Beiträge

Zebras, Sprinboecke, Elands und man selbst mittendrin!

Bildschirmfoto 2015-08-03 um 15.03.32Getrieben von Neugier saß ich auf dem Rad in Richtung Melkbosstrand. Mein Kumpel hatte mir einen Tipp gegeben, dass es hier direkt in Kapstadt, Zebras, Springböcke und anderes Großwild zu beobachten gibt. Ich hatte mich also auf den Weg zur Koeberg Power Station und dem angeschlossenem Naturreservat gemacht, in der Hoffnung all die Tiere zu sehen, wegen denen ich nach Afrika gekommen war.
Bildschirmfoto 2015-08-03 um 14.59.44Von Blouberg aus, ging es am Meer entlang bis zum Koeberg Power Station. Nachdem ich die Sicherheitskontrolle passiert hatte (sehr spannend bei einem Atomkraftwerk!) war ich doch reichlich gespannt, was ich erleben werde. Ich bin also erstmal drauf los geradelt, um dann direkt an einem großen Feld stehen zu bleiben. Grasende Springböcke, herumtobende Zebras und eine große Herde Elands. Die ich auf Grund fehlender Kenntnis zunächst für Kudus hielt.Bildschirmfoto 2015-08-03 um 14.58.59Ich parke also mein Rad, schnapp mir meine Kamera und pirsche mich an.

Allerdings habe ich auch da noch keine Erfahrungswerte und werde direkt erspäht und mißtrauisch beobachtet. Ich lasse meinen Rücksack liegen und laufe vorsichtig weiter. Die Elands werden nervös. Bauen sich in 5er Reihe auf. Hörner in Angriffsposition. In mir entwickelt sich der Gedanke lieber etwas mehr Abstand zu halten – die Tiere haben eine beeindruckende Größe und Stärke.

Bildschirmfoto 2015-08-03 um 14.59.21In sicherem Abstand, aber trotzdem noch mit idealer Fotodistanz lasse ich mich im Gras nieder. Mein Fotografenherz hat nämlich Feuer gefangen und will unbedingt ein paar tolle Schnappschüsse. Weiterhin unter den kontrollierenden Augen aller versammelter Herden, versinke ich hinter der Kamera. Ich bin mir nicht sicher, obs am schwarz/weißen Helm lag oder ob Zebras einfach nur neugierig sind, aber die ganze Herde nähert sich mir. Bildschirmfoto 2015-08-03 um 14.58.36Mißtrauisch werde ich umkreist und beeugt. Bis auf 3m kommen die Tiere an mich heran. Ich bin so nervös und aufgeregt, dass ich es kaum schaffe den Fotoapperat zu halten. Einfach mal den Moment genießen. Auge in Auge mit einem Zebra. Ich könnte ausflippen vor Glück! Jetzt werden auch die Elands neugierig. Die gesamte Herde von ungefähr 30 Weibchen und einem Bullen setzt sich in Bewegung und zwar auf mich zu! Mir fällt wieder das youtube-Video „Kudu vs. Mountainbiker“ ein, worin der Radfahrer nieder gerannt wird.

Bildschirmfoto 2015-08-03 um 15.00.06 Ich überlege wegzulaufen. Traue mich aber nicht und sitze da wie versteinert. Weglaufen, heißt es immer in Naturdokus, ist ein Zeichen von Schwäche und man wird wohl erst Recht attaktiert. In der Gruppe bewegt sich auch der Bulle auf mich zu. Ein riesiger Bulle und man spürt seine Dominanz. Bis auf 15m kommen die Tiere an mich heran. Mein Herz flattert. Bildschirmfoto 2015-08-03 um 15.00.21Aber die Haltung der Elands entspannt sich zusehends und auch die Zebras trollen sich lustig vor meiner Nase rum. Auch ich entkrampfe langsam wieder und mache mutig ein paar Bilder. Völlig überwältigt von diesem Erlebnis. Das wollte ich in Africa erleben. In der Mitte einer Herde sitzen und fotografieren. Das ist es, warum ich nach Kapstadt gegangen bin. Das ist so unglaublich schön! Bildschirmfoto 2015-08-03 um 15.00.45Mein Wildnis-Erlebnis wird jäh unterbrochen, als ein Parkwächter sich mit seinem Wagen nähert und mich zurück pfeift. Er bittet mich höflich etwas mehr Abstand zu halten, da Elands „very, very dangerous“ sind. Das sie sich mir genähert haben, erwähne ich in diesem Gespräch lieger nicht. Ich laufe zu meinem Rücksack zurück, der gerade von einem Zebra beäugt wird. Ich frag mich, ob es wie bei Baboons vorkommt, dass die Tiere sich den schnappen und abhauen. Hab da schon die erstaunlichsten Geschichten gehört. Kurz davor, meinen Rücksack anzuknabbern, weicht das Zebra dann doch zurück, ich schnapp mir meine Sachen und trotte zum Rad zurück.

Bildschirmfoto 2015-08-03 um 15.01.29Was für ein tolles Erlebnis. Ich bin überwältigt! Und wenn ihr in Südafrika keine Zeit für eine Safari habt, aber auf Wildtiere nicht verzichten möchtet, dann ist das euer Place to be! Denn hier hat man die Chance, Zebras, Springböcken und Co. ganz nah zu sein.

Bildschirmfoto 2015-08-03 um 14.59.33Das Nature Reserve des Koeberg Nuclear Power Station ist ungefähr 30 km von Kapstadts Innenstadt entfernt. Es befindet sich an der Westküste noch hinter Melkbosstrand. Das Gelände ist etwa 3.000 ha groß und für die Öffentlichkeit zugänglich. Allerdings muss man sich ausweisen können. Fahrräder sind erlaubt. Man kann wunderbar Mountain Biken, Wandern (Dikkop Trail) oder die Tiere beobachten. Es gibt Spingböcke, Zebras, Elands, Strauße und hunderte Vögel. Achtsam sollte man sein und festes Schuhwerk tragen, da es auch Schlangen wie die Cape Cobra gibt. Weitere Infos im Link.

Bildschirmfoto 2015-08-03 um 15.01.06

 

Südafrika Ι Cederberge – Oase der Ruhe und Schönheit

IMG_8549_retSo romantisch Meeresrauschen auch beschrieben wird, ich kann dem dumpfen Grollen nichts abgewinnen. Und manchmal sehnt es mich einfach nach absoluter Stille. Ich hab mir also ein Auto gemietet, habe die Kamera und das Mountainbike dabei und bin auf dem Weg in die Cederberge – zu meiner kleinen Ruhe-Oase. Mein Urlaubsziel ist eigentlich nur 2h Fahrt von Kapstadt entfernt, aber was heißt das schon für eine Hobbyfotografin, die an jeder Milchkanne stehen bleibt?

Bildschirmfoto 2015-08-03 um 12.52.09Südafrika – für mich- ist ein so spannendes, inspirierendes und kontrastreiches Land, das ich es schaffe, meine Anreise auf 6h auszudehnen. Wunderschöne Passstraßen, die sich die Berge hinauf schlängeln und auf ihrem Gipfel den Blick auf malerische Täler freigeben. Kleine Seen, die bezaubernd eingebettet sind in grüne Wiesen mit darauf weidenden Pferden.IMG_8187_retIch genieße jede Minute und erreiche die Cederberge erst zur Dämmerung. Noch immer flimmert der Dunst der Tageshitze über den staubigen Straßen, lässt die Sonne den Sand und die Felsen in rotem Licht erglühen. Ich beschließe, etwas Gas zu geben, um mein Domizil noch im Hellen zu erreichen. Keine gute Idee, wie sich schnell heraus stellt. Mit guten 80 km/h fährt das Auto auf dem Kiesweg wie im Winter über Schnee und Eis, ich kann nur schwer die Spur halten und drifte aus der Kurve. Fliehkräfte intelligent eingesetzt, können allerdings auch verdammt viel Spaß machen, also schalte ich einen Gang runter und genieße fortan mit Bedacht.IMG_8140Mit den letzten Lichtstrahlen erreiche ich mein Backpacker, wo ich von Gerrit dem Besitzer schon erwartet werde. Und das „Oasis“ ist hier nicht nur ein gut klingender Name – es ist eine wahre Oase. Eine Oase der Stille, Einsamkeit und Ruhe. Noch beim Aussteigen schließe ich die Augen und atme tief, so als könne ich mit einem Atemzug ein neues Lebensgefühl in mich aufsaugen. Bildschirmfoto 2015-08-03 um 11.49.54

Später am Abend sitze ich mit Gerrit am knisternden Kaminfeuer, wir philosophieren über die Welt, was ihn hier leben lässt und mich hergeführt hat. Er beginnt mir eine Karte zu malen. Eine Besonderheit des Hauses. Jede Kurve, jede Felsformation und jeder markante Wegweiser im Umkreis finden darin Platz und sollen mir Orientierung geben. Und zu allem, gibt es noch eine Geschichte, eine Anekdote oder einen liebgemeinten Hinweis. Ich kann es kaum abwarten, zu starten. 

IMG_8651_retVor lauter Vorfreude finde ich keine Ruhe und streife noch durch den nächtlichen Garten, der nur durch das Licht des Mondes erhellt wird. Ich wandle entlang der duftenden Zitronenbäumchen, finde einen gemütlichen Platz im Gras, lasse mich nieder und bestaune diesen gewaltigen Sternenhimmel. Und dann nehme ich sie ganz bewusst wahr – diese einmalige Stille. Die allerhöchstens von einzelnen Tierlauten unterbrochen wird. Es ist wunderbar meditativ.IMG_8174_retAm nächsten Morgen dann, starte ich mit dem Rad, immer der Karte folgend die Sandstraßen hinauf und wieder hinab. Ich raste am Bächlein, hab die Füße im Wasser, esse mein Sandwich in der Sonne und genieße einfach die vollkommende Abgeschiedenheit. Ein Hochgenuss – kein Meeresrauschen, kein Autolärm, kein Handyklingeln, kein Internet, kein Facebook und absolut keine Erreichbarkeit. Ich merke, wie all das mir gut tut, ich zu meiner Gelassenheit zurück kehre und die Natur mich inspiriert.

IMG_8450_retImmer wieder greife ich zur Kamera und halte fest, was mich hier so fasziniert. Ein rostiger Traktor als Zeuge der Zeit, Bäume im malerisch bunten Gewandt des Herbstes und majestätisch anmutende Felsformationen. Ich radel, klettere herum und entdecke jede noch so kleine Sehenswürdigkeit von meiner Skizze. Ich fühle mich wie ein Abenteurer mit einer Schatzkarte bei der Suche nach dem Gold der Piraten. Doch was man hier in den Cederbergen findet, ist ohnehin mit Geld nicht aufzuwiegen. Denn diese Gegend gibt einem die Chance, wieder zu sich zu finden und all das Schöne, was unsere Welt uns bietet, wieder auch wahr zu nehmen.

Bildschirmfoto 2015-08-03 um 11.50.10Mit einem inneren Lächeln kehre ich also aus den Cederbergen zurück.

Ich habe all die spektakulären Felsformationen meiner Karte gefunden, bin auf Felsen rumgeklettert, habe die sagenumwogenen Zeichnungen der San (Ureinwohner) entdeckt und erinnere mich mit Freude an die Momente beim Mountainbiken zurück – als das Adrenalin auf den Abfahrten, in meine Venen schoss und der Fahrtwind mir die Glückstränen aus den Augen jagte.IMG_8230_ret

So simpel staubige Wege und ein „paar“ Felsen auf manche Menschen auch wirken mögen, die wahre Magie dahinter entdeckt nur, wer mit offenen Augen durchs Leben geht.

Bildschirmfoto 2015-07-31 um 14.52.51