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Mieterschutz & Schadensersatz – Zwei Fremdwörter in Brasilien

Wie waren wir glücklich nach Monaten im beengten Hotelzimmer endlich eine eigene Wohnung in Brasilien gefunden zu haben, doch dann kam der erste Regen. Und Regen das heißt heißt hier im auslaufenden Amazonas-Gebiet nun mal nicht ein Schauer und gut. Weit gefehlt! Wenn es hier regnet, dann ist das in etwa so, als würde man mit einem Gartenschlauch geduscht werden. In dem Fall mit Folgen für unsere Wohnung….Wohnung WohnzimmerInnerhalb von nur wenigen Minuten steht die Straße unter Wasser und es haben sich regelrecht Flüsse und Bäche auf der Fahrbahn gebildet. An Kanalisation zum Abfluss hat ja hier auch niemand gedacht.image-2015-11-30(8)Aber nicht nur da staut sich das Wasser, leider auch auf unserem Balkon. Der kleine Abfluss kommt gar nicht nach die Wassermassen auszuleiten. Noch dazu ist unsere Frontverglasung eigentlich nicht für den Außenbereich gedacht. So sitze ich also nichts ahnend vor meinem Rechner an der Arbeit, als nach Wochen und Monaten der Trockenheit der erste Regen einsetzt.image-2015-11-30(7)Ich muß sagen, ich freue mich über den Regen. Hier ist alles ausgedörrt und staubig. Die Natur ächzt nur so nach dem Leben spendenden Nass. Weniger lustig finde ich es dann allerdings als ich merke, dass der Wind dreht und den Regen gegen die Balkonfront drückt. Das der Abfluss das Wasser nicht aufnimmt und das Wasser ungebremst in die Wohnzimmer fließt. In meiner Verzweiflung versuche ich noch es mit Erdsäcken zu stoppen. Aber weder von Außen noch von innen haben sie eine Wirkung. Das Wasser findet einen Weg.image-2015-11-30(3)Innerhalb von nur wenigen Minuten steht das halbe Wohnzimmer unter Wasser und ich kämpfe verzweifelt mit den Wassermassen. 6 volle Eimer Wasser schaffe ich aus der Wohnung bis der Regen nachlässt und ich wieder Herrin der Lage bin. Na prima, denke ich mir. Wie soll das denn werden, wenn hier mal so richtig die Regenzeit einsetzt? Wie kann man denn so eine Außentür einbauen? Da hat wieder Jemand mitgedacht. Typisch Brasilien. Selbst durch die Ritzen zwischen Fenster und Tür hat es eingeregnet. Es mag ja hier das ganze Jahr warm sein, aber 3 Monate regnet es eben auch massiv. image-2015-11-30(4)Daniel ist begeistert als ich ihm am Abend berichte was hier über Tag so los war. Wir setzten uns mit dem Vermieter in Verbindung, aber auch hier nur ein Abwinken. Wie schon damals als es um die Sauberkeit der Wohnung ging. Er denkt also nicht daran die Tür auszutauschen oder irgendwie abzudichten. Großartig! Ich bin stinksauer. In Deutschland könnte man die Miete reduzieren. So was läuft hier aber nicht. Genauso wenig zahlt Jemand Schadensersatz wenn die Möbel vom Wasser aufquellen. Wir machen uns Sorgen, denn unser 3 wöchiger Urlaub steht an und wenn dann die Wohnung unter Wasser steht, dann kümmert sich niemand drum. Daniel widmet also seinen einzig freien Sonntag dem Abdichten der Türen und Fenster. Mit mulmigem Gefühl verreisen wir.image-2015-11-30(9)Bei der Rückkehr dann das böse erwachen. Die halbe Wohnung muss während unserer Abwesenheit unter Wasser gestanden haben. Der Wasserschutz hat den Regenmassen nicht standgehalten. Das komplette Wohnzimmer und die Küche standen unter Wasser, dass zeigen die Wasser und Dreckflecken. Bloß gut, haben wir die Elektrik noch extra vor Feuchtigkeit geschützt. Der Küchentisch schimmelt, die Füße der Stühle sind mit Wasser voll gesogen und aufgequollen. Sprich, die Essmöbel sind ruiniert. Und wieder der Gedanke, dass es dem Vermieter wurst ist. Ich bin stinksauer. An diesen Dingen merkt man dann mal wieder wie gut der Mieterschutz in Deutschland ist.image-2015-11-30(1)Es ist noch nicht mal richtig Regenzeit! Wenn hier der saisonale Regen einsetzt, dann fließt das Wasser durchs ganze Haus. Klar, dann regnet es auch nicht wie jetzt nur 30 min, dann kanns auch mal 24h durchregnen. Wir beschließen uns wieder nach einer anderen Bleibe umzuschauen.Ein erneuter Umzug scheint unausweichlich. Wieder fange ich an die Gegend abzufahren und mit den Immobilienfirmen Kontakt aufzunehmen. Doch alle winken ab. Für 1 Jahr wäre es möglich noch ein schönes und vor allem trockenes Heim zu bekommen, aber für nur ein paar Restmonate die wir noch hier sind, will uns niemand vermieten. Lieber lässt man es leer stehen. image-2015-11-30(2)Der nächste Regen und wieder steht alles unter Wasser. Inzwischen verlasse ich das Haus schon gar nicht mehr ohne den Schreibtisch vom Fenster wegzuschieben und alle Steckdosen nach oben zu legen. Beim ersten Donnerschlag stehe ich mit Wischmob und Eimer am Fenster und warte auf die Flut. Kein Zustand.image-2015-11-30(6)Aber das ist noch nicht alles was unsere Wohnung im Moment nicht gerade zu einem Heim macht. Seit unserer Rückkehr ist die Wohnung neben uns vermietet. Neue Nachbarn bedeuten in Brasilien auch immer neuer Lärm. Nun auch tagsüber. Man hört jedes Gespräch, jede Fernsehübertragung und sogar die Clospülung. Viel schlimmer ist aber, dass mit den neuen Nachbarn auch ein ganz anderes Geräusch Einzug gehalten hat. Ein Dauerbrummton raubt uns nicht nur nächtelang den Schlaf, sondern auch jeglichen Nerv.

Wir müssen hier raus. Steht für uns Beide fest. Ich bin nach ein paar Nächten ohne auch nur 2 min. Schlaf, nur noch ein Nervenbündel. Unerträglich ist dieses Dauerbrummen um Haus. Wir vermuten eine defekte Lüftungsanlage. Der Weg aufs Dach ist blockiert und ratet, den Vermieter interessiert es wieder nicht. Wir organisieren den Umzug zurück ins Hotel.

image-2015-12-04Die Balkonfront zu bar­ri­ka­die­ren und damit kein Licht mehr in der Wohnung zu haben geht natürlich nicht, wenn noch jemand darin wohnt. Nach unserem Auszug hat der Vermieter die Frontseite dann allerdings sehr schnell vernagelt. Er hat wohl doch gemerkt, dass das Wasser in der Wohnung Schaden anrichtet. Bis zur nächsten Trockenzeit bleibt es wahrscheinlich unvermietet, bis der nächste Mieter auf die Wohnung hereinfällt. So kann man sich die Sarnierung natürlich auch sparen. Auch so eine landestypische Denke:/image-2015-12-03(3)Das neues Hotel ist diesmal ganz in Innenstadtnähe. Nicht mehr an der Hauptstraße und mit größeren Räumen als unsere erste Bleibe hier. Unsere Möbel, das Geschirr, alles was wir extra angeschafft haben, können wir nun nicht mit ins Hotel mitnehmen. Dafür fehlt der Platz. Alles muss wieder verkauft werden. Natürlich nicht zum Neupreis. Auch für solche Verluste kommt hier niemand auf. Einfach mal Pech gehabt.Kakerlake TürAber die neue Bleibe ist schön und entschädigt für den Ärger und Lärm der letzten Monate. Von Außen zwar kein Prachtbau, aber innen sehr gemütlich und vor allen herrscht nachts nun endlich wieder Ruhe. Wir fühlen uns wohl, auch wenn wir jetzt wieder nur einen Raum und ein Badezimmer haben. Das Hotel hat einen Pool und eine gemütliche Lobby, wenn uns doch mal die Decke auf den Kopf fällt, dann können wir wenigstens dahin ausweichen. Ach und trocken ist es auch… also relativ gesehen. Für brasilianische Verhältnisse kommt bei Starkregen jetzt nur recht wenig Wasser rein und es lässt sich mit dem Badvorleger aufhalten:)

 

Brasilien – Die neue Bleibe & ein siffiger Albtraum

Als ich hier in Brasilien angekommen bin, haben wir die ersten zwei Monate in einem Hotel gelebt und uns dort auch grundsätzlich sehr wohl gefühlt. Angenehmer europäischer Standart, ein freundlich geführtes Haus und ein gutes Frühstücksbuffet. Doch 16 qm für 2 Personen war auf Dauer keine Lösung. Eine neue Bleibe zu finden, war für uns allerdings eine ziemliche Herausforderung.Möblierte Wohnungen, das wussten wir, gibt’s hier ohnehin fast gar nicht. Dazu kam, dass wir Beide kein portugiesisch sprechen, mein Freund 6 Tage in der Woche auf der Baustelle ist und wir auch keinen Ansprechpartner vor Ort hatten. Die Immobilienagenturen deren Mailadresse ich auf Plakaten fand, reagierten ausnahmslos nicht auf meine Anfragen, obwohl ich sie ins Portugiesische übersetzt hatte.  image-2015-09-11Vor lauter Verzweiflung schrieb ich mir einen Zettel mit meinem Anliegen und fuhr das Viertel ab, um doch noch irgenwie eine Wohnung für uns zu finden. Aber die Maklerbüros waren weder besetzt noch gab es an ihrer Tür eine Öffnungszeit oder einen Briefkasten für meine Nachricht. Also keinerlei Möglichkeit mit irgendwem in Kontakt zu treten. Anrufen konnte ich ja nicht, da ich die Sprache nicht beherrsche. (Dazu mehr am Ende des Artikels)image-2015-09-11(1)Ich hatte das Thema schon fast abgeschlossen und uns im Hotel dahinfristen sehen, als uns über einen Kollegen ein Apartment angeboten wurde. Wohnung im dritten Stock in einem recht neuen Gebäude, an der Hauptstraße – nicht optimal, aber immerhin mit 80 qm ausreichend groß für Zwei. Und sogar die Möbel konnten übernommen werden. Inzwischen wusste ich auch, in welchen Zustand Wohnungen hier oft sind und war aufs Schlimmste gefasst vor der Besichtigung.image-2015-09-11(3)Doch zu meiner Überraschung fanden wir ein helles, freundliches und recht geschmackvoll eingerichtetes Apartment vor. Für Carlos den Vormieter endete das Projekt hier und er wollte sich auch von den Möbeln trennen. Für uns passte es mit der Wohnung und wir wurden uns auch schnell einig über Möbelübernahme und Einzugstermin. Einem Umzug zum 1 Juni stand also nichts mehr im Weg.WohnhausNur leider ist das mit Terminabsprachen in Brasilien auch so einen Sache. Der Termin verschob sich also bis Mitte Juni, weil Carlos sich „verkalkuliert“ hatte. Ich konnte es kaum mehr abwarten, dem beengten Hotel zu entfliehen und endlich, endlich in unsere neue Wohnung einzuziehen. image-2015-09-11(2)Umso größer war der Schock beim Betreten der neuen Bleibe. Denn Carlos hatte es anscheinend nicht mit Sauberkeit, Hygiene oder einer anständigen Übergabe. Was wir fanden kann man gut und gerne als siffige Bude bezeichnen. Ich war entsetzt in welchem Zustand die Wohnung jetzt war. Carlos hatte all seinen Dreck von stinkender Arbeitskleidung über abgelaufene Lebensmittel bis hin zu seinen Bierflaschen einfach stehen gelassen. Alles war staubig, die Abflüsse verstopft, der Müll lag rum und die ganze Wohnung stank wiederlich. Ich hätte vor Ekel brechen können und vor Verzweiflung heulen.DreckslochUnserem Vermieter war es schlicht egal, wie es aussah und wie wir damit klar kommen. Er sah sich nicht verantwortlich und auch Carlos der Vormieter meinte nur lapidar, was wir denn hätten. Alle erklärten uns, es sei normal in Brasilien, das Wohnungen in einem derartigen  Zustand übergeben werden. Das ist zwar schade, sei aber so.DreckslochDie eigens engagierte Putzfrau, die wir im Personal unseres Hotels ausfindig gemacht hatten und die uns helfen sollte, erschien natürlich nicht zum vereinbarten Termin. Ohne Absage oder Rückmeldung und das obwohl wir ihr eine mehr als fürstliche Bezahlung in Aussicht gestellt hatten. Wohl trotzdem nicht genug Anreiz, sich an einem Sonntag aus dem Bett zu bequemen. Auch sie ist ein sehr gutes Beispiel für Termintreue und Worthalten hier.image-2015-09-11(6)Die Grundreinigung der Wohnung hat dann irgendwann ein professionelles Putz-Team übernommen, für das dann weder Carlos noch der Vermieter aufgekommen ist. image-2015-09-11(5)Inzwischen ist der „Saustall“ behoben und wir haben uns das neue Heim ganz wohnlich gestaltet. In bunte Wandfarbe und Deko wollten wir allerdings nicht investieren, da wir ja nur für kurze Zeit hier leben, aber ein paar Pflanzen zur Verschönerung haben wir uns dann doch gegönnt. Und so sieht unser neues Heim jetzt aus:Wohnung KücheDas ist das Wohn- & Esszimmer mit Blick in die Küche. Rechts gehts ins Schlazimmer, in der Mitte befindet sich die Eingangstür und links geht es in die Waschküche.Wohnung WohnzimmerUnsere Couchecke mit „Ghotto-Booster“ und Sandsäcken vor der Tür, falls es mal wieder regnet. Die Verglasung ist für einen Außenbereich nämlich leider nicht geeignet. Beim letzten Regen hatten wir hier 60L Wasser in der Wohnung.Wohnung WohnzimmerUnd das ist meine Schreibtischecke. Hier verbringe ich den Großteil meines Tages mit der Arbeit am Blog oder anderen Projekten. Einen Fernseher haben wir bewußt nicht, auch wenn man per Satellit sicher internationales TV empfangen könnte. Uns ist Fernsehen einfach nicht wichtig.Wohnung WaschkücheDas ist unsere Waschküche. Sehr praktisch der Raum und durch die hohen Temperaturen ist die Wäsche auch innerhalb von 2-3h trocken. Übrigens waschen die Maschinen hier nur mit kaltem Wasser. image-2015-09-10(3)Das ist unser zweiter Raum. Wir nutzen ihn als Ankleidezimmer und zur Aufbewahrung von Koffern und Büroordnern.
Wohnung SchlafzimmerUnser ganz privater Bereich… unser Schlafzimmer. Die Pappe überm Bett schützt uns vor neugierigen Blicken aus dem Flur. Keine Ahnung was sich der Architekt dabei gedacht hat, ein Fenster dahin zu machen. Jeder im Haus hat diese „Luke“ zugegklebt oder einen Schrank davor gestellt. Wohnung BadUnd das ist unser Bad mit Dusche.

Für deutsche Verhältnisse mag es recht basic aussehen, für hier ist es nicht nur ein sehr guter Standard sondern sogar Luxus. Wir sind jedenfalls sehr froh darüber jetzt unsere eigene 4 Wände und viel mehr Platz zu haben.

#infoIn Auswanderersendungen belächelt man es ja immer, wenn Jemand ohne Sprachkenntnisse ins Ausland geht. Hier sollte noch gesagt werden, dass wir nur temporär im Land sind und wir schlicht nicht für jedes Land in dem Projekte sind, die Sprache lernen können. Mein Freund hat einen Dolmeterscher auf der Baustelle und kommt damit sehr gut klar. Ich lerne nur sehr mühsam eine neue Sprache und Portugiesisch mit dem Dialekt wie er hier gesprochen wird, macht es einem noch schwerer. Da das Lernen für mich nur frustrierend war, habe ich es irgendwann aufgegeben und behelfe mir seither mit Zettelchen schreiben. Also seht es uns nach, wenn wir immer noch kein Portugiesisch sprechen.