 14.22.329.) … die Landschaft so faszinierend …Bildschirmfoto 2015-08-13 um 17.25.36… und abwechslungsreich ist. Bildschirmfoto 2015-08-13 um 17.16.4710.) … es für Sportliebhaber eine reine Spielwiese ist.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 12.18.4611.) … Regeln & Gesetze einfach mal Auslegungssache sind.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 13.10.4712.) … weil man mit Walen, Haien & Pinguinen schwimmen gehen kann…
Bildschirmfoto 2015-08-13 um 15.25.50…und die Big5 zum Landschaftsbild gehören.
Bildschirmfoto 2015-08-13 um 12.27.4713.) … die Menschen immer zu lächeln scheinen und das herrlich ansteckend ist.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 17.20.0914.) … der Himmel voller Sterne hängt und der Milky Way greifbar ist.
Bildschirmfoto 2015-08-13 um 11.33.5515.) … es die schönste Stadt der Welt beherbergt.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 12.24.0816.) … weil das Leben hier abwechslungsreich & aufregend ist.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 13.24.4417.) … das warme Licht einen einfach umhaut.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 12.32.4118.) … die abgefahrendsten Festivals hier stattfinden.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 14.42.2019.)… das Essen so verdammt lecker ist & selbst jede Kleinigkeit ansehnlich serviert wird.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 13.00.4120.) … der Tafelberg mehr als ein Weltwunder ist.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 16.51.5121.)… Freundschaft & Hilfsbereitschaft noch groß geschrieben werden.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 16.58.4322.) … es eine große Geschichte in der Menschheit hat.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 11.41.1523.) … weils so schön staubt beim Autofahren.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 11.41.5224.)… man es in jeder Lage versteht, sich das Leben so angenehm wie möglich zu machen.
Bildschirmfoto 2015-08-13 um 13.38.2725.) …es die spektakulärste Küstenstraße der Welt gib.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 15.16.0226.)… weil Lifestyle hier ein Lebensmotto ist und kein Kleidungsstil.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 15.20.3427.)… weil die besten Plätze des Landes trotzdem vor einem Kamin sind. (Das versteht nur, wer den südafrikanischen Winter überstanden hat)
Bildschirmfoto 2015-08-13 um 15.32.1228.)… weil es immer einen Grund zum Braaien gibt. (Africaans für Grillen, Barbecue oder Bruzeln;)Bildschirmfoto 2015-08-13 um 15.33.1829.)… weil sogar Kirche Spaß macht und gelebt wird.Bildschirmfoto 2015-08-13 um 15.43.58und finally… weil ich mich hier zu Hause fühle, wie in keinem anderen Land dieser Welt!
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PS: Das Bildmaterial ist aus meinem Archiv & über die Jahre gewachsen. Meine Liebe zu Südafrika erwachte als ich 2010 eine Traumreise ans Kap gewonnen hatte. 1 Jahr später habe ich meinen Job gekündigt, meine Wohnung aufgelöst, alles verkauft und bin mit einem Koffer und Rennrad nach Kapstadt umgezogen. 1.5 Jahre habe ich in der wohl schönsten Stadt der Welt gelebt und gearbeitet. Südafrika ist mir ans Herz gewachsen, wie kein anderes Land und ich bin über alles dankbar für diese Erfahrung. Meine Liebe zu den Menschen, der Natur und der südafrikanischen Kultur möchte ich euch in meinem Blog näher bringen. Wer Fragen zu Reisen, Aktivitäten oder Sicherheit hat, darf immer gerne mit mir Kontakt aufnehmen. Ich habe noch viele liebe Freunde am Kap und reise regelmäßig in meine alte Heimat.